Louisiana State Tigers | 2016/17 Vorschau

Die LSU Tigers sind ein komischer Laden: Jedes Jahr einer der großen Titelfavoriten mit viel Hype, aber insgesamt nicht beständig und nicht tief genug um die übermächtigen Alabama Crimson Tide wirklich zu fordern. Dazu kommt der sehr kauzige Head Coach Les Miles, nie um einen guten Spruch verlegen, der letztes Jahr nach einem katastrophalen November fast gefeuert worden wäre.

Miles ist einer der erfolgreichsten Coaches in der Geschichte von LSU: Er gewann 2007 den National Title und wiederholte 2011 den Coup um ein Haar erneut, verlor dann aber nach einer epischen Regular Season gegen… Alabama. Er ist mit seinen Tigers jedes Jahr ein Anwärter, startete letztes Jahr 7-0, ehe man hintereinander von… *doinngggg* Alabama, Arkansas und Ole Miss zerlegt wurde – und Miles plötzlich vor dem Aus stand.

Miles überstand schließlich einen von den LSU-Boostern angeführten Putschversuch unbeschadet und konnte sich im Trainersessel halten. Das galt hernach als Überraschung. Selten, dass sich alle Medien ob einer Entlassung einig sind und dass das Athletic Department mehrfach tagt, und dass sich der Coach am Ende des Tages dennoch im Amt halten kann.

Ob der gewaltige Fan-Support und die Tatsache, dass Miles nach seinem vermeintlich letzten Spiel von seinen eigenen Spielern auf Schultern aus dem Stadion getragen wurde, half – wer weiß? Fakt ist: Miles ging aus der schweren Krise gestärkt hervor.

Vor der anstehenden Saison hat er es aus einem eher tragischen Grund nicht schwer, sein Team zu einen: Louisiana wird in diesen Tagen mal wieder von einer Flutkatastrophe heimgesucht, die Tausende ihrer Heimat beraubt. LSU wird als „Hoffnung des Staates“ ins Rennen gehen und wieder uneingeschränkten Support genießen.

Defense

Miles machte vor der anstehenden Saison einen Monster-Move: Er stellte Dave Aranda als DefCoord ein. Aranda ist ein junger Coach, für mich bislang ein unbeschriebenes Blatt, aber Chris B. Brown von Smart Football hat ihm einen eigenen Artikel gewidmet und seine Methoden beschrieben:

One way Aranda keeps his defense simple but reactive is by giving his linebackers several reads on each play that can evolve both pre- and post-snap that nevertheless are only based on a few key looks for the players. In a private whiteboard session he told some high school coaches that when teaching a defense a rival school’s coaches (I won’t name names) might might draw up 75 different looks for their players, but for his there’s only three looks. Some examples of these reads can be found in this excellent article with Aranda from Xs and Os Labs, where he talks about how he combines one-gapping and two-gapping principles to defend the spread run game.

Quelle: Smart Football.

Das Netz ist voll mit Lobeshymnen über Aranda. Seine Arbeit bei Hawaii, Utah State und Wisconsin war jeweils von extremen Verbesserungen in der Defense geprägt. Man kann von LSU mit seinem großartigen Spielermaterial also mal wieder eine monströse Defense auffahren wird – vor allem die Front Seven sollte zu den besten im Lande gehören.

Offense

Die Offense dürfte wieder extrem auf RB Leonard Fournette fokussiert sein. Fournette wird seit Jahren als angehender Superstar gehandelt und viele vergleichen ihn mit Adrian Peterson. Fournette hat letztes Jahr in seinem „Breakout“-Jahr fast 2000yds, 22 Touchdowns und 6.5yds/Carry erzielt. Dass man hernach trotzdem fast enttäuscht (!!) war, zeigt die astronomischen Erwartungen, die man an dieses Talent hatte bzw. hat.

Fournette hatte allerdings ein schlechtes Spiel: Gegen… Alabama! 19 Carries, 31 Yards brachte er nur zustande. Die Partie zeigte, was man vermutet hatte: LSU ist zu eindimensional auf Fournette zugeschnitten. Ganz ohne Entlastung geht es auch mit dem besten Back im Lande nicht.

Und genau hier beginnen die Fragezeichen, denn einen wirklich verlässlichen Quarterback gibt es bei LSU nicht. Das ist nichts Neues. Les Miles hatte nie wirklich gute Quarterbacks. Aber vielleicht ist genau das der Grund, weswegen LSU auch nie ganz das Level von Alabama erreicht hat.

Der Tigers-QB 2016 wird erneut Brandon Harris sein, kein schlechter Mann, aber mehr der Typ „Game Manager“ als der Typ Playmaker. Harris vermeidet die ganz großen Bolzen, bringt aber auch nur 53% der Pässe an den Mann. Er hat mit WR Malachi Dupre und WR Travin Dural auch nur zwei wirklich gute Anspielstationen. Hinter ihnen wird es schnell dünn.

In Kürze: Die Pass-Offense ist ein echtes Fragezeichen. LSU wird die meisten Gegner überlaufen, so Fournette (dessen Fokus schon auf der NFL liegen soll) Lust hat. Aber wenn es gegen die Elite-Truppen wie Alabama geht, brauchst du wenigstens etwas Entlastung.

Schedule

Positiv: In diesem Jahr empfängt man Alabama am 5. Oktober zuhause im vermeintlichen „Endspiel“ um den Gewinn der SEC West.

Negativ: Den letzten Sieg über Alabama feierte LSU im „Jahrhundertfestival der Punter“ 2011. Seither ist man dem großen Rivalen nicht mehr gewachsen.

Endlich mal wieder Saban zu schlagen, wäre für Les Miles sicher hilfreich, aber ich sage mal so: Wenn er den letzten November überstanden hat, wird ihn auch diesmal eine 10-2 oder so Saison nicht aus der Bahn werfen. Die Saison fühlt sich so an, als sei sie allein auf das direkte Duell mit Alabama zugeschnitten.

Mal wieder.

One thought on “Louisiana State Tigers | 2016/17 Vorschau

  1. Pingback: Eloge auf Les Miles – und was uns sonst noch an diesem Wochenende bewegte | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s