College Football 2015/16 – Was vom Jahreswechsel übrig bleibt

Ein ausgeschlafener Rückblick auf die New Year’s Six (Achtung, Spoiler).

Silvesterabend

Peach Bowl – Houston 38, Florida State 24. Ein Upset, das ich nicht hatte kommen sehen bzw. nur im dem Fall, in dem FSU komplett lustlos in die Partie gehen sollte. Dem war nicht ganz der Fall. Für FSU erwiesen sich zwei Faktoren als Killer in dieser Partie: 5 Turnovers, die mindestens 14 Punkte kosteten (also die Differenz im Score) und eine Verletzung, die QB Mannion für gut zwei Viertel ausknockte.

Ohne Mannion brachte FSU in 19 Snaps en suite keine 30 Yards Offense zustande (Punt, Punt, Fumble, Interception, Punt) und ließ Houston auf 18 Punkte davonziehen.

Im dritten Viertel verpasste es FSU, ein komplett abwesendes Houston für seine Passivität zu strafen und warf eine Interception nach der anderen anstelle die Partie ausgeglichener als 21-10 zu gestalten.


Damit zu den beiden Playoff-Halbfinals, die in den USA erwartet schwache Ratings einfuhren: Rund 38% Rückgang für die beiden Spiele, die letztes Jahr zu ähnlichen Kickoff-Zeiten am Neujahrstag stattgefunden hatten.

Als Hauptgründe wird ausgemacht, dass die Zielgruppe #1 im College-Sport, die 20- bis 35-jährigen am Silvesterabend auch in den USA lieber mit der Flamme in die Nacht strabanzen als vor der Glotze zu hocken. Ich gehöre auch zu dieser Zielgruppe. Ich war auch „draußen“.


Orange Bowl – Clemson 37, Oklahoma 17. Ein deutliches Endergebnis nach einem Halbzeitstand von Oklahoma 17, Clemson 16. Aber schon zur Pause dachte man Mönsch, die klar bessere Mannschaft liegt hier hinten! Bloß: Oklahoma brachte seine wenigen Drives alle durch, während Clemson sich zu oft auf Fieldgoals versteifen musste und eine Interception in Gegners Redzone fabrizierte.

Nach der Pause allerdings münzte Clemson seine Überlegenheit auch in Punkte um, erzwang Turnovers von Oklahoma-QB Mayfield (2 INT) und knockte nacheinander RB Perine und RB Mixon aus.

Clemson zeigte massive Eier mit diesem Punt-Fake in der ersten Halbzeit bei 3-7 Rückstand, den man zum ersten und einzigen 1st-Half TD umwandeln konnte:

Clemson dominierte mit einer fantastischen Defensive Line, die sogar den Ausfall vom Top-DE Lawson wegsteckte. 5 Sacks, 9 Tackles für Raumverlust gegen Oklahomas überrumpelte Offense Line brachte die Offense der Sooners streckenweise komplett zum Erliegen. Ähnliches Bild in der Offense, wo QB Watson und RB Gallman fast 300 Rushing-Yards fabrizierten und dafür sorgten, dass es nichtmal ein ausgefeiltes Passspiel brachte.

Clemson hat im Finale dann eine Chance, wenn Offense und Defense Line diese Performance wiederholen können. Allerdings müssen die Tigers dann in beiden Halbzeiten ihre Drives zu Ende spielen.


Cotton Bowl – Alabama 38, Michigan State 0. Ein Ergebnis wie ein Erdbeben, mit dem Alabama noch einmal in aller Deutlichkeit zeigt, wer als der große Favorit im Endspiel zu betrachten ist.

Michigan State schaffte in dieser Partie nur eine Hälfte seiner Aufgabe: Man konnte RB Derrick Henry in 20 Carries auf 75 Yards halten. Das Problem: Alabamas QB Jake Coker übernahm das Kommando und jaget die Pass-Offense erstaunlich effizient und auch explosiv das Feld runter: 25/30 für 286 und 2 TD, ohne Turnover.

Viel Lob steckte dabei ausgerechnet der oft verspottete OffCoord Lane Kiffin ein, der vergangene Spartans-Spiele analysierte und die richtigen Sollbruchstellen in der Secondary identifizerte und diese gnadenlos ausfindig machte:

Alabama geht nun laut ESPN FPI als 62% Favorit in das Endspiel in der Nacht vom Montag, 11.1. auf Dienstag 12.1.

Neujahrstag

Fiesta Bowl – Ohio State 44, Notre Dame 28. Das Spiel mit der größten Ansammlung an künftigen NFL-Top Prospects von allen. ESPN hat diese Grafik eingeblendet, zu der die nur Heilige Scheiße! einfällt:

Allerdings verletzte sich LB Jaylen Smith schwer am Knie. Mal schauen, inwieweit ihn das Geld im Draft kosten wird.

Ohio State sorgte mit einer stürmischen ersten Halbzeit schnell für eine 28-7 Zwischenführung, von der sich Notre Dame nie mehr erholen konnte. Vor allem das Laufspiel der Buckeyes erwies sich als tödlich. Die Inside-Zone Läufe killten Notre Dame, das immer wieder zu aggressiv auf die Fakes von QB Barrett reagierte und damit RB Elliott große Räume bot. Für Elliott wäre es oft schwieriger gewesen, einem Kind einen Lutscher zu klauen als 20-30yds Raumgewinn zu erzielen.

Rose Bowl – Stanford 45, Iowa 16. Im Vorfeld der Partie hatte ich bereits über Stanfords weißen RB #5 Christian McCaffrey geschrieben, und McCaffrey lieferte eine atemberaubende Show ab mit 18 Carries, 182yds. 4 Catches, 105yds und TD. 1 Kick Return für 28yds. 1 Punt-Return TD über 63yds. Der Mann ist eine Augenweide.

Gott sei Dank muss er als Sophomore 2016 am College bleiben. Er wird als Heisman-Favorit in die Saison gehen und ist zumindest noch ein Jahr vor einer einfallslosen NFL gefeit.

Langweiliges Spiel, weil klares Ergebnis, aber ein fantastischer McCaffrey und als Abschluss wie jedes Jahr die Dämmerung über der Rose Bowl in Pasadena – das neue Jahr kann beginnen.


Sugar Bowl – Ole Miss 48, Oklahoma State 20. Ein Spiel, das exakt nach Skript verlief: Oklahoma States unterirdisches Laufspiel kam nie in Schwung, und als die Cowboys zum ersten Mal positive Yardage erreichten (drittes Viertel), lag man bereits 6-34 und somit hoffnungslos zurück.

Ole Miss mit einer diesmal bis in die Haarspitzen feurigen Vorstellung, wetzte die Scharte vom letztjährigen Peach-Bowl Debakel gegen TCU (3-42 Pleite) aus und positioniert sich mit diesem Sieg trotz einiger Abgänge Richtung NFL (DT Nkemediche, LT Tunsil, WR Treadwell) als ernst zu nehmender SEC-Anwärter auch für die nächsten Jahre.

Goodie der Partie war ein Trickspielzug von Ole Miss, von dem man vor einem Jahr just in jener Partie gegen TCU auseinandergenommen worden war.

6 thoughts on “College Football 2015/16 – Was vom Jahreswechsel übrig bleibt

  1. Danke, toller Rückblick!

    Letztlich waren es leider zu viele Blowouts, so war es nicht der Genuss von anderen Jahren. Die Ratings bei ESPN waren ja auch eher schlecht. Will Leitch hat das ganz gut getroffen, Kombination aus Blowouts und Sylvester machen den Playoff 2015-16 zu einem Flop: http://www.sportsonearth.com/article/160845500/college-football-playoff-new-year-eve-bad-idea

    Clemson v. Oklahoma: Wie ich erwartet habe, Clemson dominiert mit seinen Lines. Freue mich für Clemson, die Tigers sind besser als ihr Ruf und der Ruf der ACC. V. Alabama wird es nun natürlich schwierig, aber aussichtslos in das Unterfangen nicht.
    Gute Lines und ein mobiler QB wie Watson sind die zwei wichtigsten Zutaten zu einem Upset gegen Bama.

  2. Habe ich das richtig mitbekommen, dass im Draft 2017 eine ganz gewaltige RB Klasse auflaufen könnte?
    Fournette, Cook, Gallman, Freeman, Michel, Chubb, Perine auch MacCaffrey. Das klingt nach einigen #1 Picks.

    Da sieht die 2016 Klasse eher lau aus mit Elliott und Henry. Wie werden die beiden eingeschätzt? Elliott soll ja einen viel besseren Draft Status haben als Henry, aber Henry ist ein Monster, gegen den sieht auch ein Linebacker nur wie ein normaler mensch aus. Hab aber gelesen, dass, ihm das nicht zugute kommt was die NFL angeht.

    Die Frage, die sich mir dabei stellt: Sollte eine Franchise auf 2017 warten wenn sie einen RB draften will wo ein RB wohl viel billiger zu haben sein wird weil es ein Überangebot gibt?

    Wie siehst du / ihr das?

  3. Allgemein wurden ja in den letzten Jahren immer weniger RBs in der ersten Runde gezogen, weil man halt heutzutage in der NFL mehr aufs Passspiel setzt und echte RBs, die einen wirklichen Unterschied machen können, sehr rar sind. man fährt halt auch mit einem „nur“ überdurchschnittlichen RB schon sehr gut. Aber in der 2017er Klasse könnten wieder ein paar echte Granaten dabei sein.

    Zu Henry/Elliott: Henry wird es nach Meinung vieler Experten sehr schwer in der NFL haben, da er ein reiner Powerback ist, der von Nord nach Süd durchbricht. Im College geht das oftmals noch gut, aber schon gegen Michigan State hat man gesehen, dass bei ihm rein gar nichts mehr geht, sobald er nicht schnurgerade nach vorne rennen kann. Wenn er mal zur Seite ausweichen muss, ist der Spielzug quasi schon vorbei. Außerdem hat er einen sehr aufrechten Laufstil, was wohl auch nicht gut in die NFL übertragbar ist.
    Elliott ist da einfach deutlich vielseitiger und auch sonst in meinen Augen (und denen vieler anderer) einfach nochmal talentierter.

  4. Btw: Falls jemand eine englischsprachige Draftseite besuchen möchte, kann ich nur den frisch online gegangenen draftwire von USA Today empfehlen. Für die Seite schreibt Jon Ledyard, ein wirklich sehr guter Draftnit und Scout, der auch mal Meinungen abseits des Mainstreams vertritt und wirklich sehr gut Tapes analysiert (und nicht nur abschreibt, so wie es 99% der anderen Draftseiten voneinander machen).
    http://thedraftwire.usatoday.com/

  5. @Rice Up

    In einem Jahr kann sich viel aendern. Das gilt grade fuer den Draft. Sprich wenn du dieses Jahr eine Moeglichkeit hast einen RB an passender Stelle zu draften, macht es wenig Sinn zu Gunsten einer mehr oder weniger unsicheren Moeglichkeit im naechsten Jahr darauf zu verzichten.

    Und bzgl. RBs: der heurige Jahrgang galt ja schon als extrem stark besetzt auf der Position und war gespickt mit Talent. Schau dir die Mannschaften an, die diese RBs gedraftet haben – von 18 gedrafteten RBs stehen genau 3 in den Playoffs, der erste davon wurde in Runde 3 von Arizona gedraftet, dann Runde 5. Der Zusammenhang ist natuerlich nicht so eindeutig wie sich das anhoeren mag. Allerdings ist RB als Position halt nicht der Game Changer im modernen NFL-Football – ganz im Gegensatz zum College.

    Oder um deine Frage umzuformulieren: wuerde eine Mannschaft zu Gunsten des naechsten Drafts heuer auf IRGENDEINE Position verzichten? Nein, nicht mal bezogen auf QBs, weil auch da die Unsicherheit zu gross ist. First-Round Projections von heute koennen im naechsten Jahr schon in den 3. Tag rutschen und ein Leben als Backups verbringen. Auf den naechsten Draft warten macht insofern keinen Sinn – fuer den naechsten Draft planen und traden natuerlich schon.

  6. @Philipp: Dass RB nicht mehr so wichtig sind, ist mir klar😉
    Auch wenn sich das mit dem Trend zur Spread Offense in der NFL wieder ändern könnte. und ein Macaffrey hat das Potenzial die RB Position neu zu erfinden als Offensiv Weapon wie es die NFL noch nicht kennt (außer vielleicht Sproles).

    Henry würde ich auch nicht anrühren, weil überhaupt keine Waffe im Passing Game. Finde den aber spannend gebaut, solche großen RB hat man nicht oft gesehen. Ist fast so ein Monster wie Jacob bei den Giants.

    Sonst vielen Dank für die Antworten. Picks nicht verzögern um ein Jahr habe ich glaube ich verstanden.

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