Akademische Viertelstunde 2016 nach dem Schlager von Clemson

Der ACC-Kracher #5 Clemson Tigers vs #3 Louisville Cardinals am Samstag hat gehalten, was er versprochen hat. Es war ein fulminantes Spiel, das die ganze Palette bot, was College Football so großartig macht: Intensität, knisternde Atmosphäre, Team zieht auf und davon, Comeback, Gegen-Comeback, fehlerhafte Offense gepaart mit eingestreuten Monsterspielzügen und ein Kampf zwischen zwei absolut famosen Quarterbacks. Entschieden wurde die Partie standesgemäß in der letzten Minute. Entscheidend war ein Yard.

Das eine Yard war auf Seiten der Hausherren: Clemson gewann 42-36, weil Louisville Receiver bei einem 4th/12 an der 3yds-Line aus dem Spielfeld ging anstelle an der 2yds-Line. Kleinigkeiten.


Die Partie war begeisternd, trotz insgesamt acht (!) Turnovers, trotz durchaus vermeidbarer Fehler in allen Mannschaftsteilen. Im ersten Viertel waren beide Offenses kaltgestellt. Vor allem Clemsons Defense wuchtete dem bislang makellosen Cardinals-Angriff eine derartige Wucht an Front Seven entgegen, dass die Offense keinen Stich machte.

Clemson zog auf 28-10 davon. Doch Louisville antwortete mit 26 Punkten „unanswered“ und führte sieben Minuten vor Schluss 36-28. Dann folgte die große Show von QB Deshaun Watson, der zwei lange Touchdown-Drives das Feld runterjagte und seine TD-Pässe #4 und #5 platzierte. Clemson 42, Louisville 36.

Letzter Drive, Louisville an der 10yds-Line. 4th/7, aber False Start, der fünfte False Start von Louisville im aufgeladenen und mit 85.000 Mann vollbesetzten „Death Valley“ Stadion von Clemson. 4th/12, Pass links raus und der Receiver – offensichtlich unwissend um den genauen Stand der 1st-Down Linie, dreht sich ein Yard zu früh aus dem Feld.

Game Over.

Es spricht für Clemson und QB Watson, dass die Tigers das Turnover-Duell mit 5:3 verlieren konnten und trotzdem noch die Partie gegen einen bärenstarken Gegner gewannen. Watson fabrizierte 3 INT, aber dann stehen auf der anderen Seite 5 Pass-TD und eine Latte an Big Plays in der Crunch-Time.

Ich habe es schon am Samstag geschrieben: Watson ist im Vergleich mit dem Louisville-QB Lamar Jackson der weniger spektakuläre Spieler – und daher vermutlich sogar etwas unterschätzt. Watson ist nicht so explosiv und seine Bälle fräsen sich nicht so scharf durch die Lüfte, aber Watson ist der stabilere der beiden Quarterbacks. Er liest das Spiel besser, er platziert die klügeren Pässe.

Was Jackson angeht: Er war trotz Watson, und trotz Niederlage, der beste Mann am Feld. Jackson erinnert tatsächlich in Ansätzen an Michael Vick. Er ist fast genauso explosiv, er wirft die Bälle fast genauso wuchtig, er hat sogar die gleichen Schwächen! Jackson hat genau einen kleinen Makel, der ihn davon abhält, den College Football komplett zu dominieren: Er ist etwas unstet in seiner Wurfbewegung. Jackson bekommt ganz gerne etwas kalte Füße, wenn der Pass Rush hereinbricht – und als Folge verlieren seine Würfe an Präzision.

Daher kann Jackson (noch?) kein überragendes Passspiel aufziehen. Aber, Baby: Der Mann hat eineinviertel Spielzeiten auf dem Buckel. Er hat in Bobby Petrino einen QB-Guru als Chefcoach, und wenn Petrino dem Jackson beständigere Wurftechnik beibringen kann, ist Lamar Jackson der vollendete College-Football Quarterback.


Clemson ist mit dem Sieg 5-0 und ist in der ACC jetzt klarer Topfavorit, denn Florida State verlor am Samstag überraschend zuhause 37-35 gegen North Carolina und kann Clemson selbst mit einem Sieg im direkten Duell nicht einholen – Clemson müsste nun schon auf alle Fälle zweimal gegen ACC-Gegner verlieren.

Louisville fällt mit der ersten Niederlage in den Rankings nur von #3 auf #7 – das fühlt sich richtig an. Denn Louisville hat auswärts gegen einen meisterhaften Gegner nur äußerst knapp verloren. Louisville dürfte für mein Verständnis auch im Playoff-Rennen noch nicht draußen sein, selbst wenn die Cardinals ihre ACC-Division nicht gewinnen sollten. Mit dem Houston-Spiel im November wartet noch eines der vermutlich wichtigsten Spiele der Saison auf Louisville.

Von Zero to Hero

FSU wie schon geschrieben mit einer knappen Heimniederlage gegen UNC – in was für einem dramatischen Spiel: 28-28 im Schlussviertel, und UNC scort den Touchdown, 34-28, und der Kicker versemmelt den Extrapunkt. FSU mit einem letzten Drive, QB Deondre Francois mit einem spektakulären Rush-TD zum 35-34 in der letzten Minute, aber dann folgt noch einmal der Gegenschlag: UNC würgt sich an die FSU 36 – und Head Coach Fedora begeht den Kardinalsfehler, schickt ebenjenen Kicker wieder aufs Feld.

Und der Ball sitzt.

Zum Erstaunen aller. Im einen Moment der Depp, im nächsten der Hero.

Hail Mary? Hail Mary!

Das weder Clemson-Louisville, noch FSU-UNC auch nur annähernd eine Chance auf den Titel „verrücktestes Spiel des Wochenendes“ haben, zeugt von der Dramatik des fünften Spieltags. Der Titel geht unumstritten an #25 Georgia Bulldogs vs #11 Tennessee Volunteers.

Die Sequenz im Schlussviertel sucht ihresgleichen:

  • Fumble-TD von Tennessee in der Endzone Georgias mit 2:31 auf der Uhr zum 28-24 Tennessee.
  • Hail Mary TD von Georgia mit 10 Sekunden auf der Uhr zum 31-28 Georgia.
  • Hail Mary TD von Tennessee mit auslaufender Uhr zum 34-31 Endstand pro Tennessee.

Die Vols damit mit einem weiteren Freak-Sieg, entwickeln sich so langsam zum „Team of Destiny“ der Saison. Eine solche Latte an spektakulären, engen und vom Zufall mitbestimmten Siegen hat man zuletzt Anno 2013 von Auburn gesehen – die Tigers spielten sich damals durch bis ins BCS-Finale.

Tennessee spielt in den nächsten beiden Wochen gegen Texas A&M und Alabama. Dort wird man jeweils Außenseiter sein, aber man kann sich möglicherweise zwei Niederlagen in der SEC leisten und gewinnt noch immer die SEC East. Und sonst können sich die Vols auf Genosse Schicksal verlassen. Ganz bestimmt.

Das AP Ranking

#1 Alabama mit einem traumwandlerischen 34-6 Sieg über Kentucky.

#2 Ohio State mit einem 58-0 gegen Rutgers. Ohio State tritt trotz 16 neuer Starter in diesen ersten Wochen wie der Topfavorit schlechthin auf – vielleicht noch vor Alabama.

#3 Clemson

#4 Michigan: 14-7 gegen Wisconsin. Begeisternd ist anders, aber es war typischer Jim-Harbaugh Football gegen einen offensiv zu harmlosen Gegner. Für die meisten Schlagzeilen sorgte deshalb auch nicht zufällig ein Defensive Back der Wolverines mit seiner entscheidenden INT.

#5 Washington: 44-6 Kantersieg über Stanford. Mich hat vor allem die Selbstverständlichkeit beeindruckt, mit der Washington in seinem wichtigsten Spiel seit Jahren über Stanford drübergefahren ist. Chris Petersen scheint hier in der Tat eine qualitativ hochwertige Mannschaft parat zu haben. Ob man wirklich die Qualität eines Top-5 Teams hat? Bezweifle ich, aber 38-Punktesieg über Stanford ist eine Ansage.

#6 Houston
#7 Louisville
#8 Texas A&M
#9 Tennessee
#10 Miami/FL
#11 Wisconsin
#12 Nebraska
#13 Baylor
#14 Ole Miss
#15 Stanford
#16 Arkansas
#17 North Carolina
#18 Florida
#19 Boise State

#20 Oklahoma – die Sooners bringen sich mit dem 52-46 über TCU wieder in die Führungsrolle in der Big 12. Zwei Niederlagen gegen Houston und Ohio State werden im Playoffrennen problematisch sein – auch wenn beide offensichtlich exzellente Mannschaften stellen. Oklahoma wird der Big-12 Favorit bleiben. Aber ob es tatsächlich noch einmal mehr werden kann? Skepsis ist angesagt.

#21 Colorado – die Buffaloes zurück in den Rankings! Colorado hatte in den 90ern mal eine sehr hochwertige Mannschaft, die um National Titles mitgespielt hat. Danach kam jahrelang nichts. Seit ich College Football verfolge, war Colorado stets ein Gurkentrupp. Auch die ersten Jahre unter dem von mir sehr geschätzten Mike McIntyre waren grausam. Colorado wurde in der Pac-12 Woche für Woche abgeschlachtet. Jetzt erstmals seit Äonen die Rückkehr in die Rankings.

#22 West Virginia
#23 Florida State
#24 Utah
#25 Virginia Tech

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