Super Bowl 50 Vorschau: Denver Broncos Offense vs Carolina Panthers Defense

In der gestrigen Vorschau lag der Fokus auf Carolinas Offense im Duell mit Denvers Defense. Heute die andere Seite: Denvers Angriff gegen die Verteidigung der Panthers.

[Alle Artikel zu Super Bowl 50 unter diesem Link.]

Denver Broncos Offense vs Carolina Panthers Defense. Hier entlang:

The Stage is set.

Es könnte der perfekte Abgang werden für Peyton Manning. So wie einstmals John Elway, sein jetziger GM, mit den Broncos am Ende seiner Karriere von seiner Verteidigung und Terrell Davis zum Super Bowl Champ gemacht wurde, so kann heute Manning auf eine herausragende Defense vertrauen. Er ist zwar nur noch ein Schatten seiner selbst, das sagt aber mehr über den Glanz aus, den er einst verstrahlte.

The Sheriff

Peyton Manning ist nicht mehr der Peyton Manning von früher. Der Peyton, der so gut war, daß der Gegner gar nicht mehr Wege gesucht hat, ihn zu stoppen, sondern nur noch Wege gesucht hat, den Ball in den eigenen Reihen zu behalten. Jeff Fisher mit den Titans hat mal drei Onside Kicks plus einem Fake Punt in einem Spiel angesagt, nur damit Peyton den Ball nicht bekommt. Die Dolphins hatten mal 50 Rushes und 45 Minuten Ballbesitz, nur um keepaway zu spielen. Der Größte Große aller Zeiten, Bill Belichick, hat mal mit einer Sechs-Punkte-Führung kurz vor Schluß einen 4th Down tief in der eigenen Hälfte ausspielen lassen. Sean Payton hat mal in die zweite Halbzeit eines Super Bowls mit einem Onside Kick gegen Peyton Manning begonnen. Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, aber Peyton Manning war mal dermaßen überragend, daß sich die Besten der Besten gar nicht mehr damit beschäftigt haben, Peyton zu stoppen, nein: sie haben sich nur noch damit beschäftigt, Peyton nicht mehr an den Ball kommen zu lassen.

Niemand, wirklich niemand, hat gegnerischen Mannschaften so viel Angst gemacht wie Peyton Manning. Jon Gruden hat als Kommentator beim Monday Night Football Peyton das perfekt Label verpaßt: „This Manning guy, damn Mike, you know, I call him The Sheriff, because he always gets his man“. Das war nur wenige Jahre nachdem Peyton Manning gegen die von Gruden trainierten Buccaneers, eine der besten Verteidigungen aller Zeiten (und Super Bowl Champion der vorherigen Saison), einen 21-Punkte-Rückstand in den letzten fünf Minuten (!!) ausradiert hat. Peyton Manning war so wie J.J. Watt heute.

Peyton Manning hat dann auch mal in einem AFC Championship Game einen großem Rückstand gegen die Patriots aufgeholt – im Foxboro; Peyton Manning hatte später eine Saison mit fünfeinhalbtausend Yards und 55 Touchdowns, beides natürlich NFL-Rekorde. Er hat natürlich auch alle Karriererekorde. Als Patriots-Fan kann ich sagen, daß New England 2007, „Brady-to-Moss-oh-my-god!“ die beste Passing Season aller Zeiten war. Aber über die gesamte Karriere gesehen ist Peyton Manning eine Klasse für sich, full stop.

Keine Angst vor Manning

Jetzt, im Februar 2016, macht Peyton Manning niemandem mehr Angst. Die anderen Teams haben Respekt vor ihm, aber keine Angst. Niemand spielt mehr keepaway, eher versuchen alle, ihn zu Fehlern zu zwingen. Seine Offenses waren nie besonders komplex; sie waren unstoppable aufgrund der execution. Jetzt, nach etlichen Verletzungen und mit fast 40 Jahren (Geburtstag im März), fehlen Manning schlicht die physischen Voraussetzungen um den Gegnern Angst zu machen.

Er hatte nie den stärksten Arm, aber er war immer gut genug: Marvin Harrison zwischen Cornerback und Safety? Manning wußte schon zwei Sekunden vorher, wo genau diese drei Spieler würden stehen werden und hat den Bal dorthin geworfen. Reggie Wayne auf einer Comeback Route? Manning hat den Ball in genau die zwei Quadratcentimeter zwischen Cornerback und Seitenauslinie geworfen, bevor der Cornerback den entscheidenden Schritt machen konnte. Austin Collie zwischen zwei Linebackers? Yep, macht Manning im Schlaf, weil er die Konstellation schon sieht, bevor sie tatsächlich stattfindet. Er war gedanklich immer einen Schritt weiter als die Gegner. Dadurch konnte er überragend spielen, ohne tatsächlich überragend zu werfen.

Jetzt wirft er schlecht. Richtig schlecht. Den Vorteil den Manning kognitiv immer noch hat, können die Verteidiger jetzt physisch wettmachen. Das ist Mannings Problem.

Vor allem bekommt er immer mehr Probleme mit Würfen an die Seitenlinie und in die Tiefe. Seine gefürchteten Comeback- und Out-Routes kann er vergessen, da eiern die Bälle zu lange durch die Gegend. In die Tiefe geht auch nicht mehr; durch seinen schwachen Arm hat er seine Wurftechnik geändert, jetzt schmeißt er bei tiefen Bällen seinen ganzen Körpern mit viel Anlauf durch die Pocket wie ein Speerwerfer, darunter leidet die Genauigkeit.

Carolinas Stars

Am wohlsten fühlt Manning sich jetzt between the numbers. Im Super Bowl patrouillieren da aber Luke Kuechly und Thomas Davis. Zwischen diesen beiden müssen Manning und seine Receivers Lücken in der Zonenverteidigung finden. Es gibt in Zonenverteidigungen immer offene Lücken, das liegt in der Natur der Sache, aber Kuechly/Davis sind so stark, daß es ein Risiko ist in diese Lücken zu werfen, denn manchmal kommen die beiden einfach aus dem Nichts gesprungen.

Auch gerade bei Pressure wirft der QB in der Regel kurz, hinter die Line of Scrimmage. Russel Wilson und Carson Palmer sind die zwei aktuellsten Opfer, die under pressure in der Mitte ihren outlet receiver gesehen haben, der Ball aber bei Luke Kuechly landete.

Die Secondary ist eigentlich die Schwachstelle der Panthers-D, man findet da immer wieder offene Zonen, gerade gegenüber von Josh Norman, auf der Seite von Robert McClain und Cortland Finnegan. Nur sind meistens die Pass Rushers zu schnell beim QB. Die Edge Rushers um Charles Johnson, Jared Allen und Kony Ealy sind ganz solide. Die ganz dicken Brecher aber sind Kawann Short, Star Loutelei und Dwan Edwards. Vor allem die Mitte um Short hat sich in den letzten Wochen zu einem Albtraum aller Offensive Lines gesteigert.

Die Offensive Line der Broncos hat schon gegen schlechtere D-Lines alt ausgesehen. Einzig RG Luis Vasquez ist einigermaßen sicher in Pass Protection, er hat aber auch nicht oft gegen Brecher vom Schlage Short gespielt. Center Matt Paradis und Left Guard Evan Mathis sind gefährliche Schwachstellen und lassen sich auch von durchschnittlichen Defensive Tackles durch die Gegend schubsen. Bei den Edge Rushers sind Allen und Johnson angeschlagen, werden aber wohl spielen. Die beiden Offensive Tackles, Harris links und Schofield rechts, sind auch nur Notnägel. Nimmt man dann noch die gefüchteten Double-A-Gap Blitzes dazu, könnte das enden wie Super Bowl XLVIII gegen die Seahawks.

Was tun, Peyton?

Was könnte funktionieren bei Denvers Paßspiel? Screen Passes zum Beispiel. Demaryius Thomas und Emmanuel Sanders sind starke und explosive Typen, die an der Seitenlinie Cornerbacks aussteigen lassen können. Was natürlich auch funktionieren kann, sind Spielzüge, in denen nacheinander zwei Receivers durch dieselbe Zone laufen. Das kann Peyton immer noch. Er weiß ganz genau, was für eine Coverage du spielst, er weiß daher auch genau, wie das Bild zwei Sekunden nach dem Snap aussieht. Die entscheidenden Fragen sind dann nur: bekommt er überhaupt zwei Sekunden Zeit? Und: kann er einen genauen Paß werfen?

Was so spät in der Saison immer gerne gemacht wird: Spielzüge designen speziell für die Spieler, die sonst während der Saison kaum mal das Ziel sind. Das wären in diesem Fall die Tight Ends Virgil Green und Vernon Davis. Green blockt in der Regel für Lauf und Paß; Deep Davis, vor wenigen Jahren noch die gefährlichste Vertikalwaffe der 49ers, kam während der Saison aus San Francisco und konnte nie richtig eingebunden werden. So wie letzte Woche Owen Daniels (der hier wahrscheinlich von Kuechly/Davis abgemeldet wird) zwei Mal die Pats überrumpeln konnte, so könnten diese Woche Green oder Davis die beiden X-Factors sein, die niemand auf dem Zettel hat.

Und dann könnte Denver auch ein paar Shot Plays einstreuen: Pass Protection mit sieben oder acht Mann und zwei Receivers gehen tief, ganz tief. Da muß nur der altbekannte Gambler Roman Harper zu aggressiv nach vorne gehen oder der unerfahrene CB McClain sich von einem Double Move vernaschen läßt, und schon ist ein Sanders oder Thomas so offen, daß selbst Opa Peyton ihn nicht verfehlen kann.

Das Laufspiel

Das alles, alle diese Überlegungen zum Paßspiel, sind allerdings hinfällig ohne einigermaßen funktionierendes Laufspiel. 3rd&Long gegen Carolinas Pass Rush ist wenig aussichtsreich und sehr schlecht für Peytons Gesundheit. Das Laufspiel funktioniert nacht dem altem Kubiak-Design, das heißt viel Zone Blocking, viele Tight Ends zum Blocken, viele Cut Backs der Running Backs. Das Problem hier: Kubiak und Manning sind zu gegensätzlich und kommen nicht zusammen, wenn es um die Aufstellung geht: Peyton will immer in der Shotgun stehen, Kubiak will seinen QB immer direkt an der Linie, damit der RB schon im vollen Lauf ist, bevor er den Ball bekommt; und damit der QB noch Misdirection Fakes einbauen kann und auch Bootlegs läuft. Auf den Fullback verzichtet Kubiak sowieso schon; meistens darf Manning auch in die Shotgun (ca. 3/4 aller Snaps), weil er sich da wohler fühlt und auch nicht mehr der flinkste auf den Beinen ist; allein ist das nicht ideal für Kubiaks Laufspiel.

Die Running Backs C.J. Anderson und Ronnie Hillman machen konstant ihre 4,5 Yards pro Lauf. Wenn sie diesen Schnitt halten können gegen eine Laufverteidigung, die Top-5 ligaweit ist, dann könnten sich die Broncos irgendwie vier vernünftige Drives zusammenklauben. Ohne Laufspiel ist das am Sonntag nur ein Himmelfahrtskommando.


Für den Spickzettel:

  • Laufspiel muß funktionieren
  • Screen Passes – mit viel YAC
  • Pässe in die mittleren (vertikal wie horizontal) Zonen vs Kuechly/Davis, dabei:
  • Keine Interceptions, Manning!

Die Defense muß es knapp halten, das Laufspiel muß konstant Yards machen und Peyton braucht dann die zwei oder drei Drives, in denen er als Chirurg die Zonenverteidigung sauber zerlegt. Es wird ein hartes Stück Arbeit, diese Drives zusammenzuzimmern. Aber Manning ist smart genug, diesen einen dritten Versuch zu verwandeln und aus dieser einen Red Zone Opportunity einen Touchdown zu machen.

Es hängt aber letztlich an Denvers Verteidigung. 17 oder 21 Punkte bekommt Manning vielleicht irgendwie zusammengekratzt – läßt die Verteidigung weniger zu? Es hängt nicht mehr an Peyton, wie er in den Sonnenuntergang reitet, dafür ist er einfach zu schwach. Wenn Denver gewinnt, dann über die Verteidigung. Es könnte der perfekte Abgang für den Sheriff werden. All die Playoffsiege, die ihm aufgrund schlechter Verteidigungen verwehrt blieben, ausgeglichen durch eine hervorragende Defense, die ihm den Sieg beschert in Super Bowl 50, der Jubiläumsausgabe.

3 thoughts on “Super Bowl 50 Vorschau: Denver Broncos Offense vs Carolina Panthers Defense

  1. Schöne Lobeshymne auf Peyton 😊 Sowas hab ich in vielen Previews vermisst, welche oft einem scheidenden Legenden-QB nicht das angebrachte fünkchen Respekt erbracht haben.

  2. Pingback: Das Vorglühen zu Super Bowl 50 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Pingback: Das letzte Omaha | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s