Neujahrstag in der NFL

Heute, 9. März 2016 um 22h MEZ endet das NFL-Jahr 2015/16. Eine der wichtigsten Auswirkungen dieses „Neujahrstags“ ist das Auslaufen etlicher Spielerverträge und somit der Beginn des Transfermarkts („Free Agency“) 2016, im Zuge dessen viele Spieler ihre Vereine wechseln werden.


Über die Free Agency habe ich in den letzten Jahren oft genug geschrieben [siehe 2014]. Machen wir es noch einmal kurz:

  • Der Transfermarkt ist anders strukturiert als hierzulande z.B. vom Fußball gewohnt. Dass Spieler mit gültigem Vertrag die Vereine wechseln, ist eher selten, und wenn ja, sind Spieler und Draftpicks, nicht Geld, die Tauschware.
  • Der Draft hat sich als beste Methode erwiesen, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Er ist billiger und seit dem letzten CBA ist er auch für die Top-Picks billiger. Und er bringt jüngere Spieler.
  • Superstars in der Free Agency tendieren, überbezahlt zu werden.
  • Trotzdem ist die Free Agency wertvoll. Die erfolgreichsten Teams sind jene, die Mittelklasse- und Rollenspieler in der 2ten und 3ten Woche für moderate Preise verpflichten können und damit für bezahlbare Tiefe im Kader sorgen können.

Die wichtigen Schlagworte

Wie sehen Verträge aus? Wie man einen NFL-Vertrag lesen sollte, hat der Kollege Herrmann in verlinktem Eintrag schon vor Jahren dokumentiert.

Salary-Cap und Cap-Rollover: Die Salary-Cap ist die Gehaltsobergrenze, die jedes NFL-Team einhalten muss. Sie ist eine „hard cap“, sprich jedes Team muss sie einhalten, andernsfalls drohen Sanktionen weit schlimmer als die Nachzahlungen, die man z.B. aus der MLB gewohnt ist. Wird die Salary-Cap nicht voll ausgenutzt, kann der Differenzbetrag als „Cap-Rollover“ ins nächste Jahr verschoben werden. Aus diesem Grund haben verschiedene Teams verschiedene Cap-Zahlen. Cap-Space 2016 von Liga-Seite: 155.3 Mio. Cap-Space der einzelnen Mannschaften kann man bei Over The Cap nachlesen.

Fluch des Gewinners: Der Transfermarkt gleicht im Kern einer Auktion, sprich die Wahrscheinlichkeit, dass man für das Objekt seiner Wahl einen zu hohen Preis bezahlt, ist hoch. Wie schon angedeutet: Besonders die stark gehypten „Stars“ auf dem Transfermarkt gehen für gewöhnlich für horrende Preise weg.

Die Figuren 2016

NFL-Teams versuchen nicht umsonst, ihre besten Spieler im Team zu halten. Es ist sehr selten, dass echte Superstars in der Blütezeit ihrer Karriere auf den Markt kommen. Als eklatanteste Beispiele in den letzten Jahren fallen mir DE Reggie White (Philadelphia nach Green Bay), DE Jevon Kearse (Tennessee nach Philadelphia), CB Charles Woodson (Oakland nach Green Bay), DT Albert Haynesworth (Tennessee nach Washington) und DT Ndamukong Suh (Detroit nach Miami) ein.

Bei ihnen allen hatte es Gründe, dass sie trotz Star-Status und jungem Alter auf den Markt kamen, so z.B. waren Kearse in Tennessee und Suh in Detroit ein Fall für die Cap-Rasur, wollte Haynesworth ums Verrecken einen Rekordvertrag und hatte es Woodson in Oakland mit Al Davis zu tun.

Solche All-Pro würdigen Kaliber in der Blüte ihres Schaffens sind heuer rar. Stars wie ER Miller (Broncos), WR Jeffery (Bears) oder CB Norman (Panthers) stehen unter dem Schutz der Franchise-Tag und können nur eingeschränkt verhandeln.

Ein C Alex Mack hat mehr Glück: Er hat seinen Vertrag in Cleveland gekündigt und ist frei, woanders zu unterschreiben. Sonstige größere Namen wie FS Eric Weddle aus San Diego, DE Chris Long von den Rams oder RB Arian Foster aus Houston sind bereits im Herbst ihrer Karriere und werden keine lebensversichernde Verträge mehr bekommen.

Aber die heimlichen Stars der Free Agency sind wie wir wissen eh die Rollenspieler. Hier hätten wir einen DE Olivier Vernon aus Miami, bei dem sich die Dolphins via „Transition Tag“ ein Vorkaufsrecht gesichert haben, das Vernon allerdings nicht vom Markt nimmt. Oder ein DE Bruce Irvin, Seattles reinrassiger Pass Rusher. Oder WR Marv Jones aus Cincinnati.

Die Hitlisten der Top-Freeagents des Jahres sprießen seit Wochen nur so aus dem Boden. Verwiesen sei an dieser Stelle an Pro Football Focus und seine Liste.

Der Quarterback-Markt

Der QB-Markt ist größtenteils schon über die Bühne. QB Cousins in Washington bekam die Franchise-Tag übergestülpt und zögerte angesichts der knapp 20 Mio. für die anstehende Saison keine Sekunde, sie zu unterschreiben.

Noch um einiges krasser ist der Vertrag, den QB Sam Bradford in Philadelphia zeichnete: 2 Jahre, 36 Mio. Dollar, der im schlimmsten Fall für Bradford ein Einjahresvertrag für ca. 22 Mio. ist. Bradford ist seit 6 Jahren in der Liga und war noch nie auch nur ein durchschnittlicher Quarterback. Er knackt mit diesem Vertrag die 100 Mio.-Dollar Grenze für seine Karriere.

Nuff said.

(Nein, Chip Kelly ist tatsächlich nicht mehr in Phildelphia zugegen.)

Der absurde Bradford-Vertrag und der Rücktritt von Peyton Manning am Sonntag bedeuten noch drei (mit Option vier) namhafte QBs am Markt: Fitzpatrick (bisher Jets), Osweiler (Broncos) und RG3 (wird in Washington entlassen). Die „Option“ auf #4 ist Colin Kaepernick, der möglicherweise San Francisco noch verlassen könnte, z.B. via Trade.

Was ist schon passiert?

„Tampering“ ist schon seit einigen Tagen erlaubt, aber die Deals werden erst heute Nacht offiziell. Machen wir es kurz: Die Eagles betreiben Hausreinemachen. LB Alonso und CB Maxwell via Trade nach Miami, RB Murray via Trade nach Tennessee. Jacksonville schlägt bei DT Malik Jackson (bislang Broncos) zu; Jackson steht mit 15 Mio/Jahr im Wort.

OG Osemele geht wohl von den Ravens zu den Raiders. DE Hali hingegen bleibt den Chiefs erhalten. DE Cole (Colts) und TE Cameron (Dolphins) haben Gehaltseinbußen hingenommen um bei ihren jeweiligen Mannschaften bleiben zu dürfen.

QB Manning und WR Calvin Johnson zurückgetreten (ich schrieb) darüber. Und alles weitere, was seit gestern Abend, 19h30 MEZ passiert ist.

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11 Kommentare zu “Neujahrstag in der NFL

  1. Wie ist deine Einschätzung bezüglich Björn Werner, meinst Du er wird noch irgendwo unterkommen ?

  2. Ich sehe keinen Grund, warum nicht. Wird halt ein Vertrag Richtung Minimalgehalt. Und vermutlich wird Werner nicht am ersten Tag über den Ladentisch gehen.

    Werner sollte sich ein 4-3 Teams suchen, dort sah man ihn schon zu Draft-Zeiten am besten aufgehoben. Schon am Draft-Tag haben alle geschrien, dass die Colts mit ihrem Systemwechsel kein idealer Ort für Werner sein werden.

  3. Broncos lassen Osweiler ziehen. Osweiler unterschreibt in Houston.

    Lamar Miller unterschreibt auch in Houston.

    Weiß nicht, was man von Osweiler halten kann, aber wohl ein Upgrade gegen über allen QB von 2015. Texans könnten damit zumindest halbwegs eine Offense auf das Field bringen.

  4. 72mio für Osweiler erscheinen mir allerdings ein bisschen sehr viel. Die Alternativen mögen mau sein, aber ob Brock die Lösung in Houston darstellt, wage ich zu bezweifeln.

  5. Was sind im Moment schon 72 Mio, da verdienen ja einige DE, CB und G mehr. 😉

    Für Denver könnte es aber echt teuer werden, einen nicht FA QB zu verpflichten und jetzt auch noch Draft-Picks abzugeben, können sie überhaupt nicht gebrauchen.

  6. Uff,die Giants gehen mal ganz ordentlich und recht untypisch ‚all-in‘. Die wichtigen und neuen Verträge sind wohl alle so auf 2-3 Jahre angelegt. Front4 sieht jetzt auch wieder so aus, wie man es lange Jahre gewohnt war. Eli will bestimmt den dritten Ring um an Familienfeiern den Bruder nerven zu können 😉

  7. Werner sollte in ner 4-3 als ’situational passrusher‘ schon noch funktionieren können in der NFL. Damit ist er natürlich sehr systemabhängig was seinen Marktwert drückt, und eine vergleichbare Stellung im Team wie im College wird eher schwierig, aber ne gute Karriere unterhalb der Starspieler kann noch gut bei rausspringen.
    dafür müsste er jetzt aber wirklich das am besten passende Team finden und nicht nach dem Geld gehen. hoffentlich wird er da gut beraten…

  8. Björn, ich hab derzeit leider weder Zeit noch Nerv mich da in die Daten zu stürzen. Aber wenn, würde ich schauen welche DC in den letzten 2 jahren in ner 4-3 bei wahrschenlichen passing downs spezielle DE eingewechselt haben. Daran könnte man mMn ablesen inwiefern Werner damit rechnen könnte in für ihn guten Situationen eingesetzt zu werden. Im College hat er sich ja auch mit Spielzeit in eine größere Rolle gespielt. Evtl gelingt so sogar noch der Sprung zum Starter? Wäre schon cool noch nen Deutschen in einer statistisch gut erfassten Position in der NFL zu haben.

  9. bei den Panthers wird recht viel rotiert – aber ist auch ganz ordentlich Tiee vorhanden. Da wir eher ein Star DE gesucht, ls ein Rottionspieler. Da wäre es schon ein KAmpf in 53er Roster zu rutschen…

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