Big 10, Big 12, Big 14?

SI.com schreibt in einem Artikel über die Gerüchte um die anstehende Expansion der Big 12 Conference. Die Big 12, die große Conference der Midlands mit den Epizentren Texas und Oklahoma, war die große Verliererin der letzten Re-Alignment Phase zwischen 2010 und 2013, als man die Aushängeschilder Colorado, Nebraska und Texas A&M sowie das kleine Missouri an Big Ten und SEC verlor.

Die Verluste versuchte man mit der Aufnahme von TCU und West Virginia zu kompensieren, in Sachen Reichweite und Marktgröße bestenfalls Schadensbegrenzungen. So besteht die Big 12 seit einigen Jahren nur noch aus zehn Universitäten. Jetzt wird der Versuch einer Expansion gestartet.

Als Hauptgrund machen die Experten wie immer das Streben nach neuen Reichtümern – vulgo: Kohle – aus. Der TV-Vertrag der Big 12 bindet die Conference bis 2025 an FOX und ESPN, die die Rechte für die wichtigsten Partien halten. Eine eigene TV-Station nach Vorbild der Goldgruben von Big Ten und SEC ist der Big 12 quasi unmöglich – zu dominant ist die egozentrische University of Texas, die ihr millionenschweres „Longhorn Network“ betreibt und dadurch die Entwicklung eines Big 12 Kanals blockiert.

Bleibt die Hoffnung auf neue Mitglieder, sprich mehr Spiele, sprich mehr TV-Umsätze. Rund 200 Millionen Dollar verspricht man sich über die nächsten zehn Spielzeiten durch die Addition einer Mannschaft, sprich 400 für zwei oder 800 Millionen für vier.

SI.com geht wie eigentlich alle Medien in den USA fix davon aus, dass  die Big 12 eine Expansion durchziehen wird – idealerweise sollen die Namen der Neulinge noch vor Saisonstart 2016 bekannt sein und mit Saisonstart 2017 bereits umgezogen sein. Der kurzfristige Wechsel der Neulinge soll mit Ausstiegsklauseln zwischen 9 und 13 Millionen Dollar erkauft werden.


Im Prinzip gibt es zwei Knackpunkte in der Aufnahmeprozedur. Der eine ist die anhaltende interne Streiterei in der Big 12 Conference. Die Big 12 ist für uns Jungspunde die große Rednecks-Conference mit tausend Jahre alten Universitäten, aber sie ist als Verbund erst 20 Jahre alt und wurde als Zweckgemeinschaft zwischen der alten, in Texas basierten SWC und der von Oklahoma und Nebraska dominierten Big 8 aus der Retorte geboren – ein Kulturkampf, und auch nach zwei Jahrzehnten haben die verschiedenen Egos noch nicht zusammengefunden.

In schöner Regelmäßigkeit kommen Abgangsgerüchte von Oklahoma (SEC?) oder Texas (Independent, Big Ten?) auf – sie wären sofort existenzbedrohlich für die Conference. Schon vor fünf Jahren hätte die Debatte um das „Longhorn Network“ um ein Haar die komplette Conference gesprengt – bis die Conference vor den Zicken der University of Texas einlenkte und Texas somit sein eigenes Königreich schaffen konnte.

Unsicherheit über das Committment von Texas und Oklahoma zur Big 12 prägen die Aussicht auf neue TV-Verträge und hemmen damit ein mit Weitsicht geplantes Wachstum der Conference.

Der zweite Knackpunkt: Es ist gar nicht klar, nach welchen Kriterien die Big 12 expandieren will. Ist es der Wille nach sportlicher Weiterentwicklung? Ist es der Versuch, sein Einzugsgebiet im Osten (Ohio, Tennessee) oder Südosten (Florida) auszuweiten? Oder geht man nach good old Gießkanne vor – ich streue einfach rein und nehme was rauskommt.

Unbekannt ist auch, in welchen Schritten die Big 12 vorgehen möchte: Zweistufiges Wachstum (erst 2, dann 2) oder „vier gewinnt“? Für erstere Option spricht die Flexibilität, um in einem zweiten Moment evtl. größere Namen anlocken zu können. Für letztere Option spricht die Aussicht auf 800 Mio. in Cash – sofort.


Die Dallas News hat in dem Zug einige Optionen geprüft – mit überraschenden Namen:

  • BYU aus Utah (aktuell Independent). BYU hat als Landesmeister von 1984 einen recht großen Namen, ein großes Stadion mit guter Auslastung, viele Fans als große Mormonen-Uni, liegt aber zwei Zeitzonen westlich der Big 12 und gilt als recht eigenwillige, schwer „führbare“ Institution.
  • Boise State aus Idaho (momentan MWC) ist der „logische“ Expansionskandidat im sportlichen Sinn, liegt aber noch westlicher als Utah und ist im Prinzip noch immer ein kleiner Upstart ohne große Reputation.
  • Cincinnati aus Ohio (The American) gilt als Kandidat, wenn die Big 12 im Midwest Fuß fassen möchte.
  • East Carolina (The American) könnte mit hohen Zuschauerzahlen punkten, gilt aber als Außenseiterkandidat.
  • Das in Tampa spielende South Florida (The American) könnte ein attraktiver Partner sein, aber die Bulls spielen in einem selten ausverkauften NFL-Stadion und sind sportlich brutal unbeständig.

Unter einigen weiteren nachvollziehbaren Namen befindet sich noch ein potenzieller Knaller: Florida State. Die Seminoles werden vor allem deshalb diskutiert, weil es immer wieder Gerüchte um eine Zerschlagung der ACC gibt – und die FSU für den Fall der Fälle nur geringe Chancen auf eine Aufnahme in der SEC hat (die University of Florida würde vehement opponieren).

Ein FSU-Wechsel würde die Big 12 sportlich massiv aufwerten und die Conference mit einem Schlag minimum auf SEC-Level heben. FSU als eine der landesweit zugkräftigsten Marken wäre ein Reputationsgewinn und würde die SEC stark unter Druck setzen.

Aber ein FSU-Wechsel würde wohl auch das Aus der Vormachtstellung der University of Texas bedeuten, deren Network durch ein Conference-Network ersetzt würde – und Texas hat in jüngster Vergangenheit oft bewiesen, dass es notfalls den Alleingang durchzieht als am Ende als ein Star unter vielen zu enden.

Also: Sehr vieles offen. Bis auf die Option Stillstand ist alles drin. Es ist allein die Frage, wie groß die Expansion ausfällt, und welche Universitäten sie betrifft.

4 thoughts on “Big 10, Big 12, Big 14?

  1. Die Option mit FSU halte ich doch für reichlich weit hergeholt, das kann ich mir nicht für 2017 vorstellen weil viel zu kurzfristig. FSU ist momentan sehr zufrieden in der aufgemöbelten ACC auch wenn man natürlich die langfristige Entwicklung mit der SEC Super Conference im Auge behalten muss.

    Boise ist auch kein Kandidat weil Idaho einfach kein interessanter Markt ist, da passt schon viel eher BYU ins Bild, auch wenn das geographisch kein sinnvoller Ort ist. Aber wer West Virginia annektiert…

  2. FSU ist total unrealistisch, die Reihenfolge ist eher:

    1 – Cincinnati: Tor zu Ohio, geographische Annäherung an West Virginia, sehr gutes Publikum und für große Spiele ein NFL Stadion in Downtown Cincinnati.
    2 – BYU: Großer Name, interessantes Programm mit großem Stadion und die Erschließung von Utah und westlichen Zeitzonen.
    3 – Colorado State: Gute Uni, die gerade ihr Stadion ausbaut, Nähe zu Denver, Rückgewinnung des Bundesstaates Colorado.

    UConn ist aufgrund der Entfernung keine Option, mit Houston gewinnt die Conference kein Jota sondern bringt höchstens die eigenen texanischen Mitglieder in die Bredouille, und eine Rückkehr von Nebraska wäre blanker Hohn.

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