Atlanta Minnesota

Die furchtlose NFL-Vorschau 2016/17 | Die Kronprinzen

Heute Teil 3 der großen NFL-Vorschau 2016/17 mit dem Blick auf die acht Mannschaften in der NFL, bei denen ein Titel-Run nicht überraschen würde, die aber hinreichend Unzulänglichkeiten aufweisen, als dass man von einem Titel-Run ausgehen könnte.

Atlanta Falcons

Div       NFC South
Coach     Dan Quinn
Schedule  #3
Pyth      7.8
2015      8-8
Tipp      8-8

Die Atlanta Falcons waren zwischen 2008 und 2012 mehrfach sehr nahe an der NFC-Spitze, durchleben seither aber eine zähe Phase, in der man verzweifelt den Anschluss sucht. Letztes Jahr verbesserte man sich zwar wie erwartet, aber man verbesserte sich „nur“ auf 8-8 Siege, zu wenig für die hohen Erwartungen in Jahr 1 an Head Coach Dan Quinn.

Atlanta ist einer dieser Fälle, wo eine an sich starke Offense mit gutem Passspiel von schlechter Defense zu oft neutralisiert wird. Zudem haben die Falcons aufgrund eher geringer Kadertiefe bei Verletzungen schnell qualitative Probleme. Verletzungsprobleme waren 2015 kein allzu großes Problem – Atlanta war die #2 nach Adjusted Games Lost – und trotzdem kroch das Team in der zweiten Saisonhälfte nach vielversprechendem Start nur noch auf dem Zahnfleisch daher.

Prunkstück und der Hauptgrund für Atlantas Playoff-Hoffnungen ist die Pass-Offense, namentlich die Combo QB Matt Ryan und WR Julio Jones. Jones kommt von einer sensationellen Saison mit 136 Catches für 1871yds – als einzige nennenswerte Anspielstation in der Offense. Er scheint seine Fußprobleme hinter zu haben und gilt landläufig als Kandidat für den Offense-MVP.

Dass Jones nicht mehr allein auf weiter Flur ist, dafür soll der Einkauf von WR Sanu aus Cincinnati sorgen. Sanu bringt jedoch eine „Eigenschaft“ mit, die Atlanta letztes Jahr zur Genüge geplagt hat: Drops. QB Ryan litt letztes Jahr unter 37 Drops. Sanu droppte in den letzten zwei Jahren 15% seiner Anspiele.

Immerhin: Die über Jahre gescholtene Offensive Line darf nun als Stärke gesehen werden. LT Matthews machte eine erstaunliche Entwicklung durch und gab letztes Jahr nur noch 7 QB-Pressures auf. Die letztes Jahr eingekauften OG Levitre und Chester erwiesen sich als Volltreffer. Nun kommt in C Alex Mack der letzte wesentliche Baustein zur Komplettierung der Offense Line. Dahinter sollte das Laufspiel um die flinken Backs Freeman und Coleman für mehr Entlastung als zuletzt sorgen.

Für den Durchbruch braucht Atlanta aber mehr Defense als 2015, wo man 6.7 NY/A (#21 der Liga) gegen den Pass aufgab und im Laufspiel mit nur 54% Success-Rate erzielte. Atlanta hatte als Defense-Verbund genau 19 (!) Sacks. Neunzehn. Der beste Sack-Jäger war Rookie DE Beasley mit 4.

Beasley soll nun zum Strongside-Linebacker umfunktioniert werden. In 3rd Downs soll Beasley dann eine Art „LEO“ geben. Atlanta hatte letztes Jahr nur in 4.6% der 3rd Downs einen Sack, die zweitübelste Rate der NFL. Insofern ein sinnvoller Move, den vermeintlich besten Passrusher auch selbiges tun zu lassen.

Die Schwierigkeit in der Front-Seven ist das Fehlen des „einen“ Playmakers. Es gibt eine Latte an mehr oder weniger bekannten Namen wie DT Jackson, DT Hageman, DT Babineaux, DE Upshaw, DE Clayborn, Beasley oder LB Weatherspoon – keinem von ihnen vertraut man, ohne Scheming-Tricks im Passrush durchzukommen.

Aber mehr Druck ist das, was Atlanta braucht um die Secondary zu unterstützen. CB Desmond Trufant (Draft 2013) gilt als verkanntes Genie. Dahinter wird es eher dünn. Der junge CB Alford soll eher im Slot gebräuchlich sein, muss aber wohl im ersten Saisonviertel außen ran, weil CB Jalen Collins vier Spiele Dopingsperre absitzt. Mit FS Keanu Neal aus der 1ten Runde Draft soll zusätzlich Physis in das Defensive Backfield kommen: Neal gilt als Big Hitter im Stile Kam Chancellors. Eine wertvolle Eigenschaft, aber auch sie generiert nicht qua Reputation Sacks.

Quinns Meriten in Seattle waren seine straighte Arbeit, in der Defense alles „auf Linie“ zu bringen: Jeder Spieler exakt nach seinem Talent in jedem Down aufgestellt. Jeder weiß, was er zu tun hat. 2015 gab der Kader dafür zu wenig her. Jetzt ist die Defense etwas besser, weil breiter, aufgestellt.

Ich würde aber nicht drauf wetten, dass es breit genug ist. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Atlanta in diesem Jahr größere Verletzungsprobleme bekommt als noch in der letzten Saison. Mit dem drittschwersten Schedule der NFL – NFC West, AFC West plus die Positionsspiele gegen Philadelphia und Green Bay – hat man auch im Spielplan einen womöglich entscheidenden Nachteil gegenüber der Wildcard-Konkurrenz in der NFC.

Baltimore Ravens

Div       AFC North
Coach     John Harbaugh
Schedule  #26
Pyth      6.0
2015      5-11
Tipp      9-7

Die Baltimore Ravens sind einer der am besten geeigneten Tipps für das dark horse 2016. Die Ravens haben eine desaströse 5-11 Saison hinter sich, in der so ziemlich alle Fäden rissen, die reißen konnten: Eine Turnover-Bilanz von -14, eine 5-7 Bilanz in engen Spielen und eine Verletzungsorgie, die sie bis auf #30 der Adjusted-Games Lost Liste runterschoss.

Baltimore beendete die Saison ohne Starting-QB, ohne seine besten zwei Runningbacks und Wide Receivers, ohne die beiden besten Tight End, ohne Center und Left Tackle und musste bereits ab Woche 1 ihren wichtigsten Verteidiger in OLB Terrell Suggs vorgeben.

Keine Frage: 5-11 war trotzdem enttäuschend. Baltimore hätte in der ersten Saisonphase, als man noch relativ gesund war, gegen durchschnittliche Gegner gar nicht in Verlegenheit eines knappen Spiels geraten dürfen. Dennoch: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.

Die Ravens haben unter Head Coach John Harbaugh eine zu lange Geschichte von Stabilität und Erfolg, als dass ein schlechtes Jahr meine Erwartungen gleich massiv dämpfen würde. Die Star-Passrusher Suggs und Dumervil sind mit 34 bzw. 32 und einigen Verletzungen natürlich schon lange im Herbst der Karriere, aber der Kader ist seit Jahren dezent nachgerüstet worden.

In der Offense hatte OffCoord Marc Trestman 2015 kaum Chancen, sich zu beweisen, da quasi von Woche 1 an die Spieler Richtung IR wanderten. Trestman gilt als QB-Flüsterer, unter dem z.B. ein QB Cutler sein bestes Jahr hatte. Für einen „anderen“ Problem-QB könnte Trestman Gold wert sein: Joe Flacco, der nach Kreuzbandriss wieder da ist.

Flacco gehört dank seines Superbowl-Runs zur „Eli-Manning-Kategorie“ der notorisch überschätzten Quarterbacks. Er hatte im Prinzip nur eine einzige wirklich erstklassige Saison (2014). Sein Karriere-Schnitt von 6.1 NY/A ist bloß unteres Mittelmaß. Seine Rückkehr dürfte aber Effizienz und Turnovers (Baltimores Offense war mit 3.1% INT-Quote und insgesamt 28 Turnovers in Geberlaune) ein Segen sein.

Flacco bedient einen Receiving-Corp, dessen Qualität man schlicht nicht vorhersagen kann: WR Steve Smith ist 37 und kehrt von Achillessehnenverletzung zurück. Man würde vermuten, das ist das Ende, aber es handelt sich um Steve Smith. Sein Ersatz, WR Aiken, spielte sich in Smiths Abwesenheit massiv in den Vordergrund. Dahinter gibt es den Sprintstar WR Breshad Perriman, 1st Rounder 2015, den noch Verletzungssorgen plagen. Plus ein TE-Trio aus Gillmore, Maxx Williams und Pitta, das als Komplex jederzeit für Nadelstiche gut ist.

Die Offensive Line muss den Abgang vom hochgelobten OG Osemele verkraften. Er wird durch die interne Lösung OG Urschel ersetzt. In der Offense Line stößt zudem OT Ronnie Stanley via Draft hinzu. Die Line wird gut sein, aber sie wird nicht mehr so dominant wie in den letzten 2-3 Jahren sein. Laufspiel wird kein großartiger Fokus sein, aber ein nettes Feature für zwischendurch.

Die Ravens-Defense, letztes Jahr mit 6.4 NY/A gegen den Pass nur Durchschnitt, dürfte ein starker Regressionskandidat dorthin sein, wo sie sich seit Jahren bewegt: Im Spitzenfeld. Nicht nur, dass Suggs für vielleicht ein letztes Jahr zurückkehrt. Nicht bloß, dass mit DE Correa schon sein Nachfolger hoch gedraftet wurde. Nein, Baltimore dürfte auch gute Chancen haben, die mit 1.1% unterirdisch niedrige Interception-Quote zu verbessern. In den Jahren zuvor hatte Baltimore immer über 2%, meistens über 2.5% INT-Quote. Stell dir vor, du hast statt 6 INT plötzlich 12 oder 15: Ein massiver Unterschied.

Eine Problemzone der letzten Saison war die Front Seven: DT Timmy Jernigan und LB C.J. Mosley galten in ihrem jeweils zweiten Jahr als herbe Enttäuschungen. Vieles wird dran liegen, dieses junge Duo wieder gerade zu biegen. Ohne Suggs und mit halbierter Wucht über die Mitte war Baltimore vor allem in 3rd Downs ein laues Lüftchen, brachte nur in 36% der Snaps QB-Pressure zustande, #32 der Liga.

Die größte Änderung gibt es aber im Defensive Backfield, wo SS Eric Weddle aus San Diego geholt wurde. Weddle baute mit 31 zuletzt ab, war aber jahrelang All-Pro bei den Chargers. Er stopft gemeinsam mit dem zum Free Safety umfunktionierten Lardarius Webb das zuletzt klaffende Loch in der Spielfeldmitte.

Glückt der Safety-Move und sticht der Passrush zumindest in Anflügen besser, werden die Ravens auch mit dezent lauwarmem Personal auf Cornerback durchkommen, wie sie es seit Jahren taten.

Es gibt natürlich Fragezeichen in Baltimore, gerade nach der missglückten letzten Saison. Aber mein Adlerauge sieht die jahrelange Konstanz in der gesamten Organisation. Der Ausreißer war eher 2015, nicht die vielen starken bis sehr starken Jahre zuvor. Harbaugh ist nach wie vor einer der verlässlichsten Head Coaches. Das Defense-Wissen um den DefCoord Dean Pees möchte noch immer jede andere Franchise anzapfen, und im Draften macht GM Newsome keiner so schnell was vor. Wenn den Ravens Umschwünge im Pass Rush und Turnovers gelingen, sind sie schon wieder voll im AFC-Playoffrennen.

Houston Texans

Div       AFC South
Coach     Bill O'Brien
Schedule  #10
Pyth      8.8
2015      9-7
Tipp      8-8

Die Houston Texans sind der amtierende Gewinner der AFC South Division, wo sie sich letztes Jahr auf Felgen mit 9-7 in die Playoffs schleppen konnten, ehe sie brutal vor eigenen Fans von den Kansas City Chiefs niedergemacht wurden. Heftig fielen die Reaktionen vor allem hinsichtlich des enttäuschenden Passspiels auf, das in 37 Dropbacks 121 (!!) Yards aufs Parkett „zauberte“.

Als Reaktion wurde QB Hoyer gefeuert und durch QB Osweiler aus Denver ersetzt. Osweiler klingt gut, weil er letztes Jahr 5 von 7 Spielen mit den Broncos gewonnen hat, aber Osweiler hat bei genauem Hinsehen mit ähnlichem Spielerpersonal wie jetzt in Houston auch nur 6.1 NY/A fabriziert.

Osweiler ist in seinem fünften Profijahr, hat aber kaum Erfahrung. Er hat erst 305 Pässe geworfen. Trotzdem erwartet man nun von ihm, dass er die Texans-Offense anführt. Er sollte aber zumindest ein Upgrade gegenüber dem QB-Quartett sein, das Houston letztes Jahr durchschleifen musste: Hoyer, Weeden, Mallett, Yates.

Das Front Office versuchte, auch abseits der Quarterback-Position Qualität und Breite zu holen. Die Offensive Line sieht in OG Jeff Allen (aus Kansas City), C Nick Martin (Draft) und OT Bergstrom drei Zugänge, davon erstere zwei als Starter, und sollte zu den besseren im Lande gehören.

RB Lamar Miller bringt mehr Power in die Offense. Miller galt in Miami als komplett falsch eingesetzt. Er ist ein eigentlich kompletter Back, der in Spitzenzeiten 46-49% Erfolgsquote eingefahren hat – hinter einer schlechten Offensive Line (plus 2.8yds nach Erstkontakt). Laufspiel ist in Houstons Offense wichtiger als in anderen NFL-Offenses, und nach einem Jahr, in dem nur ein RB über 3.5yds/Carry hatte, dürfte Miller mit offenen Armen empfangen werden.

Im Receiving-Corp ist mit der Einberufung von WR Will Fuller (1te Runde) zumindest die Strategie klar: Speed, um die Defense auseinanderzuziehen. Inwiefern sich das mit einem Receiver, der fast 15% seiner Anspiele droppt, in der Praxis in gefährliches tiefes Spiel umsetzbar ist, muss sich aber noch zeigen. Fakt ist jedenfalls, dass sich Fuller auf dem Blatt gut mit dem WR-Monster Nuk Hopkins (letztes Jahr über 1500yds mit besagten Quarterbacks) ergänzt. Dahinter wird es aber schnell dünn, müssen sich unerprobte oder fangschwache Leute wie WR Baxton Miller, WR Strong oder TE Fiedorowicz die Anspiele teilen.

Gelingt den Texans aber ihr sehnlichster Wunsch, ist die Offense eh nur By-Product. Denn insgeheim hofft man, sich vor allem mit Defense durchzuschlingeln. Schon letztes Jahr war die Texans-Offense mit 5.7 NY/A die #4 gegen den Pass. Die Sack-Quote von 7.5% gehört auch zu den besseren und war mi 11.5% in 3rd Downs sogar die beste.

Natürlich beginnt und endet die Abwehr bei DE J.J. Watt, dem womöglich besten Footballverteidiger aller Zeiten. Watt galt 2015 als angeschlagen und brachte trotzdem obszöne 17.5 Sacks und 90 QB-Pressures zustande.

Die Hoffnung in Houston ist, dass sich an der Gegenflanke zu Watt der Top-Pick von 2014, Jadeveon Clowney, nach überstandenen Verletzungsproblemen zu einer Art „neuem Watt“ entwickeln kann. Clowney gilt seit vielen Jahren als Riesentalent. Er verpasste aber zu viele Spiele. Es geht die Angst um, dass Clowney nie sein ganzes Potenzial abrufen kann, aber in limitierter Einsatzzeit soll er 2015 schon sehr ordentlich ausgesehen haben. In OLB Mercilus durfte ein weiterer einstiger 1st Rounder im Kader bleiben. Bei ihm fürchtet man, dass er nach seinem „Contract Jahr“ satt ist.

Insgesamt dürfte Houstons Front Seven unter Anleitung von DefCoord Crennell erneut zu den besten, tiefsten gehören. Man ist auf Linebacker nicht mehr von Brian Cushing abhängig, weil sich McKinney und Bullough recht gut entwickelt haben.

In der Secondary kann man sich auf die „J“, das CB-Trio Joseph / Jackson / Johnson, verlassen. Joseph wird seine Supersaison 2015 kaum wiederholen (16 Pass Defenses), aber dafür sagte man zuletzt Johnson aufsteigende Form nach. Weit sollte Houstons Defense nicht abfallen.

Head Coach Bill O’Brien hat einen sehr guten Kader beisammen, aber es gibt den einen großen Knackpunkt: Osweiler. Um ihn herum wurden viele Moves gemacht, und mehr machen Sinn als nicht. Die Defense hat Potenzial für Gewaltiges, wenn Clowney aufblüht, aber auch das ist ein „wenn“.

Indianapolis Colts

Div       AFC South
Coach     Chuck Pagano
Schedule  #20
Pyth      6.0
2015      8-8
Tipp      9-7

Die Indianapolis Colts bewiesen 2015 eindrucksvoll, dass ihr vorherigen Ausscheiden im AFC-Finale der Saison 2014 nicht allein auf zu wobbelige Footbälle zurückzuführen war: Man erlebte eine Erdung auf 8-8 Bilanz in der schlechtesten Division der NFL, der AFC South, mit Pythagoreischer Erwartung von ganzen 6.0 Siegen und 7-4 Bilanz in engen Spielen.

Als Reaktion auf die enttäuschende Saison gab der weltgrößte Visionär aller Zeiten, Colts-Owner Jim Irsay, den völlig verstrittenen GM Grigson und Head Coach Pagano jeweils Vertragsverlängerungen (sic!). Aber hat man wirklich mit Grigson und Pagano verlängert? Denn die Aktionen in der Offseason hatten null Wiedererkennungswert: Nicht ein einziger abgehalfterter Altstar wurde für überteuerte Kohle verpflichtet, ja nicht einmal ein bekannter Free Agent!

Die nennenswerteste Aktion war der längst erwartete Rekordvertrag für Franchise-QB Andrew Luck. Angesichts meiner immensen Skepsis gegenüber der gewohnten Einkaufspolitik in Indianapolis kann das nur Gutes bedeuten.

Warum ich an die Colts 2016 glaube?

Antwort: „Es kann nur besser werden.“

Lucks 2015 war Horror: 9 Spiele verletzt draußen, und auf dem Feld vergleichsweise sehr enttäuschende 5.8 NY/A, mit einer fulminanten INT-Quote von 4.1% und nur 55% Completion-Rate. Es war eine Offense komplett out of sync. Luck wurde gekillt.

Seine Rückkehr ist der größte Hoffnungsträger der Colts. Luck hat in seinen ersten NFL-Jahren bewiesen, dass er die Offense notfalls auch ohne Protection (jeweils über 100 Hits/Jahr in seinen ersten drei Jahren, NFL-Rekord) und Laufspiel durchschleifen kann. Er ist nicht immer fehlerfrei und in seiner Entwicklung noch kein fertiges Produkt, jedoch von einer Aura der Unbesiegbarkeit umgeben. Die ist auch von der Verletzung letztes Jahr nicht zu brechen. Luck ist jederzeit für 7 NY/A über die Saison gut – mit solchen Werten kannst du jeden schlagen.

2016 ist eigentlich alles angerichtet für Lucks Breakout. Der neue OffCoord Chudzinski steht für intelligentes Play-Calling, das den Stärken seiner Spieler entgegenkommt. Die Offense Line, ein Killer der letzten Jahre, wurde in der Offseason via Draft gleich doppelt verstärkt: C Ryan Kelly aus Alabama in Runde 1, OT Le’Raven Clark in Runde 3. Vor allem Kelly wird bereits hymnisch besungen. Die Chancen stehen gut, dass dieser Berg von Luck erstmals ohne die gewohnte Tracht Prügel durch die Saison kommt.

Der Receiving-Corp ist theoretisch mehr als ausreichend: TY Hilton, Philipp Dorsett, Donte Moncrief plus TE Dwayne Allen bilden einen vielseitigen Kern und machten TE Fleener (zu den Saints) entbehrlich. Auf Runningback sieht es düsterer aus, aber vielleicht hat der 33-jährige Frank Gore (letztes Jahr nur 3.7yds/Carry, allerdings ohne Passspiel-Entlastung) noch ein letztes brauchbares Jahr im Tank.

In der Defense fehlt mir das Vertrauen in den Pass Rush. OLB Mathis ist 35 und wird irgendwann die Zeichen der Zeit spüren. Als junger Hoffnungsträger gilt DE Henry Anderson, der in 8 Einsätzen als Rookie zwar nur einen Sack, aber 24 QB-Pressures hatte – von der schwierigen 3-4 DE Position aus.

Auf Linebacker wurde Jerrell Freeman nach etlichen guten Jahren ziehen gelassen, in der Secondary ist alles auf CB Vontae Davis (der aber noch einen Monat verletzt fehlt) ausgerichtet. Personell klingt die Defense bestenfalls unterdurchschnittlich besetzt, und dennoch war sie in den letzten Jahren nie eine so große Sollbruchstelle, wie man erwartet hätte: 2015 wieder #16 overall mit 6.6 NY/A gegen den Pass und 61% Erfolgsquote gegen den Lauf.

Indianapolis ist nicht als vollwertiger Titelfavorit zu erwarten, dafür ist man in Laufspiel und Pass-Coverage zu suspekt besetzt, aber allein das Passfeuerwerk sollte ausreichen um die noch immer in der Entwicklung harrende AFC South zu gewinnen. Ein 9-7 sollte mit einem gesunden QB Luck durchaus drin sein.

Minnesota Vikings

Div       NFC North
Coach     Mike Zimmer
Schedule  #8
Pyth      9.8
2015      11-5
Tipp      8-8

Bei den Minnesota Vikings sieht jeder seit Jahren, dass der Durchbruch dieser jungen Mannschaft nur eine Frage der Zeit ist. Letztes Jahr gewannen die Vikes mit 11-5 Bilanz sogar schon die NFC North und scheiterten in den Playoffs nur äußerst unglücklich am Topfavoriten Seattle – und dennoch fühlte sich die Saison wie „noch nicht angekommen“ an.

Das liegt vor allem an der enttäuschenden Pass-Offense, die angeführt von QB Teddy Bridgewater nur 5.8 NY/A zustande brachte, der 25-beste Wert der NFL. Als Bridgewater-Fan seit Jahren muss ich eingestehen, dass ich vom Teddy mehr erwartet hatte. Ich war gespannt auf das Auftreten der Vikes-Offense 2016…

…und dann schneite die Horrornachricht von Teddys Ausfall für die komplette Saison wegen eines komplizierten Kreuzbandrisses herein. Die Vikings-Saison hätte ich trotzdem nicht abgeschrieben: Zu wenig dominant war Bridgewater, zu weit waren die Vikings auch mit seinen Limitierungen bereits gekommen.

Als Reaktion auf Teddys Verletzung blätterten das Front Office um GM Rick Spielman am Samstag kurzerhand einen 1st Rounder für den Bridgewater-Ersatz QB Sam Bradford auf den Tisch. Bradford – notwendige Anpassung oder erste Anzeichen des “Mad Scientist-Syndrom“, das aus Angst an Schrauben dreht, die nicht gedreht werden müssen?

Ich tendiere stark zu Letzterem, was auch daran liegen mag, dass der designierte Backup-QB Shaun Hill einst anno 2010 ein Jahr lang Matt Stafford hervorragend ersetzen konnte. Bradford bringt im Idealfall aber eines: Kadertiefe bei den Quarterbacks.

Saufen Schreiben wir uns den Katastrophen-Trade schön: Bradford ist ein ähnlicher Spielertyp wie Bridgewater. Er ist „nur“ Opportunity Cost für eine Mannschaft, die eh genügend junges Talent und viele Draftpicks gehortet hat. Da kannste einen 1st Rounder schonmal zum Fenster rauswerfen.

OffCoord Norv Turner, der am liebsten häufig tief gehen würde, muss mit Bradford (wie auch mit Bridgewater) eher kurze Passrouten designen. Vielleicht griff man genau deswegen im Draft mit WR Laquon Treadwell auf einen klassischen „possession receiver“ zurück – sichere Anspielstation für kurze Bälle, aber kein Mann, der allein qua Speed die Defense auseinanderzuziehen vermag. Einen deep threat können die Vikes-QBs eh nicht bedienen.

Etwas offen ist die genaue Snap-Verteilung hinter Treadwell, der schnell liefern muss: WR Diggs war die Überraschung von 2015 schlechthin, dazu kommen WR Charlie Johnson und TE Rudolph, die im Verbund Jarius Wright verdrängt haben sollen.

Erschwerend dazu operiert in Minnesota die problematische Offensive Line: LT Kalil ist auch nach drei üblen Jahren noch Stammspieler, und Bridgewater war die letzten Jahre über der am meisten gejagte Quarterback in der NFL. Mit OG Boone aus San Francisco und OT Smith aus Cincinnati wurden zwei neue Starter verpflichtet.

Zumindest Laufspiel sollte passen, solange RB Peterson fit bleibt. Peterson ist schwache Offense Line wurscht, er bringt trotzdem seine 4.5yds/Carry und 49% Success-Rate zustande. Vorstellungen wie in Atlanta letztes Jahr werden seine Legende nur weiter in den Himmel schreiben – auf ihn wird es in diesem Jahr mehr denn je ankommen.

Warum ich fast geneigt bin, die Vikings trotz Bridgewaters Ausfall in die Playoffs zu schreiben? Die Defense. Zum ersten versteht Mike Zimmer das eine oder andere von NFL-Defense. Zum anderen ist in Minnesota wirklich exzellentes junges Spielermaterial über viele Drafts angehäuft worden.

Die „Innenverteidigung“ mit DT Joseph, DT Floyd und DT Johnson ist eine der tiefsten im Lande. An den Flanken brechen mit DE Griffen, DE Hunter und DE Robinson Leute für rund 20 Sacks herein. Dahinter deckt mit OLB Anthony Barr einer der vielseitigsten jungen Verteidiger das Feld ab – Resultat: Minnesota kassierte nur 7 Rush-TD und machte 43 Sacks. Viele Gegner kamen gar nicht dazu, die Mega-Sollbruchstelle LB Greenway als solche zu enttarnen.

Das Defensive Backfield mit Superstar-SS Harrison Smith sowie einem exzellenten CB-Trio aus Waynes, Rhodes und Newman rundet eine Pass-Defense ab, die letztes Jahr 6.0 NY/A kassierte (#9 der Liga) und diesmal vielleicht sogar noch dichter steht.

Fazit: Der Kader ist ähnlich wie Oakland oder Jacksonville nahezu „ready“ – ich halte Minnesota für das reifste dieser drei dark horses. Trotzdem traue ich dem Team noch nicht völlig, und das liegt nicht allein an Bridgewaters Verletzung. 2015 brachte zwar den Gewinn der NFC North mit 11-5 und eine starke Playoff-Performance, aber der Pythagorean ließ nur 9.8 Siege erwarten.

Die Mannschaft ist jung, mit viel Potenzial gesegnet und wird irgendwann „über den Hügel kommen“, aber das passiert erst, wenn Bridgewater wieder fit und in der Lage ist, seine körperlichen Limits mit mentaler Stärke à la Brady light zu kaschieren.

New Orleans Saints

Div       NFC South
Coach     Sean Payton
Schedule  #7
Pyth      6.4
2015      7-9
Tipp      9-7

Die New Orleans Saints charakterisieren sich durch alljährlich starke Offense, deren Stärken von übler eigener Defense negiert werden. Allerdings stellen die Saints alle 3-4 Jahre eine kompetente Defense auf das Feld – und in diesen Jahren sind sie ein brandgefährlicher Titelanwärter. So 2006. So 2009. So 2011. So 2013. In all diesen Jahren war New Orleans heißer Anwärter.

In den anderen Jahren spielte man um die Touchdown-Krone und landete „dank“ Defense bei 7-9. Die Frage ist: Was ist 2016?

2015 war Defense Marke „absurd“: 7.9 NY/A sind unterste Schublade, #32 der Liga und in Sphären der sieglosen Lions-Mannschaft von 2008. Zum Vergleich: Die Saints-Passdefense war von der #31 der Liga (Cleveland) nach NY/A so weit entfernt wie die #31 von der #21 (Atlanta). Als Schuldige wurden gleichermaßen der nonexistente Passrush (nur 31 Sacks) und die löchrige Deckung ausgemacht.

Wenn eine so schwache Pass-Defense dann noch zusätzlich nur 1.7 INT-Quote (#27 der Liga), also fast keine Turnovers produziert, bist du in der gegenwärtigen NFL auf verlorenem Posten. Nicht zu vergessen, dass mit 55% Erfolgsquote und 5.0yds/Carry auch der Lauf auf einem „Flop 5“ Niveau verteidigt wurde. Dass die Saints trotzdem sieben Siege einfuhren, ist Testament genug für die Potenz der Offense.

New Orleans waren Cap-bedingt etwas die Hände gebunden, aber man hat doch Aktionen gesetzt: DefCoord Rob Ryan wurde gegen Dennis Allen ausgetauscht, den ehemaligen Defense-Mind unter John Fox. Besorgnis erregend: Allen war schon letztes Jahr als Art „Defense-Berater“ in New Orleans am Werk. Entweder Allens gute Ratschläge wurden nicht angenommen, oder er hatte keine guten Ratschläge.

Personell wurde die Defense Line mit zwei durchaus großen Talenten aufgebolstert: Rookie-DT Sheldon Rankins aus der 1ten Runde und DT Nick Fairley. Vor allem der hochveranlagte Fairley ist ein verkanntes Genie, der in Detroit und St Louis überraschend schnell fallengelassen wurde. Die beiden Tackles sollten im Verbund mit DE Cameron Jordan sowie dem dahinter operierenden LB Stephane Anthony zumindest etwas mehr Saft entgegensetzen.

Im Defensive Backfield gilt CB Browners Abgang als „Addition durch Subtraktion“: Browner kassierte in limitierter Einsatzzeiot über 40 Catches und 600yds und legte 16 Penaltys oben drauf. Viel unterirdischer geht nicht. Jetzt, wo CB Lewis und CB Breaux wieder einsatzfähig sind, sollte es etwas besser werden. Auf Safety galten FS Byrd und SS Vaccaro nicht mehr als Vollkatastrophe vergangener Jahre – und nun bekommen sie in Ohio States Vonn Bell noch einen Backup für die Dime- und Nickel-Defense. Also: Besserung in Sicht.

Warum ich glaube, dass die Saints-Offense halten wird? Einfach: Die Saints sind quasi eine Garantie auf Top-Offense, solange Head Coach Sean Payton und QB Drew Brees am Ruder sind. 2015 war keine Ausnahme: 7.1 NY/A sind der 3t-beste Wert in der Liga im Passspiel, und obwohl man Brees auf dem absteigenden Ast sah, hat der Mann nur eine Interception-Quote von 1.8% fabriziert. Das ist der 4t-beste Wert. Und das, obwohl Brees aufgrund der absurden Defense häufig in Rückstand werfen musste – wo Quarterbacks riskanter spielen und natürlicherweise mehr Fehler begehen.

Brees hatte wohl einige „Highlight-INTs“ im falschen Moment. Die blieben hängen. Der überwiegende Teil der Saison war äußerst produktiv und es gibt keine Anzeichen, dass der 36-jährige Brees dem Alter zum Opfer fällt oder der support-Cast auseinander fällt.

Die Offense Line sollte, wenn LT Armstead in Kürze wieder voll einsatzfähig ist, mehr als in den letzten Jahren noch eine Stärke sein. Auf Wide Receiver wurde der langjährige Brees-Partner Colston durch den Rookie Michael Thomas (2te Runde) ersetzt. Mit Thomas, Speedster Brandin Cooks und dem neu eingekauften, hoch aufgeschossenen TE Fleener (kommt aus Indianapolis) dürfte der Receiving-Corp nicht schlechter sein als in den letzten Jahren.

Angenommen, die Pass-Offense hält ihren Level: Alles, was New Orleans für das Ausstrahlen echter Gefahr braucht, ist eine – sagen wir – 28t-beste Defense. Also eine Verbesserung um fünf Plätze. Ist das undenkbar? Nope. Ist das Erobern des einen oder anderen Turnovers mehr undenkbar? Never.

New Orleans ist dank seiner Super-Offense ein gefährlicher Außenseiter im Playoff-Rennen der NFC, wenn nur einige der Moves in der Defense klicken.

New York Giants

Div       NFC East
Coach     Ben McAdoo
Schedule  #31
Pyth      7.5
2015      6-10
Tipp      9-7

Die New York Giants gehen zum ersten Mal seit 12 Jahren mit einem Head Coach in die Saison, der nicht Tom Coughlin heißt: Coughlin, zweifacher Superbowl-Gewinner mit der Mannschaft, wurde nach Ende der letzten Saison 69-jährig in den Ruhestand gedrängt und soll darüber nicht höchst amused gewesen sein. Sein Nachfolger in New York ist eine interne Lösung: Ben McAdoo, in den letzten zwei Jahren Giants-OffCoord – der Mann, mit der sehr interessanten Ansicht über den überschätztesten Faktor im Football.

Die Giants sind durch die Verletzung von Cowboys-QB Tony Romo zum Favoriten in der NFC East geworden. Sie haben in der Offseason ihren Receiving-Corp und ihre Defense aufgemotzt und sollten zumindest auf dem Papier deutlich besser aufgestellt sein als 2015.

Dazu kommen die „Hidden Champs“: New York war letztes Jahr 3-8 in engen Spielen, und auch wenn man nur 6-10 Siege holte, so ist die Pythagoreische Erwartung mit 7.5 Siegen doch eineinhalb Spiele höher angesiedelt.

Eine Stärke der Giants sollte trotz der abfallenden Leistungskurve in den letzten 2-3 Jahren weiterhin das Passspiel in der Offense sein: QB Eli Manning bringt immerhin noch 6.7 NY/A zustande, ein überdurchschnittlicher Wert. Manning dürfte in diesem Jahr auch seinen besten WR-Corp seit etlichen Jahren haben, denn zuzüglich zum unbeschreiblichen Odell Beckham kehrt Slot-WR Victor Cruz zurück und stößt der umjubelte Rookie-WR Sterling Shepard zum Team.

Kritischer Punkt ist wie immer die Offense Line. Die Hoffnung ist, dass der junge LT Flowers im zweiten Jahr sein Potenzial abrufen kann, aber auf der rechten Flanke sieht es düster aus. Weil hinter der Line außerhalb von Shane Vereen kein weiterer wirklich guter Ballträger operiert, erwartet man vom Laufspiel keine echte Entlastung für Manning.

Die Defense wird aufgemöbelt durch die Verpflichtung von DE Vernon, der für einen Monstervertrag aus Miami kommt, sowie die Vollzeit-Rückkehr von DE Pierre-Paul, letztes Jahr durch den Verlust zweier Finger gehandicappt. Die sind zwar nicht nachgewachsen und Pierre-Paul hatte 2015 nur einen Sack, aber gute Werte bei QB-Hits und Hurries. Das spricht für einen deutlichen Anstieg der Sacks. Bei Vernon ist noch aufzupassen: Die letzten Wochen von 2015 waren überragend, aber bei Spielern im „Contract-Jahr“ lässt du besser erstmal Vorsicht walten.

Dennoch sollte die Defensive Line eine Stärke sein: DT Hankins gilt seit Jahren als Konstante, DT Harrison kommt vom Stadtrivalen Jets um die Run-Defense (2015 mit 58% deutlich unterdurchschnittlich) aufzumotzen.

Für die Pass-Defense holte man in der Free Agency CB Jenkins von den Rams und via Draft CB Apple als dritten Mann hinter Rodgers-Cromartie. Von FS Collins erwartet man nach einem starken Finish seiner Rookiesaison gute Dinge. Damit ist New York auf dem Blatt wahrscheinlich die am besten aufgestellte Mannschaft in der NFC East.

Sie muss nun aber auch liefern. Die Giants waren die letzten Jahre nie wirklich „schlecht“ aufgestellt, haben aber mit 7-9, 6-10 und 6-10 dreimal komplett enttäuschende Ergebnisse erzielt. Teilweise war dafür auch das absurde Verletzungspech mitschuldig, denn New York schloss alle drei letzten Jahre abgeschlagen an #32 der AGL auf. Das ist verrückt. Es ist entweder fassungsloses Pech, oder die Giants trainieren im Vergleich zur restlichen NFL völlig falsch. Die Zahlen lassen tendenziell eher „Pech“ vermuten. Das sollte zusätzlich helfen.

Die Giants sind mein Favorit in der NFC East – mal wieder, muss man dazu sagen. Aber sollte die Saison halbwegs nach Skript verlaufen, ist kein Team in der Division so komplett besetzt.

New York Jets

Div       AFC East
Coach     Todd Bowles
Schedule  #2
Pyth      10.0
2015      10-6
Tipp      8-8

Die New York Jets gelten vielerorts nach ihrer überraschend positiven 10-6 Saison in 2015 als Geheimfavorit in der AFC East. Die Einstandssaison von Head Coach Todd Bowles war auch stark: Exakt 10.0 Pythagoreische Siegerwartung, und nur wenige Faktoren, die wirklich für einen zufälligen Jets-Erfolg sprechen.

Viel falsch gemacht hat man in der Offseason nicht, aber ich gebe zu, dass die Jets mein Verlegenheitskandidat in dieser Aufstellung der Kronprinzen ist. Sie sind im Ranking nur knapp oberhalb von Denver. Der Grund: Quarterback.

QB Ryan Fitzpatrick bekam nach seiner sehr guten 2015 Saison eine Weiteranstellung, allerdings erst nach monatelanger Sendepause. Er gilt als Liebling des OffCoords Chan Gailey. Fitzpatrick ist gleichzeitig Absicherung, dass New York höherwertiges QB-Spiel hat als Denver, andererseits ist er auch ein immsenses Risiko. Das liegt nicht nur an seiner oft hirnlosen Spielweise. Das liegt auch daran, dass 2015 ein großer Ausreißer in seiner Karriere war:

2015      6.6 NY/A, 2.7% INT-Quote, 3.3% Sack-Quote
Karriere  6.0 NY/A, 3.3% INT-Quote, 5.6% Sack-Quote

Aber Fitzpatrick ist mit Abstand die beste QB-Option für die Jets. Geno Smith ist in der Anhängerschaft verbrannt und Christian Hackenberg gilt als längst nicht NFL-ready.

Weitere kritische Punkte in der Offense sind WR Brandon Marshall, der noch auf jeder seiner jeweils 3-jährigen NFL-Stationen auf ein Super-Einstandsjahr ein enttäuschendes zweites Jahr folgen ließ, ehe er sich in Jahr 3 mit diversen Eskapaden selbst disqualifiziert. 2016 ist Jahr 2.

Dazu ein neuer Runningback mit dem in Chicago ohne Wehmut ziehen gelassenen 30-jährigen RB Forte und in der Offensive Line ein OT Ryan Clady, der OT Ferguson nach dessen Rücktritt ersetzen soll. Ferguson verpasste in zehn Jahren als Jets-OT genau zwei (in Großbuchstaben: ZWEI) Snaps (nicht Starts). Clady hatte in den letzten beiden verletzungsgeplagten Jahren kaum mehr als zwei Snaps am Feld.

In der Defense bleibt das DL-Trio Wilkerson, Richardson und Williams auf Jahre erhalten, zumindest, bis Richardson wieder in den Alkoholsumpf verfällt. Die Run Defense sollte ihren Level in etwa halten können, auch wenn die hervorragenden 65% Success-Rate (#2 der Liga) nicht einfach zu wiederholen sind. In Damon Harrison muss man zudem einen wichtigen Abgang in Sachen Kadertiefe verkraften, aber Harrison war ein Mann, der im Pass Rush nichts beisteuerte.

Die potenziellen Problemzonen findet man ohnehin eher in der Back-Seven: CB Revis soll massiv abgebaut haben und auf Linebacker ist man bereits so dünn besetzt, dass Rookie-OLB Darron Lee fast gezwungen ist, nicht bloß eine tragende Rolle einzunehmen, sondern diese auch noch sehr hochwertig repräsentieren muss. Ein Bowles weiß immer, wie man Druck gen QB entfacht, aber ob mit einer deutlich fragwürdigeren Secondary und wenigen guten Coverage-Linebackern noch einmal 5.9 NY/A gegen den Pass erzielt werden können (#8 der Liga), ist fraglich.

On Top: Der Schedule ist schwierig. Nach Warren Sharp die #2 der Liga. AFC East, AFC North und NFC West, gepaart mit Platzierungsspielen gegen Kansas City und Indianapolis klingen hammerhart. Wie schon geschrieben: Verlegenheitskandidat. Die Einstufung in dieser Rubrik ist ein Tribut an die Coaches Bowles und Gailey.

6 thoughts on “Die furchtlose NFL-Vorschau 2016/17 | Die Kronprinzen

  1. Interessante Aufstellung und interessante Begründungen. Ich erlaube mir aber zu widersprechen.

    Atlanta und New Orleans sind schon sehr stark „WENN“ Fälle.
    Wenn die Defense nicht mehr unterirdisch ist…
    Wenn das Running Game funktioniert…
    Wenn der Pass Rush klappt obwohl er grottenschlecht war und keine Topleute geholt wurden…
    Wenn die jungen Spieler sich entwickeln…

    Das gilt mit Verlaub für mich für alle Teams. Ich sehe, wieso die Saints mit ihrer Offense Wucht und etwas Defense Regression nach vorne kommen können, aber die FAKTEN haben ein 6.4 Pyth. Team das in 2014 + 2015 abgeschlagene Defense hatte und jetzt mit kaum Neuen Spielern plötzlich besser werden sollten…

    Atlanta ist für mich mit der non Elite Offense und den Def. Fragezeichen ein Kandidat für Bodensatz als für Playoffs.

    Jets hätte ich mit den angeführten Begründungen auch über Denver Broncos gerankt. V.a. Auch wegen dem Schedule.

  2. Die Falcons sehe ich auch eher im Niemandsland der Liga angesiedelt. Eine Tatsache die mir an OffCoordinator Kyle Shanahan schon in Cleveland auffiel ist, dass seine Offense in der ersten Saisonhälfte guten Football spielt und dann aber in der zweiten Hälfte einbricht.

    Ich habe kurz die Rushing und Passing Yards jeweils in der ersten und zweiten Saisonhälfte bei seinen letzten drei Stationen verglichen und jedes mal war ein signifikanter Abfall an Yards bemerkbar

    2013: WSH
    1-8: 146 RushY/G 261 PassY/G
    9-16: 124 RushY/G 207 PassY/G

    2014: Cle
    1-8: 112 RushY/G 214 PassY/G
    9-16: 104 RushY/G 192 PassY/G

    2015: ATL
    1-8: 126 RushY/G 288 PassY/G
    9-16: 74 RushY/G 259 PassY/G

    Die Zahlen sind ohne Berücksichtigung von Schedule oder Verletzungen. Ich finde diesen Rückgang an Yards aber schon ziemlich auffällig zumal alle drei Teams die meisten Niederlagen in der zweiten Saisonhälfte einstecken mussten.

  3. @Danks51

    Absolute Zahlen bei Rushing Yards sind immer gefährlich, weil statistisch relativ sicher erwiesen ist, dass der kausale Zusammenhang folgender ist:

    Die führende Mannschaft läuft den Ball, um die Uhr runterzuspielen.
    Die Mannschaft in Rückstand wirft den Ball, um zeitsparend Punkte aufholen zu können.

    Zumindest in Cleveland war die yds/Carry Statistik mit 3.63 in der ersten Saisonhälfte und 3.60 in der zweiten gleich.
    In Washington 5.0 vs 4.4 ein Aball, in Atlanta 4.3 vs 3.2 ein krasser Abfall. Könnte also was dran sein.

  4. Pingback: NFL Kickoff-Weekend 2016, Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s