Joey Bosa

EDIT 21h35: Bosa hat unterschrieben.


Mal kurz einen Blick auf die verhakte Situation im Vertragsstreit zwischen den San Diego Chargers und ihrem Top-Draftpick 2016, DE Joey Bosa (#3 overall), geworfen. Die Franchise hat letzte Woche eine scharfe Pressemitteilung veröffentlicht:

Kurz: Im Streit zwischen Bosa und den Chargers geht es nicht um die Höhe der Vertragssumme, sondern um den Zeitpunkt der Ausbezahlung des Handgelds, also um Cashflow. Zweiter Streitpunkt ist eine Vertragsauflösungsklausel, die dem gefeuerten Spieler das ausstehende Gehalt entweder garantiert oder mit seinem nächsten Vertrag verrechnet.

San Diego wollte keine garantierte Summe im Falle der Vertragsauflösung auszahlen. Bosa akzeptierte, unter der Voraussetzung einer sofortigen Auszahlung seines Handgeldes. San Diego lehnte ab.

Seit dem Inkrafttreten des neuen CBA (Collective Bargaining Agreement) im Jahr 2011 hat es keinen vergleichbaren Fall gegeben, dass ein Top-3 Draftpick (wie es Bosa ist) gleich diese beiden Bedingungen – Vertragsauflösungsklausel und verzögerter Cashflow – aufoktroyiert bekam.

Bosa kommt sich zurecht verarscht vor.

Im Prinzip ein lächerlicher Vorgang, aber für die Franchise der San Diego Chargers nicht ungewöhnlich. Seit Dean Spanos vor 12 Jahren die operative Führung der Franchise von seinem Vater übernommen hat, fielen die Chargers immer wieder durch knallharte Vertragsverhandlungen und absurde interne Querelen auf.

Dean Spanos ist der Mann, der 2006 Head Coach Marty Schottenheimer nach einer 14-2 Saison (!!) feuerte, weil der sich mit seinem Buddy, GM A.J. Smith, nicht verstand. Spanos installierte seinerzeit nach der Entlassung einen Defensive Coordinator, bevor er irgendwann im Februar mit Norv Turner den Head Coach einstellte.

Dean Spanos ist der Mann, wegen dem Eli Manning anno 2004 öffentlich in den Tagen vor dem Draft erklärte, als #1 Pick niemals für die San Diego Chargers auflaufen zu wollen.

Dean Spanos ist der Mann, unter dem der langjährige Pro-Bowl Safety Weddle aus dem Team geekelt wurde.

Dean Spanos ist der Mann, der die Öffentlichkeit seit Jahren belügt, wenn es um Relocation bzw. das Herauspressen von Steuergeldern zum Bau eines neuen NFL-Stadions ins San Diego geht.

Dean Spanos ist der Mann, unter dem die Chargers nun versuchen, Joey Bosa zu verarschen.

Spanos unterscheidet sich in einigen Punkten nicht wesentlich von anderen NFL-Ownern. Er differenziert sich allerdings von anderen, dass er in so vielen Punkten durch komplettes Missmanagement bzw. Unehrlichkeit auffällt.

Nicht ausgeschlossen, dass Bosa die Schnauze voll hat von San Diegos Gebahren und das komplette Jahr aussetzt um 2017 erneut in den Draft zu gehen. Das wäre ein nahezu einmaliger Vorgang in der NFL (in den 1980ern hat mal Bo Jackson ein Jahr ausgesetzt) und es würde Bosa ein Jahr mit gutem Gehalt kosten – zuzüglich zur Unsicherheit, ob er in einem Jahr noch einmal so hoch gedraftet wird. Aber dafür dürfte Bosa die Chance auf faire Behandlung in einem neuen Team bekommen.

Die Variante ist noch immer unwahrscheinlich.

Ebenso unwahrscheinlich ist ein Trade Bosas. Ein Trade vor der Vertragsunterzeichnung ist schon per NFL-Regularien seit einigen Wochen nicht mehr möglich. Ein Trade nach seiner Vertragsunterzeichnung würde San Diego viele Millionen „dead money“ kosten.

Der längste Holdout, an den ich mich entsinnen kann, war Michael Crabtree vor 6-7 Jahren, allerdings noch unter dem alten CBA. Bei Crabtree ging es um deutlich mehr als Cashflow und Ausstiegsklauseln.

Wie lange es bei Bosa noch bis zu einer eventuellen Unterzeichnung dauert, ist offen. Wenn sie überhaupt kommt.

5 thoughts on “Joey Bosa

  1. Das was du geschrieben hast stimmt ja alles. Soweit ich das mit meinem kleinsten Einblick jedenfalls beurteilen kann. Ich finde aber was etwas zu kurz kommt in deiner Darstellung was für eine Wahl Bosa hat. Ich meine wenn er das Jahr wirklich aussitzt ist die Wahrscheinlichkeit doch ziemlich gering das er wieder an 3 gedraftet wird. Dazu dann das er ein ganzes Jahr NFL verliert. Die durchschnittliche Lebensdauer einer NFL-Karriere mal abseits von den wenigen ganz großen ist ja nicht sooo lang. Ich bin jedenfalls gespannt, fürchte aber das es am Ende nur Bosa schadet wenn er nicht unterzeichnet. Sollte er das durchziehen und aussitzen werden ihm sicherlich viele Spieler „auf die Schulter klopfen“ und danken das er sich für die Rechte aller Starkt gemacht hat. Aber Geld wird er von niemanden dafür bekommen.

  2. @Marakain

    Ich stimme zu, dass für Bosa ein Aussitzen riskant gewesen wäre, aber man kann es auch anders sehen: Wenn du 100% überzeugt bist, dass du den falschen Arbeitgeber für deine Karriere hast – und die Chargers sind mit ihrer Ownerfamilie keiner der „guten“ Orte in der NFL – kann es durchaus mit Blick langfristig die bessere Option sein, sich ein anderes Team zu suchen, nach dem Motto: Lieber 5-6 gute Jahre bei einem fairen Arbeitgeber als 8 bei den Chargers, die dich nach Ende der ersten 4 Jahre eh wieder verarschen.

    Zugegeben, funktioniert bei Bosa wohl auch nur, weil er eh schon aus einer sehr gut gestellten Familie mit viel Geld kommt (Vater war NFL-Profi).

    Aber hat sich nun eh erledigt… die Mehrheit hatte recht: ca. 40% haben auf eine Unterzeichnung vor Saisonstart getippt.

  3. Gott sei Dank hat Bosa jetzt unterschrieben. Danke für deine Einschätzung zum Thema, allgemein wird ja eher Bosa als Schuldiger am Schlamassel hingestellt.

    Einschätzung zu Spanos teile ich. Der Schottenheimer Move verfolgt mich bis heute. Wie auch der Marlon McCree Play…

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