Sideline Reporter NFL Power Ranking

NFL Power Ranking 2015/16, Woche 18

Nach vier Auswärtssiegen am Wild Card Weekend gehen wir in eine Divisional-Playoffrunde, in der erneut drei Auswärtsmannschaften höher eingestuft sind als ihre Counterparts auf heimischem Terrain.


Der Unterschied zu letzter Woche: In allen drei Fällen reicht der Heimvorteil für Favoritenstatus der Gastgeber aus. Aber die Aussage ist eh schon angekommen: Diese drei Matchups sind faszinierend eng. Einen echten Unterschied auszumachen ist wie das Haar in der Suppe zu suchen.

NFL Effizienz pro Down 2015, Wildcards

Sehr auffällig: Die verbliebenen Kandidaten haben kaum noch nennenswerte Schwächen. Die Pass-Offense der Packers bleibt natürlich ein Mysterium, dank QB Rodgers aber auch stets gefährlich. Einzige weitere echte Problemzone der Anwärter sind Interceptions (Denver, Pittsburgh) sowie Strafen (Denver).


New England Patriots vs Kansas City Chiefs – Ich weiß nicht, was man aus diesem Matchup machen sollte. Die Chiefs haben eine komplett schwer einzuschätzende Offense, die nur Querpass spielt und in WR Maclin diesmal den einzigen Wide Receiver von Format vorgeben muss (selbst wenn Maclin spielen sollte: Sprunggelenksverletzung!), plus ein variables Laufspiel. Aber mit Laufspiel allein machst du New England nicht nervös.

New England wartet mit 6.9 NY/A eine effiziente, aber keine großartige Pass-Offense auf. Die Patriots heißen nach wochenlangen Ausfällen die WRs Amendola und Edelman wieder im Kader willkommen.

So wichtig Amendola und Edelman sind, so sehr fragst du dich nach ihrer Fitness. Und wie ESPN unter der Woche anmerkte: Brady operiert sehr stark über die Spielfeldmitte – und genau dort sind die Chiefs erschreckend unüberwindbar.

Beide Rush-Offenses sind Top-3, beide Quarterbacks werfen kaum Interceptions. Bei den Pass-Defenses trifft die #3 (Chiefs mit 5.5 NY/A) auf die #9 (Patriots mit 6.0 NY/A). Kansas City hat eine hervorragende Interceptions-Quote.

Der Chiefs-Passrush ist in den Edge-Rushern Hali, Houston und Ford famos, aber bei den Patriots war schon immer eher der Druck über die Mitte das Problem als jener über die Flanken.

Schließlich Belichick gegen Andy Reid: Ein Duell alter Haudegen. Beide gelten als Füchse in der Vorbereitung, aber nur Belichick hat einen Ruf als geschickter in-Game Stratege.

5 Punkte Vorsprung für die Patriots in Las Vegas. Das Power Ranking ist mit weniger als 2 Punkten deutlich konservativer.


Arizona Cardinals vs Green Bay Packers – Neuauflage des Warner-vs-Rodgers Shootouts von 2009/10, als der Stern des Aaron Rodgers trotz knapper Niederlage erstmals landesweit ganz hell leuchtete. Natürlich auch Neuauflage des 38-8 Kantersiegs der Cardinals vor drei Wochen gegen Green Bay. Nun sind Kantersiege in der Regular Season nicht immer zwingend Vorboten eines Kantersiegs in den Playoffs, aber für ein echtes Upset gibt es nicht viele Ansätze.

Arizona hält gleich mehrere krasse Matchup-Vorteile: In der Pass-Offense bringen die Cards gleich über 2 NY/A mehr zustande als die Packers, bei jeweils recht ähnlich einzustufenden Pass-Verteidigungen (6.1 NY/A). Green Bay hat zwar das bessere Laufspiel, aber Arizona die bessere Lauf-Verteidigung.

In der Regular Season wurde Green Bay überrollt. Das hatte was von Rutgers Scarlet Knights gegen SEC, ein Klassenunterschied im Speed und in der Power. Die Front-Seven von Arizona überfuhr Green Bays Pocket zu zwei Handvoll Sacks. Dazu gibt es eine verlässliche Secondary, die nicht viel zu decken hat – den Packers fehlt morgen mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar WR Davante Adams mit Verletzung.

Arizona ist klarer Favorit: Las Vegas sieht einen 7-Punkte Spread. Das Power-Ranking sieht sogar einen 10-Punkte Spread. Eine viel deutlichere Ausgangslage wird es in einem Viertelfinale nicht mehr geben.


Carolina Panthers vs Seattle Seahawks – Panthers gegen Seahawks war in den letzten Jahren häufig eine immens physische, punktarme Auseinandersetzung: 12-7 und 13-9 fallen mir als Endresultate in den letzten Jahren ein. In der Regular Season gewann Carolina knapp 27-23 in Seattle – ein Spiel, das mit dem dritten 80yds-Drive der Panthers in der Schlussphase entschieden wurde.

Echte Unterschiede auszumachen ist schwierig. Beide setzen auf mobile Quarterbacks. Carolina ist etwas besser in der Run-Offense, weil man mit Pistol und Read/Option mehr Variabilität ins Feld führt, aber die Seahawks waren in den letzten Wochen besser im Passspiel.

In der Front-Seven haben die Panthers einen leichten Vorteil, im Defensive Backfield dürfte es ein 50/50 sein. Carolina hat vielleicht die bessere Offensive Line. Beide Teams sind extrem gut gecoacht und recht wiff darin, in suboptimal geworfene Bälle zu springen.

Im Power-Ranking schenken sich beide wenig. In Las Vegas sind die Panthers nur mit 2.5 Punkten vorne, was im besten Fall dem Heimvorteil (2.5 oder 3 Punkte je nach Anbieter) entspricht. Das Power-Ranking sagt, es ist knapper: Carolina mit 54%, was roughly 1.5 Punkten entspricht.


Denver Broncos vs Pittsburgh Steelers – Der unzerstörbare Roethlisberger gegen Zombie Peyton als eine Partie, die in der Regular Season in einem Shootout endete und von den Steelers nach großem Comeback noch gedreht wurde.

Die Steelers stellen auf dem Papier die deutlich explosivere Offense, aber die Frage nach Roethlisbergers Gesundheit muss gestellt werden. Ben konnte letzte Woche im finalen Drive in Cincinnati kaum einen Ball weiter als 3m werfen – eine kaputte Wurfschulter limitiert dich in dem Moment.

Denver stellt weiterhin die beste Pass-Defense im Lande mit 5.1 NY/A. Ein CB Harris wird einen WR Brown nicht im Alleingang aus dem Spiel nehmen, aber ohne die ganz großen Bomben Roethlisbergers wird ein Neutralisieren des wichtigsten Steelers-Receivers schon eine ganze Ecke einfacher.

Interessanterweise haben sowohl Denvers als auch Pittsburghs Offenses eine sehr hohe Interception-Rate: Über 3.5%, #31 und #30 der Liga. Gerade Roethlisberger leistete sich heuer bei aller Explosivität regelmäßig 1-2 Böcke pro Spiel. Und Manning war als neuer Interception-König der Liga sowieso ein Faszinosum.

Pittsburgh liegt im Power-Ranking vorn und hat das erste Spiel (in Denver) gewonnen – hat aber den Nachteil, auswärts anzutreten und geht deshalb knapp mit 48% Wahrscheinlichkeit als minimaler Außenseiter in die Partie. Las Vegas sieht das viel klarer: 6.5 Punkte Vorsprung für Denver. Müsste ich aber wetten, würde ich aufgrund Bens kaputter Schulter auf Denver setzen.


Ausführlichere Previews wird es wie gewohnt ab morgen von Seiten des Kollegen Herrmann geben.

NFL Power Ranking 2015, Wildcards.png

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. LW ist die Platzierung der entsprechenden Mannschaften in der letzten Woche.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für die Divisional Playoffs

Letzte Woche 3-1 bei Siegertipps und 4-0 gegen den Spread für das Power-Ranking. Die Wahrscheinlichkeiten für heute hatten wir eh schon kurz angesprochen: Dreimal innerhalb von 2 Punkten.

 NFL Wahrscheinlichkeiten Divisionals 2015-16

10 thoughts on “NFL Power Ranking 2015/16, Woche 18

  1. zu Broncos vs. Steelers: so wie es im Moment aussieht, wird Antonio Brown eher nicht spielen. Er ist noch im ‚Concussion Protocol‘ der NFL nach einem Hit von Vontaze Burfict, der dafür für die ersten 3 Spiele in 2016 suspendiert wurde. Sieht mMn ziemlich schlecht aus für die Steelers, auch DL Heyward und LB Shazier sind angeschlagen und haben das Training am Mittwoch verpasst.

    Cardinals vs. Packers stimme ich vollkommen zu, die Cards sind schon das kompletteste Team der NFL gerade. Panthers vs. Seahawks bin ich sehr gespannt drauf, wird bestimmt eng. Und zu guter letzt denke ich, dass Patriots vs. Chiefs dadurch entschieden wird, ob Brady wenigstens für 2 Sekunden eine saubere Pocket bekommt oder ob er bei jedem zweiten Dropback im Dreck landet, weil dann wird die Pats O vielleicht nicht besonders viele yards / Punkte machen…

  2. bei den Panthers wird es auch spannend sein, dass Backfield zu beobachten – Auf CB laufen neben Norman nur noch Jungs von der Straße rum – CB Tillman und CB benwikere sind raus für die Saison…

  3. @patpicksix
    Gebe dir natürlich Recht, mit einem angeschlagenem Ben und dem großen Fragezeichen hinter Brown ist man mMn recht deutlich Außenseiter. Bei Shazier und Heyward war es allerdings nur Vorsichtsmaßnahme, beide konnten gestern schon wieder trainieren und werden auflaufen. Bei Brown weiß man leider noch gar nichts, er hat gestern auch noch nicht trainiert, war aber schon wieder bei den Team-Meetings dabei. Heute soll er angeblich wieder leicht trainieren und dann muss man schauen, ob er bis Sonntag aus dem concussion protocol rauskommt.

  4. New England „keine großartige Pass-Offense“? Tom Brady brennt nicht in jedem Spiel ein Feuerwerk ab, aber er gewinnt, wenn es drauf ankommt. Es würde mich sehr überraschen, wenn die Chiefs in dem Spiel dran bleiben können. Der Hammer wäre natürlich wenn Gronk spielen würde, dann bräuchte KC gar nicht erst anreisen.😀

  5. @JoffreyG: okay, dann spielen wenigstens Shazier und Heyward. Aber für die Offense sieht es ohne Brown nicht so rosig aus: Bryant, Wheaton und Coates sind alles keine #1 WRs aber ich bin gespannt 😃

    @Dizzy: genau solche Kommentare führen dazu, dass Patriots Fans als arrogant wahrgenommen werden. Ich bin selbst einer. Und die letzten paar Wochen hatten die Patriots „keine großartige Pass-Offense“, man hat immerhin gegen Miami, die Jets und auch gegen die Eagles verloren.
    Und dann noch zu sagen, dass KC gar keine Chance hat, wenn Gronk spielt, ist entweder humorvoll oder ignorant gegenüber dem Talent und der Qualität von KC’s Team -.-
    Ich hoffe jedenfalls auf ein geiles Spiel in Foxboro mit lauter Kulisse und nem Sieger mit silbernen Helmen 😊 Go Pats!

  6. Pingback: Vorschau Divisional Playoffs 2015/16 – Kansas City Chiefs @ New England Patriots | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  7. Wie immer eine sehr lesenwerte Analyse.
    Die Panthers habe ich im Saisonverlauf nicht wirklich verfolgt und habe als Hauptgrund für ihre lange Serie ohne Niederlage etwas Glück und die schwache NFC South gesehen. Jetzt wird in dem Artikel wieder die starke O-Line hervorgeben. Vor der Saison bzw. nach dem Draft wurden sie von allen Seiten geschasst, dass man sich wieder keinen O-Liner gezogen hat. Was wurde hier geändert bzw. hat die O-Line so sehr verbessert? Was ist allgemein als Hauptänderung im Vergleich zu den letzten Jahren zu sehen? Wie bspw. Norman die Dinger aus der Luft gepflückt hat, hat schon Spaß beim zuschauen bereitet, aber das reicht doch nicht aus, damit auf einmal ein Contender auf dem Feld steht?!

  8. @Patpicksix: War nicht überheblich gemeint, sondern wie Du richtig vermutest, im Spaß. Die Liga ist eng. Jeder kann bei jedem gewinnen. Sorry, wenn ich einen Chiefs-fan vor den Kopf gestoßen haben sollte. Ich würde mich einfach riesig freuen, wenn Gronk wieder dabei wäre.

  9. Pingback: AFC-Divisionals 2015/16: New England Patriots – Kansas City Chiefs live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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