Super Bowl 50 – Die furchtlose Vorschau

Über viele Jahre haben sich die NFL-Playoffs in eine Richtung nicht unähnlich der NHL-Playoffs entwickelt: Viele Upsets, Außenseitersiege selbst der niedrigsten Seeds und damit einhergehende gefühlte „Entwertung“ der Regular Season. Seit einigen Jahren scheint sich das Blatt wieder gewendet zu haben: Am kommenden Sonntag treffen mit den Denver Broncos und den Carolina Panthers die zum dritten Mal in Serie die beiden #1-Seeds in AFC und NFC aufeinander. Bei aller Liebe für die Underdogs: Ein guter Trend. Die Super Bowl braucht die besten Teams gegeneinander.

Die Head Coaches

Gary Kubiak, Head Coach in Denver, und Ron Rivera, Head Coach der Panthers, einen zwei Dinge: Beide sind in ihren Mannschaften direkte Nachfolger von John Fox (der 2011 in Carolina und 2014 in Denver entlassen wurde), und beide bestreiten am Sonntag ihre jeweils erste Super Bowl in der Funktion des Cheftrainers. Beide kennen den Stress der Superbowl sowohl als Spieler, als auch als Assistenztrainer.

Kubiak war der Backup-QB von John Elway bei drei Superbowl-Niederlagen in den 1980er Jahren, gewann allerdings Superbowl-Ringe als QB-Coach in San Francisco und OffCoord in Denver in den 1990ern.

Rivera war als Linebacker Teil der Monsters of the Midway, des legendären Superbowl-Gewinners Chicago 1985/86, und erreichte mit eben jenen Bears 2006/07 erneut das Endspiel in der Funktion des Defensive Coordinators.

Kubiak ist der siebte Head Coach, der in seiner Debütsaison mit einer neuen Mannschaft das Endspiel erreicht. Bislang ist dies Don McCafferty (1970 Colts), Red Miller (1977 Broncos), George Seifert (1989 49ers), Bill Callahan (2002 Raiders), Jon Gruden (2002 Buccaneers) und Jim Caldwell (2009 Colts) gelungen.

Rivera dagegen coacht sein mittlerweile fünftes Jahr in Carolina. Er steht mit seinem Team zum dritten Mal in Folge in den Playoffs und hätte in dieser Saison um ein Haar eine „Perfect Season“ erreicht: Erst am vorletzten Spieltag kassierten die Panthers ihre erste Niederlage.

Carolina Panthers am Ball

Die Carolina Panthers spielen eine sehr ungewöhnliche und dennoch effiziente Offense: Kaum eine Mannschaft baut stärker auf das Laufspiel, und dennoch führte das zu 500 Punkten in der Regular Season.

Absoluter Fokus der Offense ist QB Cameron Newton, der gebaut ist wie ein Linebacker, agil ist wie ein Runningback und einen der schärfsten Wurfarme in der NFL besitzt. Um Newton herum hat OffCoord Mike Shula ein enorm vielfältiges Laufspiel kreiert, das viele verschiedene Spielzüge für die Ballträger aufbietet, aber nur wenige verschiedene Konzepte für die Offensive Line. Der ist der Kern der Offense. Der Star der Offense sind die tiefen Routen, die die Defense auseinanderziehen.

Denver stellt dem entgegen die wohl beste und kompletteste Defense des Jahres. Es ist eine Verteidigung, die seit Jahren hervorragend besetzt ist, aber erst seit der Einstellung von DefCoord Wade Phillips im letzten Winter das Allerletzte aus sich herausholt.

Stärke der Broncos-Defense ist der Pass Rush über die Flanken, mit den ER Von Miller und Demarcus Ware, die das Semifinale gegen New England quasi im Alleingang gewannen. Das war allerdings gegen eine eindimensionale, rein auf Passspiel getrimmte Offense. Carolina ist ein anderes Kaliber. Carolina kann auch laufen.

Und Carolina wird laufen. Die Panthers-Offense ist insofern kein ideales Matchup für Denvers Defense, weil sie zusätzlich zum Lauf auch noch einen mobilen Quarterback in Newton aufbietet, der zwar den einen oder anderen Sack kassieren wird, der aber nicht wie ein Brady hilflos in der Pocket zusammenklappen wird.

Denvers Ziel muss es sein, Carolina zum Passspiel zu zwingen, und mehr: Carolina zum Kurzpassspiel zu zwingen. Sprich: Mitte gegen den Run dicht machen, und „hinten“ um jeden Preis die tiefen Pässe zu verhindern. Denver gewinnt seine Spiele mit der Defense – ein oder zwei Big-Plays im Passspiel sind in dieser Konstellation tödlich.

Denver Broncos am Ball

Die Denver Broncos stellten erst vor zwei Jahren die punktgewaltigste Offense aller Zeiten (606 Punkte Offense). Heute sind sie ein Team, das am besten beraten ist, wenn es konverativ und auf Fehlerminimierung spielt. QB Peyton Manning ist eine Legende auf dem rapide absteigenden Ast, nicht mehr in der Lage, eine Partie allein auf die Schultern zu nehmen.

Die ganze Saison über bewegten sich die Broncos in dem Zwiespalt zwischen Wunsch (Zone-Blocking und Laufspiel im Kubiak-Style) und Realität (Shotgun-Offense unter Manning), was zu phasenweise unansehnlichen Spielen ohne Rhythmus führte. Als gesichert gilt, dass Kubiak auf jeden Fall versuchen wird, das Laufspiel durchzubringen um zumindest machbare 3rd Downs für Manning zu kreieren. Der Quarterback soll dann die sechs notwendigen Yards zum nächsten 1st Down machen – oder zumindest den Turnover verhindern und nach dem Punt die Defense mal machen lassen.

Carolina stellt dem entgegen seinerseits eine grundsolide Defense, deren oberstes Ziel sein dürfte, das Laufspiel der Broncos kaputt zu treten um Manning zu zwingen, sie mit dem Arm zu schlagen.

Carolina besitzt in Luke Kuechly und Thomas Davis (so er mit gebrochenem Arm spielen kann) zwei Linebacker, die weite Teile des Spielfelds abdecken können und das Laufspiel in der Mitte halten. Carolina besitzt in CB Josh Norman einen Manndecker für WR Demariyus Thomas und eine Reihe an ballhungrigen Defensive Backs.

Das Wunsch-Szenario von DefCoord Sean McDermott dürften viele längere 3rd Downs sein, um dann die meisterhaften Blitzes zu schicken und die eindimensionale Offense zu zerlegen. Das erfolgsversprechendste Rezept dafür ist ein starker Passrush über die Mitte über die DT Kawann Short und Starlite Lotulelei: Schneller als dort kommst du nicht zu Manning durch, und einfacher als auf diese Weise bekommst du die Offense nicht in den Griff.

Ausblick

Man sagt den Denver Broncos im vermeintlich letzten Spiel von Peyton Manning den Vorteil der größeren Superbowl-Erfahrung nach, aber ich bin skeptisch. In den letzten Jahren haben hinreichend scheinbare Grünschnäbel gegen einen offensichtlich erfahreneren Gegner gewonnen: 2007 die Giants gegen New England, 2009 die Saints gegen Indianapolis, 2010 die Packers gegen Pittsburgh, 2014 die Patriots gegen Seattle, und so weiter. Dieser „intangible“ spricht nur im ersten Moment für Denver.

Für viel relevanter erachte ich, dass die Carolina Panthers das bessere Team stellen. Ihre Defense ist nicht viel schwächer als jene der Broncos, und sie haben die deutlich flexiblere, explosivere Offense, die an den Stärken von Denvers Verteidigung vorbei konzipiert ist.

Die größte Schwäche der Panthers war zu konservative Defense bei großen Führungen, doch selbst dagegen sollten sie gegen die eher lahmarschige Broncos-Offense gefeit sein. Und sie haben das Personal, um Manning mit wuchtigem Passrush direkt über Guards und Center die Hölle heiß zu machen.

Wenn sich Cameron Newton nicht mit einer Latte an Turnovers in die Scheiße reitet und wenn Denvers Special Teams nicht ein, zwei sehr lange Returns zustande bringen, sehe ich in diesem Spiel zu viele Szenarien, in dem das eine Team gewinnt: Carolina.

4 thoughts on “Super Bowl 50 – Die furchtlose Vorschau

  1. „Die Super Bowl braucht die besten Teams gegeneinander.“

    Findest du wirklich, dass das heuer so ist?
    Witzig, da ich ich genau heuer schon die ganze Zeit denke; Schade, dass eben nicht die 2 besten Teams im SB stehen….😉

  2. Wer kann schon „die 2“ besten ausfindig machen? In diesem Jahr haben wir die #1 gegen die #8 (nach meinem Power Ranking), die durch recht knappe 3.5 Punkte getrennt sind.

    Es geht vielmehr darum, dass in den letzten Jahren häufiger Durchschnittstruppen wie NE 2001, CAR 2003, NYG 2007, ARZ 2008, BAL 2012 in die Superbowl gekommen sind – mit zugegeben erstaunlich guten Vorstellungen. Oder wenn man die Seedings hernimmt, PIT 2005, ARZ 2008, GB 2010, NYG 2011, BAL 2012.

    Cinderella einmal alle paar Jahre ist okay, aber jedes zweite Jahr?

  3. Pingback: Das Vorglühen zu Super Bowl 50 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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