Überbleibsel von der Combine – Die Offense

„Reich mir deine Hand, oder so“

Kurze Zusammenfassung von der Combine 2016, respektive dem, was ich von der Offense am Freitag und Samstag so mitbekommen habe. Verlinkt zu den einzelnen Prospects habe ich mal der Einfachheit halber die Spinnendiagramme von Mockdraftable.com, die die Combine-Resultate der einzelnen Prospects in Relation zu ihren jeweiligen Positionskollegen stellen.


QB Jared Goff: Goffs Hände wurden mit 9 Zoll bemessen, was in der NFL als zu klein gilt. Goff wird sich also die nächsten acht Wochen viel Laberei („…aber die Hände…“) anhören müssen. 9 Zoll gilt als absolute Untergrenze für Quarterbacks, wobei man hier immer drüber diskutieren kann, ob es sich hierbei um einen artifiziellen Wert handelt.

9 Zoll entspricht 22.86 cm. Würden wir in Zentimeter messen, wäre vermutlich 22 oder 23 oder 23.5 die künstliche Untergrenze, und alles Jammern vorbei.

Ich hab übrigens meine Handspanne ebenso gemessen. Sie ist kleiner als Goff. Ich hätte noch strecken können, aber dann wäre der kleine Finger gerissen. So kann ich immerhin noch werfen. Aber jetzt muss ich mir zwei Monate lang in jedem Interview vorhalten lassen, kein NFL-tauglicher Quarterback werden zu können. Zu kleine Hände, trotz Gardemaß, gutem Hochsprung und akzeptablem Wonderlic.

QB Christian Hackenberg: Der große Verlierer der Combine. Wie Goff nur 9 Zoll „große“ Hände, aber bei Hackenberg sind die Hände noch nichtmal das große Thema, denn so wie Hackenberg in den Wurf-Übungen die Bälle links und rechts rauspfefferte, hatte das was von Schrotflinte.

Dass Hackenberg ganz ohne Druck vom Pass Rush und auf eher einfachen Routen so unpräzise war, wird seinen eh schon schlechten Ruf („bad accuracy“) nur weiter ankratzen.

QB Cardale Jones: Verletzte sich bei einem der Übungen und konnte am Ende nicht werfen. Aber ein hervorragendes Spinnendiagramm.

QB Carson Wentz: Mit 4.77 eine unerwartet langsame 40-Time, zumindest „langsam“ gemessen an dem, was man sich ausgemalt hatte. Der Rest seiner Testergebnisse ist, wie im verlinkten Spinnendiagramm ersichtlich, nahezu Idealmaß für einen NFL-QB. Wentz aber mit guten Wurf-Leistungen. Er soll auch als Typ in den Vorstellungsgesprächen überzeugt haben. Ich werde mir Wentz in den nächsten 2-3 Wochen mal gründlicher vornehmen, dann werden wir sehen ob der Mann was taugt…

QB Paxton Lynch: Mit 6-7 und 244 Pfund wurden bei ihm die erwarteten Werte abgemessen. Damit geht Lynch als Hüne durch. Für solche Maße wirkt er auch erstaunlich beweglich, und alle Athletik-Tests bestätigten das (Cone-Drill und 40-Time sind gemessen an seinem Körperbau erstaunlich gut). Nun ist die Frage, ob Lynch bereit für eine NFL-Offense ist. Vielleicht werde ich mir das auch mal ansehen.


WR Laquon Treadwell: Verzichtete auf den 40-yds Sprint, und auch sonst eher mittelmäßige Werte für einen WR. Immerhin: Treadwell soll sich nicht extra ein Kampf(leicht)gewicht für die Combine antrainiert haben, denn seine exakt 100 kg gelten als sein Idealgewicht. Treadwell ist physisch so stark, dass man ihm den fehlenden letzten Zacken Sprinter-Qualität verzeiht.

Überhaupt: Die WR-Zeiten der NFL in diesem Jahr waren eher mau. Einer der WR hatte sogar eine 4.86 (!), was bislang eher als OL-Territorium denn Wide Receiver galt.

WR Will Fuller: Ein ziemlich extremes Spinnendiagramm bei Fuller: Supersprinter, aber Fliegengewicht mit kurzen Armen und winzigen Händen, der im Armdrücken gegen meine kleine Nicht verlieren würde:

Mit 4.32 sek über 40yds die beste Sprintzeit auf seiner Position. Fuller gilt weiterhin als massives Fragezeichen von wegen „Ball fangen“, nicht die unwichtigste Qualität in einem Receiver. Mehrere Cornerbacks lästerten öffentlich über Fuller (CB Alexander: „Fullers Speed ist ein Problem, keine Frage. Wenn du ihn tief davonziehen lässt, macht er dir Probleme. Aber davon abgesehen? Komplett überschätzter Mann.“)

WR Josh Doctson: Bei Doctson spricht keiner über Probleme beim Ballfangen. Mit 4.50 keine überragende, aber eine akzeptable Sprint-Zeit. In den Cone-Drills und Hochsprung-Bewerben mit exzellenten Werten. Doctson dürfte seine Aktien verbessert haben.

WR Sterling Shepard: Der kleine Mann mit den starken Händen. Shepard mit 20 Reps (!) im Bankdrücken, was für einen 5-10, 194 Pfund Mann exzellente Werte sind und Fragezeichen bezüglich seiner Voraussetzungen fürs Blocking etwas verkleinern. Damit kannst du Shepard wohl in den Slot stellen und hoffen, dass er den einen oder anderen Blitzer zumindest für Momente einbremsen kann.

WR Braxton Miller: Verbesserte Aktien bei Miller, der spätestens nach seinen Sprint- und Shuttle-Zeiten als exzellenter Athlet gehandelt wird. Bei Miller soll auch das Tape sehr gut sein für einen Mann, der erst ein Jahr Wide Receiver spielt.


OL Laremy Tunsil: Tunsils Workouts galten als hervorragend. Seine Testresultate sind eher Schmalhans, aber das liegt wohl daran, dass er nicht viel mitgemacht hat. Sein Auftreten wurde als exzellent bewertet, obwohl sich sein ehemaliger Studienkollege Nkemediche in Interviews verplappert haben soll („Ob ich bei meiner Drogenfete, als ich bekifft aus dem vierten Stock auf die Straße gefallen bin, allein war? Nein, Laremy war auch dabei“).

Hat mit seinen Tests und seinem Auftreten seinen Status als möglicher Top-Pick zementiert.


RB Ezekiel Elliott: Interessanter Mann. Elliott hatte gute, aber nicht überragende Testwerte. 4.47 über 40yds gilt nicht als Weltklasse-Speed, und sein Hochsprung war mit 32 Zoll etwas enttäuschend. Elliott hatte Probleme beim Ballfangen. Sein ex-Coach Meyer haute aber einen interessanten Spruch raus – sinngemäß „Elliott ist ohne Ball der beste Spieler, den ich jemals gecoacht habe“. Ist er deswegeÜberbleibsel von der Combine – Die Offensen gegen Michigan State nicht eingesetzt worden?

RB Derrick Henry: Der „big back“ Henry hat seine Aktien mit Sicherheit verbessert: 4.54 Sprinzeit und 37 Zoll beim Hochsprung gelten als famose Werte für einen Back von seinen Maßen (6-3, 247 (!) Pfund). Die Sprintzeit ist gemessen an seinem Körperbau nahezu historisch (OK, drei Jahre… aber die Zeit ist schnelllebig und ES BRAUCHT SUPERLATIVE!!!):

RB Keith Marshall: Beste Sprintzeit aller Runningbacks: 4.31 sek. An dieser Sprintzeit ist weniger der schiere Speed interessant, sondern die Tatsache, dass der extrem oft verletzte Marshall wohl voll fit ist. Marshall galt jahrelang als großes Versprechen. Er konnte es nie einlösen, weil er immer mit Zipperlein auftrat. Könnte seine Aktien damit verbessert haben und als „Speed-Back“ in den mittleren Runde vom Tablett gehen.

2 thoughts on “Überbleibsel von der Combine – Die Offense

  1. Erinnere ich mich da eigentlich richtig, dass Christian Hackenberg vor ein paar Jahren als absolutes Supertalent gehyped wurde? Ich habe das irgendwie im Hinterkopf, dass es sinngemäß mal hieß, dass die QBs der nächsten Drafts eigentlich zweitrangig sind, weil die NFL vor allem auf Hackenberg warte.

  2. So krass war es vielleicht nur bei Luck, aber stimmt schon: Vor drei Jahren schaute man auf den Draft 2016 und wusste, dass Hackenberg ein Top-5 Pick sein würde.

    Ich weiß nicht ob Hackenberg noch „reparabel“ ist. Ich weiß auch nicht wie groß Hackenbergs Eigenschuld in seiner mangelnden Entwicklung war. Aber sicher ist, dass das Drumherum bei Penn State dem Talent Hackenberg keinen Gefallen getan hat: Teilweise furchtbare Offense Line, keine Receiver, kein Laufspiel, ständig 3rd und lang. Dass sich in einer so kaputten Offense gewisse unvorteilhafte Muster in einem QB durchsetzen, ist klar.

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