Jacksonville Jaguars in der Sezierstunde

Jacksonville Jaguars: 5-11 Saison in den Knochen, und nun als großes dark horse für 2016 gehpyt. Wie kommt’s?

Jacksonville hat eine trostlose Zeit hinter sich – so trostlos, dass Head Coach Gus Bradley nach 3-13, 2-14 und 5-11 Saisons noch keine ernsthafte Arbeitsplatzgefahr spürte, weil die Franchise zum ersten Mal seit Äonen sowas wie Auftrieb verspürt. 5-11 in der schlechtesten Division in der NFL ist schwach, aber Jacksonville hat durchaus positives Momentum (ja, ich hab das Wort auf Blatt gebracht…):

  • Die junge Offense: QB Bortles, RB Yeldon, WR Robinson, WR Hurns… und der 27-jährige TE Julius Thomas ist der Senior.
  • #5 Draftpick, und mit DE Fowler stößt auch der #3 Pick von 2015 erstmals zum Team.
  • Voraussichtlich bis zu 85 Mio. Cap-Space
  • Fünfundachtzig Millionen. Vor ein paar Jahren konntest du dir damit noch eine komplette Footballmannschaft kaufen.

Vor allem die beiden jungen WRs, die Allens, Hurns und Robinson, haben begeistert. Bortles hat ebenso Fortschritte gemacht, die man von ihm so nicht erwartet hatte. Bortles hat allerdings noch zwei Probleme: Er wirft recht viele INTs (3.0% INT-Quote), und er kassiert enorm viele Sacks (51 im letzten Jahr).

Sacks gehören nur zum Teil der Offensive Line. Überwiegend sind sie dem Quarterback selbst zuzuschreiben. Trotzdem gilt auch die Line der Jaguars als eher lala: LT Joeckel hat bislang enttäuscht, C Wisniewski ist Free Agent, und die Guards sind dürftig besetzt. Es gilt als sicher, dass Jacksonville auf dem Transfermarkt zuschlagen wird. Vielleicht nicht auf Left Tackle, wo Joeckel noch ein letztes Jahr bekommen wird, aber auf Guard oder Right Tackle.

Defense

Ein großer Problemfall 2015 war die Defense. Die jungen Linebacker gelten als Hoffnungsträger, aber sie müssen sich letztes Jahr zwischen Front Four und Defensive Backs wie im Fegfeuer vorgekommen sein.

Problemzone 1: Pass Rush. Jacksonville hatte zwar 36 Sacks, was kein völlig unterirdischer Wert ist, aber es gibt keinen Einzelspieler von Format. Das meiste kam durch Scheming und Blitzes zustande.

Problemzone 2: Secondary. Nur 9 INTs für Jacksonville im letzten Jahr, 1.5% INT-Quote, #31 der Liga. CB Gratz, letztes Jahr noch gelobt, hatte eine furchtbare Saison. FS Cyprien will sich nicht so recht entwickeln und riskiert, als schlampiges Talent abgestempelt zu werden. CB House ist mehr Athlet als Footballer und CB Colvin galt als bestenfalls mittelmäßiger Slot-CB.

Nun ist eine Defense immer ein bisschen eine Situation „Räder müssen ineinander greifen“. Eine Secondary ohne Unterstützung im Pass Rush steht meistens blank, egal wie gut die Einzelspieler sind. Auf der anderen Seite: Ein Pass Rush kommt nie durch, wenn die Receiver nach einer Sekunde meterweit ungedeckt gen Endzone laufen.

Es braucht also beides.

Die Genesung von DE Fowler ist ein positiver Punkt, aber: Fowler kommt von Achillessehnenriss. Wie fit und explosiv wird er sein? Und wie gut ist er als Pass Rusher? Fowler galt schon letztes Jahr vor dem Draft als vielseitig, aber ein Resummee als Superstar-Passrusher hatte er schon am College nicht. Viele schreiben einen Draftee wie DE Bosa nach Jacksonville. Aber ist Bosa „explosiv“?

Wird man in der Free Agency Geld in einen reinrassigen Rusher wie DE Irvin stecken? Einen Irvin, der Headcoach Bradley aus gemeinsamen Seattle-Zeiten kennt. Einen Irvin, der allerdings als eindimensional und unbrauchbar gegen den Lauf gilt. Wird man einen DE Vernon aus Miami holen? Ein Vernon, der aber nicht als Vollzeitspieler gilt. Fix ist nur: Hier werden Ressourcen investiert, vielleicht über alle Kanäle.

Edge-Rush allein ist nicht genug. Es wird auch auf Tackle Tiefe brauchen, nachdem Senderrick Marks die letzten beiden Jahre jeweils auf der IR landete, weil er keine Verschnaufpausen bekam. Gut möglich, dass Jacksonville hier in der 2ten oder 3ten Runde in einer tiefen DT-Draftklasse zuschnappen wird.

Investitionen im Backfield kann ich mir ebenso gut vorstellen. Stell dir vor, du bist Safety mit auslaufendem Vertrag und heiß wie Frittenfett auf einen Sack Kohle. Du würdest in deinem Heimatverein abstruse Forderungen stellen, wissend dass du bei einem Team mit Jacksonvilles Cap-Space und Jacksonvilles Safety-Nöten immer einen exzellenten Backup-Plan in der Hinterhand hast.

Kann es ein Safety wie Weddle werden? Unwahrscheinlich, wenn Weddle zu einem Titel-Contender will. Aber ein 25-jähriger Iloka, der weiß, dass er zu einem möglicherweise schlafenden Riesen wechselt – why not?

Ausblick

Bislang spürte Bradley keine Arbeitsplatzgefahr, aber das Saisonziel für 2016 ist bereits formuliert: Playoffs. Ein mögliches, vielleicht realistisches, Ziel, aber trotzdem eines, das so einfach nicht zu erreichen ist. Denn es ist immer noch ein 5-11, auf dem Jacksonville aufbauen muss, ein 5-11, das auch leistungsmäßig nahe an 5-11 war.

Es ist nicht so, dass wir hier von Baltimore sprechen, wo man nach Jahren des Erfolgs ein verletzungsbedingtes Seuchenjahr mit Dutzenden knappen Niederlagen hinter sich hat. Es ist Jacksonville, wo man „5-11“ als Erfolg gefeiert hat.

Aber es ist auch die AFC South. Und es ist eine Offseason, in der man extrem viel Kohle investieren kann. In der Mann erneut hohe Draftpicks zum Einkaufen hat. Es sprechen einige Zeichen für einen positiven Saisonverlauf in Jacksonville. Auf der anderen Seite müssen die Colts nur zwei Offense Liner holen um Luck gesund zu halten und den Texans nur zufällig ein Quarterback über die Füße stolpern, und die Division wird hochwertiger als gedacht.

2 thoughts on “Jacksonville Jaguars in der Sezierstunde

  1. Stimme dem Gesamttenor zu, ich sehe die Jaguars als contender in der AFC South, wenn sie die richtigen offseason moves machen. Hätte aber noch ein paar Anmerkungen (sorry wenn ich viele englische Wörter benutze, mir fällt es schwer das auf Deutsch zu formulieren):

    Blake Bortles hat improvement gezeigt, 2.9% INT Quote ist aber natürlich immer noch zu viel. Auch wenn die sacks natürlich nicht alle auf die Kappe der OL gehen, muss man einfach sagen, dass die Jaguars OL immer noch sehr schwach war. Mit solch einer OL hast du einfach gegen viele Gegner ein mismatch. Ich meine mich zu erinnern, dass ein Spiel allein deswegen verloren ging, da Stefen Wisniewski zum Schluss nen snap versaut hat. Das ist schon eine gewaltige Hürde mit der Bortles in den ersten beiden Jahren zu kämpfen hatte. Man schaue sich das tape von Derek Carr an hinter einer top-5 pass protection, ohne diese OL hätte es diese Saison übel ausgesehen. Allein was Donald Penn auf LT wegblockt, sogar gegen Denver, ist schon mega gut. Bei den Jags ist Beadles schon entlassen worden und ich kann mir nicht vorstellen, dass Wisniewski resignt wird. Eventuell könnte er auf G ausweichen oder man verlängert mit ihm als Versicherung. Alex Mack ist auf dem Markt und Alabama schickt mit Ryan Kelly nen recht guten C in den Draft. Da gibt es Optionen für die Jags.

    Marqise Lee hat sich die gesamte Saison mit Verletzungen rumgeschlagen, kam nicht einmal in seinen Rhythmus. Hurns, Robinson, Lee, Thomas und eventuell (Außenseiterchance) ein reinstatement von Justin Blackmon. Dazu T.J. Yeldon der in seiner Rookie-Saison sehr solide gespielt hat, aber hinter dieser OL auch einfach nicht über 4.5 YPC hinauskam. Die Offense hat mit 2 vernünftigen Veränderungen auf OL sehr sehr viel Potenzial. Ich erinnere mich allein an das Jets Spiel. Die Jets secondary wurde teilweise auseinander genommen, aber die OL hatte einfach keine Schnitte, sonst hätten die Jags 30-34 Punkte erzielen können.

    Dante Fowler hat sich das Kreuzband gerissen, nicht die Achillessehne. Laut Berichten ist das Knie in gutem Zustand und er ist für die OTAs wieder fit. Laut Gerüchten had David Caldwell verlauten lassen, dass er mit dem vorhandenen Geld in der nächsten Woche alles dafür tun möchte, den pass rush zu verbessern. Die FS free agency class ist gut besetzt, auf SS ist Iloka wie du schon sagst, eine sehr gute Option.

    Die front seven hat durch das scheming in der Tat über dem Limit gespielt, aber es fehlt echt an Qualität. Ich denke, dass sich nächste Woche einiges tun wird in Florida.

    Gruß, suuma

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