Vorgezogene Playoffs: Denver Broncos – Cincinnati Bengals Preview

Wie im letzten Jahr gibt es auch heuer wieder kurz vor Saisonende den AFC-Kracher Denver Broncos (10-4) vs Cincinnati Bengals (11-3), und wie damals hat er große Implikationen auf das Playoff-Bild in der AFC. Auf dem Spiel steht der #2-Seed, der einem Freilos in der ersten Playoffrunde gleichkommt. Für Denver geht es „nebenbei“ noch darum, überhaupt das Ticket für die Playoffs zu sichern.

Die Broncos sind mittlerweile dort angekommen, wo ich sie schon im Oktober vermutet hatte: In der Realität. Ohne eine auch nur durchschnittliche Offense laviert man sich durch die Saison, hat aber nach 6-0 Start zuletzt nur noch eine 4-4 Bilanz hingelegt.

Der Wechsel vom verletzten QB Peyton Manning auf Backup #17 Brock Osweiler hat nicht wirklich gefruchtet. Osweiler ist unter Denver-Fans beliebt, weil er mit seinen Rollouts besser zur Offense-Philosophie von Head Coach Gary Kubiak passt. Mit ihm hat Denver die Offense weg von der Shotgun-Formation und hin zu mehr Spiel direkt am Center verlagert. Aber Osweiler macht viele Fehler im Lesen von Defenses und gibt viele potenziell freie Routen auf.

Auch Cincinnati tritt mit einem Backup-QB an: #5 A.J. McCarron, der den am Daumen verletzten Andy Dalton ersetzt. McCarron hat noch weniger Erfahrung als Osweiler, nämlich genau 1.5 Spiele.

Während man bei den Broncos mittlerweile weiß, wie man seinen Quarterback einsetzen möchte, ist es bei den Bengals eher eine Wundertüte. So richtig sicher, was McCarron kann und was nicht, scheint sich in Cincinnati noch niemand zu sein. Letzte Woche bei seinem Starter-Debüt gegen San Francisco kassierte McCarron überdurchschnittlich viele Sacks und ließ etliche Plays liegen. Es fiel nicht auf – zu schwach war der Gegner.

Beide Offenses müssen neben fragwürdigen Quarterbacks ein jeweils ebenso suspektes Laufspiel durchschleifen. Die Broncos kommen hinter einer Wackel-Line mit ihren RBs #22 Anderson und #23 Hillman dieses Jahr nicht in Schwung. Bei den Bengals ist die Offense Line besser, aber man fragt sich, was aus RB #32 Jeremy Hill geworden ist. Hill, 2014 als Rookie eine Offenbarung, sah in den letzten Wochen schwer übergewichtig und erstaunlich antrittsschwach aus.

Die Defenses bewegen sich wohl auf Augenhöhe. Denver hat die etwas bessere Saison, aber man sollte die Bengals-Defense nie unterschätzen – sie hat sich in den letzten Wochen massiv entwickelt.

Die große Stärke der Bengals ist, dass sie ohne Blitzing auskommen und dennoch Druck zustande bringen: Denver blitzt so selten wie keine andere Mannschaft und ist in Pressure-Rate trotzdem ein Top-10 Team – das ist ein gewaltiges Plus. Viele machen den Erfolg vor allem an der Super-Form von DT #97 Geno Atkins fest, letztes Jahr noch ein Schatten seiner selbst.

Aber genau hier könnte heute eine Krux liegen: Atkins leidet am Auftreten von Sichelzellen (beeinflussen die Durchblutung), das ihm übergroße Anstrengung in großer Höhe erschwert. Denver liegt bekanntlich so hoch wie kein anderes NFL-Stadion. Atkins will heute unbedingt spielen, aber er wird wohl weniger Snaps als gewohnt bestreiten.

Bei den Broncos fragte man sich zuletzt, wohin der Pass Rush verschwunden ist. Letzte Woche gegen Pittsburgh brachten die OLBs #94 Ware und #58 Miller weniger Druck zustande als gewohnt. Die Pass-Deckung um CB #25 Harris und CB #21 Talib wurde relativ stark entblößt, wobei auffiel, dass beide oft in Manndeckung antreten mussten, weil die angeschlagenen Safetys ihren Aufgaben nicht gewachsen waren.

Die Frage ist, ob Cincinnati diese Schwächen nutzen kann: McCarron wie gesagt letzte Woche anfällig auch gegen verzögerten Pass Rush. Dazu fällt heute TE #85 Eifert erneut aus, womit sich Denver noch stärker auf WR #18 A.J. Green konzentrieren kann.

Nach so vielen dürftigen Ansetzungen in den letzten Wochen ist das mal ein richtig – mit Verlaub – geiles Regular-Season Spiel. Der #2-Seed hat große Bedeutung in einer AFC ohne klaren Favoriten. Freilos in Runde 1 und Heimspiel in Runde 2 hätten für Cincinnati und Denver auch den angenehmen Nebeneffekt von wegen „Zeit gewinnen“ – Zeit, ihre derzeit verletzten bzw. angeschlagenen Quarterbacks wieder in Schwung zu bekommen und dann möglicherweise ab Mitte Jänner noch einmal eine Schippe drauf zu legen.

NFL Regular Season ist den NFL Playoffs an Drama immer weit unterlegen. Aber die Partie heute kommt in Sachen Wichtigkeit einem Playoff-Spiel schon sehr, sehr nahe.


Also: Monday Night Football, heute ab 2h30 live im NFL Gamepass, bei SPOX.com und SPORT1 US.

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