Scoute den Goff

Die landläufige Meinung zum QB-Rennen im Vorfeld des NFL-Drafts 2016 sieht zwei Männer ganz vorne: Carson Wentz und Jared Goff. Gemeinhin wird dabei Wentz als der Mann mit mehr Potenzial beschrieben, wohingegen Goff als der Quarterback gilt, der schneller ins NFL-Getümmel geworfen werden kann. Ich habe mir die beiden QBs angesehen. Heute: Jared Goff.


(Nope, das ist nicht als vollwertiger Scouting-Report zu verstehen. Es ist mehr die Schilderung einiger Eindrücke beim Anschauen der Tapes von Draft-Breakdown)

Goff kommt von den California Golden Bears in die NFL. Dort spielte er in der Spread-Offense (Version „Air Raid“) von Sonny Dykes. Goff ist von der Statur ein eher schmächtiger Typ. Die Bälle kommen schön raus, aber nicht so flach wie bei einem Stafford. Goff hat sich im frühen Saisonverlauf 2015 in die Pole-Position für den Draft 2016 gespielt, und ist bis heute zumindest in der „ersten Startreihe“ geblieben.

Die Offense von Cal ist ein sehr schöner Mix aus Kurzpass, Mitteldistanz und vertikalen Routen. Goff ist mutig: Er versucht häufig den Tiefschlag. Will heißen, der lange Ball ist ein wichtiges Element.

Goffs Offensive Line tut ihm allerdings von Grund auf keinen wirklichen Gefallen. Er kommt auch gegen durchschnittliche Defenses wie UCLA oder Stanford immer wieder schnell in die Bredouille. Dass er darauf nicht mit panischen Scrambles reagiert, sondern seine Augen noch immer im Defensive Backfield hält, spricht für ihn und ist eine Qualität, die viele der Top-QBs auszeichnet.

Goff tippelt allerdings immer wieder halbrechts nach vorn, egal von welcher Seite der Pass Rush einschlägt. Wird diese rechte Seite nicht richtig abgeschirmt, regnet es in der NFL Sacks.

Goff scheint ein hervorragendes Spielverständnis zu besitzen. Auch wenn die Struktur der Plays ins Wanken gerät, fallen keine unüberlegten Würfe ins Nichts. Er geht weiterhin die „Reads“ von A bis Z durch. Goff wirft häufig in Momenten, in denen der angespielte Receiver noch keine zwei Meter offen steht. Ich würde ihm gute Antizipation bescheinigen. Ein positives Zeichen für eine gute NFL-Karriere.

Goff wirft nicht immer „sauber“. Hier werden immer wieder Pässe eingestreut, die nicht im Lehrbuch stehen, mit vorderem Standbein und Gewicht in den Wurf reinlegen. Etliche (auch gute) Drives sehen immer wieder mitten drin einen unmotivierten, „streuenden“ Pass zu weit am Ziel vorbei. Inwieweit das dem oft zu schnell durchkommenden Pass Rush geschuldet ist, wird zu bewerten sein. Mein Tipp: In der NFL kriegst du auch eher selten eine wirklich ruhige Pocket zum Arbeiten.

Goffs Spiel gegen Utah ist ein auffälliger Ausreißer: 6 INT. 6 INT, die nicht so recht zum restlichen Saisonverlauf passen wollen. Es sind teilweise Freak-INTs: Ball perfekt auf den Receiver geworfen, springt dem WR von der Brust direkt in die Arme vom Defensive Back. Ball die Mitte das Feld runter, WR dreht mitten in der Route aus nicht ersichtlichem Grund ab, Ball fliegt zu weit direkt in die Arme vom DB. Tiefer Ball zu kurz, INT. „Cam Newton Ball“ vom hinteren Fuß mitten rein in vollgepackte Straßenkreuzung, INT. Und so weiter.

Das Utah-Spiel war nicht Goffs bestes. Aber nicht alle 6 INT gehen auf seine Kappe. Einige Würfe muss man auch im Kontext des außer Kontrolle geratenen Spiels betrachten: Im vierten Viertel mit Rückstand musst du ganz einfach auch mal den einen oder anderen Tick mehr riskieren. Hier ist mir eine Interception in guter Deckung lieber als ein 2yds-Pass bei 4th & 23.

Diese Interceptions will ich ihm verzeihen. Etwas anderes stört mich an Goff, ohne dass ich ihm daraus zwingend einen Strick drehen möchte: Das „Tajh Boys Syndrom“. Goffs Bälle kommen nicht hundertprozentig. Die Receiver müssen für ihre Catches arbeiten, manchmal mehr als mir (oder ihnen) lieb ist.

Bei Boyd bzw. seinem College-WR Sammy Watkins ist mir das vor Jahren eklatant aufgefallen: Jeder Ball ein paar Millimeter überworfen oder unterworfen. In dem Moment lernst du die Genialität des Receivers zu schätzen. Ähnliches Phänomen, wenn auch deutlich weniger krass ausgeprägt, bei Goff 2016. Das würde mir noch zu denken geben.

2 thoughts on “Scoute den Goff

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