Super Bowl 50 Vorschau: Carolina Panthers Offense vs Denver Broncos Defense

Super Bowl 50!

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Also: Sonntag, 07.02.2016, Denver Broncos (14-4, #1 Seed) vs Carolina Panthers (17-1, #1 Seed). Kickoff 00.30Uhr (15.30Uhr Ortszeit an der Westküste, also bei Tageslicht, buh!). Heute der Blick auf das Match-up zwischen Carolinas Offense und Denvers Defense, morgen dann die andere Seite.

Die Carolina Panthers haben in dieser Saison 580 Punkte in ihren 18 Spielen gemacht,  32,2 pro Spiel, ligaweiter Bestwert. Cam Newton und Greg Olsen sind bekannt, der Rest nicht. Also: wer sind diese Leute?

Wer sind diese Leute?

Vor der Saison war das Receiving-Corps die große Lachnummer, vor allem nach der Verletzung von Kelvin Benjamin. Benjamin hat letztes Jahr als Rookie 73 Bälle für 1008 Yards gefangen, mit Abstand der beste WR in Carolina. Ohne Benjamin blieben damit nur noch Ted Ginn, Jerricho Cotchery, Corey Brown und Rookie David Funchess übrig. Damit gewinnt man in der NFL nicht mal die goldene Ananas, dachten alle.

Tedd Ginn war vor vielen Jahren mal der 9th Overall Pick, hauptsächlich weil er so schnell war. Er wurde dann auch nie ein großer Receiver, aber als Returnman hat er sich immer wieder erfolgreich von Team zu Team gehangelt. Nach Catches und Yards (44/739) war heuer seine zweitbeste Saison seit er 2007 bei den Dolphins angefangen hat. Nur 2008 war er minimal erfolgreicher. In seiner gesamten Karriere hat er 21 Touchdowns gefangen – davon 10 in 2015. Er ist der Mann für die Big Plays, seinen Speed hat das Leichtgewicht (75kg) immer noch. Meistens rennt er einfach geradeaus und bindet so einen der tiefen Safeties. Macht dieser einen falschen Schritt oder unterschätzt den Speed des 30-jährigen, ist er auf und davon.

Damit schafft er Platz für die intermediate routes von TE Olsen. Olsen, auch ein 1st-rd pick des Jahres 2007, kam vor etlichen Spielzeiten per Trade aus Chicago, wo Mike Martz keine Verwendung für einen Tight End hatte. Nach Yards (1104) hatte er 2015 die beste Saison seiner Karriere. Es gibt kaum einen Tight End mit besseren Händen. Auch seine Statur ist beeindruckend: er sieht zwar nicht so aus, aber er hat fast die gleichen Maße die Rob Gronkowski. Weiß Newton mal nicht wohin mit dem Ball, wirft er zu Olsen.

Olsen zieht bei jedem dritten Versuch alle Aufmerksamkeit auf sich. Damit schafft er wiederum Platz für den ehemaligen Mr. Third Down der New York Jets unter Chad Pennington, Brett Favre und Mark Sanchez: Jerricho Cotchery. Auch er droppt kaum einen Ball. Er fängt zwar nur zwei Bälle pro Spiel, aber mit denen macht er aus dritten neue erste Versuche.

Die sehr jungen Funchess und Brown (beide jeweils 31 Catches) haben keine richtigen Rollen. Meist bekommen sie den Ball nur, wenn Newton auf Anhieb niemanden gefunden hat, sich aber Zeit erkaufen konnte in der Pocket. Mit genügend Zeit finden Funchess und Brown die sweet spots in der gegnerischen Zonenverteidigung. Und hier liegen zwei Schlüssel: Zonenverteidigung und Newtons Pocket Awareness.

Die Offensive Line

Es kann sich keine Verteidigung erlauben, gegen Cam Newton häufig Mannverteidigung zu spielen. Denn dabei drehen die Paßverteidiger dem Quarterback den Rücken zu – und geben ihm damit Platz zum Laufen. Du willst dich hier auf keinen Fall von Newtons Scrambles schlagen lassen. Gegen die designed runs kann man oftmals einfach nichts machen, dafür ist Newton zu stark und das Blocking zu gut. Aber die Scrambles, besonders bei 3rd&long sind die Neckbreaker, die mußt du verhindern. Darum sieht Newton so oft Zonenverteidigung, da geht’s einfacher.

Mittlerweile hat Newton eine recht gute Pocket Awareness entwickelt, das heißt, er läuft nicht immer gleich los, wenn von irgendwo Pressure kommt. Er macht hier den kleinen Schritt nach links und da zwei Schritte nach vorne, um sich Zeit in der Pocket zu verschaffen. Was ihm enorm dabei hilft, sind die drei Offensive Linemen in der Mitte: Center Ryan Kalil und die beiden Guards Andrew Norwell und Trai Turner.

Kalil ist seit Jahren eine Bank als Center, bessere wird man nicht viele finden in der Liga. Norwell und Turner dagegen kamen dieses Jahr fast aus dem Nichts. #70 Turner war ein 3rd-rd pick 2014 und seit Mitte der vergangenen Saison ein solider Starter. Dieses Jahr schleudert er Verteidiger durch die Gegend, als wäre er Logan Mankins in his prime. Der riesige #68 Norwell – 2,00m, 150kg – – kam 2014 als UDFA zu den Panthers. Auch er ist seit Mitte 2014 Starter und ebenso wir Turner lebt er zuallererst von seiner schieren Power und seiner nastiness. Beide sind aber auch recht sicher auf den Beinen und werden technisch immer besser. Ich weiß nicht viel von Offensive Line Coach John Matsko, aber hier hat offensichtlich einen hervorragenden Job gemacht. Er war von 1999-2005 OL Coach der Rams und hat danach bei den Ravens Marshall Yanda zum härtesten Guard der Liga gemacht. Kalil, Norwell, Turner: the definition of „gallig„.

Die Mitte der Linie sollte eines der schönsten Match-ups werden. Auf der Seite der Broncos stehen dort Malik Jackson und Derek Wolfe. Beide noch keine großen Namen, aber schon eines der besten DT-Duos in der NFL. Vorteil Carolina. Vorteil Denver hingegen an den Außen der Linie: Von Miller und DeMarcus Ware gegen Michael Oher und Mike Remmers. Die beiden sind nur Mittelmaß, profitieren aber im Laufspiel von Kalil/Turner/Norwell und im Paßspiel von Hilfe durch die Tight Ends und Running Backs sowie Newtons Pocket Awareness.

Kurze Routen sind eigentlich immer da, weil die im Backfield durch verschiedenste Run Fakes so viel Verwirrung gestiftet wird, daß die Linebackers völlig verwirrt sind. Andererseits ist das gerade nicht die Stärke Newtons: die schnellen Entscheidungen und schnellen Würfe in die kurzen Zonen, wie ein Tom Brady das bis zum Erbrechen macht. Überraschend für NFL-Verhältnisse ist auch, daß Newton so gut wie nie zu seinen Running Backs wirft. Diese bleiben meistens zum Blocken im Backfield bei Paßspielzügen.

Fresh out the gate again, time to raise the stakes again…

Interessant ist ihr Game Planning. In den ersten 15 or 20 Plays sind sie unglaublich vielfältig. Sie spielen in diesen ersten Plays fast immer eine andere Aufstellung, kein Spielzug wird wiederholt, alles ist unique, eine selten gesehene Vielfalt: this, that and the third; the full clip. Damit sind sie sehr erfolgreich, auch weil sie Woche für Woche immer noch neue Spielzüge finden, die der Gegner noch nicht gesehen hat. In der Regel passen sie zu Beginn auch häufiger, als man meinen würde. Danach, so ab Mitte zweites Viertel und dann vor allem in der zweiten Halbzeit, werden sie more basic. Power Runs, Option Plays und viele Pässe mit sechs oder sieben Leute in Protection. Dabei laufen dann zwar nur drei oder vier Receivers Routen, aber diese in allen Levels, also einer tief, einer kurz und einer dazwischen. Es ist das Gegenstück zu dem, was beispielsweise die Patriots oder auch die Broncos oft machen: drei oder vier Receivers auf einer Höhe zwischen Line of Scrimmage und Safeties. Dieses Scripting der ersten 15 oder 20 Plays, die sehr vielfältig und komplex sind, sind wohl auch ein Grund dafür, daß die Panthers so oft in dieser Saison – auch in den Playoffs gegen Seahawks und Cardinals – große Führungen aufgebaut haben.

Es ist insgesamt sehr old-schoolig, was die Panthers-Offense unter OC Mike Shula macht. Sehr viel Laufspiel; und im Paßspiel werden immer alle drei Levels eingebunden. Am ähnlichsten ist konzeptionell wohl Norv Turner (wenn er ein gutes Laufspiel zur Verfügung hat).


Newton ist kein großartiger Passer, aber die Hilfe, die er durch das Laufspiel, die Zonenverteidigung und die Passing Concepts von Shula (einer kurz, einer tief, einer dazwischen, idealerweise alle auf einer Seite) bekommt, nutzt er zuverlässig aus. Newton hat eine fürchterliche Technik, aber mit seinem überirdisch starken Arm kann er auch in Rücklage oder breitbeinig werfen. Durch die schlechte Technik ist er bei einigen Würfen immer noch ungenau, aber er ist schon viel besser als in den vergangenen Jahren und vor allem ist er immer seltener so weit daneben, daß der Ball zu einem Verteidiger geht. On top of that macht Newton pro Spiel zuverlässig zwei oder drei Wow-Plays, Pässe, die unmöglich ankommen können, aber durch seine geheimem Supermannfähigkeiten trotzdem bei Olsen oder Ginn landen.

Was macht Denver?

Denvers Defense muß gegen das Laufspiel vor allem fundamentally sound sein. Also sicheres Tackling, diszipliniert in ihren Lanes bleiben und nicht auf die vielen Fakes reinfallen. Im Paßspiel ist die große Frage, ob die Broncos ihrer Zonenverteidigung vertrauen. Meistens haben sie unter DC Wade Phillips Mannverteidigung gespielt, aber hier scheint das sehr gefährlich zu sein. Sie könnten so wahrscheinlich das Paßspiel abwürgen, aber Newton könnte immer wieder seine Beine in die Hand nehmen und für First Downs laufen. Mit einem Spy könnte man das ein wenig eindämmen, aber in space kann Newton auch einen Linebacker plattmachen.

Die Broncos haben sehr gute Cornerbacks mit Aquib Talib, Chris Harris und 1st-rd pick Bradley Roby, aber in den Divisionals sahen sie ziemlich schlecht aus in Zonenverteidigung, die sie gespielt haben, um die Big Plays von Pittsburghs explosiven Wide Receivers zu verhindern. Der aggressive Weg wäre, Newton zu blitzen (Denver ist eines der blitzfreudigsten Teams der Liga) um das Paßspiel einzuhegen und auf sicheres Tackling zu vertrauen, auf daß sie nicht aussehen wie die Packers gegen Colin Kapernick in den vergangenen Jahren. Der sichere Weg wäre, Zone zu spielen um die Big Plays zu verhindern und Carolina sich jedes Yard hart erarbeiten zu lassen – vor allem über das Laufspiel. Es bietet sich hier natürlich an, beides zu mixen und Newton ständig andere Looks zu geben, damit er sich auf nichts einstellen kann und immer wieder überrascht wird. Das birgt wiederum die Gefahr, zwei oder drei Big Plays zu kassieren, die dir am Ende das Genick brechen. Es ist insgesamt ein schönes Match-up, in dem viel davon abhängen wird, wieviel Aggressivität Wade Phillips seiner Defense zutraut.


Runtergebrochen auf drei Bullet Points

  • Die ersten drei Serien
  • Laufspiel
  • Red Zone Effizienz

In den ersten drei Serien feuert Mike Shula die verschiedensten Formationen und Überraschungen raus, danach werden sie more vanilla. Läßt Denver sich da nicht schon zwei Scores einschenken wie Hawks und Cards, wird das ein hartes grind it out game. Das Laufspiel wird Denver nicht völlig abwürgen können, aber hier müssen Big Plays verhindert werden. Red Zone Offense ist oben nicht angesprochen, aber extrem wichtig für Carolina. Sie sind keine besonders effiziente Offense im Ballbewegen (auch nach Yards sind sie nichtmal Top10), aber sie sind tödlich effizient darin, ihre Yards in Punkte umzuwandeln. Der größte Faktor ist hier natürlich Newton, der in der Red Zone keine Rücksicht mehr auf seine Gesundheit nimmt, sondern furchtlos dahin geht, wo es wehtut – und Turnovers vermeidet.

In den meisten Spielen haben sich die Panthers gleich zu Beginn eine große Führung erspielt und diese dann – manchmal wacklig – nach Hause gelaufen. Während der Regular Season waren sie über 16 Spiele zur Halbzeit +145 nach Punkten. Das heißt, sie haben zur Halbzeit im Durchschnitt (!) schon mit fast 10 Punkten geführt. In den Playoffs war es noch extremer: gegen Seattle 28-0, gegen Arizona 24-7 zur Halbzeit. Das sollte auch diesen Sonntag ihr Ziel sein. Völlig egal, was Peyton Manning diese Saison für schlechte Spiele hatte: willst du in einem knappen Spiel im vierten Viertel Peyton Manning gegen dich haben? Es ist Aufgabe der Broncos-Defense, The Sheriff die Möglichkeit zu geben, ein letztes Mal zu glänzen und dann wie einst John Elway in den Sonnenuntergang zu reiten. Dazu morgen.

3 thoughts on “Super Bowl 50 Vorschau: Carolina Panthers Offense vs Denver Broncos Defense

  1. Absolut starker Artikel! Großen Respekt dafür. Finde du hast viele Facetten betrachtet und die Situation sehr gut zusammen gefasst… Ich freu mich schon auf den morgigen Artikel😉
    Ich denke, dass die Broncos DEF das Spiel an der Line verlieren wird und zwar, wie du auch so schön sagtest, im Zentrum. Ware und Miller sind ja eher Outside Rusher und ich denke, dass Newton denen auch wegen der von dir angesprochenen wachsenden Pocket Awareness oftmals ausm Weg gehen kann und sich dadurch Möglicheiten für seine brandgefährlichen Runs ergeben wird.
    Eine weitere „Schwachstelle“ in der Broncos DEF sehe ich in Talib. So stark er auch sein mag, seine Emotionalität (Dummheit würde irgendwie zu hart klingen :-D) ist mMn oftmals ein nicht zu vernachlässigender Faktor und beschert dem Gegner einige geschenkte Yards durch Strafen. Ich bin mal gespannt, ob er sich bei so einem wichtigen und vermutlich auch nervenaufreibenden Spiel vollständig im Griff haben wird.

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