Vorschau Divisional Playoffs 2015/16: Green Bay Packers @ Arizona Cardinals

Divisional Playoffs,Runde Zwo heute abend, NFC Edition: Green Bay Packers (11-6, #5 Seed) @ Arizona Cardinals (13-3, #2 Seed), Kickoff 02.15Uhr. Bei NBC mit Al Michaels und Cris Colinsworth; In Deutschland und Österreich bei Sat.1/ran.de und PULS4.

Die Zombie-Offense aus Green Bay ist letzte Woche durch die Hauptstadt gewalzt und findet sich heute in der Wüste wieder. Sie sind die lebenden Toten der NFL. Planlos, ideenlos, übergewichtig und zerstritten: entweder sie trennen sich jetzt oder werden schwanger.

Der übergewichtige Teil der Zombies, RB Eddie Lacey, ist am letzten Sonntag in der zweiten Halbzeit durch Washingtons Verteidigung gerollt wie in seinen besten Tagen; und auch James Starks fand immer wieder Platz zwischen einer Front-7, die in der zweiten Halbzeit einfach kollabiert ist. Die dicken Jungs, die für viel Geld in der Free Agency verpflichtet wurden, um die Laufverteidigung stärker zu machen, Pot Roast Knighton, Chris Baker, Ricky Jean-Francois und Jason Hatcher, klappten einfach zusammen. Und das gegen eine Offensive Line, in der der Back-up-Center als Left Tackle auflief.

David Bakthiari, der etatmäßige Left Tackle, kehrt diese Woche nach einer Knieverletzung zurück. Damit werden die fünf besten Linienspieler der Packers das erste Mal seit vielen Wochen wieder alle gemeinsam auf dem Feld stehen. Aber ob das hilft?

Am 27. Dezember ebenhier in Arizona, wurde die Packers von den Cardinals gedemütigt. Nach einem lockeren Eingrooven im ersten Viertel haben die Cards innerhalb von 20 Minuten 31 Punkte gemacht. Dafür benötigten sie nur zwei lange Touchdown Drives; meistens hatte der eigene Angriff immer super Field Position, weil Aaron Rodgers zehn Mal gesackt wurde. Bei einem dieser Sacks verlor Rodgers auch noch den Ball, der per „Fat-Man-With-A-Ball-Run!“ zum Touchdown getragen wurde.

Arizonas Druck auf Rodgers war so überwältigend, daß am Green Bay am Ende, trotz der schlimmen Niederlage, vor allem froh war, Rodgers nicht ans Krankenhaus verloren zu haben. Arizona hat sich nicht allzu sehr um GBs Laufspiel geschert, sondern hat alles daran gesetzt, das Paßspiel abzuwürgen.

Arizonas Defense

Fünf Defensive Backs haben in Woche 16 mehr als 85% der Snaps gespielt – und dabei ist LB/S Deone Bucannon noch nicht mal mitgezählt. Vorne gab es viele vogelwilde Aufstellungen: Amoeba Fronts (oder auch Psycho Fronts, Times-Square-Defense u.ä.) hauptsächlich mit Edge Rushers, Linebackers und Campbell. Nose Tackle Rodney Gunther hat nur 20 Snaps gespielt. Bei den Amoeba Fronts gibt es nur ein oder maximal zwei Verteidiger mit den Händen im Gras, alle anderen lungern um die LOS herum, springen vor dem Snap noch von rechts nach links, von der A-Gap in die B-Gap oder ganz woanders hin. Das verwirrt Offensive Line und Quarterback, der noch viel häufiger als ihm lieb ist, auf seinen Hot Read zurückgreifen muß.

Diese wilden Fronts wurden in den letzten zehn Jahren ganz groß von Dick LeBeau und Rex Ryan gefeatured – und auch von Packers DC Dom Capers. Allerdings spielt Arizona unter DC James Bettcher dahinter meistens Man Coverage anstatt Zonenverteidigung. Das ist recht riskant, aber mit nur wenig oder ganz ohne Risiko zu spielen würde HC Bruce Arians Bettcher gar nicht erlauben.

Mannverteidigung kann man in Arizona aber auch spielen, weil Cornerback Patrick Peterson endlich ganz oben angekommen ist. Er ist einer der ganz wenigen Cornerbacks, der immer auf den #1WR angesetzt wird, den er ohne Hilfe 1-gegen-1 verteidigt, überall, auf dem gesamten Platz.


Damit kann Bettcher einige seiner übrigen Defensive Backs als Safeties oder „Robbers“ abstellen. Ein guter Angriff wird gegen eine Defense, die viel blitzt und dahinter Man Coverage spielt, immer einige Pässe anbringen. Mit tiefen Safeties verhindert man die Big Plays. Mit Robbers macht man die Turnovers. Ein Robber ist dabei ein Verteidiger, der bei einem Spielzug keinen genau umrissenen Aufgabenbereich hat, sondern QB und die WRs beobachtet und dann dahin geht, wo er seinem Verständnis nach die größten Chancen hat, ein erfolgreiches Play zu machen. Ideal für diese Rolle ist natürlich jemand wie Tyrann Matthieu, der leider verletzt fehlt. Poster Child für die Rolle des Robbers ist Kam Chancellor: ist er der Freelancer zwischen DLine, Sherman and Earl Thomas macht er den größten Terror (wird er dagegen in Man Coverage isoliert, sieht er öfter mal schlecht aus).

Also: Pressure plus Man Coverage, so ungefähr das schlimmste, was Green Bays Zombieangriff passieren kann. Es wurde schon oft genug überall geschrieben: die Schwäche der WRs im 1-gegen-1 zu gewinnen, ist das größte Problem für die Packers. Das zweitgrößte Problem ist die Dickköpfigkeit Mike McCarthys, diesen WRs nur selten Hilfe per Route Concepts zu geben. Es gibt zwar mittlerweile mehr Crossing Routes, Stack Formations und Pick Plays, aber das ist zu wenig, damit dieses Paßspiel rundläuft.

Zu oft ist es einfach eine Schulhofoffense: Rodgers rennt wild rum und versucht einen freien WR zu finden. Die WR laufen nicht mal richtige Routen, sondern versuchen sich einfach irgendwie freizumachen: Körpertäuschung hier, Shoulder Fake da, mal rechts, mal links; alles mögliche, aber eben eines nicht: professionelle Routen eines NFL-Receivers. Eher so Fußballtraining C-Jugend.

Es ist aber Aaron Rodgers. Er ist gut genug, um auf diese Art und Weise Plays zu machen. Es kommt so aber keine konstante Offense zustande. Das geht nur, wenn das Laufspiel funktioniert. Letzte Woche war es eher ein Zusammenbrechen der Redskins-D in Hälfte Zwei, die Green Bays Laufspiel gut aussehen ließ. Allerdings ist McCarthy da kreativer geworden und hat einige Spielzüge eingebaut, bei denen WR Randall Cobb sich im Backfield aufstellt. Wenn er sich schon nicht freilaufen kann, muß er eben Running Back spielen. Warum nicht? Wenn er erstmal den Ball hat, ist er einer der gefährlichsten.

Ein konstantes Laufspiel und viele Aaron-Rodgers-Plays-die-nur-Aaron-Rodgers-machen-kann: dann könnte Green Bay mithalten. Man darf trotz des Sieges letzte Woche nicht vergessen: diese Offense ist tot, sie laufen zwar noch irgendwie rum, aber so sind Zombies nun mal.

Arizonas Angriff

Die andere Offense dagegen ist very much alive. Nach allen erdenklichen Zahlen- und Augenmetriken haben die Cards den besten Paßangriff der Liga. QB Carson Palmer spielt die Saison seines Lebens – im Alter von 36 Jahren. 4671 Yards, 35TDs, 11INTs, 8,7Y/A. Zugute kommen ihm dabei zwei Dinge: das aggressive Playcalling Arians‚ und die starken Wide Receivers.

Für Bruce Arians gilt immer „Touchdown vor Checkdown„. Jeder Spielzug hat ein tiefes Element – und das soll in der Regel auch Palmers‘ First Read sein. Larry Fitzgerald spielt meistens aus der Mitte heraus, entweder direkt an der LOS oder nur knapp daneben im Slot. Er ist einer der spielklügsten WRs, wenn auch nicht mehr der allerathletischste. Von Arians hat er die Hines-Ward-Rolle bekommen: die Mitte dominieren und bei Laufspielzügen blocken wie ein Tight End.

Es gibt gar keinen richtigen #1WR in Arizonas Offense, am ehesten ist das noch Michael Floyd. Er sieht aus wie der klassische NFL-WR mit seinen 1,90m und 100kg, aber so richtig will er auch nach vier Jahren in der Liga immer noch nicht in die erste Klasse gehören. Der dritte WR, der sogar mehr Bälle gefangen hat als Floyd, ist John Brown. Der kleine Speedster zieht die Verteidigung in die Länge und schafft so mehr Platz für Fitz & Floyd.

Sehr interessant in Arians‘ Angriff ist, wie eng alle Angriffspieler vor dem Snap beisammen stehen. Wenn überhaupt, gibt es nur einen WR, der outside the numbers, also an der Seitenlinie steht. Meistens stehen alle sehr nah an der LOS. Der Vorteil in der Mitte ist: man kann in alle Richtungen laufen; steht man der Seitenlinie, ist eine Richtung schonmal aus dem Spiel genommen.

Auch spielt Arizona mit sehr vielen Tight Ends. Aufstellung mit drei Tight Ends sind keine Seltenheit. Jermaine Gresham, Troy Niklas und Darren Fells sind auch alle keine unbekannten. Dahinter hat sich vor allem Rookie-RB David Johnson einen Namen gemacht, nachdem Chris Johnson auf IR mußte und Juke Ellington sich schon seit Wochen mit einer unangenehmen Zehenverletzung rumplagt.


Green Bay hat eine sehr solide Defense, vorne wie hinten. Arizonas Angriff geht immer hohes Risiko, das bringt erhöhte Varianz mit sich. Sie waren zwar über die gesamte Saison sehr konstant, aber wenn hier zwei Big Plays fehlen und da der Fumble zum Gegner springt, könnte das knapper werden, als es den Cards lieb ist.

Es ist wahrscheinlicher, daß Green Bay-D Arizona bei relativ wenigen Punkten hält, als daß Green Bays Angriff einen Shootout mitgehen kann.

Ein Kommentar zu “Vorschau Divisional Playoffs 2015/16: Green Bay Packers @ Arizona Cardinals

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