Das Vorglühen zu Super Bowl 50

[23h45] Damit schließe ich das Eingrooven auf die Super Bowl 50 und schalte in wenigen Minuten das Liveblogging des Endspiels frei. Bis gleich.


[23h35] Ich habe hier noch das Abstimmungsergebnis einer Umfrage auf diesem Blog von Ende November, direkt vor dem Patriots-SNG, als ich gefragt hatte ob wir Manning noch einmal sehen werden. Das Ergebnis damals:

Das nur für den Fall, ich hab doch immer schon gewusst, dass Manning nicht fertig ist. Das war eben nicht immer schon so klar.

[20h37] Super Bowl 50 ist in gewissem Sinne nicht bloß das Duell zweier völlig konträrer Quarterbacks, sondern es ist auch eine Bühne für das schwärzeste Team in der NFL, die Carolina Panthers. Die Huffington Post schreibt in einem längeren Artikel darüber, wie sich die Panthers von vergangenen „schwarzen“ Teams unterscheiden: Sie versuchen erst gar nicht, etwas anderes zu repräsentieren als ihre Hautfarbe:

ESPN’s Howard Bryant told The Huffington Post that he believes Newton stands out from other past black quarterbacks because he does not conform to preconceived notions of how a black quarterback is supposed to act.

„When I think about every black quarterback out there, every one of them seemed to have to win the approval of the public,“ Bryant said over the phone. „They had to win the approval of their coaches, they had to win the approval of the league and say, ‚See? I’m legitimate.'“

But Newton did something different this year.

„Cam’s saying, ‚Fuck it. You deal with me. I don’t care what you think, I am legit. I don’t have to prove anything at all,'“ Bryant said.

Quelle: The Panthers Are The Most Unapologetically Black Team In NFL History

Der erste deutsche Superbowl-Sieger

[20h20] Heiko Oldörp schreibt bei SPON über den wahren ersten deutschen Superbowl-Champion: Markus Koch, der 1987 und 1991 mit den Washington Redskins den Titel gewann. Koch war als Vierjähriger mit seiner Familie nach Kanada ausgewandert und hatte sich als Teenager dem Football zugewandt. Über das damals winzige Boise State war er zu den Redskins gestoßen und spielte dort fünf Jahre lang als Defensive End.

Oldörp führte mit Koch ein einstündiges Interview. Koch schildert, wie sehr die Schmerzen Teil eines Footballerlebens sind und zeichnet einen eher tristen Alltag. Heute arbeitet er in der alternativen Medizin.

Bislang war man davon ausgegangen, dass Sebastian Vollmer der erste deutsche Superbowl-Champ war (letztes Jahr mit New England) bzw. die „deutsch-stämmigen“ Tom Nuetten oder Domenik Hixon „deutsche“ Champs waren. Koch scheint ihnen allen zuvor gekommen zu sein, und niemand hat es bemerkt.

Die Superbowl-Hitliste

[19h05] Die Jubiläumsausgabe der Super Bowl hat in den Staaten viele Schreiber inspiriert, eine Hitliste der bisherigen 49 zu erstellen (Eine der besten Listen gibt es bei der Washington Post). Es gibt sogar noch eine Gruppe Männer, die jedes Spiel live im Stadion erlebt haben. Ich bringe nur knapp mehr als die Hälfte Frühlinge aufs Parkett wie die Super Bowl. Hier mein Superbowl-Ranking. Ich nehme mal nur die Partien dazu, die ich wirklich live, also nachts, gesehen habe.

  1. 2015 Patriots vs Seahawks
  2. 2008 Giants vs Patriots
  3. 2004 Patriots vs Panthers
  4. 2009 Steelers vs Cardinals
  5. 2010 Saints vs Colts
  6. 2011 Packers vs Steelers
  7. 2012 Giants vs Patriots
  8. 2013 Ravens vs 49ers
  9. 2005 Patriots vs Eagles
  10. 2007 Colts vs Bears
  11. 2014 Seahawks vs Broncos
  12. 2006 Steelers vs Seahawks

Eine recht hochklassige Liste an Superbowls, die uns in den letzten Jahren präsentiert wurde. Bis runter zu 49ers-Ravens waren das durchwegs mit Haut und Haaren geführte Partien hinein bis in die Schlussphase. Die Top-4 sind allesamt epische Klassiker. Dreimal Patriots ganz oben. Mit New Englands Super Bowls ist es ähnlich wie mit Champions-League Finals des FC Bayern: Es sind stets sensationelle Partien, im guten wie im schlechten Ausgang.

Super Bowl XL Steelers-Seahawks bleibt bis heute meine größte Enttäuschung. Nach keinem anderen Finale hatte ich stärker das Gefühl, dass hier nicht die „richtige“ Mannschaft gewonnen hat.

Die merkwürdigste Super Bowl war 2012 Giants-Patriots. Ich habe bis heute keine Ahnung, was ich mit diesem Spiel machen soll. Es war der zufälligste Ausgang von allen. Beide Teams waren eher Durchschnittsausgaben. Die Giants waren 9-7 mit negativem Punkteverhältnis, aber hervorragenden Pass-Statistiken. Die Patriots eine Super-Offense ohne Defense. Die Super Bowl entwickelte keinen roten Faden und endete in einem Touchdown, bei dem sich die Defense mehr freute als die Offense.

Der intensivste Moment war Butlers Interception letztes Jahr gegen die Seahawks, knapp gefolgt vom Tyree-Catch und Fitzgeralds Touchdown zur Führung gegen Pittsburgh. Die größte Performance war Aaron Rodgers gegen die Steelers: Trotz etlicher Drops der Receiver die beste Defense des Landes in ihre Einzelteile zerlegt.

Aber es sind auch andere Momente bleibend in Erinnerung geblieben: Steve Smiths Touchdown gegen Tyrone Poole. Der Onside Kick der Saints. Der Schlafwagenfootball der Eagles im letzten Viertel. Porters entscheinde Interception gegen Manning. Harrisons Return-Touchdown und Santonio Holmes 45° in der Luft zum Sieg-TD. Bradys schlicht perfekter Verzweiflungspass 2008 für Randy Moss, ein 60-Yarder, der dem besten Receiver unserer Zeit durch die Finger glitt. Der Stromausfall von New Orleans. Oder Hesters großartiger Kickoff-Return zum Touchdown.

Nicht immer haben die Sieger die besten Geschichten geschrieben. Bei mindestens der Hälfte „meiner“ Superbowls hat auch der Verlierer fleißig an der Legende gebastelt.

Sideline Reporter Drinking Game

[18h09] Damit zum alljährlichen Sideline Reporter Drinking-Game 2016. Die Bier-Empfehlung für heute ist Tegernseer Brauhaus. Als Shots ist alles außer Klarer erlaubt.

Ein Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator Super Bowl 50 sagt
  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator darauf hinweist, dass Santa Clara nicht gleich San Francisco ist
  • Jedes Mal, wenn Peyton Manning und „Legacy“ in einem Satz erwähnt werden
  • Jedes Mal, wenn Cam Newton und „Mobility“ in einem Satz erwähnt werden
  • Jedes Mal, wenn Phil Simms „talked about“ sagt

Zwei Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn Frank Buschmann Momentum sagt
  • Für jede Einblendung von John Elway
  • Für jede Einblendung von Jerry Richardson
  • Für jeden Touchdown-Tanz von Cam Newton
  • Für jede Einblendung von Elways „Helicopter“ 1998

Drei Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn Jan Stecker Momentum sagt
  • Für jede Erwähnung von „Omaha“
  • Für jede Ballübergabe eines Panther an ein kleines Kind

Ein Shot

  • Für Münzwurf HEADS
  • Für Münzwurf TAILS
  • Für jeden Kickoff
  • Für jeden Turnover
  • Für jeden Punt
  • Für jede Interception gegen Peyton Manning
  • Für jeden Sack gegen Peyton Manning
  • Für jeden Newton-Scramble
  • Für jedes verschossene Fieldgoal
  • Für jede gelbe Flagge
  • Wenn die Broncos gewinnen
  • Wenn die Panthers gewinnen
  • Für die erste Overtime

Zwei Shots

  • Für die zweite Overtime
  • Wenn die Hymne über 100 Sekunden dauert
  • Für jedes Personal-Foul
  • Für jeden Führungswechsel

Drei Shots

  • Für jeden verschossenen Extrapunkt
  • Für die dritte Overtime
  • Für jede Anspielung auf Peyton Mannings HGH-Doping
  • Für jedes ausgespielte 4th Down von Ron Rivera
  • Für jeden 1st Down Scramble von Peyton Manning
  • Für jede falsche Referee-Analyse von Mike Carey

4 Shots

  • Für jeden Touchdown-Scramble von Peyton Manning
  • Für jede korrekte Referee-Analyse von Mike Carey
  • Wenn Lady Gaga bei der Hymne eine Zigarette anzündet

Flasche leeren

  • Wenn Brock Osweiler den entscheidenden Touchdown wirft

Die Charaktere von Super Bowl 50

[16h23] Die Quarterbacks von heute Nacht hatten wir schon unter der Woche vorgestellt. Super Bowl 50 hat aber über die QBs hinaus interessante Typen

WR Demariyus Thomas von den Broncos zum Beispiel ist einer der bekanntere Wide Receiver in der NFL. Thomas ist für WR-Verhältnisse ein recht ruhiger Mann. Das mag an seiner Geschichte liegen. Als Thomas 11 Jahre alt war, wurden seine Mutter und Großmutter verhaftet: Drogenhandel. Mama Katina wurde für 20 Jahre in den Bau gesteckt, Oma Minnie für 40. Die beiden hatten in einer Kleinstadt in Georgia Kokain gehandelt um der Familie einen halbwegs mittelständischen Lebensstil zu ermöglichen.

Thomas war von einem Tag auf den anderen quasi ein Waisenkind. Die Frauen im Knast, der Vater im Kriegseinsatz im mittleren Osten. Thomas kam über einen externen Erzieher zum Football, wurde in der ungewöhnlichen Triple-Option Offense von Georgia Tech zu einem der besten Receiver im Lande und steht heute in seiner zweiten Super Bowl.

Sollte er mit 32 noch Football spielen, hätte Mama Katina dann erstmals die Chance, Thomas live spielen zu sehen. Edit: go_pats weist in den Kommentaren darauf hin, dass die Mami vorzeitig entlassen wurde und bereits das erste Livespiel vom Sohnemann gesehen hat.

LB Thomas Davis von den Panthers spielt sein 12tes Profijahr. Er war ein 1st-Rounder im Jahr 2015 2005, und ich kann mich noch an die Diskussionen erinnern, ob man den Mann als Safety oder Linebacker einsetzen sollte. Sie sagten, er sei einer „Tweener“, ein Zwitterdings, ein Schimpfwort im Draft-Jargon. Davis war einige Jahre ein recht unscheinbarer Starter in Carolina, ehe ab 2009 eine unheimliche Serie einsetzte mit drei Kreuzbandrissen im rechten Knie hintereinander.

2009, 2010, 2011… Davis zerfetzte sein Knie ein ums andere Mal, und mit jedem Mal schien eine Rückkehr unwahrscheinlicher. Anzi: Kein NFL-Profi vor Davis war jemals nach drei Kreuzbandrissen im selben Knie in die Liga zurückgekehrt.

Davis schaffte das Comeback, und mehr: Er kehrte als eine bessere, explosivere Version seiner selbst in die Liga zurück. Inwiefern bei solchen Comebacks immer alles mit rechten Dingen zugeht, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber bemerkenswert an Davis ist auch das Verhalten der Panthers, die ihren langjährigen Linebacker, der schon die 30 Jahre Grenze kratzte, nicht feuerten, sondern ihm eine Chance auf einen Platz im Kader offen ließen.

Davis bekam zwar reduzierte Bezüge, aber er hatte seine Chance, neben Jon Beason und später neben Luke Kuechly in der Mannschaft zu bleiben. Als Davis All-Pro Form zeigte, verlängerte die Franchise sofort den Vertrag und gab Davis eine Gehaltserhöhung – ein Signal an die Spieler: Zeigst du Leistung, wird das von uns belohnt.

Kuechly ist auch so ein eigenartiger Fall von Charakterkopf: Siehst du Kuechly über die Straße schlendern, kommst du im Leben nicht drauf, dass es sich bei dem Mann um einen Profi-Footballer handelt. Kuechly sieht eher wie ein Streber im dritten Semester aus. Bekannte beschreiben ihn als einen außergewöhnlich ruhigen und netten Mann. Das passt so überhaupt nicht zu dem Monstrum am Feld, das von der linken zur rechten Seitenlinie alles und jeden wegräumt.

Michael Oher ist der Hauptprotagonist der Michael-Lewis Geschichte „Blindside“, die vor einigen Jahren unter gleichem Namen auch verfilmt wurde. Oher kommt aus ärmlichsten Verhältnissen und wurde von einem Freund von Michael Lewis großgezogen, wurde zu einem landesweit begehrten College-Talent und spielt nun in seiner zweiten Super Bowl nach 2013 mit den Ravens.

Evolution der Broncos

[16h03] Die Denver Broncos standen erst vor zwei Jahren zum letzten Mal im Super Bowl. Damals wurden sie von den Seattle Seahawks in ihre Einzelteile zerlegt und verloren 43-8. Diese Broncos von 2013 stellten vielleicht die beste Offense aller Zeiten, mit einer vom 37-jährigen QB Peyton Manning angeführten Punktemaschine, die 606 Punkte in der Regular Season aufs Tablett legte und im Semifinale die Patriots trotz konstanter miserabler Feldposition und zu wenig Power in der Redzone 26-16 auseinandernahmen.

Nur 24 Monate später haben wir ein dezent anderes Bild: Die Broncos-Offense ist so steril wie ein kastrierter Hengst, QB Manning spielt seine vielleicht schlechteste Saison seiner Karriere (z.B. 9 TD, 17 INT in der Regular Season), und Denver lebt teilweise allein von seiner Defense. Zwei Jahre nach dem Punkterekord der Offense legte diese Saison die Defense mit einer unheimlichen Serie an Return-Touchdowns den Grundstein für mehr als einen oder zwei der 12 Siege.

Wie ungewöhnlich diese Transformation von Offense-Juggernaut zu Defense-Monster ist, hat Chase Stuart bei 538 untersucht. Antwort vorab: Sie ist fast beispiellos.

[13h45] QB Peyton Manning bestreitet heute Nacht sein mutmaßlich letztes Spiel. Manning, der #1-Pick im NFL-Draft 1998, hat in seiner langen Karriere gesehen, wie stark sich die Liga verändert hat. Er wurde in einer Zeit gedraftet, als ein Runningback der höchstbezahlte Spieler der Liga war und ein anderer Runningback die meisten Werbeeinnahmen hatte. Das ist heute undenkbar – auch weil dank Manning und seiner sehr speziellen Offense eine Revolution in der Liga in Gang gesetzt wurde, die bis heute (und weiterführend auch in die Zukunft) eine einst undenkbare Passlastigkeit bedeutete.

Bill Barnwell hat darüber bei ESPN geschrieben.

[12h35] Es wurde ja wirklich bereits extrem viel über Super Bowl 50 geschrieben, aber eine in wenigen Absätzen sehr präzise Vorschau hat heute dogfood von Allesaussersport.de geschrieben. In relativer Kürze präzise umrissen worum es im Duell Carolina Panthers vs Denver Broncos geht & einige wertvolle Inputs bezüglich der übertragenden Sender geliefert:

Der Super Bowl 50 bietet im Vorfeld wieder eine Dramaturgie, mit der man Nicht-Hardcore-Football-Fans gut an die Hand nehmen kann und Empathie für dass eine andere Team wecken kann, ohne das man zu Einzeller-Vergleichen wie „RB Leipzig gegen 1. FC Köln“ greift, wie es die Sport BILD getan hat.

Vieles an dem Duell Denver Broncos – Carolina Panthers kann an den Quarterbacks fest gemacht werden, die kontrastreicher nicht sein könnten.

Lesenswert auch für Hardcore-Fans.

NFL-Awards 2015/16

[12h25] Heute Nacht wurden die AP-Awards für die NFL-Saison 2015/16 vergeben. Diese Awards gelten landläufig als „offizielle“ Individual-Preise der NFL.

  • MVP: Cameron Newton, QB Panthers.
  • Offensive Player of the Year: Newton.
  • Defensive Player of the Year: J.J. Watt, DE Texans. Watt zum dritten Mal in vier Jahren.
  • Offensive Rookie of the Year: Todd Gurley, RB Rams. Gurley mit 1104yds und 10 TD in 13 Einsätzen.
  • Defensive Rookie of the Year: Marcus Peters, CB Chiefs. Peters hatte 8 Interceptions und 2 Return-TD.
  • Coach of the Year: Ron Rivera, Panthers.
  • Comeback Player of the Year: Eric Berry, Safety Chiefs. Berry ist von einer Form Leukämie zurückgekommen. Das wurde als größeres Comeback eingestuft als Carson Palmers Rückkehr.

Es war ein eigenartiges Jahr ohne die ganz herausragenden Spielerfiguren. Wenn wir nur die Regular Season anschauen, hätte ich Carson Palmer einen Tick über Newton angesiedelt. Palmer hatte die besseren Stats, an die 8 NY/A sind herausragend. Newton ist hingegen der integralere Bestandteil seiner Offense, der punktbesten Offense des Jahres.

Bei den Rookies gab es etliche gute, aber kaum herausragende Spieler. Gurley über QB Jameis Winston kommt nicht unüberraschend, aber ich hätte anders abgestimmt.

Unsere Sideline Reporter Awards haben wir letzte Woche auf diesem Blog veröffentlicht.

Hall of Fame Klasse 2016

[11h30] Die Hall of Fame Klasse 2016 wurde heute Nacht bekannt gegeben. Die acht Gewählten sind:

  • Brett Favre, QB Packers
  • Marvin Harrison, WR Colts
  • Kevin Greene, LB Rams/Steelers
  • Orlando Pace, OL Rams
  • Tony Dungy, Coach Buccs/Colts
  • Eddie DeBartolo, Owner 49ers
  • Ken Stabler, QB Raiders
  • Dick Stanfel, OG

Favre war zum ersten Mal in der Verlosung, wurde wenig überraschend sofort gewählt. Seine Karriere wird durch seine 16 Jahre bei den Packers geprägt, als er kein einziges Spiel verpasste und 3x zum NFL MVP und einmal Superbowl-Sieger wurde. Favre galt als Spaß-Footballer und war landesweit einer der beliebtesten NFL-Profis, war aber auch berüchtigt dafür, immer wieder ganze Spielzeiten mit zu vielen Interceptions wegzuwerfen. So zum Beispiel beendete er seine Packers-Karriere mit einer INT in der Overtime im NFC-Finale 2008 gegen die Giants, die zum Ausscheiden der Packers führte.

Favres einprägsamstes Spiel war ein Monday Night Game in Oakland in der Nacht nach dem Tod seines Vaters, als Favre sich entschloss, zu spielen. Es war ein Monster-Spiel Favres, dem in der ersten Halbzeit damals alles aufging was einem Spieler aufgehen kann. Pässe in Dreifach-Deckung? No Problem. Pässe direkt auf den Defensive Back? Abgefälscht zum eigenen Receiver. Es war eine Partie, als hätte eine externe Kraft ihre Hand im Spiel gehabt.

Nach seiner Packers-Zeit ging er für ein Jahr zu den Jets und hernach für zwei Jahre zu den Vikings, einem Packers-Erzrivalen. Im ersten Vikings-Jahr, 2009/10, spielte er vielleicht die beste Saison seines Lebens, beendete sie aber standesgemäß mit einer Interception im kritischsten Zeitpunkt des NFC-Finals gegen New Orleans. 2010 musste er nach 297 Spielen en suite erstmals eine Partie mit Verletzung aussetzen und trat am Saisonende zurück.

Favres Karriere-Rekorde nach Yards (71.838) und Touchdowns (508) wurden mittlerweile von Peyton Manning gebrochen. Favre warf in 302 Regular Season Spielen auch 336 Interceptions. Er warf in 24 Playoffspielen 30 Interceptions.

Auch Marvin Harrison und Tony Dungy sind ganz nette Links zum heutigen Superbowl-QB Peyton Manning. Harrison ist bis heute der Receiver, mit dem Manning besser zusammengespielt hat als mit jedem anderen. Harrison hatte 1102 Catches für 14.580 Yards und 128 TD in seinen 13 Jahren mit den Colts – fast alle davon gefangen von Manning. Harrison war ästhetisch eine Augenweide: Ein etwas untersetzter, schlanker Mann, aber so wendig, so smooth, dass mir kein vergleichbarer Athlet einfällt, der mit Harrison mithalten konnte.

Dungy war der Coach der Colts, als sie mit Manning 2006/07 die Super Bowl gewannen. Dungy gilt als extrem integrer Mann, der immer wieder als Modell des guten Menschen hergenommen wird. Bitter, dass in diesem Zusammenhang ausgerechnet einer der Söhne Dungys einen Selbstmord unternahm. Als Coach sind seine Ergebnisse hervorragend, aber nicht auf einer Stufe mit einem Belichick. Unter Dungy wurde in seiner Zeit in Tampa die „Tampa 2“ Defense erfunden – aber man schreibt ihre Entwicklung vor allem Dungys DefCoord Monte Kiffin zu. Dungy gilt aber auf alle Fälle als der Coach, der in den 1990er die Buccs zum ersten Mal groß machte.

Dungy beendete seine Coaching-Karriere mit einem 208-139 Record.

Orlando Pace war der Left Tackle von Kurt Warner in den großen Jahren der Greatest Show on Turf Rams um die Jahrtausendwende.

Auch Kevin Greene geht vor allem als „Ram“ in die Hall of Fame (1985-1992). Greene galt als sehr ungewöhnlicher Linebacker, ein schneller, extrem lauter Mann, bei dem das Testosteron nur so aus den Adern quoll. Greene war in gewissem Maß ein Spätstarter, der am College in Auburn ohne Stipendium als walk-on zur Mannschaft stieß. In der NFL hatte er erst mit 27 seinen Durchbruch, machte aber 160 Sacks – bis heute drittbester Wert ever, und weit und breit kein zeitgenössischer Passrusher in Sichtweite.

DeBartolo war der Owner der 49ers zur großen „Dynasty“-Zeit in den 1980ern und 1990ern. Er galt als sowas wie ein „Player’s Owner“, der die Spieler in den Mittelpunkt setzte. DeBartolo unternahm allerdings unerlaubte Versuche, die Salary-Cap zu untergraben, und er wurde nach bestätigten Korruptionsvorwürfen Ende der 90er von der NFL gezwungen, die 49ers an seine Erben zu überschreiben. Der heutige Chef, Jed York, ist DeBartolos Schwiegersohn.

Ken Stabler war der Superbowl-QB der Raiders. Stabler „The Snake“ galt als Lebe- und Partymensch. Er geht posthum in die Hall of Fame. Vor ein paar Wochen verstarb Stabler – und, um einen Link zur eingangs erwähnten Gehirn-Problematik herzustellen, bei Stabler wurde nach seinem Tod CTE festgestellt. Stabler galt als herausragender deep ball QB bei den Raiders. Nach seiner Raiders-Zeit verschendelte er seine Karriere-Statistiken bei Oilers und Saints. Stabler hat 194 Touchdowns und 222 Interceptions geworfen – Zahlen, die man aber in Relation zu den sehr schwachen Offense-Jahren in den 1970ern setzen muss.

Kickoff für den Superbowl-Sonntag

[10h00] Grüß Gott zur Einstimmung auf Super Bowl 50, Carolina Panthers vs Denver Broncos (Kickoff 0h30 in der Nacht auf morgen). Schon die ganze Woche haben wir uns auf diesem Blog über Themen rund um Super Bowl 50 unterhalten. Hier seien sie noch einmal aufgelistet:

Die Einträge sind auch unter dem Tag „Super Bowl 50“ zu finden.


Ich war auch extern unterwegs im großen, 85 Minuten langen Vorschau-Podcast von Sportradio360: Sofa-QBs Super Bowl Preview mit Andreas Renner, Günter Zapf, Nicolas Martin, Olaf Nordwich, Franz Büchner, Christian Schimmel und Manfred Groitl.

Mein Weg zu merken, wie viel mehr Aufmerksamkeit American Football momentan hierzulande im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit erfährt, ist weniger im Alltag draußen bei den Leuten, sondern vielmehr ablesbar an der schieren Anzahl an Anfragen durch deutsche Medien beim Sideline Reporter, doch ein paar Gedanken im Vorfeld der Super Bowl abzugeben. Ich habe nicht ansatzweise alle Anfragen durchgebracht.

Zum Beispiel aber mit den Ruhrnachrichten konnte ich mich zusammensetzen: „Schach mit Kühlschränken“. Oder für SPOX.com ein kleiner „5 Thesen“ Beitrag. Oder die Hannoversche Allgemeine.


Verwiesen sei – und das ist mir besonders wichtig – auch auf einen Rechercheartikel von Amrai Coen in der ZEIT Printausgabe vom 4. Februar 2016: Krieg der Köpfe (ZEIT Nr. 6 von 04.02.2016, ab S. 11). Darin thematisiert die Journalistin die Problematik der Gehirnerschütterungen und CTE in der National Football League. Die Wege der beiden rivalisierenden Mediziner Bennett Omalu („Concussion“) und Ann McKee sind ebenso Thema wie die Denke in NFL-Umkleidekabinen: Coen hat u.a. die Carolina Panthers im Viertelfinale gegen die Seahawks besucht und ein längeres Gespräch mit TE Ed Dickson geführt. Im Vorfeld hatte sie auch mich interviewt.

Der Artikel soll in Kürze auch online geschaltet werden.

13 thoughts on “Das Vorglühen zu Super Bowl 50

  1. Danke für eine tolle Saisonbegleitung den Sidelinereportern. Wenn es euch nicht gäbe müsste es jemand erfinden.
    Bin heiß wie Schnitzel auf heut Nacht und hoffe auf eines der Freak Szenarien zugunsten der Broncos.

  2. Es ist wirklich fein, dass dein fachkundiger und exzellent geschriebener Blog auch von den Medien bemerkt wird. Ein Traum wäre es wenn Sat1 Ran dich statt Icke im kommenden Jahr in die Sendung einbauen könnte, den an Sachverstand fehlt es der Ran Crew teils erheblich!

  3. Absolut beste Männer! Ich inhaliere jeden einzelnen Artikel – sowohl von Korsa, als auch von Herrmann! Vielen Dank für eure Arbeit!

  4. Danke für den Zeit Artikel – der ist wirklich gut zu lesen. – Auch weil er nicht mit dem Holzhammer kommt und auch DIcksens MOtivation berücksichtigt. UNd auch die Melodramatik des FIlms durchbricht.

    80% ist schon erschreckend und auch die im Bericht beschriebenen Symptome; – Das sind aber natürlich auch werte, die nicht repräsentativ sind – aber nichtsdestotrotz alamierend. AUch irgendwie beklemmend, dass man zwar weiß, dass inzwischen die Regeln und Helme fortschritte gemacht haben, aber keineswegs, ob dass auch hilft….

  5. Die Helme schützen nur die Knochen im Kopf, nicht aber das Gewebe dahinter. Das bleibt schutzlos auch mit dem besten Helm. Hier muss das Regelwerk hohes Tackling verhindern wie das z.B. im Rugby der Fall ist (und Rugby ist seinerseits nicht frei von Gehirnerschütterungs-Problemen).

    Die Autorin war übrigens selbst Rugbyspielerin, das als Disclosure.

  6. #Icke: Ist halt Pflicht mit Social Media mitlerweile und dafür ist er langsam echt ne Persönlichkeit. Jenachdem ob mans mag, sind da ja auch ganz coole lustige Dinge bei.
    Schön wäre halt, wenn ein Patrick Esume nochmal einen Analyse-Part bekämge, wo sie auch mal n paar Spielzüge in den Pausen oder Nachgang analysieren würde.
    Viel, viel, viel schlimmer finde ich den Holzkopf (dessen Namen ich nicht weiß), der immer mit den Statistiken prahlt und keine Ahnung von advanced statistics hat. Der erzählt halt permanent Bullshit (mit Laufspiel starten um spiele zu gewinnen, statt Laufspiel wird genutzt, wenn Spiele gewonnen werden).

    #Denver/Carolina: Ich stelle mir da ein sehr unansehnliches Spiel mit vielen Punts vor. Endstand Denver (mit Safety) 8 : 13 Carolina. Hoffe aber auf Payton. Wäre schön eine Legende „in the making“ mitzubekommen. Auch wenn die generelle Wahrnehmung ja den Erfolg in diesem Fall scheinbar als negativ empfindet (WTF?)

    #Korsakoff: still the best.

  7. Pingback: Super Bowl 50 im Liveblog: Carolina Panthers – Denver Broncos | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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