Das erste Highlight der Saison: New Orleans Saints vs. Oakland Raiders

Recap zur Woche 1 Partie New Orleans Saints vs Oakland Raiders. Viele bessere Spiele wird diese NFL-Saison nicht mehr bringen.

Ich hatte es schon in der Vorschau angedeutet: Für mich war das die spannendste Ansetzung von Woche 1. Inwieweit kann man eine verbesserte Saints-Defense erwarten? Wie schlägt sich Oaklands Abwehr gegen den wirklich grandiosen QB Drew Brees?


Es entwickelte sich eine furiose Partie, die lange Zeit nach Skript verlief (zumindest nach meinem Skript): Saints-Offense carvt sich durch eine etwas überschätzte Raiders-Defense, Oaklands Offense mit Problemen, das Tempo mitzugehen. Zwischenzeitlich führt New Orleans im dritten Viertel mit 24-10.

Doch Oakland kommt zurück auf 19-24. Saints erhöhen mit einem 20yds (!) Fieldgoal auf 19-27. Oakland zieht nach, und diesmal sitzt auch die 2pts-Conversion: Ausgleich. New Orleans legt dann wieder vor, 34-27. Und dann der letzte Raiders-Drive: TD, 33-34. Und Head Coach Jack Del Rio mit den ganz dicken Eiern, legt 47 Sekunden vor Schluss eine weitere 2pts-Conversion drauf – und gewinnt: WR Crabtree zum 35-34.

Saints ohne Timeouts mit einem letzten quicken Drive. Rookie-Kicker Lutz, der schon einen Kick versemmelt und beim 20-Yarder Probleme hatte, stellt sich zum entscheidenden 61-Yards Field Goal auf. Der Kick ist lang, und wird immer länger, und länger, und ist lang genug… aber dreht sich gerade um eine Stangenbreite zu weit links raus. No Good. Raiders gewinnen.


Wie nüchtern kann man ein solch fulminantes Spiel betrachten?

Vielleicht so: Die Saints gehen auf Fieldgoal von der 2-yds Line und enden mit einem weiteren Fieldgoal von der 43-yds Line. Also selbst schuld. Man muss Head Coach Sean Payton zugutehalten, dass er bereits in der 1ten Halbzeit ein kurzes 4th Down an der Goalline ausspielen ließ. Jenes war erfolgreich. Warum hat Payton es im letzten Viertel nicht erneut versucht?

Ein zweiter Knackpunkt: Das schlechte Auszeiten-Management von New Orleans nach der Pause. Schnell war man drunten bei einem Timeout. Als man den Ball in der Crunch-Time nochmal bekam, hatten die Saints noch 47 Sekunden Zeit – und nicht eine einzige Auszeit mehr. So war man nicht bloß in Zeitnot, sondern in den finalen Spielzügen auch im Play-Calling eingeschränkt.

Das waren versteckte Hemmschuhe.

Aber natürlich sehr, sehr geil von Jack Del Rio, in der Crunch-Time auf Sieg anstatt Verlängerung zu gehen. Wobei ich den Call durchaus überraschend finde. Denn es waren noch 47 Sekunden zu spielen, und du musst noch immer die Brees-Offense verteidigen. Aber wenn du die Conversion machst, dann gegen die Saints-Verteidigung. Sicher vielversprechender, als in einer eventuellen Overtime einen Saints-Drive zu stoppen. Und: Der Call bescherte dem Spiel einen zuckersüßen Moment. War es der Moment, das „Coming Out“ der Oakland Raiders?

Erkenntnisse

Die Saints-Defense mit einer durchaus gemischten Partie. In Halbzeit 1 wurde das ganz große Desaster vermieden. DefCoord Allen mit einigen schönen Pressure-Plays. Individualisten für die großen Sacks gibt es in New Orleans zu wenige, aber mit Blitzes und Stunts wurde QB Carr immerhin einige wenige Male durch das Backfield getrieben und sah sich zum Scrambeln gezwungen.

Das Problem der Saints: In Halbzeit 2 wurde es wieder grottig. CB Breaux, der als bester Manndecker gilt, war verletzt draußen. Dafür verteidigten Rookie-CBs wie Crawley oder Harris. Das konnte nicht lange gut gehen. Teilweise tingelten Oaklands Receiver mutterseelenallein durch die Secondary. Pässe, die eng verteidigt wurden, hatten Seltenheitswert. Oft siehst du wenigstens die eine oder andere Pass-Defense, aber gegen Cooper und Crabtree waren die Defensive Backs teilweise überhaupt nicht im Bilde.

Gegen den Lauf? Zu viele kurze Downs, die in 1st Downs endeten. Und dann natürlich der elendig verteidigte 75yds-Run der Raiders im letzten Viertel zum zwischenzeitlichen 27-27 Ausgleich, wo sich zwei Saints-DBs gegenseitig über den Haufen rennen.

Im Prinzip verloren die Saints die Partie mit der auseinanderfallenden Defense im letzten Viertel: Letzte drei Raiders-Drives: 3 Touchdowns, zweimal verwertete 2pts-Conversion. 22 kassierte Punkte – und das im Anschluss an einen 12 Play, 62yds Drive der Raiders zu einem Fieldgoal. Die letzten TD-Drives: 4 Plays, 60 Yards. 2 Plays, 75 Yards. 11 Plays, 75 Yards. 75 Yards nur dank neuer Kickoff-Regelung. Ansonsten wären es jeweils 80 oder mehr gewesen.


Auf der anderen Seite gibt es auch bei den Raiders noch durchaus Steigerungspotenzial. QB Carr blühte erst am Ende, als er in der Pocket ein wirklich einsames Leben führen konnte, richtig auf. Das war stark, aber Oakland wird größere Tests bekommen.

Die Raiders mit 14 Penaltys für 141 Yards. Die meisten davon waren gefühlt Defense-Holdings und Pass-Interferences. Das hatte auch einen Grund: Die Secondary war der Saints-Offense im Prinzip nicht gewachsen. Was allein CB Hayden in der Coverage aufgab, war besorgniserregend.

Natürlich wirst du nicht jeden Tag auswärts gegen den atemberaubenden Drew Brees antreten müssen, aber die Raiders kassierten dennoch mit 9.7 NY/A gegen den Pass (über 42 Passversuche!) sehr weit überdurchschnittlich viele Yards.


Kurzum: Ein massiver Auswärtssieg für die Raiders. Für New Orleans fühlt sich die gesamte Partie glaube ich hintenrum sehr depressiv an. Die Defense sieht schon am Ende des ersten Spiels sehr shot aus und muss ihren besten Manndecker auf Wochen vorgeben. Und wo die Saints punkten müssen, ist auch klar: Zu Hause. Heimniederlagen tun für die Saints immer besonders weh. Selbst wenn sie nicht gegen eine NFC-Mannschaft kommen.

11 thoughts on “Das erste Highlight der Saison: New Orleans Saints vs. Oakland Raiders

  1. Die Saints-Defense hat in der zweiten Halbzeit so gespielt, wie sie in der vorangegangen Season unter Rob Ryan und vor Übernahme D. Allen aufgehört hat. Im emergency modus des Gegners ist sie auseinander gefallen.
    Und wie die Jahre zuvor können die Saints nur gewinnen, wenn die Offense über 40 Punkte macht. Wobei ich positiv über die Offense in dem Spiel überrascht war.
    Aber eider ist der Top Offenseminded Coach, Sean Payton, kein Coach, der was von Defense und einem ausgewogenen Team versteht. Dabei haben die Saints die letzten Jahre immer die besten verfügbaren Defense-Coaches Namen eingekauft (G. Williams, Spagnolo, Rob Ryan), aber nicht mit gutem Personal unterfüttert. Eher sucht man in der Vergangenheit Systemspieler, und nicht die Spieler mit der individuellen Qualität. Am liebsten dann noch die übersehenen (ehemals verletzten) Spieler, die unter den Saints wieder aufblühen. Die qualitativen Spieler fehlen nun in allen Bereichen der Defense. In meinen Augen hat S.Payton eine Louis van Gaal Mentalität wie beim FC Bayern . „Solange ich vorne mehr Tore schieße, ist mir hinten egal.“ Oder wie M. Scholl sagte. „Er denkt, er hat den allergrößten Keks gegessen.“
    Dass ist nun dem GM Loomis und Payton auf die Füsse gefallen und so richtig finden sie den Weg nicht heraus.

    Eine erfolgreiche Saison ist noch möglich, dazu braucht es lediglich zwei Siege gegen die Falcons und die Saison ist gerettet.🙂
    Ansonsten fühlen sich die Saintsspiele seit zwei Jahren wie die in der Vor-Payton Era an. Montags bis mittwochs hat man die Schnauze voll, ab donnerstags schaut man den Saints auf den Seiten nach, spätestens am Sonntag ist man heiß das abendliche Spiel. Und dann ist wieder Montag.

  2. Sie (die Saints) kriegen vor allem die Secondary nicht gefixt. *hust* Brandon Browner #1 Corner *hust*

    In Kombination mit fragwürdigen DC-Besetzungen (grade Spagnuolo und Ryan muss man schon sehr hinterfragen, das kann man nicht nur auf das Personal schieben) ist das ein zentrales Problem in einer inzwischen sehr passfreudigen Division, in der man ständig in Domes spielt.

  3. Zwei Punkte die ich mir nicht erklären kann haben meiner Meinung nach zu dieser Saints Niederlage geführt:
    – Alle 3 Timeouts in der zweiten Halbzeit wurden ohne erkennbare Not oder Grund genommen
    – In der zweiten Hälfte haben die Saints bei Ballbesitz kaum mehr auf den Lauf gesetzt, trotz Führung und somit viel zu wenig Zeit von der Uhr genommen. Besonders im vierten Viertel.

    Hätte Sean Payton hier etwas konservativer agiert wäre es den Raiders, aus meiner Sicht, nicht mehr gelungen das Spiel zu gewinnen. Alle sprechen über die geniale Offensive und die beiden oben genannten Punkte werden irgendwie vergessen. Die Defensive hat ihren Job eigentlich bis zum entgültigen Ausfall okay genug erledigt und war dann, am Ende des Spieles ob der vielen Spielzeit (zu wenig Laufspiel durch die Offensive – Zeit von der Uhr) auch ganz schön Müde!

  4. Die Crunch Time Melt Downs der Saints Defense lassen einen schon depressiv zurück, keine Frage.

    Bessere Fragen sind:

    -Warum stellt GM Loomis im Vorfeld der Saison eine Cornerback Unit auf in der der erfahrenste Mann auf dem Platz 1 Jahr Spielerfahrung hat und nur von Rookies (meist undrafted) umgeben ist? Odell Beckham und Julio Jones freuen sich jetzt schon wie Brummkreisel auf das Spiel gegen die Saints…

    -Warum macht man den Brees Deal einen Tag vor Saisonbgeinn? Jetzt ist man locker 13 Millionen unterhalb des Caps, aber es gibt nur noch FA´s die keiner haben will…

    -Warum erwähnt keiner den fürchterlichen Mißcall der Refs beim 4th&5 der Raiders im letzten Drive wo Carr einen non-catchable Ball wirft und LB Roberston trotz erhobener Hände ne PI kassiert. Mein absoluter „Hä?!“ Moment der Woche🙂

    -Warum kassieren die Saints die letzten drei Jahre unnatürlich viele knappe (außerst knappe sogar) Niederlagen…die tun doppelt so weh wie ne 30-7 Klatsche wo man von Anfang an keine Chance auf nen Win hat.

    -Was kann Dennis Allen und seine Defense aus dem meisen Meltdown in Week 1 mitnehmen, damit man der saustarken Offense ihre verdienten Siege ermöglichen kann?

    Wird ne spannende und wiedermal nervenaufreibende Saison in New Orleans

  5. @Snoopy: Brees ist an seiner Vertragssituation der Saints sicher nicht ganz „unschuldig“. Brees war eine der Front-Figuren in den CBA-Verhandlungen 2011 und war (ist?) zeitweise Vorsitzender der Spielervertretung in der NFLPA.

    Brees kann sich schon aus politischen Gründen nicht „erlauben“ (wenn man das so formulieren kann), auch nur 1 cm von seinem längeren Hebel in den Verhandlungen mit den Saints aufzugeben.

    Auch deswegen gestalteten sich diese Verhandlungen seit Jahren eher schwierig: Saints hatten schlicht einen sehr harten Verhandlungspartner, der um seine günstige Verhandlungssituation wusste und diese gnadenlos ausnutzte.

  6. Vor der Verpflichtung waren es aber die best available coaches. Und, wenn man die Kommunikation verfolgt, ist auch fraglich, wie und wie viel HC mit seinen OC gesprochen hat. Gut, Spagnoulo war nicht unbedingt möglich.

  7. Hinzu kommt, dass Brees sagte (ist allerdings paar Jahre her), dass sein erster Vertrag mit den Saints für 6 Jahre und 60 Mio wegen seiner Schulterverletzung schon Bonus genug für die Saints war, da muss er nachträglich nichts mehr gewähren.

  8. Rob Ryan war vor einigen Jahren doch ein sehr sexy DC Kandidat.

    2013 war die Saints Defence von Ryan eine Top 5 Unit, da konnte man auch verstehen wieso man einem Jairus Byrd einen so Cap belastenden Deal gegeben hat. Ich meine das wurde auf diesem Blog auch hinreichend analysiert, wieso diese Deals zustande gekommen sind:

    https://sidelinereporter.wordpress.com/2014/03/13/jairus-byrd-kaufe-jetzt-zahle-spater/

    2014 hätte ja DAS JAHR sein sollen, aber das ist aus verschiedenen Gründen nicht eingetreten. Jetzt schleppt man sich einfach durch.

    Spags ist sicher kein guter DC, aber wie Georg schreibt, das wusste man vor ein paar Jahren noch nicht so sicher wie heute. Da waren wohl noch alle von dem Osi-Tuck Super Bowl gegen die Patriots geblendet.

    Und Brees hat den Super Bowl auch schon gewonnen. Er muss keinem was beweisen und hat seinen Discount Deal schon hinter sich.

  9. Nunja, jetzt ist Brees neuer Vertrag auch schon relativ recht franchisefreundlich, gemessen an dem was da sonst so an Forderungen im Raum ist. Hätte die Saints schlimmer treffen können, daher verstehe ich auch nicht warum so ein Vertrag der eher „harmlosen“ Art für beide Partner solange dauern mußte. Brees hat wie jeder andere der solnage im egschäft ist auch die Natur des Geschäftes in der NFL verstanden, daher komme ich gut mit seiner Verhandlungsposition zurecht.

    Der Punkt ist eher der daß man mit Leuten wie Gallette, Browner, Graham, Byrd, und jetzt auch Spiller massenhaft Millionen begraben hat die dem Team null weitergeholfen haben. Jeder der ein paar Jahre Saints Football gesehen hat weiß daß es mit Brees offensiv nur eine solide O-Line, ein mittelmäßiges Arbeitspferd als Running Back und ein paar durschnittliche bis leicht überdurchschnittliche Receiver braucht um die Offense zu einer Top 5 Unit zu machen.
    Dennoch wurde es nicht hinbekommen eine solide Defense zu draften oder mit FAs zu ergänzen. Stattdessen wurden dicke Verträge an Spieler verschwendet die schon lange nicht mehr im Kader sind, oder längst ihren Zenit überschritten haben oder frühzeitig gecuttet wurden weil das Talent oft falsch evaluiert wurde. Der diesjährige Kindergarten auf der in der heutigen NFL super wichtigen Cornerback Position ist da ja nur der neuste in einer langen Kette von Mißmanagements.

    Ist halt hart wenn man seit 2007 immer nur eine mittelmäßige Defense weit vom Super Bowl Run entfernt ist und es nur 2009, 2011 und 2013 geschafft hat diese auf den Platz zu bringen.🙂

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