Vorschau AFC Championship Game 2015/16: New England Patriots @ Denver Broncos

Championship Weekend!

Manning v Brady XVII! Das fünfte AFC Championship Game in Folge in für diese Patriots!! Das zehnte AFC Championship Game für die Belly-Brady-Combo!!!

Das Internet ist schon voll mit Stories zu diesen Storylines; in diesem Eintrag mehr zu strategischen Entscheidungen und Match-ups im diesjährigen AFC Championship Game New England Patriots (13-4, #2 Seed) @ Denver Broncos (13-4, #1 Seed), Kickoff 21.05Uhr. Bei den üblichen Verdächtigen CBS (mit Nantz/Simms), ran.de/Sat1 und PULS4.

Denver-O vs New England-D

Fangen wir mit Peyton Manning an und dem Divisional Round Game gegen die Steelers. Manning hat letzte Woche, in seinem ersten Start seit Mitte November ganz gut ausgesehen – gemessen am gemeinen NFL-Standard, nicht gemessen am Peyton-von-früher-Standard. Er hat unter vielen Drops seiner Wide Receivers gelitten, aber mittlerweile hat seine Genauigkeit erheblich gelitten.

Letzte Woche gegen Pittsburgh hat Denver im vierten Viertel einen sieben Minuten langen Drive hingelegt, der in größten Teilen vom Laufspiel getragen wurde. Mit 9:52 Minuten auf der Uhr, 12-13 Rückstand nach Punkten, bekommt Denver den Ball an der eigenen 35. Es folgen drei Paßspielzüge und 10 Laufspielzüge für C.J. Anderson und Ronnie Hillman bis in die Endzone.

Bemerkenswert dabei war einerseits, daß Pittsburghs-D den gesamten Drive über in 2-4-Nickel gespielt hat, also mit nur zwei Defensive Linemen, dahinter vier Linebackers und fünf Defensive Backs. Zum zweiten sehr bemerkenswert: es gab genau zwei Spielzüge, bei denen Denver einen erfolgreichen Paß von Manning brauchte: bei 3rd&12 zu Beginn des Drives und bei der 2pt-Conversion um von 18-13 auf 20-13 zu erhöhen. Beide Male war Manning erfolgreich. Bei dem dritten Versuch hat er einen perfekten Ball zu Benny Fowler geworfen, genau zwischen dem Cornerback, der Fowler auf seiner Post Route im Nacken saß und dem Safety, der over the top lauerte. Perfect Pass, 31 Yard Raumgewinn, First Down. Die 2pt-conversion war einfacher: schneller Screen Pass zu Demaryius Thomas.

Im vierten Viertel war Manning da, wenn Denver ihn brauchte. Nicht nur bei den Pässen, sondern auch bei den Läufen. Einige Male hat er per Audible den Spielzug an der LOS geändert, wenn er einen Blitz gesehen hat oder eine ungewöhnliche Aufstellung der Steelers, um die Richtung oder generell den Laufspielzug zu ändern. Manning fehlt die Armkraft und auch immer mehr die Präzision, aber er ist immer noch einer der klügsten und spielintelligentesten Quarterbacks aller Zeiten, er wird auch für die Patriots zwei, drei Spielzüge im Petto haben, die funktionieren werden, wenn er sie braucht.

Denvers Laufspiel

Zurück zum Laufspiel: wie wird New England das verteidigen? Über die Jahre war Belichick immer ganz zufrieden damit, ebenso wie die Steelers letzten Sonntag in Nickel-D zu spielen und Peytons Running Backs laufen zu lassen. Ende November ist Denver für 180 Yards und drei Touchdowns gelaufen – mit Brock Osweiler als Quarterback. Vor Osweiler hatten die Patriots keine Angst, trotzdem ließen sie 180 Yards zu. Es waren für eine Patrios-D ungewöhnliche Fehler in Disziplin (gap integrity und setting the edge) und Tackling. Denvers RBs hatten drei Touchdownläufe von mehr als 15 Yards; als Highlight den 48-Yarder von C.J. Anderson in der Overtime zum spielentscheidenden Touchdown.

Am 02. November 2014 im Gillette Stadium konnte Denver nur für 43 Yards bei 17 Versuchen laufen. Damals haben sie viel in Base-D gespielt in der ersten Halbzeit (zur Halbzeit stand es 27-7 NE) und oft Safety Pat Chung nah an die Line of Scrimmage geholt, wenn sie in Nickel waren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Belichick und Matt Patricia damit zufrieden sind, Denver 35 Mal für 150 Yards gegen ihre Nickel-D laufen zu lassen.

Was tun? Chung permanent nach vorne holen wäre eine Option und zumindest bei 1st Downs mit Base Personnel zu spielen. Jerod Mayo fehlt zwar, aber man scheint LB Jonathan Freeny neben Dont’a Hightower und Jamie Collins zu Vertrauen. Dahinter aggressive Mannverteidigung gegen die Wide Receivers spielen mit Safety McCourty als Absicherung gegen das Big Play. Mannverteidigung ist seit zwei Jahren schwer en vogue bei den Patriots, außerdem ist Manning smart genug, dir selbst mit seinem Nudelarm eine Zonenverteidigung zu zerlegen.

Denvers Paßspiel

Mannverteidigung gegen starke WRs wie Thomas und Emmanuel Sanders wird immer wieder mal dazu führen, daß der WR gewinnt und frei ist. Dann kommt es darauf an, ob Manning schwierige Würfe präzise verwandeln kann. Der Ball zu Fowler letzte Woche kam über die Mitte, das ist einfacher als ein Ball an die Seitenlinie. Die Würfe dorthin zu forcieren, an die Seitenlinie, sollte das Ziel sein für New England; in der Mitte wird dann zugemacht mit Collins/Hightower/Chung und dahinter McCourty.

Wird Chung hauptsächlich in the box spielen oder hat man doch noch mehr Respekt vor Peyton als gedacht? Bei langen Versuchen wird Duron Harmon den zweiten tiefen Safety geben. Wird dann WR Thomas gedoppelt während Sanders von CB Malcolm Butler im Eins-gegen-Eins verteidigt wird? Sanders und Thomas werden gegen diese Art der Verteidigung immer mal wieder frei sein, ist Peyton dann noch gut genug, diese Pässe zu machen?

Und was macht Gary Kubiak mit Owen Daniels? Daniels hat schon in Houston und in Baltimore unter Kubiak gespielt. Und überall haben sie Wege gefunden, die Pats empfindlich zu ärgern. Daniels ist kein Superstar, aber ein sehr vielfältiger Spieler. Mit Baltimore letztes Jahr in den Playoffs war er gegen NE Fokus in Baltimores Offense mit 11 Targets. Er hat zwar nur vier Bälle gefangen für 41 Yards, aber das waren alles schmerzliche 1st Downs, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Kubiak versucht dabei, die Mannverteidigung auszunutzen und match-ups zu kreieren, entweder gegen den kleineren Chung oder gegen die dickeren Hightower und Collins.

Denvers Verteidigung

Auch Denvers-D unter DC Wade Phillips spielt am liebsten Mannverteidigung. Letzten Sonntag gegen Pittsburgh sind sie davon abgewichen und haben viel Zone gespielt um Big Plays der explosiven Steelers-WR zu verhindern. Die aggressive Mannverteidigung funktioniert so gut für Denver, weil Chris Harris, Aquib Talib und mit Abstrichen auch Bradley Roby sehr gute, physische Cornerbacks sind. Aber auch, weil es vorne immer Action und Pressure gibt.

Die Defensive Line bei Passing mit Downs ist fast auf einem Level mit den Linien aus Seattle und Carolina: DeMarcus Ware, Derek Wolfe, Malik Jackson und Von Miller. Neben dem individuellen Talent sorgt Phillips aber auch mit vielen Blitzes für Druck auf den gegnerischen QB.

Diese Formel hat die gesamte Saison sehr gut funktioniert, nach allen erdenklichen Effizienzmetriken ist das eine Top-3 Verteidigung. Für dieses Championship Game birgt es aber mehrere Probleme: Tom Brady, die Schulterverletzung Chris Harris‘ und der Gronk.

Wie jeder erstklassige QB freut sich Brady über Blitzes, denn Blitzes, früh genug identifiziert, schaffen Platz hinter der Line of Scrimmage, genau dort, wo Brady mit Edelman/Amendola/Gronk am liebsten operiert.

Das zweite Problem ist Harris – und ein bißchen auch Talib. Harris ist schwer angeschlagen, game-time decision; selbst wenn er spielen kann, könnte er eine Schwachstelle sein. Mit einer Schulter wird er kaum die blitzschnellen Edelman und Amendola mit ihren Hüftwacklern und Shoulder Fakes vernünftig tacklen können, zumal die beiden Slot-WR und natürlich auch der Gronk schon von Haus aus YAC-Monster sind, auch gegen topfitte Verteidiger.

Mannverteidigung oder Zone?

Ein größeres Problem als Gronk in Mannverteidigung kann man sich gar nicht schaffen. Das ist ein bekanntes Problem. Aber Zonenverteidigung ist gegen diesen Patriots-Angriff keine Option. Brady würde einfach jeweils 20 Bälle zu Edelman/Amendola/RB White werfen für 400 Yards. Denver muß also Mannverteidigung spielen; ist Gronk in der Mitte, kann man ihn doppeln; ist er außen als einziger WR auf seiner Seite, kann man nur beten. Theoretisch könnte man einen zweiten Mann zum Doppeln nach außen abstellen, aber dann wäre auf der anderen Seite und in der Mitte zu viel Platz.

Druck machen ohne Blitz und durch sichere Tackles keine Yards after Catch zulassen, das muß das Ziel für Denvers Verteidigung sein. Bist Du aggressiv genug an der LOS gegen die Wide Receivers, muß Brady den Ball länger als zwei Sekunden halten – das ist die Chance für Miller, Ware, Wolfe und Jackson. Das dürfte herausfordernd genug werden mit Harris‘ Verletzung; zumal auch #2CB Talib überhaupt nicht für diese schnellen Wiesel in der Mitte gebaut ist. Talib ist perfekt an der Seitenlinie gegen den klassischen Nr1WR, gegen einen Demariyus Thomas, Clavin Johnson oder Dez Bryant: groß, physisch, langsam in der Beschleunigung, schnell hintenraus. Ein Edelman würde ihn eins um andere Mal stehen lassen.

Da die Pats keinen richtigen Nr1 WR für die Seitenlinie haben (außer Du willst Talib gegen LaFell verschwenden), wäre Gronkowski die naheliegendste Aufgabe für Talib. Das hat auch Nachteile: wer verteidigt dann die „richtigen“ WR; und was passiert bei Laufspielzügen, willst Du wirklich, daß Gronk deinen besten fitten Cornerback permanent in die Erden rammt?

Dazu kommen noch die beiden Geheimwaffen von New England gegen Mannverteidigungen: RB James White und TE Scotty Chandler. In jedem Spiel gegen Mannverteidigung läuft New Englands RBs eine Handvoll Wheel Routes gegen einen Linebacker (im Bogen zur Seitenlinie und diese dann geradeaus runter), der RB hat dabei qua Körperbau und Athletik immer den Vorteil gegenüber dem LB, die Frage ist dann nur, ob Brady den tiefen Ball genau genug werfen kann.

Und wenn Du Gronk doppelst oder Talib auf ihn stellst, wer verteidigt dann Chandler, der ungefähr genauso aussieht wie der große Gronk? Ich erwarte hier viele Aufstellungen mit Chandler. Nicht nur ist er ein Mismatch gegen viele LBs, auch kann man mit zwei Tight Ends auf dem Feld einfacher laufen. Mit Gronk/Chandler/White auf dem Feld ist NE unglaublich variabel: man kann ebenso hinter einer 7-Mann-Linie laufen wie aus Spread Sets das beste Mismatch im Paßspiel finden.

Niemand weiß, wie gut oder schlecht New Englands Laufspiel ist. Niemand weiß, wie gut oder schlecht die Offensive Line ist. Aber die Erfahrung lehrt, daß die Patriots den Ball laufen können, wenn sie das wollen. Ich glaube, daß NE hier nach einigen Wochen mit sehr einseitigen Gameplans mit exzessivem Paßspiel gegen Denver wieder vielfältiger wird. Mit Chandler und Gronk als vielseitig einsetzbaren TEs auf dem Feld, mit dem vielseitigen RB White auf dem Feld.


Was nicht passieren darf, sind erfolglose Spielzüge bei 1st und 2nd Downs. 3rd and Long sind in diesem Spiel ein krasses Mismatch für Denvers-D: die D-Line kann Druck machen während New England keinen gefährlichen WRs für die tiefen Routen hat. Hat die Patriots-O in der ersten Hälfte Schwierigkeiten, den Ball zu bewegen, werden sie in Hälfte Zwo wahrscheinlich auch wieder Trickspielzüge auspacken. Davon haben sie in dieser Saison schon einige geübt, gerade in Spielen wie gegen die Jets, in denen konventionell überhaupt nichts ging. Auch letztes Jahr in den Playoffs haben sie Kaninchen aus dem Hut gezaubert, als sie mit 14 hinten lagen und die Offense nicht so richtig in die Gänge kam: die abgefahrene Aufstellung mit nur vier Offensive Linemen und die Paß geworfen von Edelman.

Die Buchmacher sehen die Pats mit drei Punkten vorne; korsakoffs Power Ranking sieht New England mit 50.002% vorne. Spielen sie sauber ohne Fehler, sehe ich hier auch NE vorne.

Bonus X-Factor 1: Gary Kubiak. In seiner Zeit als Houstons Head Coach hat er dermaßen viele Spiele mit seinem In-Game Management vergeigt, daß man sich fragt, wieso er überhaupt nochmal die Chance als Cheftrainer bekommen hat. Over/under für sarkastische Kopfschüttler von korsakoff im Liveblog: drei.

Bonus X-Factor 2: Denvers Punter Britton Colquitt, der seine Punts sehr genau plaziert und es seiner Coverage Unit einfach macht, Returns zu unterbinden.

6 thoughts on “Vorschau AFC Championship Game 2015/16: New England Patriots @ Denver Broncos

  1. Pingback: Vorschau NFC Championship Game: Arizona Cardinals @ Carolina Panthers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Pingback: Wer spielt im Super Bowl 50? – Reise zum Super Bowl 50

  3. Harris kann nicht mal ohne Schmerzen Zähne putzen.
    Spielt zwar, aber ob er so effektiv sein kann…

  4. Pingback: AFC Conference Championship 2015/16: Denver Broncos – New England Patriots live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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