Oregon Ducks | 2016/17 Vorschau

Die Oregon Ducks haben sich in den letzten sieben, acht Jahren zu einer der markantesten Mannschaften im College Football entwickelt. Sie sind landesweit bekannt geworden für ihre extrem schnelle, ästhetisch wunderschöne Spread-Offense, mit der sie seit zirka 2010 auch die größten Mannschaften im Lande überrollen. Einen Landesmeistertitel hat man noch nicht holen können, aber immerhin schaffte man es zweimal in das National Championship Game, zuletzt 2014/15.

Die Achillesferse war über Jahre eine gute, aber nicht vollends überzeugende Defense. So richtig problematisch waren die Verteidigungssorgen aber erst letztes Jahr, als man richtig massiv Punkte kassierte: 62 von Utah, 55 von Arizona State, 47 von TCU, 45 von Washington State, 42 vom grottenschlechten Oregon State, 42 vom zweitklassigen Eastern Washington, nur zweimal unter 25 Gegenpunkte, nie unter 20. Entsprechend schaute am Ende der Saison auch „nur“ eine 9-4 Saison heraus, die schwächste Bilanz seit Jahren.

Head Coach Mark Helfrich reagierte mit der Rückstufung von DefCoord Pellum zum Linebacker-Coach und installierte der ehemaligen Michigan-Chefcoach Brady Hoke als neuen DefCoord. Man will weg von der ganz soften bend but don’t break Defense um trotz zahlreicher Spielerverluste (z.B. die DL Armstead und Buckner als 1st Round Picks in den letzten Jahren) wieder bessere Resultate einzufahren.


Freilich war auch die Offense im letzten Jahr nicht die beständigste. Das lag vor allem an der instabilen QB-Situation. Im Jahr 1 nach der Ära Marcus Mariota plagte man sich mit vielen Verletzungssorgen herum. Der angedachte QB Vernon Davis verpasste mehrere Spiele und war zu keinem Zeitpunkt richtig fit. Davis ist nun weg. Sein Nachfolger wird momentan im Dreikampf zwischen dem einstigen Backup QB Lockie, dem für das Senior-Jahr zu Oregon transferierten Dakota Prukop und dem Jungspund Travis Jonsen ausgeschnapst. Von allen dreien erwartet man keine Wunderdinger, außer das eine: Sie müssen die zuletzt unterirdische Sack-Rate von 10% verbessern.

Prinzipiell war die Ducks-Offense seit den Zeiten von Chip Kelly stets relativ unabhängig von der QB-Position. Vor der Mariota-Ära wechselte Oregon seine QBs teilweise von Woche zu Woche durch und fuhr stets gleich gute Punkte ein. 2016 ist aber erstmals ein echter Prüfstein: Wie verkraftet man den Abgang von OffCoord Frost, der neuer Headcoach bei UCF wird? Frosts Nachfolger wird immerhin mit exzellenten Skill-Positionen arbeiten können.

RB Royce Freeman ist einer der besten Runningbacks im College Football, mit zuletzt 1836yds, 17 TD und 6.5 yds/Carry. Seine Backups sind lauter hoch gehandelte Sophomores. Auf Wide Receiver flitzen mit Namen wie Carrington, Brown, Stanford oder Nelson über den Platz – jeder von ihnen wird über 30 Catches und 500 Yards fabrizieren und für etliche Touchdowns sorgen. Der einzige bekannte Ausfall ist WR Devon Allen, der als Hürdensprinter an den Olympischen Spielen teilnahm und nun nicht mehr die Kriterien an einen Amateursportler erfüllt.

Scheideweg

Oregon steht etwas am Scheideweg. Helfrich hatte kein gutes 3tes Jahr als Chefcoach. Das ist insofern problematisch, weil das 3te Jahr als eines der „Leuchtturm-Jahre“ in der Vita eines College-Coaches gilt. Das ist aber auch weniger dramatisch, weil der Kader auf Jahre auf die Saison 2014, nicht 2015, ausgerichtet war. Trotzdem beginnen sich erste leise Zweifel zu rühren, ob Helfrich mit seinem suboptimalen Recruiting und seinen manchmal zu zögerlichen in-Game Entscheidungen langfristig der richtige Mann ist.

2tens: Die Defense. Hoke installiert eine 4-3 Defense, nach Jahren eines 3-4 Schemas in Eugene. Oregon hat nicht die monströsen Defense Liner von Konkurrent Stanford, und wird dadurch – zumindest in der Theorie – Probleme bekommen gegen die vielen Spread-Offenses in der Pac-12 Conference. Kann es sein, dass Oregons Defense 2016 erneut so schlecht aussieht wie 2015?

3tens: Der Schedule. Oregon hat drei bockige Auswärtsspiele im Schedule mit @Nebraska (out of conference), @Utah und @USC. Das Glück der Ducks: Die beiden vermeintlich härtesten Konkurrenten in der Pac-12 North Division, Washington und Stanford, empfängt man in dieser Saison zuhause. Kommt Oregon gut in die Saison, ist nicht auszuschließen, dass sich die Ducks in einen Rausch spielen und die Pac-12 im Sturm nehmen. Aber wenn die Offense nicht wirklich zündet, wird die Defense noch weiter unter Druck gesetzt – und in diesem Szenario sind ein, zwei Kollapse erneut nicht auszuschließen.

4 thoughts on “Oregon Ducks | 2016/17 Vorschau

  1. Wieso erfüllt Allen nicht mehr die Kriterien als Amateursportler? Kannst du das genauer erklären?

  2. Sorry, die Information ist nicht ganz korrekt. Allen könnte kein Amateursportler mehr sein, z.B. wenn er nun im Anschluss an seinen 5ten Platz bei Olympia Startgelder oder Sponsorenverträge kassiert.

    Solange Allen darauf verzichtet, bleibt er Amateur.

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