Akademische Viertelstunde, Week 3: Die, die oben mitspielen. Und die, die nicht wollen

Die North Dakota State Bison sind das beste Team in der FCS, der zweiten Ebene des College Football. Sie haben fünf FCS-Meisterschaften en suite gewonnen, und nachdem sie kürzlich ihren Starting-QB Carson Wentz im NFL-Draft an #2 an die Philadelphia Eagles verloren haben, gingen mit neuem Kopf in der Offense in die Saison.

Resultat: In Woche 3 schlägt das Bison (lokaler Dialekt „Bizuuun“) auswärts die #13 Iowa Hawkeyes, die letztes Jahr ungeschlagen durch die Regular Season kamen und sich für die Rose Bowl qualifizieren konnten, auswärts mit 23-21. Und es war ein verdienter Sieg.

North Dakota State mag ein FCS-Team sein, aber es ist eines der besten Footballteams im Lande. Im SRS rangieren die Bison regelmäßig irgendwo zwischen #25 und #50 inmitten von guten FBS-Mittelklasseteams wie Nebraska oder Boise State.

Trotzdem denkt niemand in North Dakota darüber nach, den Sprung in die FBS zu wagen. Die Gründe sind vielschichtig und bei genauem Hinsehen durchaus nachvollziehbar:

  1. Siegen in der FCS ist schöner als Verlieren in der FBS
  2. Mit einem Stadion von nur 9.000 Plätzen würde in der FBS ein Neubau notwendig (die FBS verlangt 15.000 Plätze minimum, und NDSU spielt in einem nicht ausbaufähigen Dome), was schnell 100 Millionen Dollar verschlingen würde.
  3. Zu wenige Booster um die notwendigen Finanzmittel aufzubringen.
  4. Schlechte Beispiele von jüngst nach oben gewechselten Teams wie UMass, das vor dem Nichts steht.

Es gibt eine ganz gute Lektüre, die beschreibt, warum NDSU den von vielen empfohlenen Wechsel in die FBS verschmäht.

Ich frage mich allerdings eine Sache: Wie lange wird NDSU noch Spielplan-Gegner für FBS-Mannschaften attraktiv sein? Ein Sieg gegen ein FCS-Team wird hinsichtlich Bowl-Qualifikation als quasi nicht stattgefundenes Spiel abgekanzelt, und eine Pleite gegen ein FCS-Team wird als Katastrophe erfasst: Iowa flog von #13 aus den Rankings.

Welchen Grund sollte es für ein FBS-Team geben, gegen das beste FCS-Team noch Spiele auszutragen, wenn du im Grunde nur verlieren kannst?

Die AP Top 25

#1 Alabama – Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber Alabama gewinnt 48-43 bei Ole Miss, dem nach Common-Sense zweitbesten Team der SEC. Alabama gräbt sich aus einem 3-24 Loch heraus und biegt die Partie, geht mit 18 Punkten in Führung. Ole Miss kommt noch einmal auf 5 Punkte heran, dann versucht Alabama, die Uhr runterzulaufen… bis RB Scarborough den Ball fumbelt… und ein Alabama-Offense Liner das Kullerei doch noch aufnimmt.

#2 Ohio State – Auswärtssieg in Oklahoma: 45-24. Ein massives Ausrufezeichen von Ohio State, das schon in den ersten beiden Wochen gegen inferiore Konkurrenz mit 70-Punkte Kantersiegen gigantisches Potenzial angedeutet hatte. Auch hier: Ich habe das Spiel nicht gesehen, aber in den Blogs und Foren wird das junge Buckeyes-Team hymnisch besungen. Mehr als einer meiner favorisierten Experten sieht in Ohio State mittlerweile den Topfavoriten auf den Titel.

#3 Louisville – Ohio State mag der Favorit sein, aber Louisville ist der heißeste Name der Runde. Louisville zerlegte das extrem hoch eingeschätzte Florida State 63-20, die höchste Pleite der Jimbo-Fisher Ära. Der Erfolg hatte einen Namen: QB Lamar Jackson, der in den USA als neuer Michael Vick gefeiert wird. Und das nicht ganz zu Unrecht. Es gibt immer wieder mobile Quarterbacks, aber selten, sehr selten, laufen auf Quarterback Jungs auf, die locker auch Cornerback spielen könnten.

RG3 war zu Baylor-Zeiten gleichzeitig Quarterback und Hürdensprinter, aber RG3 kann in Sachen Explosivität nicht mit Lamar Jackson mithalten. Wie Jackson eine Top-Defense wie FSU in ihre Einzelteile zerlegte, hatte was und kommt den ganz großen Performances ganz nah: Vince Young 2006 gegen USC, Tebow Anno 2007 gegen Kentucky, Cam Newton 2010 gegen Alabama, RG3 2011 gegen Oklahoma oder Deshaun Watson diesen Jänner im Championship Game gegen Alabama.

Louisville spielt am 1. Oktober @Clemson. Gewinnen die Cardinals auch dieses Spiel, haben sie quasi das Ticket für das ACC-Finale gebucht und können mit einem Auge bereits Richtung Playoffs schielen. Der Weg ist noch weit, aber Freunde: Gebt mir ein ungeschlagenes Louisville gegen ein ungeschlagenes Houston Ende November als „Playoff-Qualifikationsspiel“, und wir gehen im Guten auseinander.

#4 Michigan – zwei Touchdowns Rückstand gegen Colorado, aber danach einen Gang hochgeschaltet und mit 45-28 gewonnen: Michigan hat gegen ein aufstrebendes Colorado einen ersten Schrecken abgeschüttelt.

#5 Clemson – Ein Kantersieg gegen das überforderte South Carolina State. Clemson führte zur Pause 49-0. Dann entschieden die Coaches, das dritte und vierte Viertel um jeweils drei Minuten zu verkürzen, und Clemson schaltete einen Gang runter. Nach 54 Minuten Spielzeit ein 59-0.

#6 Houston
#7 Stanford
#8 Michigan State
#9 Washington
#10 Texas A&M
#11 Wisconsin
#12 Georgia

#13 Florida State – FSU zieht nach der Demontage in Louisville erstmal den Schwanz ein. Hätte Louisville nicht nach drei Vierteln das Spielen eingestellt, die Pleite wäre noch höher ausgefallen als mit 43.

#14 Tennessee – Weiterhin keine überzeugende Saison der Vols: Der 28-19 Sieg über Ohio konnte keine Zweifel an Tennessee ausräumen. Die Vols haben nun zwei von extremem Fumble-Glück begünstigte Auftaktsiege gegen Appalachian State und Virginia Tech (10 von 12 Fumbles erobert) und einen wenig inspirierenden Sieg über Ohio am Brett.

#15 Miami/FL
#16 Baylor
#17 Arkansas
#18 LSU
#19 Florida
#20 Nebraska

#21 Texas – überraschende 43-50 Pleite in einer wilden Offense-Schlacht bei Cal. Nach zwei eindrucksvollen Auftaktsiegen ist das eine schlechte

#22 San Diego State
#23 Ole Miss
#24 Utah

#25 Oklahoma – Mein Preseason-Favorit ist nach der zweiten Niederlage aus dem Rennen. Oklahoma verliert daheim 24-45 gegen Ohio State, ist aber dank seines Rufs trotz 1-2 Siegbilanz weiter in den AP Rankings vertreten.

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