TCU Horned Frogs | 2016/17 Vorschau

Breaking News: Die TCU Horned Frogs von der kleinen Texas Christian University in Fort Worth vor den Toren von Dallas sind eines der sportlich größten Teams der letzten Dekade im College Football. Über den Architekt hinter dem Erfolg habe ich bereits oft geschrieben: Head Coach Gary Patterson, der Mann hinter der fantastischen 4-2-5 Defense, dem Abwehr-Gegenstück zu all den wunderschönen Spread-Offenses dieser Tage.

Ich habe schon darüber geschrieben, wiederhole es aber für Neueinsteiger gerne: Patterson „lebt“ das 4-2-5. Es ist das Fundament des gesamten Erfolgs von TCU. TCU hat in den 1930er Jahren mal den National Title geholt, ist aber keine der „blue blood“ Universitys, die schon qua Reputation die Highschool-Supertalente anlockt wie die regionale Konkurrenz von Texas oder Oklahoma. TCU muss seine Spieler anders greifen.

Und Patterson beginnt schon seine Suche anders. Patterson trennt sein 4-2-5 in eine Front Seven und eine Back Five. Er hat ein klipp und klares Anforderungsprofil an jede Position. Und er carvt sich durch die „zweite Reihe“ an Highschool-Talenten – jene, die von den großen Universitäten von Anfang an übersehen werden. Damit ist Patterson in der Lage, trotz fehlender Grundvoraussetzungen im Recruiting jedes Jahr ein konkurrenzfähiges Produkt aufzustellen.

Freilich stellen auch die Horned Frogs mittlerweile einen Kader, der nach Talentpool mit den Top-20 mithalten kann. Was noch fehlt, ist die Kadertiefe. Und trotzdem schaffte TCU in der letzten Saison eine 11-2 Saison – eine Bilanz, die umso famoser klingt, wenn man beachtet, dass die Mannschaft den Großteil der zweiten Saisonhälfte ohne Quarterback, die besten Wide Receiver, ohne den besten Defensive End und mit einer blutjungen Truppe an Linebackers und Defensive Backs auflief.

TCU war 2015 nicht so dominant wie 2014, als man unter dubiosen Umständen von den College Football Playoffs ausgeladen wurde. TCU hatte Probleme, das unterirdische Kansas zu besiegen. Auf der anderen Seite lieferte die Mannschaft einige der spektakulärsten Spiele des Jahres: Das 55-52 mit last-minute Touchdown gegen Texas Tech, ein 19-20 gegen Oklahoma mit verpasster 2pts-Conversion in der Schlusssekunde, das grandiose 28-21 im Hurrikan von Baylor oder das 47-41 in der Alamo Bowl nach 31-Punkte Rückstand gegen Oregon.

Die Mannschaft ist also kampferprobt – und „dank“ der vielen Verletzungssorgen im letzten Jahr für heuer auch breiter aufgestellt: Viele der Jungspunde im Kader mussten bereits in der Vergangenheit antreten.

Um die Defense muss man sich recht wenige Sorgen machen – sie wird wie immer liefern, obwohl sich „nur“ 2-Star und 3-Star Recruits tummeln. Nachdem TCUs Abwehrbollwerk aber über weite Strecken der letzten Saison mit völlig kaputtem Depth Chart gegenhielt, dürfte 2016 nur noch dominanter werden. So kehren beispielweise die Top-DEs Carraway und McFarland sowie DT Curry zurück. Als größte Stärke erwartet man aber die Secondary mit dem großartigen Safety-Pärchen Johnson / Orr.

Etwas größere Fragezeichen gibt es in der Offense, wo u.a. mit QB Trevone Boykin, WR Josh Doctson und RB Green die drei wichtigsten Skill Player und zudem 4/5 der Offensive Line des letzten Jahres ersetzt werden müssen.

Die Hoffnungsschimmer sind aber da:

  • Das OffCoord-Duo Cumbie / Meacham konnte für ein weiteres Jahr gehalten werden. Mit der Ankunft dieser beiden Coaches vor zwei Jahren wandelte sich TCU von der roundabout 80t-besten Offense zu einer Top-10 Offense im Lande.
  • Auf Quarterback werden sich QB Kenny Hill (kommt von Texas A&M) und der Jungspund Foster Sawyer den Stammplatz ausspielen. Hill hatte bei Texas A&M große Momente, ehe er vor einenhalb Jahren aus nicht wirklich erfindlichen Gründen aussortiert wurde. Er ist ein mobiler QB mit dem Arm für die ganz tiefen Würfe. Sawyer ist unerfahrener, soll aber im Spring-Training tolle Ansätze gezeigt haben. Wir sprechen hier über die Quarterback-Position. Dort überlebte TCU in den letzten beiden Jahren mit einem konvertierten Wide Receiver (Boykin).
  • WR Docston ist ein herber Verlust, aber mit den WRs Gray und Slanina kehren zwei der wichtigsten WR von 2014 zurück – beide verpassten 2015 komplett.
  • Verlust 4/5 der Offense Line liest sich schlimmer, wenn man weiß, dass ein Teil davon nur starten musste, weil die Top-Leute verletzt waren. Beide Tackle-Positionen bringen erfahrene Leute zurück, und „innen“ gibt es auf allen Positionen Nachrücker mit Starter-Erfahrung.

Knackpunkt dürfte im Angriff trotz der QB-Unsicherheit das Laufspiel werden: Dieses muss zumindest soweit Entlastung bringen, dass TCUs vertikale Offense nicht in zu viele 3rd/lang Situationen kommt. War das in den letzten Jahren der Fall, hatte die Offense (wie so viele Offenses) Probleme. Das Laufspiel muss nicht überragend sein; es muss aber funktionieren. So wie es die letzten Jahre nicht überragend war, aber wenigstens auf akzeptablem Niveau ratterte.

Der Schedule ist nicht ungünstig: Die vermeintlich stärksten Gegner Arkansas (out of conference), Oklahoma und Oklahoma State sind Heimspiele, @Texas und @West Virginia klingt angesichts der dortigen Schwierigkeiten nicht außer Reichweite, und @Baylor… tja, größter Rivale der letzten Jahre, aber Baylor hat bekanntlich in der Offseason seinen Headcoach entlassen. Hier muss man erst schauen, wie sich die Sachlage entwickelt.

Die Gründe für das doch hohe Preseason-Ranking von TCU sind also nachvollziehbar. Klar birgt die Saison Risiken, aber ein Team, das 2014 das komplette Establishment überrumpelte und 2015 trotz kaputtem Kader erneut 11-2 ging, verdient auch im Zweifel Vorschusslorbeeren. Eine erneute 10-2 Regular Season halte ich im Fall von TCU 2016 für durchaus im Rahmen des Machbaren.

3 thoughts on “TCU Horned Frogs | 2016/17 Vorschau

  1. TCU ist im Coaches Preseason Ranking an #14. Ich hätte mir sogar ein höheres Ranking erwartet. Gary Patterson ist über alle Zweifel erhaben, wer ein so kaputtes Team wie TCU 15 durchschleift und fast die BigXII gewinnt, hat Vorschusslorbeeren absolut verdient.
    Die Frage die es zu beantworten gilt, ist: War Trevon Boykine nur ein Produkt des Systems, oder war er der große Treiber. Wenn man sich die Entwicklung der Off. ansieht, bin ich geneigt zu sagen, er war mehr System als Treiber. Würde mich freuen, wenn Foster Sawyer der neue QB1 wird, auch wenn ich Hill eine zweite Chance gönnen würde. Für mich ist Hill bei ATM zu schnell fallen gelassen worden. Er hat gar nicht schlecht begonnen…

    TCU vs. Oklahoma ist eines der Games, auf die ich mich am meisten freue dieses Jahr!

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