Nebraska Cornhuskers | 2016/17 Vorschau

Die Nebraska Cornhuskers sind eines der ganz großen Footballprogramme in den Vereinigten Staaten, das seit vielen Jahren verzweifelt auf der Suche nach dem Zauber der Vergangenheit ist. Wo in den 70ern und 90ern insgesamt fünf Landesmeistertitel eingeheimst wurden, wo man in den 80ern einen den prägenden Momente der College-Footballgeschichte lieferte, da ist man heute im Selbstfindungsmodus angekommen.


Nebraska ist kein Staat, der wie Florida, Ohio oder Texas Zillionen an Highschool-Talenten produziert; das Einzugsgebiet der University of Nebraska ist zwar in den Einöden der Rednecks schier unbegrenzt, aber es sind eben Einöden. Kaum brauchbarer Nachwuchs aus der Gegend. Dass Nebraska trotzdem über viele Jahrzehnte ein Player im Geschäft war, lag vor allem an einer klar definierten Spielidee: Nebraska spielte unter Bob Devaney und später unter Tom Osborne eine klar umrissene triple option Offense aus der I-Formation, die zeitweise als unschlagbar galt.

Doch so funktioniert der zeitgenössische College Football nicht mehr. Nebraska versuchte bis vor wenigen Jahren, mit lauflastiger Option-Offense seine Tradition zu wahren, doch mehr als eine schier unheimliche Serie an 9-4 und 10-4 Saisons sprang nicht mehr heraus. Diese „Serie“ kostete Head Coach Bo Pelini letztlich den Kopf. 2/3 Siegquote ist für Nebraska nicht genug.


Als Reaktion wurde vor eineinhalb Jahren überraschend Mike Riley als neuer Head Coach installiert. Riley gilt als „good guy“, der auf seinen bisherigen Stationen in College und NFL stets nach dem Minimalprinzip gearbeitet hat: Mit minimalen Ressourcen versuchen das Maximalmögliche herauszuschlagen.

Riley hat in seinem ersten Jahr in Lincoln gleich einmal die Offense um einiges passlastiger gemacht: Über 450 Würfe klingen für eine Nebraska-Offense unerhört – war aber tatsächlich so. Die Defense fiel in der Pass-Abwehr einer verstärkten Run-Defense zuliebe komplett auseinander. Endresultat: Eine losing season: 6-7 Siegbilanz.

6-7 klingt aber vielleicht dramatischer als die Saison wirklich war: Nebraska war 1-6 in one score games, eine Kennzahl, die für Regression zur Mitte für die anstehende Saison spricht. Das Pleiteschema war immer wieder ähnlich: Hail Mary in der Schlusssekunde, Touchdown oder Fieldgoal in der Schlussminute, Pick Six zum dümmsten Zeitpunkt – and so on. Man kann es „dämlich anstellen“ nennen, aber die Historie spricht eher für die Variante „shit happens“.

Aber: Die Tatsache, dass man gegen Durchschnittstrupps wie Miami/FL, Wisconsin, Purdue, Northwestern, Illinois oder BYU überhaupt in die Situation einer knappen Pleite kam, spricht dafür, dass Nebraska von seinem Selbstverständnis der „Elitetruppe“ meilenweit entfernt bleibt. Gehst du mit der Saison 50/50 in den engen Spielen, ist es immer noch „nur“ bestenfalls ein 9-4. Und dafür wurde Pelini gefeuert. Riley hat also noch einen Haufen Arbeit vor sich.


Ich bin gespannt auf die Entwicklung der Offense. Quarterback wird 2016 erneut Tommy Armstrong sein, den ich lange als reinen Option-QB eingestuft hatte, aber letztes Jahr zeigte er, dass er auch eine größere Workload stemmen kann. Armstrong machte über 7 NY/A. Ein wirklich ausgereiftes Mitteldistanzspiel ist mit ihm nicht möglich, aber dafür ist er brandgefährlich in der vertikalen Offense – und er kassiert weiterhin erstaunlich wenige Sacks: 413 Dropbacks, nur 11 Sacks. Armstrongs Problem sind die zu vielen Interceptions: 16 Stück in 402 Passversuchen, das sind 4% INT-Quote und viel zu viel für einen Starting-QB.

Neben Armstrongs Entwicklung sind vor allem Passrush und die Staffelung der Secondary gegen den Pass ein Kriterium der anstehenden Saison: Nebraska ist kein schwarzes Loch mehr gegen den Lauf, war aber viel zu zahnlos gegen den Pass, und nun sind einige der besseren Passrusher weg.


Es spricht somit im Prinzip einiges für eine verbesserte Bilanz in 2016, aber keine wirklich dramatisch verbesserte Mannschaft. Nach 2016 ist dann auch QB Armstrong weg und Riley dann bereits im dritten Jahr – jenem Jahr im Leben eines Head Coaches, in dem man für gewöhnlich den Durchbruch erwartet. Es gibt einfachere Aufgaben.

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