NFL Draft 2016 – Rede und Antwort | Defensive Interior

Die Front Seven in der NFL charakterisiert sich durch eine relative Vielfalt von Mikro- und Makrosystemen. Die Standard-Defenses waren lange Zeit 4-3 und 3-4, aber heute mischen sich immer häufiger Formationen wie 4-2-5, Nickel oder Dime hinzu, die man in vielen Mannschaften mittlerweile als „Base Defense“ bezeichnen sollte.

Die klassische Trennung von Defensive Tackle, Defensive End oder Linebacker greift in vielen Fällen zu kurz. Ich habe schon vor Jahren erklärt, warum ich die Trennung zwischen Defensive Interior, Edge Rush und Linebacker bevorzuge.

Heute dran: Defensive Interior, also die 0-technique, 1-technique, 3-technique und 5-technique. Klingt spanisch? Dann gut: Ich habe diese Nomenklatur in einem älteren Artikel schon einmal zu erklären versucht.

Gaps und Techniques

Offensiv-Positionen in grau, Gaps in orange, Defensiv-Techniques in grün: So geht es an der Line of Scrimmage zu

Und damit zur Fragerunde

Interview-Partner wie schon die letzten Wochen: Christian Schimmel (@Chris5S) von DerDraft.de, wo diese Position kürzlich schon im Draftcast Thema des Tages war (88-minütiges Segment).


Beginnen wir mit einer kleinen Übersichtsrunde: In welche „Technique“ kann man die folgenden Prospects am ehesten stecken?

  • DeForest Buckner (Oregon): 1, 3 oder 5, wobei ich ihn am stärksten auf der 5 sehe.
  • Andrew Billings (Baylor): 0 oder 1
  • Robert Nkemdiche (Ole Miss): eigentlich prototypische 3, vielleicht eine 5
  • Sheldon Day (Notre Dame): 3
  • Sheldon Rankins (Louisville): 3
  • A’Shawn Robinson (Alabama): 1 ggf. 5
  • Jarren Reed (Alabama): 1
  • Jon Bullard (Florida): 3, 5 oder Base End
  • Austin Johnson (Penn State): 1
  • Vernon Butler (Louisiana Tech): Am besten 0, 1, mit weniger Gewicht 3 oder 5
  • Kenny Clark (UCLA): 1
  • Anthony Zettel (Penn State): Am ehesten 5

Wer aus diesem Dutzend wird als erster gedraftet werden, und wann?

Im Normalfall sollte Buckner als erstes weg gehen, der in unserem Big Board am Ende sogar die Chance hat als bester Prospect gerankt zu werden. Er ist mit 6’7“ sehr groß, dennoch beweglich, hat lange Arme und ist spielintelligent. Dazu kommt, dass er in jedem System zurechtkommt. Eine Frage, die beispielsweise bei Joey Bosa durchaus diskutabel ist. Buckner wurde dazu sehr oft gedoppelt und hat dennoch sehr regelmäßig wichtige Aktionen gehabt. Sollte er an #3 nach San Diego gehen würde ich mich durchaus freuen.


DeForest Buckner aus Oregon scheint sich in die Pole-Position der interior Defensive Liner vorgearbeitet zu haben. Wie kann man Buckner mit seinem ehemaligen Teamkollegen Arik Armstead (letztes Jahr 1st Rounder) vergleichen, und wie flexibel ist Buckner in verschiedenen „Schemes“ (4-3, 3-4) einsetzbar?

Armstead war auch ein Kraftmonster der gut gegen zwei Gegenspieler aussah, aber er war eben kaum mehr, dazu war er technisch weit von vom Prospect weg der Buckner jetzt schon ist. Für mich ist Buckner die Ideale 5-tech, er kann aber auch auf der 3-tech in eine 4-3 spielen, was den Vorteil hätte, dass er öfter nur gegen einen Gegenspieler antreten müsste.

Ich halte es sogar für möglich, dass ein kreativer Coordinator ihn mal vom Strongside End Spot in einer 4-3 auflaufen lassen wird. Ich halte Buckner auch für einen wirklich guten Athleten, auch wenn er keine überragende Combine hatte, zumindest was seine Werte betrifft.


Robert Nkemdiche von Ole Miss ist der streitbarste Defensive Tackle im Draft: Ehemals mit Pauken und Trompeten aus der Highschool rekrutiert, dann immer wieder famose Spiele eingestreut, aber gleichzeitig ein unkonstanter Spieler mit schlechter Technik und massiven Fragezeichen abseits des Feldes. Ist Nkemdiche mehr ein „Potenzial > Produktion“ Prospect? Welche Skills heben Nkemediche trotzdem in die 1te Runde?

Sein Get Off ist, wenn Nkemdiche Lust auf den Snap hat, absolut überragend. Ich kann ihn mir auf der 5-tech vorstellen aber im Prinzip ist er wie gemacht für eine tolle 3-tech. Du siehst die Athletik bei Nkemdiche immer wieder aufblitzen. Das ist aber auch extrem frustrierend, weil er über weite Strecken einfach abtaucht. Die Technik ist gar nicht so schlecht, auch wenn er da noch viel zu lernen hat.

Die Sache ist bei ihm sehr simpel: Die Athletik ist auf einem derart hohen Niveau, dass er das Zeug hat, ein dominanter Spieler in der NFL zu werden. Er bringt große Fragezeichen in seiner Einstellung und seinem Verhalten außerhalb des Platzes mit. Ein Team, das einen „Luxuspick“ am Ende der ersten Runde investieren kann, sollte zuschlagen.


Sind die Vergleiche von Sheldon Rankins mit Aaron Donald valide, und wenn ja: Woran lassen sie sich festmachen? Kann man diesen Typus Spieler als Defensive Tackle der Zukunft bezeichnen?

Roman würde wahrscheinlich sagen, dass der Verglich in gewisser Weise valide ist, ich würde das verneinen. Beide sind ähnlich groß, Rankins ist allerdings 15 Pfund schwerer als Donald. Auch wenn man sich die Combine Zahlen von Donald ansieht, ist er Rankins recht weit voraus.

Aber was beide eint, ist dass beide sehr gut darin sind Lücken in der Offensive Line zu sehen und auszunutzen. Der Get-Off ist bei beiden gut und sie stehen für die prototypische 3-tech, weil sie deutlich stärker darin sind zum Quarterback zu kommen, als den Lauf zu verteidigen, wobei Donald auch darin sehr stark war. Das ist für mich auch mein Haupt Kritikpunkt an Rankins, dass ich ihn aktuell als sehr eindimensional einschätze


A’Shawn Robinson (Alabama) hast du in einer der letzten Ausgaben bereits als möglicherweise überschätzt bezeichnet, weil ihm ein NFL-tauglicher Antritt als Pass Rusher abgeht. Warum wird Robinson dennoch von einigen noch für einen 1st-Rounder gehalten?

Thomas, wenn ich das wüsste. Es gibt Plays (Field Goal Block gegen LSU), wo starke Athletik aufblitzt. Aber sein Tape ist in meinen Augen einfach relativ schwach. Ich bin ganz froh, ohne dem Spieler was Schlechtes zu gönnen, dass die Zahlen bei der Combine das bestätigen was man im Tape sieht. Eben keine überragende Athletik. Einen Spieler der sehr oft ohne Probleme eins gegen eins geblockt wird. Und einen Spieler, der Kraft hat, diese aber kaum einzusetzen weiß.

Er ist ‘ne klassische 1-tech und da gibt es im Draft selbst in Runde zwei mit Kenny Clark (UCLA), Andrew Billings (Baylor) oder Austin Johnson (Penn State) etliche bessere Spieler. Ich glaube er lebt vom Namen, er galt ja auch im Sommer als Top Prospect und vom Ruf Alabama. Ich würde den Hype auch gerne verstehen, kann es aber nicht.

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