Sonntagsvorschauer 2015 | Woche 14

Football!

Noch vier Wochenenden Regular Season, dann vier Wochen Playoffs. Dieses Mal mit echtem Topspiel um 19Uhr, zwei Trap Games und immer noch viel Mittelmaß im Rennen um die begehrten Plätze.  Und wie so oft in dieser Saison nur zwei Spiele um halb elf. Falls sich hinter dieser Ansetzungspolitik ein Sinn verstecken sollte, ist er sehr gut getarnt. Aber egal: Dezemberfootball!

19.00Uhr

Steelers (7-5) @ Bengals (10-2)

Endlich mal wieder ein starkes Spitzenspiel um 19.00Uhr! Die größte Stärke der Bengals war bisher ihre Gesundheit. Ausgerechnet jetzt aber stehen gleich alle vier Cornerbacks auf dem Injury Report. Darqueze Dennard mußte auf IR; Pacman Jones is doubtful mit einer Knöchelverletzung; Leon Hall questionable mit Rücken; und Dre Kirkpatrick plagt das Knie, wird aber wahrscheinlich spielen.

Das sieht gefährlich aus für Cincy, denn Big Ben ist in der Form seines Lebens. Mehr als 1500 passing yards in den letzten vier Spielen (!), 143 Punkte. Sogar gegen Seattle vor zwei Wochen haben Big Ben, Antonio Brown, Martavis Bryant und Marcus Wheaton fast 500 Yards erfolgreich durch die Luft gemacht.

Aber auch Cincys Angriff muß sich vor niemandem verstecken. OC Hue Jackson hat eine wunderbar vielfältige Offense implementiert, die Andy Dalton routiniert antreibt. Wenn es nicht wieder ein Turnoverfestival wie in Woche Acht gibt (16-10 Bengals), dann könnte es einen schönen Shootout bis zum Schluß geben.

Bills (6-6) @ Eagles (5-7)

Rah-Rah-Rex-Ryan hat aus den Buffalo Bills einen ernstzunehmenden Contender gemacht. Man liegt ein Spiel hinter den Wildcards. Die Defense ist gut genug, die Mannschaft immer im Spiel zu halten. Sie ist zwar kein menschenfressendes Monster, aber immerhin grundsolider Durchschnitt. Das ist allerdings weniger als man vor Saisonbeginn erwarten durfte. Vor allem die teure Defensive Line mit den großen Namen bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die DEs Jerry Hughes und Mario Williams sind nicht mehr upper class; ebensowenig Marcell Dareus; und Kyle Williams fehlt verletzt. Aber im Verbund mit den starken Cornerbacks Stephon Gilmore, Rookie Ronald Darby und Nickell Roby im Slot hält man den gegnerischen Paßangriff konstant unter 300 Yards und gibt der Offense die Chance, die Spiele zu gewinnen (Gilmore wird heute verletzt fehlen).

Und diese Offense ist es, die wirklich Spaß macht. Offensive Coordinator Greg Roman hat sein Playbook aus San Francisco mitgebracht und nun sehen die Bills 2015 aus wie die ‚Niners 2012/13. Das Laufspiel ist ungemein kreativ und bringt die Stärken der Running Backs Shady McCoy (4,6ypc) und Karlos Williams (5,7ypc) voll zur Geltung (Williams wird aber nicht spielen heute).

Mit Charles Clay hat Roman auch den perfekten Tight End für seine Offense: guter Blocker, kann alle Routen laufen und auch als H-Back eingesetzt werden, so wie damals Delanie Walker. Die Offensive Line steht zwar der grandiosen Linie San Franciscos noch um einiges nach; aber auf der linken Seite sind mit Tackle Cordy Glenn und Guard Richie Incognito zwei Brecher, um die herum man aufbauen kann. Die Schwächen der anderen können oft von Romans kreativen Spielzügen überdeckt werden.

Wie auch Colin Kaepernick wird Quarterback Tyrod Taylor gepampert bis zum Anschlag: er muß meist nur eine Seite des Spielfeldes lesen, bekommt simple entweder-oder-Entscheidungen vor sein Visier sowie viele Rollouts und verschiedenste Screens, die ihm das Leben leichter machen. Diese Hilfe zahlt er zurück mit den schönsten tiefen Bällen, die man jemals in Buffalo gesehen hat und einer beeindruckdenden statline: 65% completion, 8,0Y/A, 17TDs, 4INTs und 32 rushing yards pro Spiel. WR Sammy Watkins holt die tiefen Bälle meistens vom Himmel. Mit 19 Yards pro Catch plus ein bis zwei „WOW-Momenten“ jeden Sonntag sorgt Watkins auch für die nötigen Big Plays.

Bei den Eagles ist es andersrum: immer stand der Angriff im Fokus, sollte das Spiel tragen. Das kann man in dieser Saison getrost vergessen. Was die Eagles in der Division der Keinbeinigen immer noch vorne mitrobben läßt, ist die Defense. Bis auf die zwei krassen Aussetzer innerhalb von fünf Tagen gegen Tampa und Detroit, war das in der Regel Top-10-Niveau. Allein, diese Offense, Himmel! Schlimmstes stop-and-go wie Manhattan zur Rush Hour. Mit 5-7 ist Philly auf dem geteilten ersten Platz mit den Giants und Washington – gegen beide gibt es direkt Duelle in den Wochen 16 und 17. Dann kommt der Angriff nochmal auf Wiedervorlage, bis dahin lieber Buffalos Angriff studieren und ansonsten zum Redzone Channel schalten.

Redzone Channel
Colts (6-6) @ Jaguars (4-8)
Titans (3-9) @ Jets (7-5)

Noch so eine Division zum Erbamen. Indy teilt sich mit Houston die Tabellenspitze der AFC South, aber mit einem Sieg hängen die Jacksonville Jaguars da auch wieder mittendrin. Die Jags sind in den letzten Wochen immer wieder mit wilden vierten Vierteln aufgefallen. Außerdem mit Touchdowns von Blake Bortles zu den beiden Allens: Robinson und Hurns. 18 von Bortles 27 TDs haben die beiden jungen Receivers gefangen. Nach den Indianapolis Hasselbecks geht’s gegen Atlanta und New Orleans, machbar. Könnte es dann in Woche 17 gegen Houston sogar um den Divisionstitel gehen? Man mag da gar nicht dran denken…

In den Meadowlands: Der schlechteste Laufangriff der Liga gegen die galligste Laufverteidigung der Liga. Nicht viel zu sehen hier: ein wenig Mariota-watch gegen eine gute Paßverteidigung vielleicht. Die Jets sehen aus wie der klassische 6-seed, der im ersten Spiel des Wildcard-Wochenendes sang- und klanglos ausscheidet ohne bleibende Erinnerungen zu hinterlassen.

Saints (4-8) @ Bucs (6-6)
Redskins (5-7) @ Bears (5-7)

You like that!? You like that!? Äh, nee. Sorry. Schnell weiter.

Chargers (3-9) @ Chiefs (7-5)
Falcons (6-6) @ Panthers (12-0)

Trap game alert! Die Chargers können froh sein, wenn sie irgendwie 40 gesunde Spieler zusammenbekommen. Aber die Chiefs sind lange nicht über alle Zweifel erhaben. Wie auch Matt Ryan kann sich Philip Rivers immer zwei Big Plays aus’m Arsch zaubern, die den Chiefs im Wildcard-Rennen böse wehtun können.

Lions (4-8) @ Rams (4-8)
49ers (4-8) @ Browns (2-10)
Seahawks (7-5) @ Ravens (4-8)

Die Rams haben Offensive Coordinator Frank Cignetti entlassen und durch den QBs Coach Rob Boras ersetzt. Quarterback ist wieder Case Keenum, da Nick Foles endgültig unten durch ist. Die Lions haben nur ihren OC ausgewechselt, aber den QB behalten. Immerhin sieht Matt Stafford unter Jim Boob Cooter dem alten Matt Stafford pre-Joe-Lombardi wieder ähnlicher.

Die 49ers haben den Quarterback getauscht und sind mit Blaine Gabbert einigermaßen zufrieden. In Cleveland ist überhaupt niemand zufrieden: Saison im Eimer, Stimmung im Eimer, und Coach Mike Pettine wohl auch im Eimer, nachdem er sich diese Woche von oben vorschreiben lassen mußte, daß Problemkind Johnny Trainwreck wieder in der Startformation stehen soll.

Auch die Baltimore Ravens fahren mit der Quarterback-Geisterbahn. Matt ‚Sechs, setzen!‘ Schaub ist zurück. Vielleicht, wenn er sich rechtzeitig auskuriert. Kann Schaub nicht spielen, läuft Jimmy Clausen auf. Ja. Jimmy Clausen. Gegen Seattle. Es könnte das überhaupt gar nicht von niemandem erwartete Sequel zu „Hilflos in Seattle“ werden, das in Woche Drei Premiere hatte. Clausen, damals noch für die Bears: 9/17, 63yards; die gesamte Bears-Offense mit sieben First Downs beim 0-27.

Die Hawks werden jetzt dafür belohnt, daß sie während ihres 4-5-Starts in die Saison nicht die Nerven verloren haben. Zuletzt drei Siege in Folge und nachdem Schaub oder Clausen vorgeführt wurde, kommen die erwähnten Keenum und Manziel an die Westküste.

22.25 Uhr

Raiders (5-7) @ Broncos (10-2)
Cowboys (4-8) @ Packers (8-4)

Die Broncos sind ungeschlagen mit Brock Osweiler. Aber besonders gut sieht er nicht aus. Getragen wird die Offense jetzt vom Laufspiel, das deutlich besser aussieht seit Denvers Quarterback hauptsächlich under center steht statt in der Shotgun und die Running Backs Hillman und Anderson dadurch Anlauf nehmen können, bevor sie den Ball bekommen. Die bockstarke Verteidigung wird sie wohl vor einem Kantersieg Oaklands bewahren. In den nächsten beiden Wochen gibt es mit Pittsburgh und Cincinnati richtige Kracher.

Nach der erneuten Verletzung Tony Romos ist der Zug wohl abgefahren, auch wenn die ‚Boys nur ein Spiel Rückstand haben auf die Krone der NFC East. In der Frozen Tundra treffen sie zwar auf ein angeschossenes Reh, aber glaubt irgendjemand daran, daß Matt Cassel im Lambeau gegen Aaron Rodgers gewinnen kann? Wohl kaum. Spannend werden die Packers wieder in den letzten beiden Wochen: @Arizona, vs Minnesota. Playoffkampf galore.

Sunday Night Football

Patriots (10-2) @ Texans (6-6)

Tom Brady wirft zur Zeit so viele tiefe Bälle wie seit 2007 nicht mehr. Nur kommt keiner davon an. Zum einen, weil er keinen guten tiefen Ball hat. Und zum anderen, weil da niemand ist, der einen fangen könnte. Brady wirft nicht tief weil er das will, sondern weil die kurzen Routen alle weg sind.

Die ganze Misere begann vor vier Wochen als erst die Giants und dann die Bills dem Brady Tom die schnellen, kurzen Bälle weggenommen haben. Entweder wurden Edelman und Gronk hart gedoppelt, oder es wurden nur drei Pass Rushers geschickt und dann sechs Verteidiger auf die kurzen Zonen verteilt. Vorne alles verrammeln, hinten ist egal. Die erste Halbzeit von Buffalo in Woche 11 war die beste Verteidigungsleistung, die ich diese Saison gesehen habe.

Die Broncos und Eagles haben es dann ähnlich gemacht, wobei da noch die Verletzungen von Gronk und Edelman dazukamen. Edelman fehlt immer noch; falls Gronk spielen kann, dann nur angeschlagen. Da auf der anderen Seite JJ Watt steht, dürfte es Sonntag nacht kaum besser aussehen für die Pats. Hier müssen OC McDaniels, Belichick und Brady einen game plan zusammenschrauben, der Houston völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Viel braucht es nicht, denn bevor Houston mehr als drei Touchdowns macht, fängt Brady eher eine Hail Mary.

3 thoughts on “Sonntagsvorschauer 2015 | Woche 14

  1. Pingback: Dritter Adventsonntag 2015: Cincinnati Bengals – Pittsburgh Steelers live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Herrmann Zitate:
    – „Die bockstarke Verteidigung wird sie wohl vor einem Kantersieg Oaklands bewahren.“
    – „Aber die Chiefs sind lange nicht über alle Zweifel erhaben.“
    – „…aber mit einem Sieg hängen die Jacksonville Jaguars da auch wieder mittendrin. Könnte es dann in Woche 17 gegen Houston sogar um den Divisionstitel gehen? Man mag da gar nicht dran denken…
    – „Die größte Stärke der Bengals war bisher ihre Gesundheit. Ausgerechnet jetzt aber stehen gleich…“

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