NFL Power-Ranking 2015/16, Conference Championships

Die Carolina Panthers ziehen mit ihrem erdrückend dominanten Sieg im Conference-Finale nicht nur in die Super Bowl ein, sondern auch an Freund und Feind vorbei nach oben auf #1 im Power-Ranking. Das 49-15 gegen Arizona war eines der außergewöhnlichsten Ergebnisse des Jahres.

Carolina war in dieser Saison häufig ein Schnellstarter. Probleme hatten die Panthers vor allem im Abschließen ihrer Aufgaben. Gegen Indianapolis, Green Bay, New York und Seattle wurde es am Ende des Tages jeweils eine Spur knapper als notwendig. In jedem Spiel gab es ein ähnliches Muster: Offense schaltet zu früh in den run first Modus und scheut jeden riskanten Pass – und die Defense lässt im Passrush nach, was die nicht überragende Deckung entblößt.


Starke Quarterbacks können das ausschlachten. Carson Palmer 2015/16 war mindestens „stark“. Er war für mich vielleicht sogar der MVP der Regular Season. Aber in den beiden Playoff-Spielen gegen Packers und Panthers war Palmer nicht wiederzuerkennen und machte neben einer Latte an schweren Böcken auch mehr „kleine“ Fehler (leicht überworfener Ball, übersehener Receiver…) als gewohnt.

Lag es an der Fingerverletzung an der Wurfhand? Spielte auch die zu erwartende Regression zur Mitte eine Rolle? Arizona hatte monatelang über 8 NY/A im Passspiel, was historische Dimensionen annimmt. Nur unvergleichliche Offenses wie Green Bay 2011, Indianapolis 2004 oder die Kurt-Warner Rams um die Jahrtausendwende haben über die Marke „8“ geknackt.

Arizona schließt die Saison mit 7.6 NY/A ab – ein sehr starker, aber kein epischer Wert. Am Ende tendiert in der NFL dann doch wieder alles zur Mitte zurück. Wir haben nur noch vier Pass-Offenses, die mehr als eine Standardabweichung über dem Durchschnitt performen: Arizona, Pittsburgh (7.3 NY/A), New Orleans und Cincinnati (jeweils 7.1 NY/A).

Die Cardinals waren trotzdem eine sehr positive Erscheinung in dieser Saison. Gestartet bei mir als Kandidat für einen Mittelfeldplatz, zündete die Pass-Offense mit dem ollen Palmer und dem fast gleich ollen Fitzgerald so gewaltig, dass die Cards einen Gegner nach dem anderen aus dem Stadion schossen. Arizona schloss die Regular Season in der knackigen NFC West mit 13-3 Siegen und Top-5 Platzierungen in den Punktewertungen in Offense und Defense ab. Viel besser geht in einer National Football League nicht.

Von der Playoffsaison bleibt ein Klassiker gegen die Packers plus die Bauchlandung am Sonntag in Charlotte. Trotz des klaren Endstands sollte sie nicht dazu verleiten, die Cardinals-Saison zu einem kompletten Desaster zu deklarieren.


Carolina tritt in der Super Bowl gegen Denver an, das an #8 klassiert ist. Las Vegas gibt den Panthers einen Favoritenstatus von 3.5 Punkten, was fast perfekt mit dem Power Ranking korrespondiert, das 3.6 Punkte oder 61% Gewinnchance für Carolina sieht.

Denver ist im Vergleich zu den Panthers als Mannschaft eindimensionaler. Die Defense der Broncos sind nach Advanced-Metrics fast gleichauf, aber ich würde Denver auf dem Papier trotzdem einen Vorteil geben, weil: Gefährlicherer Edge-Rush und eine komplettere Secondary. Allerdings zeigte sich gegen New England auch, dass das Defensive Backfield nach den Ausfällen der Starting-Safetys durchaus verwundbar ist, v.a. wenn ein starker Tight End aufmarschiert. Die Patriots hatten Gronkowski, die Panthers werden Greg Olsen aufbieten.

#58 Von Miller und #94 Demarcus Ware waren wie Athleten von einem anderen Stern im Semifinale gegen New England, aber der Gameplan von DefCoord Wade Phillips war darüber hinaus sehr gut designt und ausgeführt, denn QB Brady hatte keine Chance, dem Edge-Rush auszuweichen, da von vorne über die Mitte ein ums andere Mal die Defense Line hereinbrach. Brady sah streckenweise ähnlich verloren aus wie in den beiden Superbowl-Pleiten gegen die Giants.


Trotzdem fand ich die Vorstellung Bradys bis auf eine hirntote und eine etwas weniger hirntote Interception nicht so unterirdisch, wenn man die Umstände betrachtet. Wenn du von deiner Offensive Line dermaßen im Stich gelassen wirst, kannst du selbst als angehender Hall-of-Fame QB nicht viel mehr ausrichten. Entsprechend verschont bleibt Brady auch von allzu harter Kritik.

Interessant in dem Zusammenhang ist, dass auch der ewigen Rivale Peyton Manning solche Playoff-Performances wie Brady gegen die Giants oder nun die Broncos hatte – zum Beispiel in der Superbowl gegen Seattle oder früher in Pittsburgh und New England.

Manning damals wie Brady heute wurden in der Pocket auseinandergenommen. Manning wird bis heute verhöhnt für diese Vorstellungen. Brady bekommt im Vergleich einen Schuldfreipass ausgestellt. Lehre aus der ganzen Sache: Die Wahrnehmung der Masse kann seltsame Blüten treiben.

Und natürlich: Auch die allerbesten Quarterbacks sind ohne entsprechenden Schutz ihrer Blocker machtlos.


Super Bowl 50 ist nun für Manning die Chance, im Spätherbst seiner Karriere doch noch den längst überfälligen zweiten Superbowl-Ring abzustauben – allerdings ironischerweise in einer Manier, die über 15 Jahre nie mit Peyton Manning assoziiert worden wäre: Defense reißt den QB raus. Die Frage ist, was ein zweiter Ring in dieser Trent-Dilfer Manier für Mannings Karriere ausrichten kann.

Auf der andern Seite kann Cameron Newton der dritte siegreiche schwarze Superbowl-Quarterback nach Doug Williams (Redskins, 1987) und Russell Wilson (Seahawks, 2013) werden. Wo ein Williams allerdings ein one year wonder war, und ein Wilson von einer historischen Defense getragen wurde, ist Newton im Prinzip der alleinige Star der Mannschaft, Gesicht der Franchise und absolut zentrale Figur im Angriff, um die sich alles dreht.

Aber das können wir in den nächsten Tagen noch ausführlicher besprechen.

NFL Power Ranking 2015, Conference

Und hier die Effizienz-Stats vor der Super Bowl 2016:

Effizienz pro Down, Conference 2015

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10 Kommentare zu “NFL Power-Ranking 2015/16, Conference Championships

  1. Wow, die 49ers sind auf Platz 32 im ranking… Traurig, was aus dieser prächtigen Mannschaft wurde…

  2. Hier nochmal mein Kommentar, den ich vor 2 Wochen unter das Power Ranking gepostet habe und leider unbeantwortet blieb. Die Performances der letzten beiden Wochen war schon sehr beeindruckend, aber die Frage nach der O-Line der Panthers ist für mich noch immer offen:

    Die Panthers habe ich im Saisonverlauf nicht wirklich verfolgt und habe als Hauptgrund für ihre lange Serie ohne Niederlage etwas Glück und die schwache NFC South gesehen. Jetzt wird in dem Artikel wieder die starke O-Line hervorgeben. Vor der Saison bzw. nach dem Draft wurden sie von allen Seiten geschasst, dass man sich wieder keinen O-Liner gezogen hat. Was wurde hier geändert bzw. hat die O-Line so sehr verbessert? Was ist allgemein als Hauptänderung im Vergleich zu den letzten Jahren zu sehen? Wie bspw. Norman die Dinger aus der Luft gepflückt hat, hat schon Spaß beim zuschauen bereitet, aber das reicht doch nicht aus, damit auf einmal ein Contender auf dem Feld steht?!

  3. Bei den Panthers wird wieder deutlich wie schwierig und komplex es ist die Spielerleistung zu beurteilen. WR-DBs und O-line haben zuletzt wenig Ressourcen bekommen – weil kein Geld mehr übrig war – also wurde versucht ähnlich wie in New England, Lösungen zu finden um ohne Superstars erfolgreich auch in diesesn Bereichen zu SPielen.
    Bei den DBs würde ich so viel aufs Scheming schieben. Allein, dass man hier es schafft 2 JAGs, die erst im Dezember hinzukamen funktional einzubinden spricht Bände. Bei den Recievern ist auch kein Star dabei, aber man hat Superschnelle spiler, die das Feld auseinander ziehen. Mittelmäßige Spieler werden so in Position gebracht, dass sie wie gute Spieler ausshen.
    In der O-line ist da auch das beste Beispiel – Michael Oher galt als flopp, nun gibt man ihm aber AUfgaben, die er gut lösen kann und ihn nicht überfordern… Grundsätzlich kommt noch hinzu, dass die O-line gerade in der mitte letztes Jahr schon sehr ordentlich aussah – KAlil, Norwell und Turner sind schon Top, dann kann man sicher auch sehr gutes Coaching unterstellen und nicht zuletztspielt es auch eine große Rolle, dass bei der O-line viel Kontinuität herrscht – wenn sich die Line aufeinander eingrovvt, sieht sie fast immer besser aus. ISt halt eine komplexe Unit.
    Letztlich darf man sich auch nicht täuschen lassen – letztes Jahr hatte man zwar eine mäßige Bilanz, am ende sah man aber im Powerranking wieder ganz ordentlich aus, die beiden Jahre vorher sowieso.

    Den größten unterschied macht allerdings bisher die Offense, das hängt auch mit der line zusammen, aber wohl vor allem mit dem Playcalling – alles in allem wesentlich aggressiver und variantenreicher, als die letzten beiden Jahre. Und ich Habe keine AHnung wer dafür verantwortlich ist, das Personal ist ja gleich geblieben.

  4. @Markus: Sorry, deine Anfrage war bei mir untergegangen.

    Ich werfe noch zwei Faktoren zu den von „panthers“ bereits genannten in die Diskussion:

    1) Die OG Turner und Norman sind extrem junge Spieler im ersten oder zweiten Jahr, vor der Saison völlig unbekannt. Sie scheinen sich prächtig entwickelt zu haben, was auch am Coaching/Scheming liegen kann. Aber keine Sau hat sich von diesen unbekannten Draftpicks eine so schnelle Entwicklung erwartet.

    2) Ein Scramble-QB hilft jeder Lauf-Offense (ist statistisc erwiesen) und lässt ergo eine O-Line auch besser aussehen. Newton dürfte also auch ein Grund für die optisch gute Performance der Line sein.

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