College Football 2016, Recap – Woche 1

Ergänzend zu den Beobachtungen von #15 Houstons Upset-Sieg über #3 Oklahoma sowie den weiteren Samstagsspielen gab es auch am Sonntag und Montag äußerst sehenswerte Auftaktspiele am College Football Kickoff Weekend, das alle Erwartungen mindestens erfüllt hat.

Texas 50, Notre Dame 47 (2OT)

Die US-Medien sind begeistert: Texas ist zurück! Die Longhorns mit einer bombigen Offense-Vorstellung gegen die junge Notre-Dame Defense, was man so in der krassen Form nicht unbedingt hatte erwarten können.

Texas rotierte schön zwischen den beiden Stamm-QBs Buechele (sprich: „Buuschelll“) und dem 250 Pfund schweren QB Swoopes durch. Buechele übernahm vorwiegend den Part des Werfens (280 Pass-Yards), der Brocken Swoopes wurde als Short-Downs Rusher eingesetzt und machte 3 Rush-TD, inklusive des entscheidenden Touchdowns in der 2ten Verlängerung.

Ich schrieb bereits im Vorfeld über die neue Longhorns-Offense von OffCoord Sterlin Gilbert. Gilbert kommt aus der Schule von Art Briles, sprich krasse Spread-Offense. Aber Texas war nicht bloß Spread. Texas hatte durchaus auch Power-Elemente über den wuchtigen RB De’Onta Freeman. Dann immer wieder eingestreut diese tiefen Wurfversuche, die Notre Dames Defense ein ums andere Mal versetzten.

Das war durchaus attraktiv anzusehen von Texas. Ich könnte mir vorstellen, dass die Offense noch effizienter wird, wenn man bei Swoopes mehr Pass-Elemente einbaut bzw. den durchaus mobilen Buechele auch als Läufer einsetzt. Die Trennung war am Sonntag etwas scharf, und daher teilweise vorhersehbar.

Bei Notre Dame waren sich die beiden QBs in der Rotation vielleicht zu ähnlich: QB Kizer und QB Zaire sind ästhetisch kaum voneinander zu trennen. Am Sonntag wusste man immerhin: Geht was schief, war es Zaire. Ging was auf, war es Kizer. QB-Diskussion: TBC.

Davon ab natürlich ein sensationelles Spiel. Kurze Pässe, lange Pässe, Power-Running, ein Comeback von Notre Dame, dann Texas mit der 37-35 Antwort, und anstatt mit dem Extrapunkt auf drei Punkte zu erhöhen, blockt Notre Dame den Kick und returniert zum Ausgleich. Dann die Overtime. Die Partie hat schon jetzt Ambitionen, zu den besten des Jahres zu gehören. Instant Classic.

Florida State 45, Ole Miss 34

Das letzte Spiel von Woche 1 – auch dieses ein sehr beeindruckendes. FSU schlägt Ole Miss nach zwischenzeitlichem 6-28 Rückstand. Ein 22-Punkte Comeback! Es war ein Spiel der zwei Halbzeiten.

In der ersten dominierte Ole Miss mit seiner Offense die Partie. QB Chad Kelly sieht in Momenten, in denen er Zeit in der Pocket bekommt, wie ein echter Star-QB aus, der die verwinkelten Würfe aus dem Ärmel zaubert als wären es Anfänger-Übungen. Kelly mit fast 250 Pass-Yards allein in der ersten Hälfte.

Aber Ole Miss hatte auch Glück: Ein TD-Pass von Kelly war so genau in die Deckung geworfen, dass er in 95% der Fälle als Interception und Touchback beim Gegner landet. Und dann rennt RB Dalvin Cook unbedrängt Richtung Endzone und lässt zwei Meter davor grundlos den Ball fallen.

Nach der Pause komplett verändertes Bild: FSU dominiert in allen Belangen. DE Walker zerbröselt im Alleingang die komplette Offense Line von Ole Miss für allein 4.5 Sacks. Die Rebels-Offense kommt in der ganzen zweiten Hälfte nur noch zu 2.6yds/Play und 6 Punkten.

FSU dagegen geigt gewaltig auf: QB Deondre Francois beginnt, die ultra-aggressive Front Seven von Ole Miss für sich zu nutzen und erscrambelt in fünf Versuchen 85 Yards. Francois bekommt saubere Pocket und groovt sich zu fast 300 Pass-Yards und 2 Touchdowns. Francois sieht in manchen Momenten wie ein völlig cooler Routinier aus. Die Partie erinnerte in der zweiten Halbzeit an das famose College-Debüt von Jameis Winston, der 2013 mit FSU zu einem National-Title Run ansetzte.

Soweit will man bei FSU 2016 noch nicht gehen. Es war ein eindrucksvoller Auftritt in der zweiten Halbzeit, aber auch einer, der insgesamt noch einige Fragen offen ließ: Warum lässt sich die Defense 30 Minuten lang so locker ausspielen? Warum kam die Standard-Offense mit RB Cook (92 Yards in 23 Carries) nicht in Gang? Und war Ole Miss nach den vielen Abgängen in der Offseason überhaupt ein „würdiger“ Top-End Gegner?

Fragen, die in den nächsten Wochen und Monaten beantwortet werden. Auf alle Fälle ein vielversprechender Auftritt von FSU, und teilweise auch von Ole Miss. Beide haben einige positive Punkte vermerkt. Beide haben noch Luft nach oben.

AP Rankings nach Woche 1

#1 Alabama
#2 Clemson
#3 Florida State
#4 Ohio State
#5 Michigan
#6 Houston
#7 Stanford
#8 Washington
#9 Georgia
#10 Wisconsin
#11 Texas
#12 Michigan State
#13 Louisville
#14 Oklahoma
#15 TCU
#16 Iowa
#17 Tennessee
#18 Notre Dame
#19 Ole Miss
#20 Texas A&M
#21 LSU

#22 Oklahoma State – Es berührt nicht direkt die Oklahoma State Cowboys von 2016, aber es ist mir in den letzten Tagen über den Weg gelaufen: Ein Artikel von The Ringer, der sich mit Justin Blackmon beschäftigt, dem ehemaligen Wide Receiver von Oklahoma State, der mittlerweile komplett von der Bildfläche verschwunden ist.

Blackmon war kein gewöhnlicher Wide Receiver. Blackmon war ein absoluter Superstar bei den Cowboys, der Treiber hinter dem BCS-Lauf von Oklahoma State 2011 – gemeinsam mit QB Brandon Weeden. Blackmons Auftritt in der Fiesta Bowl 2012 gegen Stanford ist eine der Performances, die ich nie vergessen werde.

Blackmon wurde 2012 von den Jaguars an #5 in der 1ten Runde gedraftet. Sein NFL-Einstand war vielversprechend, aber seine Karriere dauerte nur 1,25 Saisons. Dann war Schluss.

Warum, ist keinem so recht klar, denn weder Blackmon, noch sein Umfeld, noch das Umfeld der Jaguars sprach jemals mit der Presse. Der Ringer zeichnet eine sehr stille Geschichte des Abgangs nach: Blackmon hielt sich zu oft in Kneipen auf. Er wurde mit Alkohol am Steuer erwischt – mehr als einmal. Er galt nie als gewalttätig, hatte sich stets im Griff.

Blackmon galt in NFL-Kreisen recht schnell als hoffnungsloser Fall. Er schien aber nie einen echten Comeback-Versuch in der NFL gestartet zu haben, noch sprach jemals jemand über einen Comeback-Versuch.

Es ist ein sehr leiser Abgang. Eine sehr leise Geschichte des… „Niedergangs“ möchte man nach der Lektüre nicht schreiben, denn man wird man das Gefühl nicht los, dass Blackmon nicht wirklich traurig ist über sein Verschwinden von der Bildfläche, über sein Aus in der NFL. Justin Blackmon ist nur noch ein Phantom.

Hier also der Lesetipp: The Disappearance of Justin Blackmon.

#23 Baylor
#24 Oregon
#25 Miami/FL

One thought on “College Football 2016, Recap – Woche 1

  1. Die ganze Woche habe ich soviel College Football wie noch nie geschaut.
    Entweder Live auf Sport1 US oder auf One Hour Football. Ich war total begeistert von einigen Spielen. Gerade Texas gegen ND hat mich begeistert. Allein schon die Stimmung im Stadion war eine Sensation. Durch Deine Previews zu einigen Unis war ich sehr neugierig🙂

    Den Artikel über Justin Blackmon kann ich auch nur jedem User hier ans Herz legen.
    In dieser Offseason haben die Jaguars seine Nr. 14 neu vergeben.
    Als Jaguars Fan finde es traurig das er nicht zurückkehrt. Vielleicht ist etwas wahres dran,
    das Blackmon auch ganz froh darüber ist sein „Leben“ ohne Öffentlichkeit zurück zu haben.

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