NFL 2016, Woche 4: Date am Donnerstag – Dolphins @ Bengals

Es ist noch September, aber es fühlt sich schon ein bißchen an wie grauer Ligaalltag: Miami Dolphins (1-2) bei den Cincinnati Bengals (1-2) mit Jim Nantz und Phil Simms.  In Deutschland auch live und auf Abruf bei DAZN mit deutschen Kommentatoren. Nantz und Simms kann kein Mensch mehr hören, aber bei DAZN wird die Werbung nicht rausgeschnitten wie beim GamePass und händisch vorspulen verursacht jedes Mal eine 30-sekündige Ladephase, was bei 20 Werbepausen über zweieinhalb Stunden noch nerviger ist als Nantz/Simms. Bekommt das doch bitte in den Griff, liebe DAZN-Leute. Ich würde gerne mal wieder Günther Zapf hören. Und ankündigen, wer kommentiert, wäre auch toll. Alltagsprobleme.

Bisherige Alltagsprobleme der Dolphins: Gegen Seattle nur 11 First Downs; gegen New England mit Jimmy Garoppolo und Jacoby Brissett 3-31 im Rückstand; und dann am letzten Sonntag kurz nach zehn Uhr deutscher Zeit stand schon fast die gesamte Saison auf der Kippe. Ein gewisser Cody Parkey hatte bei auslaufender Spielzeit die Chance, aus 46 Yards die Dolphins mit einem Tritt zurück auf Los zu schießen.

Parkey wurde erst am Freitag unter Vertrag genommen. Wenn Deine Saison am rechten Fuß eines 24-jährigen Arbeitslosen hängt, der mal eben 40 Stunden vor Kickoff von der Straße aufgelesen wurde, dann läuft bei Dir irgendwas verkehrt. Andererseits hast Du aber auch unverdientes Glück: Parkey verschießt natürlich den potentiellen Sieg für die Browns – nachdem er vorher schon zwei Field Goals versemmelt hat. Gegen die Cleveland Browns, bei denen Rookie Cody Kessler und Ex-Quarterback Terrelle Pryor Quarterback gespielt haben. Gegen die Cleveland Browns fast verloren, bei denen die wenigen halbwegs talentierten Spieler entweder im Sommer gegangen oder aktuell beim Arzt sind. So hat man sich das nicht vorgestellt in Florida.

Es hat zwar vor der Saison niemand den Geheimfavoriten in den Dolphins gesehen, aber vom neuen Head Coach Adam Gase wurde schon ein gewisser spark erwartet. Der ist bisher ausgeblieben. Es ist auch nicht zu erkennen, wo der jetzt plötzlich herkommen sollte.

Die kleinen Lichtblicke bisher: Seattles Offense wurde in Woche 1 bis auf den letzten Drive komplett gestoppt; gegen New Englands hochgelobte Defense haben Tannehill & Co. in den letzten 20 Minuten drei Touchdowns gemacht und hatten die Chance auf den Ausgleich; und gegen Cleveland gab es ein W, unschön zwar, aber ein W.


Ähnlich ist es am anderen Ende Ohios, nur daß dort die Erwartungen an die Bengals ungleich höher sind. Als klarer Mitfavorit auf den AFC-Spot im Super Bowl sind sie in die Saison gegangen. Gegen zwei direkte Konkurrenten im Kampf um die AFC-Krone haben sie verloren in den letzten beiden Wochen: auf dem verregneten Acker von Pittsburgh und dann letzten Sonntag gegen den amtierenden Super-Bowl-Champion. Kann passieren, aber es fühlt sich etwas wenig an und man läuft Gefahr, mit einer 1-3-Bilanz in den Oktober zu starten.

Hier sollte man aber nochmal einen Schritt zurückgehen und sich anschauen, was vor der Saison gesagt wurde. Von korsakoff zum Beispiel:

Die Cincinnati Bengals waren über weite Strecken der Saison 2015 die vielleicht kompletteste Mannschaft der NFL. Sowohl in Offense (mit 7.1 NY/A die #4 Pass-Offense) als auch in Defense (mit 5.7 NY/A gegen den Pass die #6) spielten die Tiger vorne mit und schlossen im Power-Ranking in Offense und Defense jeweils an #7 ab.

Viel hat sich nicht geändert. Die Saison 2015 sollte der Maßstab sein und es spricht nichts dafür, daß diese Latte zu hoch liegt.

Bei den Dolphins sind alle Sorgen berechtigt. Bis der Angriff klickt, wird es für die Playoffs schon zu spät sein. Es ist aber durchaus Talent vorhanden: in der Offensive Line, bei den WRs, und vielleicht sogar beim Quarterback? Dazu ist mit HC Gase jetzt ein junger, energischer Typ am Werk, der noch jeden Angriff gut aussehen lassen hat. Die Verteidigung macht weniger Hoffnung, könnte aber hin und wieder zum Stolperstein auch für gute Mannschaften werden: Ein Megastar (DT Suh), zwei Ex-Superstars (DE Wake und Mario Williams), Ex-Superrookie (LB Alonso), ein paar wenige athletische junge Typen (LB Jenkins, CB Howard) und ansonsten jede Menge JAGs.

Die Dolphins sind im Grunde das typische Trap-Game-Team für stärkere Gegner: Gase kann Dir pro Saison zwei, drei Game Planes für 450 Yards zusammenschustern; Suh kann mal ein Spiel alleine gewinnen; Miamis JAGs können mal eins besser aufspielen als Deine JAGs. Sie sind über die Saison keine ernsthafte Gefahr für die Powerhouses in der AFC – Pats, Steelers, Broncos, Bengals -, aber stolpern kann man da schon mal, wenn man geistig noch im Sommer ist und noch nicht vollkonzentriert den grauen Ligaalltag meistert.

3 thoughts on “NFL 2016, Woche 4: Date am Donnerstag – Dolphins @ Bengals

  1. Burfict is back. Der Grund für mich, die Bengals zu hassen. Ich vermute, dass die Defense entsprechend aggro spielen wird. Hoffentlich bleiben alle Miamispieler gesund.
    Und ja, es gab Leute die Miami weiter oben auf ihrer Vorhersage hatten. Suh und Wake seien one-on-one nicht blockbar. Offenbar doch.

  2. Kurzer Recap – Achtung Spoiler:

    22-7 Sieg für Cincinnati, der sich viel deutlicher anfühlt als das Endergebnis. Im Prinzip komplette Dominanz der Bengals, die aber ihre Chancen in der Redzone nicht nutzen und gleich 5 Fieldgoals schießen lassen (zwei 22yds-FG!).

    Cincinnati mit 19:8 1st Downs, 362:222 Yards Offense im Vorteil. Miamis Offense ist nach einem schnellen 74yds-TD Pass zu Beginn über zweieinhalb Viertel mausetot, ehe in der Crunch Time gegen softe Defense wieder ein paar 1st Downs erzielt werden.

    QB Tannehill damit erneut gurkig, kommt wie schon gegen New England erst in Fahrt, als die Defense deutlich nachlässt.
    INT gegen Tannehill in Q4 ein unverständlicher Read vom QB.

    Offense Line der Dolphins immer wieder mit Protection-Problemen. Zuerst dominiert DT Atkins die Partie, dann stellt die interior OL von Miami um, doppelt gleich beide Bengals-DTs, vergisst dabei auf die Linebacker, die dahinter ungeblockt operieren können und Miamis Offense abwürgen. Insgesamt eine desaströse Vorstellung von Miamis Offense – mal wieder.

    Auf der Gegenseite eine dominante Performance von WR Green, der Cincinnati für fast 200yds auseinandernimmt. Green ewig lange in 1:1 Manndeckung von Rookie-CB Howard, der aus unerfindlichen Gründen keine Safety-Hilfe bekommt. Rookie-CB ohne Unterstützung gegen den vielleicht besten WR der Liga ist ein Armutszeugnis für einen DefCoord (DC Joseph war letztes Jahr übrigens Secondary-Coach von Cincinnati…).

    Finally: Ich kapiere die Kickreturner nicht. Erneut minimum 4 Returns, die quasi ohne Chance auf die 25-yds Line aus der Endzone kommen und 6-8yds Feldposition verschenken. Das ist Idiotie. Wann verstehen es die Coaches, diese Returns abzustellen?

  3. Pingback: NFL 2016, Woche 5 – Date am Donnerstag: Cardinals @ 49ers | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s