NFL Draft 2016 – Rede und Antwort | Edge Rusher

Nächster Teil der Draft-Serie 2016, wo Christian Schimmel von DerDraft.de meine Fragen zu den Top-Prospects auf den einzelnen Spielerpositionen beantwortet. Heute dran: Die Edge Rusher. Im Draftcast wurden sie vor kurzem detaillierter besprochen.


Joey Bosa war am College ein absolut dominanter Defensive End, um dessen Stärken herum die Abwehr der Ohio State Buckeyes konzipiert war. Er gilt als Top-5 Prospect. Im Combine-Ranking von Chase Stuart schloss er hervorragend ab. Ich vermisse aber die letzte Explosivität, als dass ich ihn mit einem der ganz teuren Picks ziehen würde. Was übersehe ich?

Das Problem bei Bosa ist, dass er für einen Top Prospect recht wenig „Upside“ hat. Er spielt technisch schon auf einem derart hohen Niveau, dass kaum noch Raum für Verbesserungen gibt. Man wird Bosa nicht gerecht, wenn man ihn als reinen Pass Rusher sieht.

Er ist ein kompletter 4-3 Defensive End. Jemand der auf Jahre stark gegen den Lauf aussehen sollte und solide Zahlen im Pass Rush auflegen wird. Ja, er ist nicht der pure Edge Rusher, der dir zweistellige Sack Nummern liefern wird. Ihm geht, wie du schreibst, die letzte Explosivität ab. Er ist allerdings in vielen Bereichen viel weiter als vergleichbare Spieler, die deutlich ungeschliffener aus dem College kommen.


Noah Spence wirkt im Vergleich zu Bosa explosiver, schnitt in der Combine aber überraschend schwach ab. Was sind die wertvollsten Attribute am Pass Rusher Spence?

Was bei Noah Spence enorm gefällt ist sein sehr niedriges Pad Level. Damit werden etliche Offensive Tackles erhebliche Probleme bekommen. Ich gebe zu, auch ich hätte eine stärkere Combine erwartet. Seine 1,62 Sekunden über 10 Yards sind allerdings sehr gut. Das bestätigt, dass er insbesondere im Get Off, im ersten Schritt einen sehr explosiv ist.

Auch die Sprungdisziplinen waren gut. Spence scheint nicht die überragende Beweglichkeit zu haben. Die Kombination aus Get Off und niedrigem Pad Level wird ihm in der NFL enorm helfen und sehr verlockend für etliche Teams sein.


Vor einigen Serien hast du geschrieben, dass Emmanuel Ogbah von Oklahoma State überschätzt ist. Nun hat Ogbah zumindest eine gute Combine hingelegt. Wie weit kann es für ihn nach oben gehen?

Ganz ehrlich, keine Ahnung. Ich würde selbst die Top 15 nicht ausschließen, auch wenn ich ihn mittlerweile Mitte der zweiten Runde habe. Sein Tape zum Ende der Saison ist definitiv besser als das zum Start des Jahres. Dennoch wurde mir aus seiner Combine zu viel gemacht. Die Zahlen waren besser, als ich sie vorab vermutet hätte. Insbesondere die 40 Zeit und die Sprünge waren gut, auch seine langen Arme werden ihm helfen. Jedoch war auch er in den Cone und Shuttle Drills „nur“ durchschnittlich. Die Frage wie beweglich er ist, ist noch Teil der Debatte bei Ogbah.


Wer ist das bessere Prospect aus Clemson: Kevin Dodd oder der viel bekanntere Shaq Lawson?

Roman und ich sind hier unterschiedlicher Meinung. Ich habe Dodd und Lawson mit der exakt gleichen Grade. Roman hat Lawson, wie ich, Mitte – Ende der der ersten Runde, aber Dodd erst in der zweiten Runde.

Zugegeben, um Kevin Dodd so hoch auf dem Board zu haben, muss ich ihm Einiges an Upside zuschreiben. Er hat nur ein Jahr gute Zahlen aufgelegt und ist nach wie vor nicht der konstante Spieler. Er ist aber für mich der bessere Run Defender. Lawson hat bessere Anlagen als Edge Rusher. Er besitzt eine hohen Football IQ und setzt seine Hände sehr gut ein.


Shawn Oakman aus Baylor ist ein Berg von einem Mann, gilt aber als völlig ungeschliffen. Wenn du ein Coach wärst: Welchen Trainingsplan würdest du ihm verschreiben, damit aus ihm ein brauchbarer NFL-Verteidiger wird?

Schwierig. Ich würde ihn sehr wahrscheinlich erst mal zu einem Ringer- oder Judoverein schicken, damit er mal gezielt an der Beweglichkeit im Oberkörper arbeitet. Die ist aktuell so gar nicht da. Besonders muss er auch an seiner lower Body Strength arbeiten, um einen stabileren Stand zu haben und sich nicht leicht bewegen zu lassen.

Oakman hat Kraft und die Größe um in der NFL erfolgreich zu sein. Darüber hinaus fehlt ihm neben der Beweglichkeit und dem guten Get Off schlicht die Technik um nachhaltig in der NFL Erfolg zu haben. Insofern wäre auch reines Technikcoaching schon erfolgversprechend.

5 thoughts on “NFL Draft 2016 – Rede und Antwort | Edge Rusher

  1. Eine der Dinge, die ich beim Scouten nie verstehen werde, sind Aussagen wie „wenig Upside weil er schon so entwickelt ist“. Ganz abgesehen, daß nur ganz wenige Prospects auch nur „fast fertig“ entwickelt sind, ist die Aussage für mich unverständlich.

    Das ist ausdrücklich NicHT eine Kritik an Koblenzer, sondern stört mich allgemein. Das weit Entwickelte wird nicht geschätzt, weil man sich lieber die Eier rubbelt beim Gedanken, was aus einem rohen „Diamanten“ einmal werden KÖNNTE. Sieht man übrigens auch in der Arbeitswelt häufiger, dass das Bekannte weniger geschätzt wird als das Unbekannte.

    Joey Bosa ist ein Top Prospect, das es verdient mindestens in den Top 5 zu gehen. In den letzten Drafts waren nur selten weiter entwickelte Defense Spieler verfügbar. Ich würde ihn immer hoch ziehen, denn er ist im Gegensatz zu Spence oder Ogbah eine Bekannte und er ist ein mehrdimensionaler Player, gegen den man ungern läuft. Wie schon geschrieben, die Defense von Ohio State war um Bosa herum designt, und in Run Situationen über seine Seite wurde er immer gedoppelt. Mehr Kompliment kann man einem Spieler nicht machen.

  2. Sehr schön formuliert was Bosa betrifft, kann ich mich absolut anschließen.
    Ich verstehe die Kritik in der Hinsicht auch nicht wirklich. Es ist so, je länger die Saison beendet ist, je weiter man vom Tape weg ist, desto mehr kommen solche Vorwürfe.

  3. Ich sehe ein, daß Bosa nicht der antrittsstärkste Spieler im Draft ist, aber das war J.J. Watt auch nicht. Watt ist trotzdem an #11 gedraftet worden, weil er rundum ein kompletter Spieler mit guter Spielintelligenz und guter Technik war. In der NFL ist er zum Monster geworden, weil die Coaches für ihn einen einzigartigen Spot gefunden haben und ihn als 1-Gap Player aufgestellt haben, wo er den richtigen Drive gefunden hat. Ohne der explosivste von allen zu sein!

    Will sagen: Ich nehme tausend Mal lieber einen hoch entwickelten Player mit scheinbar geringerer (aber noch immer hoher) Upside wie Bosa als einen eindimensionaler Freak Rusher aus dem VIELLEICHT irgendwann ein Superstar geformt werden kann. Die Coaches überschätzen sich permanent. Die Wahrscheinlichkeit, daß aus Rohlingen Superstars werden, ist kleiner als daß aus sehr guten Spielern Stars werden, und auch kleiner als aus sehr guten Spielern Superstars.

    Also, raus damit (von den oben analysierten):
    1- Bosa
    2- Lawson, die schon etliches bewiesen haben.
    3- Spence
    4- Dodd
    5- Ogbah
    UDFA- Oakman

  4. Colt, ich stimme dir zwar fast komplett zu, aber Watt ist athletisch nochmal ein ganzes Stück extremer als Bosa. Er hat die komplett identischen Combine Zahlen aufgelegt, obwohl er 20 Pfund mehr auf die Waage brachte. Für mich hat Bosa das Problem, dass ihn aber jeder mit Watt vergleicht (und ich habe das Gefühl der einzige Grund ist, dass beide talentierte, weiße DEs sind…). Er ist aber ein komplett anderer Spielertyp als Watt, das fängt beim Körperbau an und zieht sich durch Explosivität, Scheme-Fit etc.
    Ich würde Bosa definitiv Top 5 ziehen, man weiß, dass man schlechtestenfalls einen grundsoliden Verteidiger bekommt, der gegen den Lauf sehr gut ist. Allerdings weiß man nicht, ob er den Sprung zu einem großen Pass Rusher auch noch schaffen wird.

  5. Watt wurde nicht als großartiger Athlet angepriesen. Watt wurde als hochmotivierter Jungprofi eingestuft, der dir keine Kopfschmerzen bereiten wird, aber mit wenig Upside. Watt galt als technisch etwas unsauber, weil er zu lange Tight End gespielt hat. Watts finale Position war unklar, 3-4 DE oder 4-3 DE. Als Watts NFL-Pendant galt seinerzeit Adam Carriker. Watt galt als der „langweilige“ Pick unter den Defensive Ends. Zu dieser Zeit vor 5 Jahren schrieb man über Watt von „späte 1te bis 2te Runde“.

    Watt ging letztlich an #11, höher als von allen angenommen. Rechnen wir die 3 Freak-QBs in dem Draft raus, war er immerhin am Ende ein Top-8 Spieler. Stark, aber für einen Spieler, der schon nach fünf Jahren in der Diskussion um „bester ever“ ist, zu niedrig. In jedem Re-Draft wäre Watt mindestens #2.

    Wenn ich meine Kommentierung vom Draft damals hervorkrame, die den allgemeinen Tenor traf, kommt ein Schmuckstück bei raus:

    J.J. Watt von Wisconsin hat eine eindrucksvolle Rose Bowl gespielt und genießt den Bonus, ein weißer Defensive End zu sein. Die GMs wissen, was sie an Watt haben. Dafür soll das Entwicklungspotenzial beschränkt sein.

    Dann nach dem Draft:

    Die Houston Texans hatten zuvor ihr Draft-Abenteuer 2011 mit fünf Abwehrspielern begonnen. Jemand überrascht? Der solide, aber blässliche DE J.J. Watt ist an #11 der Top-Pick und wird in der neu eingeführten 3-4 Defense eine End-Position einnehmen, während Superstar Mario Williams offenbar zum Outside Linebacker umgeschult werden soll.

    Natürlich sind die Vergleiche zwischen Bosa und Watt vor allem rassistisch begründet, wie auch die Vergleiche zwischen Bosa und Allen oder Justin Smith. Trotzdem bleibt zu konstatieren, dass im NFL-Scouting Prozess für Pass Rusher zu allererst Explosivität zählt. Ein hervorragender Run Defender ist ein „Nice To Have“. Ein erstklassiger Pass Rusher ist aber der Hauptpreis.

    Daher die Zweifel an Bosa. Aber das Beispiel Watt zeigt, dass Explosivität in der Scouting-Phase nicht das einzige Kriterium sind ob aus einem Spieler ein erstklassiger Pass Rusher wird.

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