Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals

Runde Zwei am heutigen AFC Wild Card Saturday: Pittsburgh Steelers (10-6, #6 Seed) @ Cincinnati Bengals (12-4, AFC North Champion, #3 Seed), Kickoff: 02.15Uhr. Via NFL Gamepass überträgt CBS mit Jim Nantz und Phil Simms; also sollte man unbedingt eine der deutschsprachigen Übertragungen wählen: PULS4 in Österreich oder Sat.1/ran.de mit Frank Buschman und Patrick Esume.

08. Januar 2006, Cincinnati

Am 08. Janur 2006, fast auf den Tag genau vor zehn Jahren, gab es das letzte Aufeinandertreffen der beiden Divisionsrivalen in den Playoffs. Im ersten Spielzug wirft der Quarterback des AFC North Champions Cincinnati Bengals einen Paß über 66 Yards zum Touchdown. Kurz nachdem der Ball seine Hand verläßt stürzt Steelers-Verteidiger Kimo von Oelhoffen in Palmers linkes Knie: Kreuzbänder kaputt, Patellarsehne kaputt.

Carson Palmer war danach nie wieder der gleiche. Sein Spiel hatte gelitten, auch war er nicht zufrieden mit dem Management, die Mannschaft um ihn herum wurde einfach nicht besser. In den folgenden fünf Spielzeiten erreicht Cincinnati nur einmal die Playoffs. Entnervt erklärt Palmer nach der Saison 2010, daß er nie wieder für die Bengals spielen wird. Wird er nicht getradet, tritt er zurück. Mike Brown gibt sich dickköpfig. Palmer hat Vertrag, entweder Palmer spielt hier order gar nicht.

Am 28. April 2011 draften die Cincinnati Bengals WR A.J. Green (Georgia) in der ersten, Runde QB Andy Dalton (TCU) in der zweiten. Bereits in den beiden Jahren zuvor draftete man hervorragend, nur würde man das erst später sehen: OT Andre Smith, DEs Carlos Dunlap und Michael Johnson, LB Ray Maualuga und nicht zuletzt der 4th-rd pick 2010: DT Geno Atkins. Alle spielen heute tragende Rollen in Cincinnati.

Am 18. Oktober, kurz nach dem Tode von Al Davis, bieten die Okaland Raiders einen 1st- und einen 2nd-rd pick für Palmer. Man ist zufrieden mit Dalton und schlägt zu. In den nächsten beiden Jahren kommen per Draft immer mehr heutige Leistungsträger hinzu: 2012 CB Dre Kirkpatrick, Guard Kevin Zeitler, WRs Momo Sanu und Marvin Jones, Safety George Iloka. 2013 und ’14 schließlich TE Tyler Eifert, die RBs Gio Bernhard und Jeremy Hill, Allzweckwaffe Rex Burkhead. Als 2014 in der fünften Runde der zweimalige National Champion, Alabamas Quarterback A.J. McCarron noch auf dem Board ist, greift man zu.

Fünf Jahre Dalton – Fünf Jahre Playoffs

Nach dem Carson-Palmer-Trade erreichen die Cincinnati Bengals fünf Mal in Folge die Playoffs. Sie werden ein ligaweites Vorbild für die Zusammenstellung ihres Kaders: das Team wird durch die Draft gebaut, die jungen Spieler werden langsam herangeführt und von klugen, geduldigen Coaches entwickelt. So wie es auch Green Bay und Pittsburgh seit Jahren machen und damit erfolgreich sind.

Zwei dieser Coaches verließen die Bengals nach der Saison 2013, um für sich selbst den nächsten Schritt zu machen und Cheftrainer zu werden. Offensive Coordinator Jay Gruden begab sich auf Himmelfahrtskommando in Washington – und empfängt als NFC East Champion morgen zu Hause die Green Bay Packers. Der Defensive Coordinator Mike Zimmer gewann mit seinen Minnesota Vikings die NFC North vor den Packers und empfängt morgen die Seattle Seahawks.

Es ist eine einzige Erfolgsstory seit die Bengals von Palmer den Tritt in den Hintern bekamen. Nur der Playoffsieg fehlt noch. Selbst für Palmer zahlte es sich aus. Nach einer Weile im schwarzen Loch Oakland wechselte nach Arizona, wo der neue Head Coach Bruce Arians genau so jemanden wie ihn gesucht hatte. Mit ihrer 13-3-Bilanz haben Arians und Palmer mit ihren Cardinals diese Woche spielfrei.

Big Ben, Arians, Haley

Bei den Pittsburgh Steelers entwickelte Arians den jungen Ben Roethlisberger und erreichte zwei Super Bowls. Super Bowl XLIII gewannen die Steelers am 01. Februar 2009 gegen die Arizona Cardinals. Deren Offensive Coordinator war Todd Haley, Head Coach Ken Whisenhunt, der Vorgänger Arians‘ als OC bei den Steelers.

Nach der Saison 2011 wurde Arians von Pittsburgh vor die Tür gesetzt, sehr zum Ärger von Ben Roethlisberger. Mit dem neuen Offensive Coordinator Todd Haley verstand sich Big Ben zu Beginn nicht gut. Viel zu viele Screen-Pässe, viele Three Step Drops, diese ganze blöde Zeug, auf das Ben und Bruce nie Bock hatten. Der Fokus aufs Raketenwerfen hatte vorher allerdings auch dazu geführt, daß Big Ben viel zu viele heftige Hits einstecken mußte. Er war nun über 30 mit langer Verletzungshistorie, die Franchise wollte ihn besser schützen.

Es hat einige Zeit gedauert, aber jetzt hat der Angriff eine Form gefunden, der beide Seiten glücklich macht und mit zum explosivsten gehört, was man zur Zeit in der NFL bewundern kann. Es gibt zwar immer noch viele Screens, aber wenn ein Antonio Brown diese fängt, sieht das manchmal eher aus wie ein Punt Return.

Unglücklicherweise fehlt, wie schon letzte Saison in den Playoffs, der einzige Mann, der noch explosiver ist als AB: RB LeVeon Bell. Der fehlt schon länger, DeAngelo Williams war in den letzten zehn Spielen ein guter Ersatz mit 907 Yards bei 4,5Y/A am Boden und 40 gefangenen Pässen. Aber nun ist auch Williams verletzt. Sein Ersatz ist ein gewisser Fitzgerald Touissant, in dieser Saison 18 Läufe für 42 Yards. Ob er auch Bälle fangen kann und ob der 1,75m-Winzling etwas von Blitz pick-up versteht – das ist eines der großen Fragezeichen in dieser Partie.

Spread Offense vs All-you-can-think-off-Offense

Pittsburgh muß es schaffen, konsistent die Ketten zu bewegen. Da sie sich auf das Laufspiel nicht verlassen können, spricht vieles dafür, daß es natürlich viele Screens geben wird; daneben wird es wahrscheinlich viele Empty Sets geben: wenn unser RB schlecht ist, dann lassen wir ihn doch einfach draußen. Mit Brown, Martavis Bryant, Markus Wheaton, Darius Stonehands-Bey und Heath Miller können sie problemlos gefährliche Formationen ohne Running Back aufs Feld schicken.

Für die Bengals stellt sich dann die Frage, wer all diese Paßempfänger verteidigen soll. Glücklicherweise haben die Bengals in den letzten Jahre mehr 1st-rd picks in Cornerbacks investiert als jedes andere Team. Darqueze Dennard ist verletzt, aber Dre Kirkpatrick, Leon Hall und Pacman Jones sind fit und in Form. In der Mitte haben sie mit George Iloka und Reggie Nelson ein unbekanntes, aber sehr gefährliches Safety-Duo.

Wir erwarten hier also sehr viele Pässe, eher über die Kurz- und Mitteldistanzen. Cincy muß es schaffen, mit Atkins/Dunlap/Johnson bei den langen Paßversuchen soviel Druck auf Roethlisberger zu bekommen, daß er auf den schnellen Hot Read zurückgreifen muß. Big Plays dürfen die Bengals nicht erlauben, denn die eigene Offense wird auch nicht allzu viele machen.


Die Offense wird geführt von Hue Jackson, der als Head Coach der Raiders unbedingt Carson Palmer haben wollte. In Cincinati hat er eine wunderbar vielfältige Offense zusammengeschraubt für Andy Dalton – nur ist Dalton jetzt verletzt. Im letzten Spiel gegen die Pittsburgh Steelers, Mitte Dezember, brach er sich den Daumen.

Die Bengals haben gute Waffen: allen voran natürlich A.J. Green, als #2WR einen starken Marvin Jones, mit Tyler Eifert endlich auch einen sehr gefährlichen Tight End (13 TDs), Gio Bernard ist sehr gut als Space Player.

OC Jackson wird einen guten Plan haben, alle diese Waffen vorteilhaft einzubinden: es gibt viele 6OL-Sets; allerhand End Arounds und Reverses; Formationen, bei denen die beiden Offensive Tackles sich als WR aufstellen – alles dabei. Aber kann McCarron, mit der ganzen NFL-Erfahrung von drei Spielen und 119 geworfenen Pässen, diesen Angriff führen?

Pittsburghs Verteidigung wird ihm die Blitzes nur so um die Ohren werfen, davon kann man ausgehen. Allerdings scheint das Konzept von DC Keith Butler auch für die eigenen Verteidiger immer noch zu komplex zu sein. In beinahe jedem Spiel gab es mehrere Big Plays für den Gegner, weil es irgendwo in der Defense Konfusion gab, wer wen verteidigt, ob das noch Mann- oder schon Zonendeckung ist. Wenn McCarron davon profitieren kann, und wenn Jackson einige 1st Downs allein durch gutes Playdesign machen kann, könnte es lange spannend bleiben.


Am 08. Januar 2006 gewannen die Steelers als #6 Seed in Cincinnati, wo der #3 Seed mit seinem Backup-QB spielen mußte. Vier Wochen später gewannen Die Steelers den Super Bowl gegen die Seattle Seahawks.

12 thoughts on “Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals

  1. Vor die Wahl gestellt Buschmann zu hören, oder der Kaffeefahrtleserei von Nantz und Simms zu lauschen, gehe ich durch letzeres Tor. Die beiden lassen wenigstens nicht mein Trommelfell platzen, benutzen keine Fäkalsprache und wecken nicht die Nachbarn.

  2. Wenn ich wählen dürfte , Korsakoff , bewirbt dich mal bei pro7 Maxx als Kommentator , jemand der soviel Ahnung !!!!! hat , der soviel Wissen hat , der mus einfach ins Fernsehen, wir wollen nur die besten , dafür bezahlen wir ja genug Gebühren (ok , die privaten bekommen ja nichts, soviel ich weiss) .

  3. Esume ist mMn. der beste Kommentator von den Nasen bei Sat1/P7maxx. Allerdings fand da auch schon eine Angleichung zu den anderen Kommentatoren statt, manchmal hat man auch den Eindruck, dass er sich Mühe gibt nicht direkt zu sagen, dass der Co-Kommentar falsch liegt/Stuss redet. Das ist ganz unterhaltsam zu sehen😀
    Buschmann gibt sich ja nicht einmal Mühe mehr als Basis-Wissen bzgl. Football aufzubauen oder gar zu vermitteln.
    Viel schlimmer ist dagegen aber das bierernste Momentum-Geschwafel dieser anderen Knilche.
    Mehr als das Herunterbeten der Football-Yellow-Press-Headlines kann man aber auch selten dort erwarten.

  4. Die letzten Jahre hat Buschmann viel Stuss geredet, war aber begeister vom Sport.
    Zuletzt hat mich ran wenig überzeugt; zu diletantisch; zu billig; zu wenig ernst und zu konfus. Ich hatte auch den Eindruck, dass sich wenig Mühe gegeben wird. EIn wenig wird sich über Icke lustig gemacht, ein wenig football erklärt; aber die Faszination, die Begeisterung des Sportes wird nicht weitergegeben. Und das Buschmann immer noch keine Read options versteht machts nicht besser….. Dabei könnte man so schön den Platz am Rande nutzen um eine Tolle Show auf die Beine zu stellen…

  5. Finde die Experten alle ganz in Ordnung. Die haben selbst Football gespielt und wissen, wovon sie sprechen.
    Korsakoff wäre eher was für Sport1 US. Sat1 produziert für die breite Masse und da braucht es die Buschis und Ickes;-)

  6. Napoleon190 sprach von dem einen Experten der bei jedem Spiel rechts am Kommentatorenpult sitzt und die hatten alle aktiv mit Football zu tun.

  7. Ich finde das was bei ProSiebenMAXX geboten wird gar nicht so schlecht. Da gibt es vieles im deutschen Fernsehen was schlimmer ist z.B. überall da wo nur eine Person kommentiert, eine Unart die es meines Wissens vor allem in Deutschland gibt. Man darf bei dem Format halt auch nicht die Zielgruppe vergessen.

  8. Pingback: AFC-Wildcards 2015/16: Cincinnati Bengals – Pittsburgh Steelers live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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