NFL 2016 – Sonntagsvorschauer Woche 2

Letzte Woche hat jede Mannschaft von den Footballgöttern ein weißes Blatt Papier bekommen, auf denen sie nun ihre Saison 2016 verewigen können. Erkennen kann man darauf bis jetzt nur undefinierte Formen und vereinzelte Farbkleckse. Diese Woche wird freudig weitergemalt. Noch gibt es viel weiß.

19.00 Uhr

Saints @ Giants

Cowboys @ Redskins
Chiefs @ Texans
Ravens @ Browns
Titans @ Lions

Spiele von New Orleans muß man nicht gucken, denn die Saints sieht man eh alle drei Minuten bei Redzone. Drew Brees hat noch mit allen Stiften schöne Bilder gemalt. Diese Saison eben mit Cooks, Snead, Fleener und Michael Thomas. Auf der anderen Seite stellen die Saints für die Gegner einfach eine große Leinwand auf, auf der sich jeder künstlerisch noch so unbegabte Heini verewigen darf. Diese Leinwand wird nun durch Verletzungen auch nur noch von unerfahrenen Kids hochgehalten. Cruz und ODB werden wahrscheinlich nicht mal malen, sondern einfach durchspringen.

Bei den anderen Spielen gibt es nur ein paar interessante Farbkleckse, aber noch nichts Definiertes. Wie sieht Baltimores Offense aus, wenn sie machen können, was sie wollen? Hat Houston mit Watt / Mercilus / Clowney ein Terror-Trio und mit Osweiler einen guten QB? Hat Jason Garrett letzte Woche mit links gemalt, als die Cowboys bei First Downs öfter gepaßt haben als gelaufen sind? Sieht das für Euch nicht auch aus wie das Playoff Picture, das Matt Stafford da mit seinem dicken Pinsel durch die Lüfte schwingt? Und was soll das bitte werden, wenn’s fertig ist, Mike Mularkey?

Bengals @ Steelers (auf P7Maxx)

Das Topspiel. Und spätestens seit dem Wild Card Game im Januar im Paul Brown Stadium hat man das Gefühl: noch so ein galliges Aufeinandertreffen auf höchstem Niveau und die Ravens-Steelers-Rivalry ist nur noch die Nr. 2 in der AFC North.

Es ist mittlerweile eine sehr komplexe Offense in Pittsburgh, die alle Farben hat. Daran wurde mit viel Liebe zum Detail lange gearbeitet.

Die Amtszeit von OC Todd Haley begann 2012 sehr umstritten. Big Ben verlor seinen geliebten Bruce Arians und Haley verbot ihm seinen alten Stil. Statt nach wildem scramblen viel zu improvisieren, wurde alles viel gerader und weniger kurvig. Die Pässe sollten schneller kommen; es sollte mehr über YAC funktionieren; statt seine Gesundheit zu riskieren, sollte Roethlisberger den Ball auch einfach mal wegwerfen. Die einzigen Routes waren Screen/Go/Heath Miller.

Mittlerweile aber sieht man in Pittsburgh komplexe Bilder wie nur bei wenigen anderen Teams. Antonio Brown kann jeden schlagen und Roethlisberger kann jeden Nicht-Brown gut in Szene setzen. Es fehlen weiterhin WR Bryant und RB Bell gesperrt, aber dafür haben letzte Woche die völlig unbekannten WR Eli Rogers und TE Jesse James 11 Bälle gefangen.

Insgesamt klassischer Fall von „Spiel auf Augenhöhe“ hier. Nimmt man noch den „revenge game character“ dazu, ist es fast ein bißchen schade, daß es dieses Aufeinandertreffen schon an einem sonnigen Septembernachmittag gibt.


Dolphins @ Patriots

Bill Belichick war in der Schule der Typ, der beim Ausmalen nie über den Rand gemalt halt, denn er weiß: auf die kleinen Dinge kommt es an. Zum Beispiel auf die Field Position, wie ja auch korsakoff hier immer wieder beschreibt. Diese Saison hat sich dabei ein wichtiger Aspekt geändert: nach Touchbacks bekommt der Angriff den Ball an der 25-Yard-Linie statt an der 20.

Belichick dreht diese neue Regel nun gegen deren Intention. Statt weniger Returns will Belichick mehr. Die Bilanz von Stephen Gostkowski Letzte Woche in Arizona: zwei Touchbacks, aber vier Kickoffs an die Goal Line mit Returns zur 11-, 19-, 21- und 18-yards. Nach der Führung zum 23-21 kickt Gostkowski an die 3-Yard-Linie, der Ball wird retourniert bis an die 16; Holdingstrafe Arizona und damit 1st Down an der 8 – 17 Yards Gewinn gegenüber einem Touchback. Mit diesen 17 Yards wären Chandler Catanzaros Beine wohl stabiler gewesen, als er zum potentiellen Game Winner antrat.

Die Idee ist natürlich nur das eine, das andere ist die Umsetzung. Neben seinen starken Kickoffs hat Gostkowski auch noch drei Field Goals verwandelt, unter anderem aus 47 und 53 Yards.

49ers @ Panthers

Am 10. November 2014, vor weniger als zwei Jahren, gegen ungefähr elf Uhr Ortszeit an diesem Montagabend, umarmten sich Mark Sanchez und Chip Kelly freudig an der Seitenlinie: Sanchez hatte gerade den Touchdown zum 45-7 gegen Carolina geworfen. Wie schnell die Zeit vergeht.

Es war die vierte von sechs Niederlagen in Folge der Carolina Panthers. Seit dieser Niederlagenserie haben die Panthers überhaupt nur noch drei Spiele verloren; Chip Kelly hatte zwischenzeitlich alles verloren, was ihm lieb und teuer war.

Kellys neuer Malkasten sind die 49ers. Auf der defensiven Seite sind da zumindest einige verläßliche Stabilos dabei wie die LBs Bowman / Brooks und die DBs Bethea / Brock. Dazu ein paar Buntstifte, mit denen man eventuell schöne Bilder zeichnen kann, wenn man sie richtig anspitzt: die riesigen DL Armstead und Buckner (beide 1st-rd picks 2015 und 2016, beide von Oregon) und die jungen DBs Ward, Reid (auch beide 1st-rd picks, 2013 und 2014) und Tartt (2nd-rd pick 2015).

Der 37 Jahre junge DC Jim O’Neil ist für mich ein unbeschriebenes Blatt. Seine ersten Schritte in der NFL machte er in den Jahren 2009-12 bei den Jets unter Rex Ryan; von dort hat Mike Pettine ihn mit nach Buffalo genommen und als Pettine dann HC der Browns wurde, hat er O’Neil zum DC gemacht. Gute Schule. Und auch wenn es nur die Rams waren am Montag: einen shutout hat man in der NFL nur sehr selten.

Auf der anderen Seite des Balles hat Kelly in seiner Federmappe nur angeknabberte Stifte und ausgetrocknete Füller ohne Deckel. Dummerweise hat Carolina mit Kuechly / Davis (und vielleicht auch Thompson?) Tintenlöscher der Marke Totenkopf. Um Kellys Angriff in SF besser beurteilen zu können, sollten wir lieber einen anderen Gegner abwarten.

22.05Uhr / 22.25 Uhr

Seahawks @ Rams (auf Pro7Maxx)

Jared Goff ist jetzt schon Backup! Letzte Woche war er nichtmal im Kader als die Rams wie ein leicht zurückgebliebener Zweitklässer mit dickem Wachsmalstift eine große Null auf ihr leeres Blatt Papier gekrakelt haben.

Die Rams haben drei der letzten vier Spiele gegen Seattle gewonnen. Aber so wie die Offense letzte Woche in San Francisco aufgetreten ist, wäre schon ein FG ein großer Erfolg.

Fast schon traditionell haben die Hawks mal wieder eine schlechte O-Line. Das könnte gefährlich werden für QB Wilson. Auch hatte die Defense letzte Woche in der Secondary einige Aussetzer, die Miami aber nicht ausnutzen konnte. Ach ja, Seattle hat drei der letzten vier Spiele gegen die Rams verloren. Oh, das hatten wir schon. Das könnte tatsächlich das interessanteste Spiel werden.

Buccaneerss @ Cardinals
Falcons @ Raiders
Jaguars @ Chargers
Colts @ Broncos

Das beste Spiel natürlich ist Indy – Denver. Die Frage hier: kann Andrew Luck gegen eine starke Defense mehr Punkte machen als Trevor Siemian gegen eine schlechte? Alle anderen Spiele sind eher so mittel. Aber immerhin mal eine schöne Abwechslung, daß es im late window so viele verschiedene Bilder gibt. Da lohnt sich die Redzone.

Sunday Night Football, 02.30Uhr: Packers @ Vikings

Aaron Rodgers ist zwar Superstar, aber sympathischerweise auch immer noch Rüpel. Diese Woche war er mal wieder der Typ, der seinem Banknachbarn obszöne Kritzeleien ins Heft malt.

Es ist das erste Spiel der Vikings in ihrem bildschönen neuen Stadion. Im wöchentlichen Conference Call mit den Beat Writers der gegnerischen Mannschaft hat Rodgers sich dumm gestellt und als erstes gefragt, ob den Ragnar, das menschliche Maskottchen auch wieder mit dabei ist. Ist er natürlich nicht, weil er angeblich zu viel Geld wollte, so haben es die Vikes öffentlich dar- und Ragnar bloßgestellt.

Spielerisch steht hier Sam Bradford im Mittelpunkt, der wohl seinen ersten Start machen wird nach nur zwei Wochen mit dem neuen Team. Auf der anderen Seite ist man immer noch skeptisch gegen Green Bays Offense nach dem Gekrakel letztes Jahr. Aber Leonardo da Rodgers kann immer noch an jedem Abend ein Meisterwerk aus dem Nichts erschaffen, wie dieses Ding letzte Woche in Jacksonville.

Auch nach diesem Abend wird die NFL immer noch eher aussehen wie ein Rohrschachtest denn wie ein deutliches Bild. Aber nehmen wir, was wir kriegen können: beschäftigen wir uns mit den einzelnen Linien und Formen, bevor die Footballgötter langsam immer weiter rauszommen und das big picture erkennbarer wird.

14 thoughts on “NFL 2016 – Sonntagsvorschauer Woche 2

  1. Coole Sache, dass du wieder fast täglich postest. Danke.

    Bei den 49ers schauert es mir gegen die Panthers. Wenn man gegen die Rams richtig hingeschaut hat, waren da auch wieder die berühmten 3 and outs mit runs gegen 0 yards Richtung Seitenlinie zu sehen. Mal sehen ob Chip die heute zu Hause lässt.

  2. Bill Belichick war in der Schule der Typ, der beim Ausmalen nie über den Rand gemalt halt, denn er weiß: auf die kleinen Dinge kommt es an. – genial🙂

  3. @Korsakoff „Wie schätzt du das Spiel unserer Lions heute Abend ein?“

    Normalerweise sollte es gegen die Titans ja ein Selbstläufer werden. Aber irgendwie werde ich das ungute Gefühl nicht los, dass es nicht so einfach wie gedacht/erhofft wird oder?

  4. Coole Idee mit dem Malkasten. Sehr schöner Vorschautext. Ich bin aber der Meinung, das bei den frühen Spielen heute Abend auch Texans vs Chiefs sehr spannend werden kann. Ansonsten hat die NFL gute Begegnungen mit dabei, besonders die Rivalität zwischen Packers/Vikings lässt hoffen. Pittsburgh und Cincinnati ist natürlich auch ein Topspiel.

  5. Wie meist locker vom Hocker von Herrmann auf das Papier gebracht.
    Verwöhnt vom College Samstag mit bizarren Spielentscheidungen darf man hoffen die NFL steht dem in nichts nach.
    Könnte tatsächlich eine Saison werden die die vergangene, langweilige mit einigen dicken Highlights spickt.

  6. „Spiele von New Orleans muß man nicht gucken, denn die Saints sieht man eh alle drei Minuten bei Redzone.“
    Nice One🙂

  7. @Zillasch: Einfach wird es bestimmt nicht. Titans haben letzte Woche immerhin Peterson zerflext und nur wegen Mariotas Patzern verloren. Wird sicher ne spannende, enge Kiste.
    Bin auch mal auf Dolphins-Patriots gespannt. Pats wieder ohne Hightower und Gronk. Dazu Dolphins nicht unbedingt der Lieblingsgegner. Wenns nicht bei den Pats wäre, könnte ich mir da sogar nen Upset vorstellen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s