NFL 2016, Woche 5: Sonntagsvorschauer

Die Rückkehr Tom Bradys wirft große Schatten. In diesem Schatten werden sich heute einige andere Dinge verschieben und zurechtrücken. Ein kurzer Überblick über die Sonntagsspiele der Woche 5.

19.00 Uhr – Frühschicht

Patriots (3-1) @ Browns (0-4) (Pro7Maxx)

God hates Cleveland. Immer noch.

LeBron James hat zwar God dieses Jahr seine Grenzen aufgezeigt, als er nach 1-3-Rückstand in den Finals gegen das beste Regular-Season-Team aller Zeiten auf den Olymp marschierte, sich die Larry O’Brien Trophy krallte und damit für einen kurzen Moment die Welt aus den Angeln hob. Als Strafe für diesen dreisten Akt des Ungehorsams aber macht God nun die armen Browns zum ersten Opfer der Tom-Brady-Revenge-Tour. Die Rückkehr Bradys nach seiner Strafe schlägt derart große Wellen, daß nun sogar Pro7Maxx dieses Spiel zeigt, auch auf die Gefahr hin, daß es nach 10 Minuten 21-0 steht.

Cleveland reicht vom talent level her nicht mal annähernd an New England heran. Aber wie auch? New England ist gebaut, diese Saison Meister zu werden. In Cleveland wurde ausgemistet und Dutzende von jungen Spielern in den Kader geholt – und Platz gemacht für noch mehr junge Spieler nächste Saison, und die Saison danach. Man baut neu auf, um in der Zukunft zu gewinnen, nicht um heute zu gewinnen. Trotzdem spielt Cleveland hart und nicht wie in eine Truppe, die sich in ihr Schicksal fügt. Das ist ein großes Verdienst des neues Head Coaches Hue Jackson. Cleveland kann hier nur gewinnen. Die Zuschauer im besten Fall ein Spiel, daß nicht schon im ersten Viertel entschieden ist.

Texans (3-1) @ Vikings (4-0)
Eagles (3-0) @ Lions (1-3)
Jets (1-3) @ Steelers (3-1)

Drei bisher überzeugende Teams gegen drei Teams mit hohen Erwartungen, die bisher tendenziell eher enttäuscht wurden. Dreimal Upset-Potential.

Houston immerhin hat den Vorteil, in der AFC South spielen zu dürfen, hat sich bisher aber eher zu drei Siegen gewürgt. Beim Punkte machen helfen Big Plays von Offense und Special Teams, vor allem von Rookie Will Fuller. Die Defense sieht nominell noch ganz gut aus, auch nach der Verletzung Watts, aber man weiß nicht so recht, wo man steht: die Gegner waren die lahmen Titans, Jacoby Brissett und die Patriots, dazu Chiefs und Bears. Die Vikings nun sind ein ganz fürcherliches Rushing-Team, scheinen aber um Sam Bradford einen soliden Paßangriff auf die Beine gestellt zu haben. Verhindern Brock Osweiler und Co. Ballverluste könnte das spannend bis zum Schluß bleiben.

Noch viel mehr enttäuscht als Texans haben Lions und Jets. Ich hab noch nicht ganz verstanden, wie Detroit drei Spiele in Folge verloren hat. Wenn man Detroit zwischendurch bei RedZone sieht oder sich die Stats anschaut, sieht das aus wie die Erwartungen: potenter Angriff mit vielen Waffen und Big Play Potential. Phillys Defense is as advertised: Jim Schwartz hat das aus dem durchaus vorhandenen Talent eine sehr scharfe, schneidige Unit gebaut – die aber mit Pittsburgh erst einen starken Angriff stoppen mußte. Spielt Stafford hier groß auf, was für ihn in der Jim-Bob-Cooter-Offense immer möglich ist, kann er dem Wentzwagon den ersten Spiegel abtreten.

Pittsburghs Paßverteidigung kommt New Yorks Quarterback Ryan Fitzpicksix gerade zur rechten Zeit. Die Steelers haben keinen Pass Rush und spielen viele softe Zone Coverages. Wenn Fitzpicksix irgendetwas kann, dann schnell gute Entscheidungen in den kurzen Räumen zu treffen. Auf der anderen Seite stellen die Jets eine hervorragende Laufverteidigung mit ihrem monströsen Trio Wilkerson-Richardson-Williams. Aber die Secondary ist mehr als suspekt, vor allem mit dem wahrscheinlichen Ausfall von Darrelle Revis. Vorne ist das Talent aber vorhanden – und in Pittsburghs Offensive Line muß kräftig umgebaut werden, denn es fehlen die Tackles Marcus Gilbert und Ryan Harris sowie Guard Ramon Foster. Verzichtet Fitzpicksix auf Dummheiten, hat Gang Green Chancen.

Bears (1-3) @ Colts (1-3)
Titans (1-3) @ Dolphins (1-3)
Redskins (2-2) @ Ravens (3-1)

Grauer Ligaalltag. Die Wettes stehen auf: 1) Lucks Wide Receivers reißen sich nach den unzähligen Drops in London jetzt mal zusammen, machen 400 Yards und geben dem Team a false sense of hope, wodurch sich das Chaosregime Grigson/Pagano noch länger vor der Entlassung rettet. (Wer hat eigentlich Brian Schottenheimer eingestellt?) 2) Mariota sieht wieder schlecht aus und das blame shifting dafür wird Tennessee den Rest der Saison begleiten. 3) Justin Tucker gewinnt ein seltsam unaufregendes Spiel mit einem Kick nach aufregendem 2-min-Drive und Kirk Cousins wird weiterhin so mittelmäßig spielen, daß man in Washington auch an diesem Saisonende nicht entscheiden kann, ob man ihn nun behalten will oder nicht.

22.05Uhr/ 22.25 Spätschicht

Falcons (3-1) @ Broncos (4-0)

Spitzenspiel in Denver! Denvers Verteidigung sieht in etwa so aus wie letztes Jahr. DeMarcus Ware fehlt zwar verletzt und Malik Jackson spielt jetzt in Florida, aber es gibt wieder einige neue Gesichter in dieser Defense, die zwar keine großen Namen, aber großes Talent haben – das auch gut eingesetzt wird. Wade Phillips macht mal wieder einen starken Job.

Im Angriff mußte Trevor Siemian letzte Woche mit einer Schulterverletzung ausgewechselt werden. Ob er spielen kann oder Rookie Paxton Lynch seinen ersten Start bekommt, ist noch offen. Egal, welcher der beiden jungen QBs spielt – mit Atlanta haben sie einen dankbaren Gegner vor der Brust. Was die Falcons defensiv abliefern, ist hanebüchen. Mit Sean Weatherspoon fehlt nun auch noch der fünfte Linebacker (!) verletzt. Atlantas Front-7 ist so schlecht, daß die 20 Snaps pro Spiel des 36 Jahre alte Dwight Freeneys die größte Gefahr für den Gegner sind.

Auf der anderen Seite haben wir das aufregendste Match-up des Wochenendes. Julio Jones ist letzte Woche mit 300 Yards über die Panthers drübergelaufen. QB Matt Ryan führt jede QB-Statistik der Saison an. Mit Denver hat man nun den ersten wirklichen Härtetest vor sich.

Bengals (2-2) @ Cowboys (3-1) (Pro7Maxx)
Chargers (1-3) @ Raiders (3-1)
Bills (2-2) @ Rams (3-1)

Freak Bowl in Los Angeles. Sechs Tage nach Saisonbeginng war die Saison der Bills schon im Eimer. Gedemütigt von den Jets; horrende Defense; der Owner trifft sich mit den Spielern, ohne den Head Coach ins Bild zu setzen. Am Ende – also immer noch zu Saisonbeginn – wird der Offensive Coordinator gefeuert. Und seitdem wurde die Defense besser. Seitdem hat man zwei Mannschaften geschlagen, die im Januar im jeweiligen Championship standen, Cards und Pats. Die Rams haben sich in Woche 1 in San Francisco blamiert – und dann drei Spiele in Folge gewonnen. Und zwar unter anderem gegen Seattle und Arizona. Und zwar mit einer absolut unterirdischen Offense. Einer Offense, in der Todd Gurley nur 2,6 yds/carry macht, weil er in 40% seiner Läufe bereits hinter der Line Scrimmage den ersten Feindkontakt hat. Da dürfte sich Marcell Dareus jetzt schon die Finger lecken. Dareus seinerseits macht das erste Spiel nach abgessener Sperre wegen wiederholten Drogenvergehens. Dafür hatte er versprochen in rehab zu gehen, hat das aber einfach nicht gemacht. Ist aber in Buffalo anscheinend auch egal. Eine einzige Freakshow. Jedenfalls kann L.A. mit dieser Offense eigentlich gar nichts gewinnen, wenn nicht Jeff-„ain’t no 7-9-bullshit-Fisher“ mal wieder freakige Punt- oder Field-Goal-Fakes auspackt.

Nebenan, in San Diego, ist es schon jetzt eine Saison zum Vergessen. Mal wieder. Drei Spiele haben die Chargers bereits nach Führung im vierten Viertel noch verloren. Letzte Woche mit zwei strunzdummen Fumbles in den letzten sechs Minuten tief in der eigenen Hälfte. Bei den Chargers fehlen Keenan Allen, Danny Woodhead, Steve Johnson, King Dunlap und andere O-Linemen, Manti Te’o und der beste Verteidiger in CB Jason Verrett. Und trotzdem hält Philip Rivers diesen Trümmerhaufen irgendwie bis zum Schluß in Schlagweite. In dieser Konstellation ist das für die Oakland Raiders ein Trap Game.

Sunday Night Football, 02.30 Uhr

Giants (2-2) @ Packers (2-1)

Ja, aber! Sagen sie zu den Packers. Ja, aber! Sagen sie zu den Giants.

Aaron Rodgers und sein Angriff hatten in ihrem letzten Spiel scheinbar schon alle Zweifeler beruhigt mit vier Touchdowns in der ersten Halbzeit. Aber dann wurde es zäher in Hälfte zwo. So traut sich derzeit niemand zu sagen, ob Green Bays Angriff zurück von den Toten ist oder sich immer noch im Zombiemodus befindet.

Ja, Big Blues Verteidigung spielt ganz gut. Aber irgendwie haben sie doch in den letzten beiden Wochen 53 Punkte zugelassen und beide Spiele verloren. Ja, die Offense macht richtig viele Yards. Aber sie machen viel zu wenig Punkte. Ja, Odell Beckham ist ist ein once in a lifetime talent. Aber er ist eine klassische WR-Diva und schadet so seinem Team.

Heute fehlt in Green Bays Secondary Cornerback Sam Shields, dazu sind Damarious Randall, der zweite Cornerback, und Safety Morgan Burnett angeschlagen und fraglich für das Spiel.

Es ist bei diesen beiden Teams sehr vieles noch flüssig. In Prime Time Games werden oftmals Narrative verfestigt, die sich dann nur noch schwer wieder ändern lassen. Wirft Rodgers für 400, dann ist für einige Wochen wieder Ruhe in Green Bay. Macht OBJ drei Touchdown, ist er für einige Wochen auch keine Diva mehr. Vercoacht McAdoo das Spiel am Ende, ist er der neue Coughlin. Oder es gibt eine ganz neue Storyline. Es wird aber auf jeden Fall eine „neue Wahrheit“ geben nächste Woche, ob berechtigt oder nicht.

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5 Kommentare zu “NFL 2016, Woche 5: Sonntagsvorschauer

  1. Man sollte vielleicht noch erwähnen das die Gaints gegen die beste Laufverteidigung der Liga spielen müssen !!! Ihr Play-Action Spiel könnte damit nich so gut gehen !

  2. Die Buffalo Bills und ihre Spiele an der Westküste der Staaten.
    Glaube sie haben da irgendwie eine „Hemmnis“ eingebaut. Wenige Paarungen in den Jahren, aber meist mit Hindernissen verbunden.
    Mit den Rams – Seahawks + den Raiders stehen diesmal wieder „eklige“ Gegner an.
    ***
    …unter stiller Beobachtung stehen bei mir die Baltimore Ravens. Bis zu den anstehenden Division Ausscheidungen könnten sie sogar auf 6:1 kommen mit ihrer „Spielkunst“, die für den Gegner in der Regel schlicht und einfach aufgezwungen wird. Da bieten sich für die folgenden 3 Runden die Redkins – Giants + Jets geradezu an.

  3. Bills Spiel wird geil,in LA vor 90000 Zuschauern. Schaue es mir mit freunden in einer Sportsbar an.

  4. Ich mag Kirk Cousins vom Charakter her, finde aber nicht, dass er diese Saison „Mittelmaß“ war. Mit dem WR/TE-Waffenarsenal müsste er viel mehr Plays machen. Vor allem in der Redzone. Sobald die Redskins die 20yd Linie überquert haben, kann man getrost 5 Minuten den Fernseher ausschalten. Drei verworfene Pässe, ein Fieldgoal, ein Kickoff und viel Werbung. Wenn er in Washington bleibt, dann aus Mangel an Alternativen. Leider.

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