Vorschau Divisional Playoffs 2015/16 – Kansas City Chiefs @ New England Patriots

Football!

Das schönste Wochenende des Jahres: die acht besten Teams an zwei Tagen gegeneinander – besser geht’s nicht. Sieben der acht verbliebenen Teams sind in korsakoffs Power Ranking in den Top-8. Bei den Football Outsiders sind nach DVOA alle acht Teams in den Top-10. Wir fangen an im Nordosten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und wohl zumindest zeitweise auch Niederschlag, bei diesen Temperaturen kann das alles mögliche sein von Regen über Eisregen bis hin zu echtem Schnee.

22.35 Uhr: Kansas City Chiefs (12-5, #5 Seed) @ New England Patriots (12-4, AFC East Champions, #2 Seed). Im Gamepass mit The Bird & The Beard, Ian Eagle und Dan Fouts. Bei Pro7Maxx und ran.de ab 22.10 mit ? (steht auf der ran.de Seite leider nicht) und natürlich bei PULS4.

Man macht gerne Witze über Andy Reid ob seiner tapsigen Art und seines oftmals katastrophalen Timeout Managements, aber kaum jemand versteht es so gut, sein Team Woche für Woche bestmöglich einzustellen. Einer der wenigen Head Coaches, die es in dieser Hinsicht mit ihm aufnehmen können, ist Bill Belichick. Es sind zwei der ganz wenigen Teams, die so gut wie nie abgeschossen werden, sondern immer bis zum Schluß in jedem Spiel um den Sieg spielen. Ironischerweise gab es letztes Jahr in Woche Vier für die Patriots eine böse Packung im Arrowhead Stadium – die dann natürlich der Turning Point einer Super-Bowl-Saison war. Es sollte heute lange knapp und spannend bleiben; worauf wird zu achten sein?

Bill Belichick & Matt Patricia vs The Big Play

Normalerweise versucht Belichick immer, den gefährlichsten Spieler des Gegners aus dem Spiel zu nehmen. Heute allerdings würde ich den Fokus woanders setzen: den Big Plays. Wenn die Patriots-D es schafft, keine Big Plays zuzulassen, ist das schon die halbe Miete.

Der Angriff der Chiefs ist nicht der allerbeste, aber einer der effizientesten. Nach Yards und First Downs sind sie nur im unteren Drittel der NFL; nach Punkten allerdings in den Top10. Hauptgrund dafür ist ihre gute Verteidigung und ihre guten Special Teams, die ihnen immer wieder hervorragende Field Position bescheren.

Die Hauptlast trägt dabei das Laufspiel – auch nach der Verletzung Jamaal Charles‘. Charcandrick West ist ein austauschbarer RB, der in einem guten System seine vier Yards pro Carry macht. Spencer Ware ist der dicke Brecher (103 kg auf 1,78m), der fast ein wenig an Jerome Bettis erinnert. In den letzten zwei Spielen hat Ware sogar mehr Carries bekommen als West.

Kansas Citys OLine ist nicht mal besonders gut, lebt aber von den kreativen Spielzügen, die Reid und OC Doug Pederson (der wohl der nächste Eagles-Head Coach wird) auf die Taktiktafel zaubern. Es gibt zone blocking schemes, ganz klassische man blocking schemes, plus einige option reads und Specials wie Jet Sweeps und End Arounds. Da aber weder die Linienspieler noch die Running Backs hochklassig sind, reicht es damit nur zu einem grundsoliden Laufspiel.

Den meisten Teams bereitet diese Vielfalt große Probleme. Buffalo mit OC Greg Roman hat zum Beispiel in dieser Saison einige Verteidigungen ganz groß ins Schwimmen gebracht; ebenso Roman mit den 49ers in den vier Jahren zuvor. Nun ist aber New Englands Verteidigung einer der wenigen, die darüber nicht nachts schweißgebadet aufwachen. Jede Defense von Belichick zeichnet sich aus durch zwei große Stärken: Disziplin und Foundamentals.

Disziplin meint hier meint gegen das Laufspien vor allem gap responsibility (oder gap integrity): jeder verteidigt genau seine ihm zugedachte „Bahn“, jeder hat seinen genau eingegrenzten Verantwortungsbereich. Das heißt: kein Verteidiger läßt sich verschaukeln. Die meisten Big Plays passieren dann, wenn ein Verteidiger seine „Gap“ oder „Lane“ verläßt, weil er seine Instinkte nicht unter Kontrolle hat. Die meisten langen (designten) Läufe von Kaepernick, Tyrod Taylor oder auch Russel Wilson passieren, wenn ein Verteidiger versucht den Helden zu spielen und seinen Verantwortungsbereich verläßt – oder durch verpaßte Tackles, also bad fundamentals. Macht jeder Verteidiger einfach den ihm zugedachten Job, kann für den Angriff immer noch drei oder viert Yards dabei rausspringen, aber damit ist jede Verteidigung zufrieden.

Und genau das sollte das Ziel New Englands hier sein: gib ihnen drei oder vier Yards in jedem Spielzug. Das ist völlig okay. Aber um so in die Endzone zu kommen, benötigen die Chiefs mindestens 10 Plays pro Drive. Wie oft können die Chiefs das durchziehen? So viele Plays ohne Fehler?


Nur die Jets-D hat in dieser Saison mehr 3&outs verursacht als die Patriots. Sind es tatsächlich nur drei Yards pro Spielzug, ist die Offense der Chiefs ganz schnell und oft wieder auf der Bank. Dafür ist die Verteidigung der Pats gut genug. Was bei diesem Ansatz allerdings nicht passieren darf, ist ein Big Play zulassen. Also sollten sie das gesamte Spiel über Safety Devin McCourty ganz tief patroullieren lassen, zumal der wohl mittel bis schwer angeschlagene Jeremy Maclin (Knöchelprellung) nicht topfit sein wird. Bei 3rd Downs wird dann auch noch Safety Duron Harmon die tiefen Dinger aus dem Spiel nehmen. Dann braucht es noch sichere Tackles in den kurzen Zonen: Malcom Butler und Logan Ryan außen, sowie die stets sehr sicheren LBs Jamie Collins und Dont’a Hightower innen. So können sie den Score niedrig halten, denn die Pats-D gegen den Lauf mit ebenjenen Collins/Hightower und der tiefen D-Line-Rotation sind diszipliniert.

Neben dem Big Play könnte Tight End Travis Kelce hier der sogenannte X-Factor sein. Kelce ist gut genug, einen Safety wie Pat Chung alt aussehen zu lassen. Er ist auch der einzige (neben einem fitten Maclin), der konstant Bälle fangen kann. Alle anderen, wie die jungen Albert Wilson und Chris Conley leben hauptäschlich davon, durch kreative Spielzüge in Szenen gesetzt zu werden, und dann ein oder zwei überaggressive Verteidiger aussteigen zu lassen. Das wird gegen NE nur selten passieren.

Also: Big Plays, Kelce, und Red Zone Efficiency – wenn KC schon mal in die Redzone kommt, müssen sie auch Touchdowns machen. Das könnten ein ziemlich langweiliges Duell werden für den Zuschauer, der sich vor allem von spektakulären Aktionen ernährt; der Connaiseur gelungener Tackles und Disziplin könnte sich dieses Tape schonmal als „how-to-“ oder „best-practice“-Video für die Offseason vormerken.

Es ist ein Duell zweier Teams, die vom talent level her nicht die Krönung der NFL sind, die aber von den Fundamentals und dem Coaching her, an der Spitze der NFL stehen.

Bub Sutton vs Josh McDaniels

Auf der anderen Seite ist die Hauptfrage: was hat sich Josh McDaniels ausgedacht, um den starken Pass Rush der Chiefs zu umgehen? Es ist ein match-up Stärke gegen Schwäche: Justin Houston und Tamba Hali gegen die verletzungsgeplagte und/oder unerfahrene Offensive Line der Patriots.

Das Lieblingsmittel gegen starken Pass Rush ist für McDaniels und Brady seit vielen Jahren der blitzschnelle Paß. Zwei, drei Schritte – bam – Edelman für fünf Yards. Zwei, drei Schritte – bam – Amendola für sieben Yards. Zwei, drei Schritte – bam – irgendwie in die Richtung Rob Gronkowskis werfen. Ist der Pass Rush zu stark, werfen wir den Ball einfach bevor sie irgendeine Chance haben, an den Quarterback zu kommen.

Die letzten zwei Spiele der Regular Season waren gräßlich im Angriff, aber nun kommt Edelman zurück (nach neun Wochen Pause mit gebrochenem Fuß); Danny Amendola wird spielen, nachdem er sich einige Wochen mit einer Knieverletzung rumgeplagt hat; und auch der Gronk wird spielen, auch wenn er immer noch an seiner Knieverletzung laboriert. Mit Gronk, Edelman, Amendola und Sharpshooter Brady sollte die Offense in die Gänge kommen.

Auf Kansas Citys Habenseite steht vor allem Defensive Coordinator Bob Sutton. Sutton kennt das System McDaniels/Belichick/Brady in-und-auswendig: von 2000 bis 2012 war er in verschiedenen Positionen bei den New York Jets. Es gibt wohl kaum einen Coach, der häufiger gegen die Belly-Pats gespielt hat.


Ziel Nummer eins muß es sein, Verwirrung hinter der LOS zu stiften und immer wieder andere Spieler sich in die Paßlinien zu Edelman/Amdenola/Gronk fallen zu lassen. Houston und Hali können das, MLB Derrick Johnson kann das sowieso und sogar ein massiger Dontari Poe ist trotz seiner 150kg athletisch genug, ein paar Mal den Schritt zurück zu machen und den Paßempfänger statt des Paßwerfers zu verteidigen.

Suttons Verteidiger haben also viele Aufgaben im Paßspiel und Sutton arbeitet auch viel mit Blitzes und Stunt, was immer ein probates Mittel ist gegen unerfahrene Linienspieler wie die Typen in der Mitte von New Englands OLine – aber dieses wildes Rumgerenne eröffnet auch immer Lanes zum Laufen.

McDaniels hat schon die krassesten Game Plans hervorgezaubert. In dieser Saison zum Beispiel das Hinspiel gegen die Jets, mit mehr als 50 Pässen und nur vier Laufspielzügen. Letztes Jahr in den Playoffs war es ähnlich gegen die Ravens in den Divisiona Playoffs, als Brady 20 Mal kurz nach links geworfen hat. Nur eine Woche gegen die Colts später bekam RB Blount 30 Mal den Ball zum Laufen.

Es wird für den Taktikliebhaber unglaublich spannend werden zu sehen, was sich beide Seiten ausgedacht haben, um der anderen einen Schritt voraus zu sein. Werden Houston/Hali öfter in Pass Coverage gehen als jemals zuvor um mit sechs Mann hinter der LOS alle kurzen Paßwege zuzustellen (was für BUF und NYG dieses Jahr gut funktioniert hat); oder wird Sutton ständig sechs Mann auf Brady jagen? Wird McDaniels die vielen Blitzes und Stunts mit Laufspielzügen attackieren? Oder wird es 50+ Pässe geben? Hier ist alles offen.


Wir haben hier also zwei sehr gut gecoachte Teams, die alles aus ihrem Talent rausholen. Wenn Kansas City den Ball hat, könnte es recht langweilig werden; es hängt einerseits an den ganz kleinen Dingen: macht man nur drei oder doch vier Yards pro Play. Andererseits an den ganz großen Dingen: kann New England alle Big Plays verhindern? Alles Execution.

Wenn New England den Ball hat, hängt es vor allem an den Game Plans. Was haben sich beide Seiten jeweils ausgedacht, um die Schwächen der anderen Seite auszunutzen? Was sieht man überhaupt als die Schwäche des anderen? Wie reagiert man dann während des Spiels auf den Game Plan des anderen? Alles Strategy.

Korsakoffs Power Ranking favorisiert New England mit zwei Punkten; die Wettanbieter sehen die Pats mit vier bis fünf Punkten vorne.

8 thoughts on “Vorschau Divisional Playoffs 2015/16 – Kansas City Chiefs @ New England Patriots

  1. Ein Faktor der für Kansas entscheidend sein kann vermisse ich diesmal bei deiner Vorschau:
    …“​zweitbeste Läufer – ist tatsächlich Quarterback Alex Smith“..

  2. Auf das Spiel freue ich mich noch mehr als auf Panthers-Seahawks.
    Gegen Gegner, die wie die Chiefs strukturiert sind, hatten die Pats in der Vergangenheit immer wieder Probleme (Jets,Bills,Chiefs letzte Saison). Nun kommen die Chiefs meiner Meinung nach nochmal eine Ecke stärker mit ganz breiter Brust daher. Gelingt es den Chiefs, die Pats-Offense bei <20 Punkten zu halten, wäre ein Upset keine Überraschung.

  3. „wäre ein Upset keine Überraschung“ klingt fantastisch😀
    aber ja, seh ich ähnlich… nicht dass Football irgendwann mal berechenbar war, aber in dem Spiel sehe ich alle möglichen Resultate, hoffe und rechne aber mit einem knappen Spiel. auf gehts ins beste Wochenende der Saison!

  4. Hab noch keinen Plan wie die Offense von KC Punkte machen sollen. Selbt mit nem fitten Maclin schon ne Herausforderung.

    Dementsprechend sollte das Hauptziel der Offense der Pats sein, TO zu vermeiden und Fieldposition zu spielen. Dann gewinnt man das am Ende auch.

  5. Pass auf, Korsakoff: Wir kidnappen einen von den Vögeln bei Pro7Maxx und Du setzt Dir eine Perücke auf und moderierst. Was red ich… jeder der hier auch nur kommentiert, wäre ein massives Upgrade…
    Oh, und ontopic: Zwei Punkte, Korsakoff? Im Ernst? Erscheint mir schwer vorstellbar, aber ich habe halt auch die blau-weiss-rote Pats-brille auf.😀

  6. @Dizzy: Die Hauptaussage des Power-Rankings ist, dass Chiefs und Patriots leistungsmäßig näher beeinander liegen als die meisten glauben – und das Ranking rechnet die vielen Verletzungsprobleme noch nichtmal direkt mit rein.

    Was es allerdings nicht berücksichtigt, sind Dinge wie Special-Teams oder kluges in-Game Coaching.

    Re: Kommentieren. Ich denke, es wird unterschätzt wie schwierig Kommentieren ist. Du musst nicht bloß flüssig reden können, sondern auch und vor allem sekundenschnelle Einschätzungen abgeben können. Das ist einfacher als es klingt.

    Ich blogge hier seit Jahren live mit, aber ich habe zwei Vorteile: Ich sitze hinter einem Rechner, und ich habe mehr als 3 Sekunden. Ich habe ca. eine Minute Zeit um das Gesehene in einem möglichst verständlichen Satz zu verarbeiten.

    Dass manche Ansichten der Kommentatoren mehr auf Gefühl und alten Weisheiten basieren als auf Fakten, ist klar. Aber da unterscheiden sich hiesige Kommentatoren nur wenig von ihren hochbezahlten US-Pendants.

  7. Hast ja Recht, die Jungs machen ihren Job. *Kidnappingpläne beiseite leg* Auf ein Superwochenende!

  8. Pingback: AFC-Divisionals 2015/16: New England Patriots – Kansas City Chiefs live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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