Die große NFL Playoff-Analyse 2015/16

Das offizielle Power-Ranking wird erst morgen folgen, aber heute schon einmal ein Blick auf alle Playoff-Teams und ihre Profile.

NFL Playoffs 2015-16 Stats und Profile

Pass-Offense: Der Liga-Durchschnitt für Effizienz war 6.4 NY/A mit einer Standard-Abweichung von 0.6 NY/A. Sieben Playoff-Teams haben eine überdurchschnittliche Pass-Offense, fünf von ihnen liegen über eine Standardabweichung über dem Durchschnitt.

Mit Arizona, Pittsburgh und Cincinnati sind die drei besten Pass-Offenses der Liga in den Playoffs, dazu mit Seattle, Washington (!) und New England die #5, #6 und #7. Carolina, Denver und Kansas City hatten relativ mittelmäßige Pass-Offenses.

Mit Green Bay, Houston und Minnesota sind allerdings auch Pass-Angriffe aus dem untersten Leistungsviertel der NFL in den Playoffs. Auffällig sind dabei vor allem die Packers, mit 5.7 NY/A als einziges Playoff-Team mehr als eine Standardabweichung unter dem Durchschnitt – und viertschlechtester Passangriff der NFL. Trotz Aaron Rodgers.

Lauf-Offense: Die vier besten Run-Offenses stehen in den Playoffs. Mit Cincinnati, Houston und Washington sind aber auch drei sehr ineffiziente Run-Offenses mit dabei.

Offense-Interceptions: Turnover killen dich. Gleich die fünf „sichersten“ Pass-Offenses stehen in den Playoffs, und sie alle haben unter 2% INT-Quote. Allerdings sind mit Denver (3.8%) und Pittsburgh (3.6%) auch zwei der drei lockersten Abzugshändchen in den Playoffs – aber beide Mannschaften haben in anderen Kategorien extrem gute Werte um diese Turnover-Anfälligkeit zu kaschieren.

Offense-Fumbles: Einzig Washington hat sich als fumble-anfällige Mannschaft erwiesen.

Offense allgemein: New England hat die kompletteste Offense der Liga mit #7 Pass, #2 Lauf, #1 Interceptions und #3 Fumbles. Viel ausbalancierter kannst du nicht mehr sein. Wenn nach der Bye-Week Leistungsträger wie Edelman oder Amendola zurückkehren sollten, dürften die Patriots auch die horrende Offense Line durchschleppen können.


Pass-Verteidigung: Pass-Defense ist wie Pass-Offense immens wichtig. Gleich die sechs besten Pass-Defenses der Liga stehen in den Playoffs: Denver, Carolina, Houston, Kansas City, Seattle und Cincinnati. Insgesamt 9 der besten 10 Pass-Defenses sind Playoff-Defenses (einzig die #7 Jets haben es in letzter Sekunde vermasselt).

Nicht eine einzige Pass-Defense ist mehr als eine Standardabweichung vom Liga-Schnitt entfernt.

Lauf-Verteidigung: In Washington ist nur ein einziges Team eine Standard-Abweichung schlechter als der Liga-Schnitt.

Defense-Interceptions: Auffällig: Die vier besten Abfangjäger der Liga (Carolina, Kansas City, Arizona, Cincinnati) stehen in den Playoffs. Gemessen an der Wichtigkeit von Turnovers ist das auch nicht überraschend. Beim Drüberschauen fällt auf, dass die Patriots, traditionell eines der INT-hungrigeren Teams, heuer nur 2.0% INT-Quote hatten, also eine Interception alle 50 Passversuche. Kein Team ist mehr als eine Standardabweichung unter Liga-Schnitt.

Defense allgemein: Denver, Carolina und Seattle haben brutal ausgeglichene Defenses ohne echten Schwachpunkt, den du attackieren könntest.


Strafen: Mit Arizona und Minnesota sind zwei der diszipliniertesten Teams in den Playoffs. In Denver ist nur ein Team dabei, das mehr als eine Standardabweichung härter / undisziplinierter ist als der Liga-Schnitt.


Generell fällt auf, dass bis auf Washington kein Team in mehr als einer Kategorie rot eingefärbt ist, also schlechter als eine Standardabweichung unter Ligaschnitt ist.

Formkurven: AFC

Hier die Formkurven aus dem Power-Ranking über die einzelnen Wochen – nota bene: Ich habe alle Wochen nach der „neuen“ Berechnung (Umstellung Run-Offense Anfang Dezember) berechnet, also teilweise rückwirkend. Daher stimmen die Zahlen vielleicht nicht immer 1:1 mit den in den Power-Rankings bis Woche 11 publizierten Daten überein.

AFC Leistungskurve 2015

Das Bild in der AFC sieht einen Fünferpack, der seit Wochen auf den einen Punkt um ca. 68% Win-Percentage hinstrebt, plus abgeschlagene Houston Texans, die sich aber wenigstens nach einem schwachen Saisonstart recht kontinuierlich nach oben verbessert haben.

Die Patriots sind fast seit Beginn das beste Team der AFC nach den Metriken des Power-Rankings. Ihren Höhepunkt hatten die Patriots in Woche 8 als man das damals formstarke Miami mit 36-7 aus dem Stadion schoss. Seither gibt es einen langsamen Abstieg der Leistungskurve zu beobachten.

Die beiden AFC North Teams Cincinnati und Pittsburgh sind im Power-Ranking von Woche 17 fast 1:1 gleichauf: Die Steelers haben Cincinnati um einen Hundertstelpunkt Wahrscheinlichkeit überholt.

Cincinnati hatte einen gewaltigen Saisonstart, als man u.a. Kansas City und Seattle zerlegte. Die Chiefs waren zum Zeitpunkt 1-3, die Seahawks 2-3, ergo nahm man die Bengals-Leistungen vielleicht nicht für voll. Aber es waren Granaten. In Woche 8 folgte ein Knick: Cincinnati, bis dahin eine total dominierende Pass-Offense, erlebte gegen Pittsburgh beim 16-10 Sieg einen sehr harzigen Tag in der Offense und wurde nur durch die Defense herausgerissen. Danach spielte man wochenlang beständig auf hohem Niveau, ehe es seit Daltons Ausfall ganz, aber nur ganz leicht, abwärts ging.

Pittsburgh bewegte sich das ganze Jahr einen Tick unter dem absoluten Elite-Level, u.a., weil man QB Roethlisberger für einen Teil der ersten Saisonhälfte vorgeben musste und seine Pass-Offense mit Leuten wie QB Vick durchschleifen musste. Roethlisberger spielte nach seiner Rückkehr in mehreren Wochen teilweise wie von einem anderen Stern. Dass Big Ben die eine oder andere INT zu viel warf, fällt nach den Metriken des Power Rankings nicht so schwer ins Gewicht.

Die AFC West ist auch ein interessanter Case-Study. Denver lavierte sich in der ersten Saisonhälfte mit einer unglaublichen Defense, aber einer unterirdischen Offense zu einer starken Start-Bilanz. Ich schrieb häufig, dass diese Bilanz nicht zu halten sein wird. Dann folgte das fassungslose Spiel gegen Green Bay in Woche 9, als man die Packers 29-10 zerlegte und mit einem Mal in die Elite des Power-Rankings schnellte.

Aber das Spiel war ein kompletter, allein stehender Ausreißer. QB Manning fiel hernach wieder in alte Muster zurück und musste schließlich verletzt runter. Trotzdem ist die Broncos-Offense seit Mitte November eine ganze Kategorie besser unterwegs als noch im September. Sie ist nicht „gut“, aber sie ist zumindest auch nicht mehr die schlechteste der Liga.

Denvers Leistungskurve steigt seit Ende November stetig an. Das hat einen Grund: Denvers Gegner wurden immer stärker, aber die reinen Effizienz-Stats wurden nicht schlechter. Denver fuhr also gleiche Zahlen gegen bessere Gegner ein – das Power Ranking honoriert das.

Kansas City! Die Chiefs sind 1-5 in die Saison gekommen, aber wie ich schon damals schrieb: Das war kein Gurkenteam. Die Chiefs waren 1-3 in engen Spielen und hatten RB Charles vorgeben müssen. Sie verloren mit 7 gegen Denver nach einem Freak-Return TD in der letzten Minute. Sie verloren mit 1 gegen Chicago. Sie verloren mit 6 gegen Minnesota.

Nach Woche 6 hatte Kansas City eine 1-5 Bilanz, im Power-Ranking aber ein fast genau durchschnittliches Team. Regression musste kommen, und Regression kam. Vielleicht sogar mehr als Regression. Mit einem deutlich einfacheren Schedule und verbesserter Leistung sind die Chiefs seither 10-0 gegangen.

Im Ranking hat man sich in Woche 7 (23-13 in Pittsburgh) und 8 (45-10 Demontage der Detroit Lions) nach oben katapultiert. Der kleine Knicks in Woche 9 war die Bye-Week. Dann folgte ein 29-13 gegen Denver, das gerade eine Woche zuvor Green Bay zerlegt hatte, und seither sind die Chiefs ein Top-7 Team, auch wenn sie damals nur 4-5 nach Record waren. Nur 3 der 10 Siege in der Serie waren innerhalb eines Scores – allerdings hatten die Chiefs auch seit dem Denver-Spiel keinen nennenswert schwierigen Gegner mehr zu bespielen.

Houston? Lange Zeit unter ferner Liefen. Der Saisonstart der Texans war bescheiden, 1-4 nach Siegen. Wie die Chiefs 1-3 in engen Spielen, u.a. nur 20-27 gegen KC und 17-24 gegen CAR. Aber es war ein Team ohne Stärken: Schwache Pass-Offense, mittelmäßige Pass-Defense.

Bis heute ist Houston kein gefährliches Offense-Team, aber die Pass-Verteidigung hat sich massiv gesteigert und ist eine Top-3 Unit. Mit einer ganz starken Serie im November (Siege en suite gegen CIN, NYJ und NO) hat man sich ins Mittelfeld katapultiert, wo man bis heute rangiert.

Die Texans sind 8-8 und nach Power-Ranking mit .48 ein fast genau durchschnittliches Team. Sie sind also keine unterirdische Truppe, zu der sie manchmal gemacht werden. Aber im Vergleich zum Rest der AFC fällt Houston doch deutlich ab.

Formkurven: NFC

NFC Leistungskurve 2015.png

Die meisten werden es gefühlt haben: Die NFC ist eine Dreiklassengesellschaft. Tier 1 wird vom dreiköpfigen Monster Arizona, Seattle und Carolina gebildet. Tier 2 von Minnesota und Green Bay, Tier 3 von den Washington Redskins, wobei: Wenn du die Formkurven von Packers und Redskins noch eine Woche weiterzeichnest, begegnen sich die beiden auf Augenhöhe. Praktischerweise ist diese eine Woche genau nächsten Sonntag: Dann treffen Washington und Green Bay in den Playoffs aufeinander.

Schauen wir zuerst nach oben: Arizona ist quasi seit Anfang der Saison das NFC-Kronjuwel. Die Cards hatten zu Saisonbeginn wenige nennenswerte Gegner, aber sie schossen alle ihre Gegner mit Kantersiegen aus dem Stadion – ein Zeichen einer dominanten Mannschaft. Weil die Cards gegen St Louis (22-24) und Pittsburgh (13-25) Eier legten, waren sie fast die komplette Saison aus der Diskussion um MVP und Perfect-Season, aber du siehst im Ranking keinen richtigen Knicks, sprich: Auch in ihren Niederlagen zeigte man keine schlechten Leistungen.

Den Hype hatte Carolina, das bis Woche 16 ungeschlagen blieb. Seattle war schon in Woche 1 nicht mehr ungeschlagen und stand nach einer Pleite im direkten Duell mit Carolina (noch dazu zuhause!) zwischenzeitlich sogar mit 2-4 da – und einige meinten schon, Panik schieben zu müssen.

Wenn wir aber auch die Zahlen „hinter“ den Ergebnissen schauen – und das Power Ranking macht genau das – sehen wir, dass Carolina und Seattle durchaus vergleichbare Saisonverläufe erlebt haben. Der Unterschied: Carolina spielte den einfachsten Schedule der Liga und konnte auch bei mäßigen Vorstellungen gewinnen, während Seattle es schwieriger hatte, und gegen Top-Teams halt statt knapp zu gewinnen, knapp verlor.

Vergleich:

CAR: +11 @JAX, +7 vs HOU, +5 vs NO, +4 @SEA, +3 vs IND (OT)
SEA: -3 @STL, -10 @GB, -3 @CIN, -4 vs CAR, -7 vs ARZ

Der andere Unterschied: Carolina hatte den einen “WOW”-Moment, als man in Woche 9 Green Bay nach Strich und Faden zerlegte. Der 37-29 Endstand spiegelt nicht die wahren Kräfteverhältnisse wieder. Carolina spielte die Packers an die Wand und katapultierte sich mit dieser Leistung von „okay“ zu „Top 5“ der Liga.

Seattle hatte diesen einen Moment nicht so deutlich. Die steilste Steigung hatte man in Week 13, als man Minnesota in Minneapolis 38-7 zerlegte und eine fantastische Vorstellung bot. Sonntag dann übrigens die Wiederholung jenes Spiels in den Playoffs.

Minnesota? Ich war lange skeptisch. Ich bin es noch immer. Die Vikings lavierten sich als unterdurchschnittliches Team in der ersten Saisonhälfte zu einer 7-2 Bilanz. Erst in Woche 10 kratzte man im Ranking zum ersten Mal die .500 Marke. Seither ist man „nur“ noch 4-3, hat sich aber in den Zahlen hinter den Ergebnissen verbessert.

Ein Grund hierfür ist natürlich auch der Schedule, der in der zweiten Hälfte massiv war: 2x Packers, Falcons, Giants, Seahawks, Bears, Cardinals. Viel schwieriger geht nicht, und 4-3 ist dagegen aller Ehren wert. Ohne den einen brutalen Ausrutscher gegen Seattle wären die Vikings noch deutlicher nach oben geklettert.

Green Bay müssen wir nicht mehr diskutieren. Die Leistungskurve zeigt deutlich, was wir bereits wissen: Es geht seit einem respektablen Saisonstart kontinuierlich und unaufhaltsam bergab.

Washington wurstelt sich am unteren Ende des Spektrums durch die Saison. Die Redskins sind ein LWLWLLWLWLWLWWWW Team, das eben eine Woche gewann, ein verlor. Das gegen einen dürftigen Schedule. Mit einer schlechten Defense. Aber weil die Division nicht gut war und im Gegensatz die Pass-Offense um QB Cousins besser als erwartet (aber unbeständig), hast du mit 9-7 am Ende die Playoffs und eine recht „zackige“ Leistungskurve. Die Achterbahn hat man seit Anfang Dezember aber verlassen: Die Kurve geht nun stetig nach oben, und wenn man gegen die Packers so weitermacht, wird das ein ganz spannendes Spiel.

One thought on “Die große NFL Playoff-Analyse 2015/16

  1. Was wäre, wenn Green Bay`s Offense plötzlich (wider mein Erwarten) klickt? Mit Aaron Rodgers ist das schließlich kein Ding der Unmöglichkeit. Mit einer soliden Defense, einigen mutigen Play-Calls & Play-Off-Atmosphäre wären für mich sogar Außenseiter-Chancen drin. > Also: Würde die Packers nicht zu früh abschreiben.
    Ansonsten wird es in der NFC spannend genug, wer von den 3 dominaten Teams sich die Krone aufsetzt. Ich tippe da auf die Seahawks, die einen unglaublichen Run & die Mentalität haben, sowohl Carolina als auch Arizona zu vernichten.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s