Familie

Der ehemalige NFL-Funktionär und Spieleragent Andrew Brandt schreibt bei MMQB über den Druck, der vom engsten Umfeld auf Footballprofis ausgeübt wird, wenn diese den Sprung in die NFL geschafft haben und ihre ersten millionenschweren Verträge unterzeichnen: More Money, more problems.

Im konkreten Fall geht es um den ehemaligen Runningback der Cleveland Browns und Indianapolis Colts, Trent Richardson, der – 2012 als Megatalent in die Liga gekommen und an #3 gedraftet – eine sehr enttäuschende kurze NFL-Karriere hingelegt hat. Richardson wurde 2013 nach nur 20 Spielen von den Browns an die Colts verkauft. In Erinnerung ist mir folgender Satz aus dem Browns-Front Office hängen geblieben: Wir können dazu nicht mehr sagen, aber Richardson hat Issues, die gelöst werden müssen. Mit „Issues“ war gemeint: „Make your circle smaller.“ Achte drauf, wer deine Freunde sind.

Richardson hat sich kürzlich in einer ESPN-Dokumentation über die Forderungen seitens enger Verwandter und Bekannter ausgelassen, die dem Profi die Dollars schamlos aus den Rippen leiern und somit immer wieder für Ablenkungen sorgen. Richardson musste Autos kaufen, sein Bruder hatte einen 100k Jahresjob als „Berater“, er spendierte Trips nach Disney Land und musste sich hinterher anhören, wie anstrengend die Ausflüge doch waren. Allein in 10 Monaten wurden im 1,6 Mio Dollar abgepresst.

Laut Brandt kein unbekanntes Phänomen. Er hatte selbst als Spieleragent mit derlei Sorgen zu kämpfen. Brandt berichtet über die Schwierigkeit von Spielern, STOPP zu sagen. Das Killerargument: „He’s Familiy“. Er gehört zur Familie. Also wird gezahlt.

Der Fall erinnert an den Offense Tackle der Dallas Cowboys Tyron Smith oder den ehemaligen Raiders-CB Philip Buchanon, über dessen Leidensweg ich vor einem Jahr schon geschrieben habe. Bei Buchanon ging es um das Thema: Inwieweit musst du deiner Mutter die Erziehung zurückzahlen? Bei Richardson oder Smith geht es eher um die vielen Gestalten im Umfeld der Profis, die am Reichtum schmarotzen.

Das wendet den Fokus der Athleten vom Wesentlichen – dem Spielfeld – ab, dürfte aber auch mithelfen bei jener immer noch fassungslosen Zahl: 80% der NFL-Profis gehen angeblich bankrott.

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Ein Kommentar zu “Familie

  1. Danke, dass Du das Thema ansprichst. In Foren heisst es immer nur „Für das Geld spiele ich gern auch mal ein bissl Football und geh dann den Rest meines Lebens nicht mehr arbeiten“. Milchmädchenrechnungen. Von Steuern und lebenslangen Verkrüppelungen mal ganz abgesehen. Da kann man als Normalsterblicher nur spekulieren was da abgeht.

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