Tennessee Titans in der Sezierstunde

Beginnen wir die Sezierstunden 2016 mit der Mannschaft mit dem schlechtesten Record der abgelaufenen Saison, den Tennessee Titans, die auf eine 2-14 Saison eine 3-13 Saison folgen ließen und sich damit das Recht auf den Top-Pick im anstehenden Draft erspielt haben. Dass Tennessee keine gute Mannschaft stellen würde, hatte man erwartet. Dass es aber so schlecht sein würde?

Head Coach

Schon nach sieben Spieltagen und 1-6 Bilanz verlor das Management in Nashville die Geduld und rasierte Headcoach Ken Whisenhunt (in 23 Spielen eine 3-20 Bilanz). Sein interimistischer Nachfolger Mike Mularkey wurde Ende der Saison zum fixen Nachfolger bestellt – eine wenig inspirierende Wahl. Mularkey hat bereits zwei Stationen als Chefcoach hinter sich, die Bills und die Jaguars, und beide Male mit dürftigen Ergebnissen bzw. unterirdischen Offenses.

Die Kritik fokussiert sich aber noch nichtmal so stark auf die Person Mularkeys, sondern vielmehr auf die Augenauswischerei, die man in Nashville „Trainer-Suche“ nannte: Es gab sie nicht. So wie die Suche lief, muss von Tag 1 an klar gewesen sein, dass Mularkey zum Chef bestellt wird.

Die „Billig-Lösung“ Mularkey mit seiner Billiglösung von Trainerstab könnte vor dem Hintergrund kommen, dass die Titans-Franchise nach dem Tod vom langjährigen Owner Bud Adams noch immer zum Verkauf ansteht, und man keinen teuren, auf Jahre gebundenen Coach mitliefern will, sondern dem neuen Owner-Konsortium freie Hand von Tag 1 an lassen will.

Offense

Der Leidtragende ist einer der größten Hoffnungsträger der gegenwärtigen NFL: QB Marcus Mariota, der sein Rookiejahr hinter sich gebracht hat, und von einem gemeinhin als nur mäßig kompetenten Trainerstab betreut wird.

Mariota hatte eine wechselhafte Rookiesaison: 62% Completion Rate, 19 TD, 10 INT bei 6.3 NY/A und über 250 Rushing-Yards mit 2 TD. Er bestritt nur 70% der Offense-Snaps, verpasste verletzungsbedingt vier Spiele. Gegen die unvorbereiteten Buccs und die horrende Pass-Defense der Saints hatte er herausragende Spiele. Kaum jedoch trat er gegen höherklassige Verteidigungen an, ging die Effizienz schnell in den Keller. Das ist für Rookie-QBs aber nichts völlig ungewöhnliches.

Mariota hatte als Rookie drei große Schwachpunkte in seinem Spiel:

  1. Sack-Quote: Mariota kassierte in 9.5% der Pass-Snaps einen Sack. Drittschwächster Wert unter Starting-QBs.
  2. Fumbles: In 9 seiner 38 Sacks fumbelte Mariota den Ball weg. Aufgrund seiner eher kleinen Hände hatte man bei ihm schon den einen oder anderen Fumble zu viel erwartet.
  3. Tiefer Ball: Nach EPA war Mariota der schlechteste QB bei Pässen über 20 Yards.

Offense Line ist an den Sacks nicht ganz unschuldig, allerdings gibt es viele Hinweise aus der Welt der Advanced-Metrics, die das Verhindern von Sacks v.a. dem Quarterback zuschreiben, weniger der Qualität der Line. Es gibt Quarterbacks wie Wilson, Rodgers oder Roethlisberger, die trotz hoher Sack-Quoten ihre Offenses am Leben halten, aber sie sind eher die Ausnahme. Mariota muss hieran arbeiten, ebenso wie an den Fumbles.

Beim tiefen Ball bin ich gespalten. Tennessee hatte nichts an adäquatem Spielermaterial für tiefe Bälle. WR Green-Beckham war – eben – grün, und bei mindestens drei gescheiterten tiefen Bällen vor meinem geistigen Auge war ein zu laxer Beckham schuldig an Interception bzw. Incompletion.

Die Titans müssen hier ansetzen: Skill Player. TE Walker ist kein schlechter, WR Kendall Wright ist kein schlechter, Green Beckham ist extrem roh, aber talentiert. Zumindest eine verlässliche zusätzliche Komponente als Anspielstation würde Mariota und damit der Offense für mein Empfinden extrem helfen. Ich sehe hier erhöhte Priorität.

Viele sehen in der Offensive Line das größere Problem: Das Experiment mit Poutasi als Tackle gilt als gescheitert. RG Warmack soll auch in Jahr 3 nicht mehr gezeigt haben als „fußlahmer Kraftprotz“. Bis auf den jungen OT Tyler Lewan gilt die Line als Enttäuschung, weswegen viele prognostizieren, dass Tennessee im Draft an #1 einen Offensive Tackle ziehen wird.

Defense

In der Defense wird Dick LeBeau den Coordinator geben. Ray Horton zog verärgert nach Cleveland, nachdem er in der Headcoach-Frage nicht berücksichtigt wurde. Damit wehrt man zumindest eine mögliche Schlammschlacht über die Kompetenzen ab, aber wie zukunftsfähig ein Stab mit einem bald 78-jährigen LeBeau ist, kann sich jeder selbst ausmalen.

Einziger Verteidigungsspieler mit nachgewiesen hoher NFL-Qualität ist DT Jurrell Casey, ein heimlicher Defensive-MVP in einer Schrott-Defense: Fast 80% der Snaps, 7 Sacks, meiste Tackles gegen den Lauf. Casey gilt nicht als Mann, der in einer 3-4 Defense „two gap“ spielen sollte. LeBeau verlangt normalerweise genau das von seinen Defense Linern, aber LeBeau gilt auch als Coordinator, der durchaus für spezielle Talente spezielle Wege findet. Also: Casey wird auch weiterhin viel „one gap“ spielen.

Im Edge Rush gibt es in Derrick Morgan und Brian Orakpo zwei potenzielle Talente, die aus enttäuschenden Saisons kommen. Linebacker und Secondary sind grottenschlecht besetzt und potenziell die größte Schwachstelle der Titans.

Ausblick

Also: Zwei Wege, Ressourcen aufzubringen. 1) Unterstützung von Mariota und damit Offense. 2) Aufbolstern der Defense, und damit Defense Line und Secondary. Welchen Weg die Franchise auch einschlägt, beide klingen nach sinnvollen Investments.

Tennessee hatte in der Free-Agency selten eine locker sitzende Brieftasche. Notwendige Investments wären ein Offense Liner, ein starker Defense Liner oder ein Cornerback – aber ich sehe hier keine 10 Mio/Jahr Verträge zu den Titans. Der Draft wird also das zentrale Element der Offseason.

2 thoughts on “Tennessee Titans in der Sezierstunde

  1. Was ihr zu defense schreibt kann man sich ja fast ne angucken.. habt ihr mal paar spiele gesehen oder nur aus berichten geschrieben? Dass die defense in der secondary geschwächt war weil ihr top corner verletzt war sowohl als auch OLB Derrick Morgan verletzt war. Das die defense einen Sprung von 14 plätzen gut gemacht hat im Gegensatz zu letztem jahr ( von platz 27 zu platz13) wird auch nicht erwähnt. Die Titans haben eine Top 10 pass defense gehabt und es konnten locker 4-5 spiele mehr gewonnen werden können wenn die offense die chance genutzt hätte wo ihre defense gehalten hat. So schlecht wie ihr dieses Team macht ist es bei weitem nicht! Am besten vorher mal den film ein auge widmen und sich selber ein bild machen😉

  2. Ich denke nicht, dass es überaus viel Tape braucht, wenn die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen.

    6.8 NY/A gegen den Pass ist #26 der Liga, 423 zugelassene Punkte #27, und das bevor an den Schedule angepasst wird. Der Schedule hat je 2 Spiele gegen die Gurken-Offenses von Indianapolis und Houston + Manziel von Cleveland parat gehalten. Nach Power-Ranking stellte Tennessee die #23 Defense der Liga.

    Ich halte das für kein überzeugendes Ergebnis. Es gibt ganz andere Lazarette, die deutlich besser funktionieren.

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