Samstagsvorschauer #14 – Finaltag 2015

Die Georgia Bulldogs haben sich letzte Woche von ihrem langjährigen Headcoach Mark Richt getrennt. Richt hat schnell einen neuen Arbeitgeber gefunden: The U, die University of Miami. Der Move hat mit im ersten Moment völlig verblüfft: Der good guy Richt, für den Gewinnen nicht so wichtig war wie Gewinnen mit Stil, geht zur vielleicht skandalumwittertsten Universität im College-Football. Hätte ich das Idealprofil des neuen Miami-Coaches gezeichnet, es wäre der Anti-Richt geworden.

Doch The U ist Richts Alma Mater. Richt war hier Backup-Quarterback in den 1980er Jahren. Richt geht damit von einem supertraditionellen Team mit einem stets randvollen Stadion zu den kriselnden Hurricanes, die in den letzten Jahren regelmäßig vor leeren Rängen im seelenlosen Sunlife Stadium aufgelaufen sind. Ich bin gespannt.

Richts Nachfolger bei Georgia gilt auch schon als fix: Alabamas DefCoord Kirby Smart. In den Kreisen, in denen ich verkehre, wird der Move skeptisch gesehen. Grundtenor: Georgia hat Smart geholt, damit ihn das ebenso auf Coachsuche befindliche South Carolina nicht bekommt. Die Chance, dass Smart mehr Erfolg als Richts 7 Top-10 Finishes in 15 Jahren bringt, wird als eher gering gesehen.

Die Entlassung Richts ist ein Meilenstein in der SEC. Georgia hatte bis letzten Sonntag als Institution gegolten, an der noch alte Werte des Universitätssports geschätzt werden. Mit Richts Entlassung wird die Georgia eine von vielen.


Zu den Conference-Finals von heute. Sieben Stück habe ich anzubieten, dazu einige abschließende Regular-Season Spiele in den Conferences ohne Endspiel (z.B. Big 12). Die Finalpartien:

  • American, 18h: Houston – Temple (ESPNP)
  • C-USA, 18h: Western Kentucky – Southern Miss (ESPNP)
  • SEC, 22h: Alabama – Florida
  • MWC, 1h30: Air Force – San Diego State
  • Pac-12, 1h45: Stanford – USC (ESPNP)
  • ACC, 2h: Clemson – UNC (SPORT1 US)
  • Big Ten, 2h: Michigan State – Iowa (Eversport.TV)

Schauen wir uns einige Spiele kurz an.

#1 Clemson Tigers – #10 North Carolina Tar Heels

ACC-Finale, 2h live bei SPORT1 US

Clemson wurde die letzten Wochen immer zäher, gewann seine Spiele aber jeweils relativ souverän. Der Angriff ist komplett um QB Deshaun Watson gebaut. Watson ist einer der besten QBs im Lande, kriegt aber erstaunlich wenig Presse.

UNC ist noch anonymer. Headcoach Fedora ist einer dieser option/spread Minds der letzten Jahre, und er hat sein System auch schon in Chapel Hill implementiert: QB Marquise Williams ist nicht bloß ein guter Werfer (18 TD, 8 INT), sondern mit über 700yds und 10 TD auch ein guter Läufer.

Auch ein bekannter Mann im Trainerstab von UNC: Gene Chizik, einst Headcoach bei Iowa State und der Meistercoach der Auburn Tigers 2010.

Ein Sieg von UNC gilt nicht als komplett ausgeschlossen. Über die komplette Saison gesehen war Clemson das deutlich bessere Team, aber die Formkurve in den letzten vier Wochen sieht UNC mehr oder weniger auf Augenhöhe. Zu stark hat Clemson seit Ende Oktober abgebaut, zu eindimensional abhängig ist die Offense von den Geniestreichen von QB Watson geworden.

#2 Alabama Crimson Tide – #18 Florida Gators

SEC-Finale, 22h

Das SEC-Finale ist bei uns nirgendwo über offiziellem Wege zu sehen. Es dürfte egal sein, denn es zeichnet sich hier kein schönes Spiel ab. Zu harmlos war die Florida-Offense in den letzten eineinhalb Monaten. Quasi mit der Suspendierung von QB Will Grier (Doping) kam jede Gefährlichkeit abhanden. Florida würgte sich mit Müh und Not zu 9 Punkten gegen Vanderbilt, zu 20 Punkten nach Overtime gegen Florida Atlantic und brachte gegen Florida State genau 2 Punkte durch einen Safety zustande.

Heute geht es gegen Alabama, die beste Defense im Lande. Punkte-Forecast: Alles über null ist als Erfolg zu werten. Ich rieche einen Kantersieg von Crimson Tide, das sich nicht die Finger schmutzig machen muss.

#5 Michigan State Spartans – #4 Iowa Hawkeyes

02h, live bei Eversport.TV

Die Partie ist quasi als “Playoff-Viertelfinale” zu werten, nachdem der Sieger mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit einen der Halbfinalplätze im Playoff bekommen wird.

Beide Teams sind gewissermaßen Cinderella-Geschichten. Michigan State gehört seit einigen Jahren zu diesem „Tier 2“ der College-Teams. Nicht wirklich Elite genug um bis zum letzten Spieltag um den National-Title mitzuspielen, aber gut genug um jedes Jahr in der Nähe der Big Ten Meisterschaft zu stehen.

Die Bilanzen von Headcoach Mark Dantonio seit 2010: 11-2, 11-3, 7-6, 13-1, 11-2, 11-1. Dantonios Mannschaften zeichneten sich immer durch knackige Defense und eine auf Fehlerminimierung bedachte Offense aus. 2015 war das anders: Die Defense war vor allem in der Secondary ein Torso, die Offense mangels Laufspiel extrem eindimensional. Extrem viel lastete auf den Schultern von QB Connor Cook.

Michigan State war selten ein dominantes Team. Es ist 5-1 in engen Spielen. Es feierte nur wenige Blowouts. Es konnte Michigan nur durch ein Freak-Play schlagen. Es lieferte aber im wichtigsten Spiel des Jahres, auswärts gegen Ohio State, eine sensationelle Partie ab, die man 17-14 gewinnen konnte.

Iowa ist Michigan State light: Der Head Coach ist Kirk Ferentz, der wie Dantonio nicht so wirklich auf Spektakel steht. Der ehemalige Belichick-Assistent Ferentz ist einer der bestbezahlten Coaches im Lande, aber das ist das einzige, was ihn mit Leuten wie Saban oder Les Miles auf eine Stufe bringt. Er hat Iowa aber seit 1999 unter Kontrolle. Zwei Conference-Titel, vier Saisons mit Top-10 Ranking.

In den letzten fünf Jahren war das mit Iowa aber eine zähe Geschichte. Bis 2015 auf einmal aus dem Quasi-Nichts eine 12-0 Regular Season gespielt wurde. So wirklich ernst zu nehmen scheint Iowa noch immer niemand. Aber es braucht nur einen Sieg um zur Verblüffung aller die Playoff-Qualifikation zu schaffen.

#7 Stanford Cardinal – #20 USC Trojans

Pac-12 Finale, 1h45 live ESPN Player

Neuauflage des Duells vom September, als Stanford sich nach desaströsem Saisonstart mit einem 41-31 in Los Angeles unter den Lebenden zurückmeldete. Beide Mannschaften hatten entgegengesetzte Saisonverläufe: Stanford rappelte sich nach einem 6-31 zum Auftakt gegen Northwestern hoch und spielte über Wochen eine der besten Offenses im Lande. Dann verlor man knapp gegen Oregon, holte sich aber Reputation mit einem famosen Thrillersieg über Notre Dame zurück.

USC war als Pac-12 Geheimfavorit gestartet, aber schnell Ende September gestrandet. Die Posse um den mittlerweile geschassten, alkoholkranken Headcoach Sarkisian überstand man schließlich nicht wirklich überzeugend, aber unter Interimscoach Clay Helton sanierte man sich zu einer gerade noch akzeptablen 8-4 Bilanz. Mit Notre Dame, Oregon und Stanford schenkte man aber zu viele Big-Games deutlich ab.

Gespannt bin ich auf die Zuschauerzahl heute in Santa Clara. Stanford zieht eher mittelgroße Massen an, und das Levi Stadium ist mit bis zu 70.000 ein großes.

Stanford geht als Favorit in die Partie, aber USC hat mit Leuten wie QB Kessler oder Allzweckwaffe Adoree Jackson genügend Playmaker um mehr als ein paar Nadelstiche zu setzen.


Dazu bringt SPORT1 US ab 18h eine Liveübertragung von #12 Baylor vs Texas. Wer nach meinem gestrigen Lust auf Spread-Offense bekommen hat, ist eingeladen, sich das anzuschauen. Vielleicht hat Baylor noch die Chance, ein Ticket für eine der New Year’s Six zu lösen.

4 thoughts on “Samstagsvorschauer #14 – Finaltag 2015

  1. Baylor mit seinem 4ten QB, welcher eigentlich WR ist nicht werfen kann…

    Texas spielt OFF-Coverage.

  2. Überhaupt krass, dass ein Team mit dem vierten QB auflaufen muss. Man stelle sich das mal in der NFL vor, wo mehr als 12 Games gespielt werden.

    Spread Offense baut doch auch darauf, dass der QB laufen kann. Anschließend an den gestrigen Artikel hier ist das dann doch eher ein Punkt GEGEN zuviel Spread Offense in der NFL.

  3. Das “Playoff-Viertelfinale” zwischen #5 Michigan State Spartans – #4 Iowa Hawkeyes
    war ein echter Hingucker an Spieldramatik während den 60 Spielminuten.
    Ein Dank an den Drehbuchautor, die Regisseure an der Sideline und den Akteuren auf dem Spielfeld.
    Der Sieg ist nicht gestohlen sondern musste hart erkämpft werden. Dem knapp Unterlegenen mein Respekt für dieses großartige BIG10 Finale.

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