Vorschau Divisional Playoffs 2015/16: Seattle Seahawks @ Carolina Panthers

Der Kracher dieses Wochenendes: Seattle Seahawks (11-6, #6 Seed) @ Carolina Panthers (15-1, NFC South Champions, #1 Seed); bei den Kameraden aus Übersee mit Joe Buck und Troy Aikman, also sollte man sich lieber für eine der hiesigen Übertragungen entscheiden: live und in Farbe bei Pro7Maxx/ran.de und PULS4, Kickoff 19:05Uhr.

Kein Spoilers hier, die gibt es alle in den beiden Liveblogs von korsakoff der vergangenen Nacht. [KC @ NE Liveblog, GB @ ARI Liveblog]. Hier die Vorschau Panthers vs Seahawks nach dem Klick.

In medias res: Seattle ist für mich hier der klare Favorit. Je genauer man sich die Stärken und Schwächen, die strategischen Identitäten und einzelnen Match-ups anschaut, desto besser sieht es aus für die Hawks. Hat Carolina den Ball, sind Michael Bennett und Earl Thomas die gefährlichsten Spieler für Cam Newton.

Greg Olsen vs Chancellor oder vs Zone?

Im Paßspiel muß Carolina Match-Ups für TE Greg Olsen gegen Kam Chancellor kreieren. Chancellor hat immer wieder Schwierigkeiten, wenn er starke Tight Ends 1-gegen-1 verteidigen muß. Chancellor ist andererseits immer wieder überragend, wenn er als Freelancer ohne festgelegten Gegenspieler in der Mitte des Feldes rumlungern kann.

Seattle sollte hier weniger Mannverteidigung spielen als üblich. Cover-3 und „Man Free Lurk“ sind die beiden dominanten Playcalls der Seattle-D. In Cover-3 mit Zonenverteidigung kann Chancellor glänzen. „Man Free Lurk“ bedeutet: Earl Thomas patroulliert tief, fünf DBs and LBs spielen Mannverteidigung, einer ist der „Lurk“, der Wegelagerer, der den Quarterback „liest“ und in seine bevorzugte Paßroute springt. Gegen Newton würde es sich anbieten, hauptsächlich Zonenverteidigung zu spielen. Einerseits kann so verhindert werden, daß Olsen das direkte Duell gegen Chancellor bekommt; andererseits bietet Mannverteidigung immer die Chance für den Quarterback zu laufen. Beides will Seattle verhindern.

In ihrem Cover-3 pressen die Cornerbacks an der Line of Scrimmage die Wide Receivers. Kein WR Carolinas ist in der Lage, sich aus dieser Position heraus gegen Richard Sherman freizulaufen; und selbst gegen Jeremy Lane auf der anderen Seite wird das nur selten gelingen. So wird Newton im Paßspiel Zeit brauchen – Michael Bennett wird sie ihm nicht geben.

Carolinas Offensive Line ist überraschend stark im Laufspiel, Center Ryan Kalil sowieso, aber vor allem auch die beiden jungen Guards Trai Turner und Andrew Norwell. In Pass Protection dagegen haben sie Probleme. Defensive End Bennett, der bei dritten Versuchen Defensive Tackle spielt, spielt zeitweise einfach überragend. Gegen Minnesota letzte Woche war er häufiger in Teddy Bridgewaters Backfield als Adrian Peterson. Dazu kommt mit Cliff Avril noch ein weiterer erstklassiger Pass Rusher und mit Rookie Frank Clark jemand, der in ein, zwei Jahren auch zur Spitze gehören wird. Bei obvious passing downs spielen alle drei gleichzeitig. Mächtiger Druck also vorne, Sherman nimmt eine Seite aus dem Spiel, und hinten wartet Earl Thomas. So Leute wie Ted Ginn können vereinzelt gegen mittelmäßige Verteidigungen glänzen – gegen diese Verteidigung wäre das aber eine Überraschung.

Carolinas Laufspiel

Es kann in Carolinas Angriff nur über das Laufspiel gehen. Seattle hat aber auch eine bärenstarke Laufverteidigung. Nach Yards Nummer Eins der Liga, nach Y/A Nummer Vier, in korsakoffs Effizienzranking Nummer Eins. 135 Yards war das Maximum auf dem Boden, das sie in 2015 zugelassen haben: gegen Carolina in Woche 6.

Was auf gar keinen Fall passieren darf, aus Carolinas Sicht, sind erfolglose Läufe bei ersten und zweiten Versuchen. Denn in 3rd&5 oder länger wird kaum etwas gehen. Das wird eines der imposantesten Match-Ups dieses Wochenende: das vielfältige und gleichzeitig beinharte Laufspiel der Panthers gegen die aggressive Laufverteidigung der Seahawks. Ganz harter Januarfootball. Es wird alles an Carolinas-D hängen: wenn diese Seattle bei wenigen Punkten halten kann, sollte Carolinas Run-First-Offense relativ erfolgreich sein. Muß Carolina in den Pass-First-Mode schalten, könnte es deutlicher werden, als die meisten erwarten.

Russel Wilson gegen Carolinas Grünschnäbel

Wie sieht’s denn da aus in Carolinas Verteidigung? Cornerback Josh Norman spielt eine richtig gute Saison, ist aber nicht über jeden Zweifel erhaben. Er ist kein Patrick Peterson oder Richard Sherman, aber für fast alle anderen Teams wäre Norman ein Upgrade. Das Problem sind die anderen Cornerbacks: die Stammkräfte Bene Benwikere und Peanut Tillmann sind verletzt. Robert McClain, Courtland Finnegan and Teddy Williams sind die Ersatzleute.

Finnegan ist vor dieser Saison eigentlich zurückgetreten und kam erst spät zu Carolina. UDFA Williams hat diese Saison nur 50 Snaps gespielt. McClain war bis Mitte Dezember sogar gänzlich arbeitslos.

Bis auf das Spiel gegen die Rams in Woche 16 und letzte Woche in Minnesota bei gräßlichem Wetter sah Seattles Paßspiel grandios aus seit Mitte der Saison. OC Darrel Bevell hat endlich ein System gefunden, daß QB Wilson zu einem sehr guten Pocket-QB gemacht hat – aber ihn gleichzeitig noch seine Stärken im Scrambling ausspielen läßt. Es gibt viele schnelle Pässe in die kurzen Zonen, viele Three Step Drops, der Fokus liegt auf den Yards After Catch.

Der Vorteil ist, daß bei diesem Ansatz der gegnerische Pass Rush so gut wie keine Chance hat, weil die Pässe viel zu schnell kommen. Der Nachteil ist, daß Press Man Coverage und kreative Zone Blitzes den QB verwirren. Nun spielt Carolina aber hauptsächlich sehr simple Zonenkonzepte, die es Wilson einfach machen, die Defense zu lesen. Das wird sich heute kaum ändern mit so vielen unerfahrenen Cornerbacks.

Das ist der Casus Knaxus: findet Russel Wilson früh „timing and rhythm„, könnte dieser Angriff gegen die personell und konzeptionell limitierte Paßverteidigung Erinnerungen an Brady-to-Edelman wecken: sieben Yards hier, neun Yards da und dann 10 Yards am Boden nach einem kurzen Paß in den Lauf zu Brandon LaFell, äh, Doug Baldwin.


Mit diesem atemlosen Maschinengewehrfeuer kann auch der Einfluß der Linebackers Luke Kuechly und Thomas Davis limitiert werden. Diese beiden, daß wohl beste LB-Duo der NFL, nehmen dir viele kurze Routen über die Mitte. Also sollte es viele out-breaking routes und Angriffe auf die grünen Cornerbacks geben. Die wilden Houdini Wilson Plays gibt es dann natürlich auch noch – und die Safeties Kurt Coleman und Roman Harper sind immer anfällig für Blackouts bei Broken Plays.

Spannend sein zu sehen wird die strategische Entscheidung, wie groß der Einfluß des Laufspiels in Seattles Angriff sein soll. Heute würde es sich anbieten, den Fokus klar auf Wilsons Arm zu setzen. Wird Bevell den Mut haben, vom Erfolgsrezept der letzten Jahre – Run First, da die Defense uns eh im Spie hält – abzuweichen?


Carolinas Secondary ist anfällig, die Laufverteidigung richtig stark. Vertraue Wilson und laß‘ ihn das Zentrum deiner Offense sein! In der zweiten Hälfte der Saison hat Wilson einen Fuß in die Tür gestellt zum Raum der erstklassigen Pocket Quarterbacks. Heute kann er diese Tür eintreten. Und in diesem Raum gibt es niemanden, der ihm in Sachen Scrambling und Laufspiel das Wasser reichen kann.

Carolinas Angriff kann auch gegen eine gute Defense relativ konstant First Downs machen. Problematisch wird es, wenn sie viel passen müssen, Tedd Ginn gegen Sherman und Thomas ist einfach nicht fair. Das wird ein ganz dickes Brett, das Kuechly, Davis & Co da bohren müssen.

2 thoughts on “Vorschau Divisional Playoffs 2015/16: Seattle Seahawks @ Carolina Panthers

  1. Danke erstmal für die Einschätzung. Grundsätzlich finde ich es recht schwierig Carolina einzuschätzen – zu viele leichte Gegner, zu viel Fast-GarbageTime in der Saeson….
    Seatlles Offense sah letzte Woche nun wirklich nicht gut aus… mal sehen, wie das Matchup angegange wird. Carolina würgt viele Läufe für +2 – -2 ab (lest aber auch mal den 20y run zu…) was dich in wviele Doofe SItuationen bringt. andererseits sind die WR auch nicht wirklich so gefährlich…
    Mit der Panthers Offense ist das so eine Sache…
    Z.Bsp. gegen Seatle hat gegen Ende die Pocket richtig gut ausgesehen.
    Zugegeben die meisten Matchups sehen nicht furchterregend aus; aber das war die ganze Saison nicht anders. Ich bin der Meinung, dass Carolina quasi per Personell eine Spread spielt:
    TE Olsen – der gegen Linebacker und Safeties oft ein Missmatch ist.
    WR Ginn – der einfach schnell ist und dadurch schwer zu verteidigen, ist dein CB nicht richtig flott
    QB Newton, der wzum einen als RB agiert und anderrseits den Langen Pass quasi aus dem Handgelenk spielt und eigentlich einen Spy braucht wegen seiner Scrambles
    HB Steward und FB Tolbert, die irgendwie immer 2y machen
    Alles nichts überragendes, aber die Kombination macht es der Defense schwierig – irfgendwo fehlt dir immer ein Mann.

    Wird auf jeden Fall spannend.
    Und: wichtig werden auch die Special Teams – Lockett vs. Ginn – wer da nicht jedesmal sauber spielt, dkann ganz schnell ins hintertreffen geraten…

  2. Pingback: NFC-Divisionals 2015/16: Carolina Panthers – Seattle Seahawks live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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