Super Bowl – Die Nachbesprechung

Die Sofa-Quarterbacks haben sich im Anschluss an Super Bowl 50 ein letztes Mal für diese Saison zusammengesetzt und das Treiben auf dem Platz besprochen: Andreas Renner (SKY), der schon immer wusste, dass Denver gewinnen wird, Günter Zapf (Zapf Media), Franz Büchner (SPORT1) und Christian Schimmel (derdraft.de) unter der Regie von Nicolas Martin (GFL TV und Radio) sind die Diskutanten.

Ich stimme mit Renners in sehr vielen Punkten überein (auch wenn das nicht immer so klingen mag, denn die Unterschiede sind manchmal im Detail), aber in einem Punkt muss ich widersprechen: Zapf und Renners finden die Frage, ob Manning der schlechteste Superbowl-QB ever ist, „unverschämt“.

Ist sie nicht. Bestenfalls „wenige“, schlimmstenfalls „keine“ Quarterbacks haben eine schlechtere Saison hinter sich als Manning und haben trotzdem die Super Bowl gewonnen. Manning und die Broncos-Offense haben in der Super Bowl wenig bis nichts zum Sieg beigetragen. Dass Manning „fehlerlos“ war, kann man auch nur mit zwei zugedrückten Augen behaupten: Interception, zwei Fumbles, 13/23 Completions für knapp 140 Yards und fünf Sacks. Viel weniger kannst du als Offense im Jahr 2015 nicht beitragen.

Dass Manning auf diese Art und Weise eine Super Bowl gewonnen hat, ist keine Schande. Es macht die Verdienste des besten Quarterbacks aller Zeiten (yup…) nicht kaputt. Trotzdem sollte die Feststellung erlaubt sein, dass dieser Super Bowl zu 90% auf die Kappe von Special Teams und Defense geht – vielleicht der dominantesten Defense, die bislang in einer Super Bowl gespielt hat.

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20 Kommentare zu “Super Bowl – Die Nachbesprechung

  1. Hallo korsakoff,
    Hallo alle Mitleser,

    nachdem ich nun schon wohl knapp anderthalb oder zwei Jahre ein stiller Leser dieses wunderbaren Blogs bin, wollte ich auch mal meine „2 Cent“ in die Debatte um die Bewertung des QB-Duells der SuperBowl 50 einbringen.

    Ich persönlich stimme dem hier geäußerten Standpunkt vollkommen zu. Die Frage wieviel QB Manning zum Erfolg der Broncos beitrug sollte diskutiert werden. Es sollte auch die (hypothetische) Frage gestellt werden, wie das Spiel mit umgekehrten Vorzeichen ausgegangen wäre. Letzlich waren 7 der ersten 10 Broncos-Punkte abhängig von der Defense, NACHDEM eine nicht eindeutige Schiedsrichterentscheidung in Richtung der Broncos ging. Wie hätte QB Manning ausgesehen, wenn er gegen einen Rückstand hätte ankämpfen müssen?

    Höchstwahrscheinlich wäre Manning mit einer ähnlichen Vorstellung in einer Niederlage von den amerikanischen Medien zerissen wurden. Das dem nicht so war und das das Spiel anders verlaufen wäre ist mir selbstverständlich bewusst. Es hätte aber so passieren können, wäre/-n die Challenge und/oder der Fumble in eine andere Richtung gefallen. BEIDES sind normalerweise Geschichten die 50:50 ausgehen.

    Es bleibt festzuhalten, das Manning’s Beitrag eher gering war.
    Was für mich Manning zu einer tragischen Figur macht. Ja, er ist mit seinem Team SuperBowl-Gewinner. Aber es handelt sich hier um jenen QB, welcher vor zwei Jahren noch die Liga zerbröselte und einen Rekord für TDs in einer Saison warf. Das man nun ein Lob dafür ausspricht, das ein Profi-Sportler(noch dazu ein Quarterback), sein Ego für das Team zurückstellt sollte man daher nicht feiern. Es sollte Berufsvorrausetzung sein.

    P.S.:
    noch mal vielen Dank für den tollen Blog.

  2. Eine tragische Figur wäre Manning doch viel eher gewesen, wenn er erneut verloren hätte. Man sollte sich mal daran erinnern, welche Rolle John Elway in den letzten beiden Broncos-SB gespielt hat, nämlich eine ganz ähnliche wie Manning. Er war längst über seinen Zenit und nicht mehr derjenige, der die Mannschaft getragen hat. Trotzdem ist Elway heute ein Held und gilt als einer der besten QB ever. 2 Jahre vor dem Karriereende war er schon als ewiger SB-loser und tragische Figur abgestempelt, genau wie Manning über lange Zeit seiner Karriere. Ich glaube im Endeffekt wird stehen bleiben, dass Manning eben doch 2 Ringe geholt hat und spielerisch über viele Jahre der beste QB der NFL war.
    Dass sein Anteil am Ring gering war und die Defense ihn gewonnen hat, kann niemand bestreiten. Ich finde es aber schwierig ihn für dieses Spiel zu kritisieren. Er hat mit der INT nur einen größeren Fehler gemacht, die Fumbles gehen imho nicht auf seine Kappe. Er stand hinter eine überforderten O-Line und hatte einen extrem konservativen gameplan. Diesen hat er ordentlich ausgeführt, weshalb schlechteste Leistung eines QB im SB für mich nicht passend ist.

  3. Wenn man es auf die ganze Saison bezieht, war das sicher (insbesondere bis zur Verletzungspause) eine so schwache Saison, wie ich sie noch von keinem SB-Sieger QB gesehen habe. In den Playoffs hat Manning jedoch komplett anders gespielt als in den ersten 9 Wochen der Saison. Er hat nicht mehr versucht es unbedingt zu erzwingen, sondern größtenteils nur noch sichere Würfe genommen. Sicher hat Kubiak hier auch den gameplan umgestellt. Das passlastigere Spiel aus Shotgun oder pistol-formation wurde ja wieder etwas mehr Richtung under center mit vielen hand-offs umgestellt. Daher hat Manning letztendlich das getan, was nötig war, um diesen Titel zu holen. Ich glaube, ohne die Verletzungs- und Denkpause für Manning und die damit verbundene Umstellung seines Spiels wären die Broncos vermutlich sogar an den Playoffs gescheitert. Nichtsdestotrotz kann man einen SB mit einem gamemanager-QB natürlich nur gewinnen, wenn man eine überragende Defense hat. Die Ironie der Geschichte ist eben, dass der beste QB ever seinen Ring ausgerechnet dann holt, wenn er selbst kaum noch etwas dazu beitragen kann.

  4. Ich störe mich an den ständigen Aussagen (auch du Thomas in deinem Nachklapp Beitrag), dass Peyton so oft „im Stich gelassen wurde“ oder dass er mittelmäßige Teams tragen musste. Was auf viele seiner guten 17 Regulären Saisons zutrifft, stimmt für die Postseason oft nicht. Peyton war oft genug selbst mit Schuld, wenn seine Teams in den POs ausgeschieden sind. Er war oft genug ziemlich schwach.

    Wenn dieser zweite Ring als „Genugtuung“ für seine grandiosen RS-Leistungen in seiner Karriere gezählt werden: von mir aus.

    Aber die so oft schwachen Leistungen in den POs haben zum größten Teil das Bild gemalt, das wir hatten: eben nur ein Ring, weil er es selbst oft genug verkackt hat.

  5. Mannings „schwache“ Vorstellungen sind an einer Hand abzuzählen. Vs Jets 2002, zweimal @Patriots im Schneetreiben gegen eine der besten Defenses jener Zeit, vs Chiefs 2006 – und nun Super Bowl 50?

    Wie viel mehr? Kann man es Manning ankreiden, gegen 3 der besten Defenses ever (2006 Ravens, 2006 Bears, 2013 Seahawks) keine Weltklassezahlen abgeliefert zu haben? Was ist mit den Fehlkicks von Vanderjagt gegen Dolphins und Steelers, was ist mit dem Drop von Clark 2007?

    Manning hat zweimal die Broncos z-e-r-l-e-g-t in den vielleicht beiden besten Play-off-Vorstellungen ever. Er hat die Chiefs geschlagen in einem Spiel, in dem die Defense eigene Defense ein einziges Sieb war. Er hat die Patriots zweimal in Grund und Boden gespielt. Er hat 2009 eine kaputte Mannschaft zu einem Kantersieg gegen die beste Pass-Defense im Lande geführt.

    Er hat dieselbe Defense ein Jahr später wieder geschlagen, ehe die Defense Mark Sanchez hat groß aufspielen lassen zum Comeback in letzter Sekunde (Vinatieri versenkte einen 50yds-Kick als wäre es ein Extrapunkt).

    Ich weiß, dass es Quarterbacks mit mehr Erfolg in der Post Season gab. Ich weiß, dass zumindest die Colts 2005 oder 2007 sehr komplette Mannschaften waren. Aber Manning hat z.B. Defense-lose Colts 2004 oder 2006 in die Playoffs geschliffen, er hat die völlig kaputten und nur mehr auf dem Zahnfleisch kriechenden Colts von 2008-2010 sogar in die Super Bowl gebracht. Ich habe die Spiele alle gesehen. „Schwach“ ist was anderes.

  6. ich denke dass das eine müßige Diskussion ist… jeder liest in seinen zahlen, was er für richtig hält und sieht damit seine eigene aussage bestätigt.
    entscheidend war für mich bspw, dass Manning trotz seines gummiarms viel beigetragen hat. und allein schon das lesen der D (gut auf die Kuechly immer gut reagiert hat). ich denke wir können nicht richtig abschätzen, welchen strategieanteil Manning hat.
    es muss ja nicht immer der last-second hailmary sein. aber seine schwächen zu kennen ist hier sicher eher die stärke und da hat man es eben so designd, dass diese schwächen kaschiert wurde…mach aus deinen mitteln das maximale…ich denke, dass kann man unter sb50 so stehen lassen.
    ich hätte einen 39 jährigen Manning aber lieber mehr in meinem Team als 28 andere QB’s

  7. Erst:
    „Peyton hat grandios gespielt und schau Dir die Statistiken an!“ – „Ja, aber er hat nix gewonnen!“

    Und jetzt:
    „Peyton hat gewonnen!“ – „Ja, aber schau Dir die Statistiken an und wie er gespielt hat!“

    Letztlich wird der zweite Ring zählen und das ist auch gut so. Ähnlich wie bei Elway.

  8. Beim Lesen der Defense hatte ich das Gefühl, dass Manning wirklich wieder einen guten Job gemacht hat – gerade die Blitzes sind oft sauber ins leere gegangen (Auch Kuecklys Leistung als Spielleser ist beeindruckend – muss man sich ja auch klar machen, das da der Middlelinebacker mal eben die Formation umstellen darf!)

    Im Wurf war Manning schwach bis katastrophal – es war eben nicht nur eine Interception (zudem von einem Defensive End!) sondern auch genrelle war sein Wurf labbrig. Der Pass am Ende des ersten Drives ist so lange in der Luft – wenn da nicht McClain steht, sondern Norman ist das auch schon mal ein Pick six – genauso waren mehrere Bälle dabei, die gepickt hätten werden können. Wäre vor der Pause Carolina in Führung gegangen – ich bin mir nicht sicher, dass die Denver Offense das rausgerissen hätte….

  9. Mit Buschi hab ich kein Problem. Ich hab n Problem damit das Jan Stecker als Experte durchgeht.

    Er hat übrigens recht damit das die emotionalität mehr Leute hinzieht. Leute die schon seit 3 Jahren hier lesen sind nunmal nicht die Zielgruppe.

    Wenn man beim SB alles nochmal durchkaut ist das in Ordnung. Wenn man in ner Beschissenen Novermbernacht um 23:30 Uhr Tampa Bay vs. Texans überträgt kann man mal n bisschen rumnerden. Das gucken dann eh nur richtige Fans.

  10. Stimme hier mit Blub überein. Buschis emotionale Ausbrüche sind noch (halbwegs) unterhaltsam und reißen Neulinge wahrscheinlich schon mit. Aber Jan Steckers möchte-gern-Experten-Analysen sind für die Tonne.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt arrogant wirke, bin ich mir sicher, dass ich im laufenden Spiel nicht ständig (STÄNDIG!) die beteiligten Akteure falsch benennen würde. Und wenn das mein Job ist, dann schau ich vor dem Spiel den injury report an und weiß, wer verletzt draußen ist. Dann schau ich mir die 22 Starter jedes Teams an plus Kicker, Punter und wenn mir langweilig ist noch Holder und eventuell herausragende Special Teamer (z.B. Patriots Matthew Slater oder Cardinals Justin Bethel). Aufgrund von Jersey-Nummern kann man die Spieler meistens recht gut zuordnen.
    Ich habe nicht das Gefühl, dass ein Jan Stecker so etwas tut. Zu viele Falschnennungen von Spielern und auch von Spielzügen oder Strafen (gerade auch gegen welches Team oder welchen Spieler wird oft falsch erkannt und erklärt) für meinen Geschmack.

    Um nen Strich zu machen, bin ich trotzdem sehr froh darüber im deutschen Free TV wöchentlich NFL Spiele live sehen zu können.

  11. @korsakoff. Fühlst Du Dich eigentlich auch von Buschmanns maßlosen Rundumschlag in der Big Show auch angesprochen? Ihr habt doch nie in irgendeiner Art und Weise das ran NFL Thema substantiell diskutiert. Oder hab ich da was verpasst?

  12. Finde die übertragen ganz gut,Buschi nervt zwar versucht aber auch nur verschiedene Zielgruppen zu Ködern.

  13. Ich habe mir das Segment angehört und finde es nicht so besonders klever eine bestimmte Community (Soga Qbs) anzugreifen. Natürlich sind seine Argumente auch nicht so die kleversten. Die GFL runter zu machen und Menschen, die er nicht kennt, Wissen abzusprechen, weil diese niemals selbst in der NFL gespielt haben, zeigt halt davon, dass er wahrscheinlich nicht lange über das Thema nachgedacht hat.

    Von der Jobbeschreibung muss er auch kein guter Disskutant sein, sondern ein Unterhalter.

    Es wurde ja auch erwähnt, dass er für eine breite Masse unterhalten muss und ein Co-Caster für die Wissensvermittlung zuständig ist.

    Insofern finde ich seine Aussagen zwar unanständig, würde ihn aber in Schutz nehmen wollen

  14. Zu Manning: Zum Glück hat er jetzt seinen zweiten Ring. Das ständige Geläster von wegen, er gehört nicht zu den größten QBs weil er nur einen SB-Ring hat, hat jetzt ein Ende. Kiss my rings.
    Zu Buschmann: Lasst uns lieber über Patrick Esume reden. Wie der das Spiel lesen kann, ist wirklich klasse. Wäre super, wenn er nächste Saison wieder kommentieren würde.

  15. Bei Patrick Esume kann ich nur zustimmen! Ein echtes Schmankerl als eingefleischter Fan, wie er manchmal auch echt super ins Detail geht. Als er während der Regular Season – gerade zum Ende hin – noch diese Spielzug-Tafeln ausgepackt und erklärt hat ging auch mir noch einiges auf, obwohl ich selbst Football spiele.
    Dass z.B. die Offense anfangs eine vom Coach und Gameplan vorgegebene Play-Sequenz hat, die man im ersten/zweiten Drive durchspielt, weil man sich mit eben diesem Playcalling gegen den Gegner Erfolg verspricht. Davon hatte ich keine Ahnung. Ich hab immer vermutet, dass der Offensive Coordinator je nach down-and-distance seine Plays hat und diese dann je nach Defense oder Bauchgefühl ansagt…

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