Neujahrs-Bowls 2016 in der Vorschau

Noch alle da?

Gut, dann läuten wir das neue Jahr mit einer Handvoll Schüsseln ein. Bis zum ersten Kickoff sollte der Kater passé sein.

Fünf Stück gibt es heute. Drei davon gehören zur gestern gestarteten New Year’s Six, Fiesta / Rose / Sugar, die unter einem ESPN-Rahmenvertrag in den USA als Paket präsentiert und ausgetragen werden. Nur Mannschaften, die bestimmte Kriterien erfüllen, sind zu ihnen zugelassen, so z.B. wurde #16 Oklahoma State in den Sugar Bowl eingeladen obwohl das Team in den Ranking niedriger eingestuft war als der Conference-Rivale #11 TCU.


SPORT1 US bringt heute zwei Bowls live: Rose Bowl ab 23h, Sugar Bowl ab 2h30 nachts. Die Fiesta Bowl, die um 19h angepfiffen wird, bringt der Sender erst morgen ab 8h10 als Tape, weil man verständlicherweise die NHL-Winterclassic zwischen den Erzrivalen Bruins und Habs vorzieht.

Das komplette Programm von heute – der ESPN Player hat alles live:

  • 18h Outback Bowl: #23 Tennessee – #13 Northwestern
  • 19h Citrus Bowl: #19 Florida – #14 Michigan
  • 19h Fiesta Bowl: #7 Ohio State – #8 Notre Dame
  • 23h Rose Bowl: #5 Iowa – #6 Stanford
  • 2h30 Sugar Bowl: #12 Ole Miss – #16 Oklahoma State

Outback und Citrus Bowl kannst du von den Ansetzungen her komplett vergessen, also konzentrieren wir uns in aller gebotenen Kürze auf die drei großen Bowls.

Fiesta Bowl

#7 Ohio State Buckeyes – #8 Notre Dame Fighting Irish

19h live ESPN Player, morgen 8h10 Tape SPORT1 US

Hervorragende Ansetzung in der Fiesta Bowl, die als verkapptes „Spiel um Platz 5“ bezeichnet werden darf. Sexy ist diese Partie auch, weil vermutlich beide Teams motiviert ans Werk gehen werden. Ohio State als entthronter Landesmeister mit mehreren Stars in ihrem letzten College-Spiel (Braxton Miller, Joey Bosa, Ezekiel Elliott), Notre Dame als heimliches Playoff-Team, dessen Saison durch zahllose Verletzungen in die Scheiße geritten wurde.

Das Schmankerl der Partie ist für die Line-Fetischisten: Notre Dames Offensive Line gegen Ohio States Defensive Line, die sich wie eine Draft-Preview für die 1te Runde liest. Notre Dames LT Ronnie Staley und der imposante RT Mike McClinchey gelten als große Talente, und sie werden heute auf eine brutale Front-Seven treffen. Bei Ohio State musst du zum einen mit dem agilen LB Darron Lee und zum anderen mit DT/DLE #97 Joey Bosa zurecht kommen.

Vor allem Bosa ist ein großartiger Ankermann. Ich bin nicht überzeugt, dass Bosa, dem das allerletzte Quäntchen Explosivität abgeht, wirklich ein fixer Top-5 Draftpick ist, aber was nicht zu leugnen ist: Die Buckeyes-Defense beginnt mit Bosa, der den Laden vorne zusammenhält und die Double-Teams aufnimmt und trotzdem Plays um Plays macht.

Bosa spielt fast ausschließlich Left-End (heute wegen Verletzungsproblemen vielleicht auch etwas DT). LB Lee dagegen wird als Schachfigur ganz gerne auf die Weak-Side gestellt um Rambazamba zu machen. In jenen Momenten, in denen Bosa und Lee auf derselben Seite auflaufen, werden die Buckeyes-Blitzes besonders gefährlich – trotz „nur“ 7.5 Sacks der beiden.

In anderen Worten: Bei allen großen Namen, die sonst noch auf dem Feld stehen: Mit einer hervorragenden Performance ist heute in erster Linie in den Schützengräben viel künftiges Geld zu gewinnen.

Rose Bowl

#5 Iowa Hawkeyes – #6 Stanford Cardinal

23h live bei SPORT1 US und ESPN Player

Die Rose Bowl hat nach wie vor als Mutter aller Bowls eine Sonderstellung und wird in der wunderschönen Rose-Bowl Schüssel von Pasadena ausgespielt. Traditionell sind dabei Vertreter der Pac-12 Conference (#6 Stanford Cardinal) und Big Ten Conference (#6 Iowa Hawkeyes) eingeladen.

Stanford vs Iowa ist eine ziemliche Retro-Ansetzung. Beide Teams haben sich dem Spread-Gedanken bislang verweigert und setzen trotzig auf 2TE-Sets und Power-Run Game in der Offense. Damit dürften beide für nasse Höschen bei den erzkonservativen Veranstaltern der Rose Bowl sorgen.

Beide Teilnehmer haben die Playoffs knapp verpasst, aber man geht gemeinhin nicht von einem „Hangover“ aus. Rose Bowl ist für viele Pac-12 und Big Ten Alumni noch immer ein Event mit immenser Strahlkraft und mehr als eine platte Entschädigung.

Iowas Fans touren seit Tagen in Scharen mit dem Auto durch die verschneiten Lande, nachdem in den Rednecks zahllose Flüge wegen Schneechaos abgesagt wurden. Es ist ihnen wurscht, denn niemand hatte vor der Saison ein 12-1 kommen sehen. Dass Iowa dabei durch einen relativ soften Schedule begünstigt war und im Prinzip sein überzeugendstes Spiel im (verlorenen) Big-Ten Finale gegen Michigan State ablieferte – geschenkt.

Stanford ist nach Advanced-Stats die deutlich bessere Mannschaft und haushoher Favorit. Die Cardinal waren trotz zweier Niederlagen nicht weit von den Playoffs entfernt. Streckenweise sah man mit einem extrem dominanten Offense und einer gewohnt knackigen Defense aus wie das beste Team im Lande.

Superstar ist der weiße Irrwisch, RB Christian McCaffrey, einer der besten Space-Player im Lande. McCaffrey stellt etliche Yards-Rekorde auf und schloss im Heisman-Rennen als #3 ab. McCaffrey ist ein Sophomore und wird als solcher frühestens 2017 in die NFL gehen, aber über seine NFL-Kompatibilität wird schon jetzt fleißig diskutiert. Im Prinzip gibt es wenige Spieler mit einem so phänomenalen Gefühl für Raum und Zeit wie McCaffrey, der noch dazu ein fantastischer Receiving-Back ist.

McCaffreys größtes Problem dürften seine zarten Körpermaße sein – in der NFL bist du mit 93kg eher ein Leichtgewicht. Die Muckis bei diesem Mann liegen allerdings mehr im Hirn als in den Beinen. Chris Brown von Smart-Football hat das Phänomen McCaffrey so beschrieben:

McCaffrey makes [it] look easy — effortless, really — but coaches from Mumme to LaVell Edwards to Bill Walsh have all talked about how many running backs don’t ever develop a feel for the kind of free-flowing split decisions option routes require, and notice here too that just before the snap Southern Cal crosses their linebackers and the one initially lined up over McCaffrey blitzes while the other jumps over. McCaffrey sees all that happen in a split second and still makes USC pay. That’s just a great feel for the game.

I still have a lot more Christian McCaffrey to watch — and, a true sophomore, he has to play at least one more season at Stanford due to NFL/NFLPA rules — but McCaffrey looks to me like an instant impact kind of NFL talent, particularly if his coaches know how to use him as a receiver out of the backfield.

Sugar Bowl

#12 Ole Miss Rebels – #16 Oklahoma State Cowboys

2h30 live bei SPORT1 US und ESPN Player

Die Sugar Bowl sieht die zweite Garnitur aus SEC (Ole Miss) und Big 12 (Oklahoma State). Die interessantere Geschichte dabei ist Ole Miss, wo sich mit dieser heutigen Partie ein kleiner Kreis schließt. Dazu muss man ein klein wenig ausholen.

Ole Miss ist keine der „großen“ Universitäten im College-Sports, auch wenn man in der Segregations-Ära extrem dominante Mannschaften besaß. In der Gegenwart gilt man in der Hackordnung aber bestenfalls als dritte Garnitur. Das änderte sich, als der neue Head Coach Hugh Freeze vor drei Jahren eine sensationelle Recruiting-Klasse einfuhr – unter anderen:

  • DT Robert Nkemediche
  • OT Laremy Tunsil
  • WR Laquon Treadwell
  • FS Antonio Conner

Sie alle galten als #1 auf ihren jeweiligen Positionen. Ganz Amerika fragte sich, wie ein Freeze solche Namen in die Sümpfe nach Oxford holen konnte. Und mit der Strahlkraft eines Nkemediche konnte der Recruting-Erfolg in den Folgejahren aufrecht erhalten werden. Das zeigte sich am Feld.

Ole Miss war 2014 und 2015 vor allem dank der gewaltigen und auch optisch aufregenden „Land Shark Defense“ jeweils eine äußerst wettbewerbsfähige Mannschaft, die u.a. in beiden Jahren die Dynastie der Alabama Crimson Tide schlagen konnte. Allerdings schafften es die Rebels in beiden Jahren nicht, die SEC zu gewinnen, da ihr in beiden Jahren verletzungsbedingt die Luft ausging. 2014 war es die Offense. 2015 war es die Defense.

So bleibt die Generation Nkemediche eine Unvollendete. Aber sie ist die Basis, auf deren Ruf Ole Miss in den nächsten Jahren aufbauen kann. Ausgerechnet Nkemediche wird aber heute nicht spielen. Der Mann hatte vor einigen Wochen einen Aufsehen erregenden Unfall, als er genebelt mit synthetischen Drogen aus dem vierten Stock eines Gebäudes in Atlanta fiel.

Nkemediche überlebte, aber sein Ruf ist erstmal ruiniert. Der quasi als fixer 1st-Rounder eingeplante Mann wird im Pre-Draft Prozess mit einigen unangenehmen Fragen konfrontiert sein. Wenig hilfreich ist in der Debatte auch Big-Bronther Denzel Nkemediche, Linebacker, auch Ole Miss. Auch in Kontakt mit künstlichen Pillen.

Trotzdem: Das Spiel wird gespielt. Und weil Ole Miss sich vor einem Jahr auf ähnlich großer Bühne sehr brutal 3-42 von TCU abschlachten ließ, gelten die Rebels diesmal als fokussiert, diese Scharte auszuwetzen.

2 thoughts on “Neujahrs-Bowls 2016 in der Vorschau

  1. Pingback: College Football 2015/16 – Was vom Jahreswechsel übrig bleibt | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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