Recap – Denver Broncos vs Atlanta Falcons

Erste Saison-Pleite für die Denver Broncos, die zuhause gegen die Atlanta Falcons 16-23 verlieren. Beide Teams sind damit 4-1.


Der Spielverlauf – Atlanta mit einem schnellen Touchdown und Fieldgoal zur 10-0 Führung, zwingt Denvers jungen QB Paxton Lynch von Anfang an zur Aufholjagd. Denver mit massiven Protection-Problemen, nagelt Lynch immer wieder in seiner Pocket fest, forciert 7 Sacks, zwei Fumbles (beide von Denver recovert) und eine INT und zieht schrittweise auf 23-6 davon. Erst in der Schlussphase kommen die Broncos zu den Anschluss-Punkten, aber weil sie keine Onside-Kicks recovern, ist es am Ende zu spät für einen ernsthaften Comeback-Versuch.


Die Erkenntnisse – Das Spiel gehört zu den bislang interessantesten in dieser Saison, was vor allem am Offense-Gameplan der Falcons festzumachen ist. OffCoord Kyle Shanahan baute seine Offense in Denver nicht wie von allen erwartet um WR Julio Jones, sondern um Kurzpassspiel auf seine Runningbacks – womit er die Denver Broncos auf dem falschen Fuß erwischte und möglicherweise eine Schwachstelle in der bislang überwältigenden Broncos-Defense ans Licht brachte.

Die RBs #24 Freeman und #32 Coleman machten im Verbund mit FB DiMarco 8 Catches für 180 Yards, die meisten davon nach dem Catch. Denver vermisste den in der Offseason abgegebenen LB Trevathan schmerzlich. Die Zukunft wird zeigen, ob den Broncos tatsächlich eine Sollbruchstelle in der Pass aufgegangen ist, oder ob es sich schlicht um einen schlechten Tag gegen eine sehr ausgeklügelte Offense mit idealer Personalbesetzung gehandelt hat.

Die zweite Story des Tages war das Aufleben des seit Jahren verwaisten Passrushes der Falcons, die gleich sieben Sacks und 17 QB-Pressures gegen QB #12 Paxton Lynch zustande brachten. DE #44 Vic Beasley mit 4 Sacks. Beasley meldet sich damit nach eineinviertel Saisons als in der NFL angekommen an, nachdem er wegen technischer Mängel vor kurzem fast schon abgeschrieben war.

Beasley und Konsorten nutzten eine brutale Schwachstelle in der Offense Line der Broncos aus: Right Tackle. Dort wurde der etatmäßige Starter Stephenson durch den jungen Backup #74 Sambrailo ersetzt – mit katastrophalen Folgen für die Pass Protection. Seit einigen Jahren zeigt sich IMHO, dass Offense Tackle neben Quarterback die vermutlich am dünnsten besetzte Schlüsselposition in der NFL ist. Es gibt eine Handvoll Qualitätsspieler. Ab dem ca. 7t oder 8t-besten OT musst du gegen starke Edge Rusher schon bangen, und wenn du mal auf Backup-Level bist, bist du accident waiting to happen.

Mit dem jungen QB Lynch im Backfield multiplizierte sich das Protection-Problem. Lynch hatte eine Horrorvorstellung, selbst wenn wir ihn am Maßstab „Rookie im ersten Einsatz“ messen. Aus 17 Snaps mit Druck in der Fresse machte Lynch 4 kurze Scrambles und 3 Completions. Lynch ohne Druck mit hoher Completion-Rate, aber auch nur 6.3 NY/A. Das ist relativ mau.

Mit Druck war Lynch das, was die Amis „shaky“ nennen: Sehr unbeständig, schnell kalte Füße und Pässe mit Streuung einer Schrotflinte downfield. Schnellschlüsse sollte man ja vermeiden, aber: Mir hat QB Siemian in den bisherigen Einsätzen besser gefallen. Siemian hatte es einfacher, weil Denver stets mit Führung spielte, aber Lynch hatte einen Gegner Atlanta, und Atlantas Defense ist nun nicht wirklich als furchteinflößend bekannt.

Was Denver gut machte: Pass Rush gegen QB #2 Matt Ryan, der sich lange Zeit schwer tat mit allem, was nicht als Pass gen Runningbacks geschickt wurde. Und Coverage gegen WR Jones, der nur 5x angespielt wurde und zwei kurze Catches machte. Jones war zweimal downfield offen – aber dann half der Pass Rush „vorne“ mit, und ein schwer gejagter QB Ryan überwarf beide Male.


Der Ausblick – Ein Spiel, aus dem viele ihre Lehren und Erkenntnisse ziehen können. Atlanta weiß nun, dass seine Offense auch ohne Julio Jones im Mittelpunkt funktionieren kann – nicht nur wenn es gegen New Orleans geht. Atlanta hat auch eine Offense, die ich mittlerweile als „for real“ einstufen würde. Es wird nicht die ganze Saison über 9.3 NY/A im Pass geben, aber die Offense ist auch nicht einfach so kaltzustellen. Und sie kann dich auf vielen Wegen schlagen: Lauf, Pass auf Jones, Pass auf Tight End, Pass auf Runningback.

Der Rest der NFL wird ebenso aufgehorcht haben: Denvers Coverage-Problem gegen die Backs könnte ein Angriffspunkt sein gegen eine Defense, die bislang auch 2016 gegen alle Wetten ihren Level vom letzten Jahr gehalten hat.

10 thoughts on “Recap – Denver Broncos vs Atlanta Falcons

  1. Ich hab heute gelesen das James White im Conference Finale letzte Saison ganze 5/16 anspielen gefangen hat.
    Denver hatt schon Glück das die Lücke nicht schon früher auffiel. Man braucht aber auch die richtigen Runningbacks für sowas.

    Ich denke man kann argumentieren das OT dünner besetzt ist, wenn man bedenkt das jedes Team eigentlich zwei braucht…

  2. Ich denke man kann argumentieren das OT dünner besetzt ist, wenn man bedenkt das jedes Team eigentlich zwei braucht…

    Guter Punkt, aber Defensive End oder Cornerback brauchen auch 2, CB sogar 3, brauchbare Starter, und dort fällt das Niveau zumindest gefühlt nicht so krass ab.
    Kann aber auch daran liegen, dass dort mit Gameplanning evtl. mehr Schwachstellen kaschiert werden können.

  3. Ich meinte auch Primär im vergleich zu QBs, da gibts vllt 15 oke QBs und davon braucht man nur einen. Davon können vllt. 4-5 auch mit einem O-Line Torso in die Playoffs kommen.
    zum Vergleich: Es gibt einfach mehr CBs, weil einfach mehr CBs aus dem College kommen und man kann safties dazu stellen uznd man DBs eifnacher rotieren kann als O-Liner.
    Die Hälfte aller OT die in den Draft kommen endet ja auchnoch als Guard.
    Hinter ner schlechten O-Line kann man nicht nur nicht werfen, sondern auch noch nicht laufen und das Risiko ist viel größer: ein scheißtag vom CB verliert dir vielleicht ein Spiel, ein Scheißtag beim OT und du verlierst den Franchise QB.

  4. Mir kommt es bei den OT vor, als ob es kaum wirklich starke junge OTs gibt. Vor allem bei den Rookies ist das sehr auffällig finde ich. Auf fast allen Positionen gibt es sehr gute Rookies, aber bei den OT sind nur sehr selten sofort einsetzbare Leute dabei.

  5. @blub: Das erklärt aber nicht allein, wieso du mit mäßigem Pass Rush oder einem #4 Cornerback überleben kannst, aber mit einem Backup-OT nahe der Katastrophe bist.

    In der Tat fällt auf, dass in den letzten Jahren kaum brauchbare Offense Liner aus dem Draft gekommen sind. Vor 6-8 Jahren gab es 8-10 Teams mit massiven Offense Lines. Heute kriegst du mit Glück 3 zusammen, bei minimum 10 Mannschaften, bei denen du in jedem Snap Angst um den QB hast.

    Hab in der Offseason mit einem Highschool-Headcoach gesprochen. Seine Meinung: Die Spread-Offenses und Shotgun Formationen sind schuld. Die OT kommen in die NFL und wissen nicht, wie man 5/7 Step Dropbacks spielt. Sie wissen nicht, wie sie sich bei Play Action Fakes bewegen müssen. Sie wissen nicht, wie sie selbst eine Defense lesen müssen.

    Der aktuelle OL-Mangel kann Zufall sein. Er kann aber auch Ergebnis einer Umbruch-Phase im Football sein, in dem NFL und College schlicht nicht gleich gepolt sind.

  6. Super interessantes Thema mit der sinkenden Qualität der OT Prospects im Draft, oder eher der sinkenden Quantität an qualitativen Prospects in den vergangenen Jahren.
    Hab erst im Vorfeld zum diesjährigen Draft was gelesen zu dem Thema. Finde den passenden Artikel leider nicht mehr -.-

    Da wurde der Grund auch darin angegeben, dass die OTs am College komplett andere techniques spielen wie bei den Profis. U.a. die von @korsakoff schon genannte Spread Offense. Ich kenne mich jetzt nicht heftig gut mit O-Line techniques au. Glaube aber zu wissen, dass bei der Spread Offense mit Shotgun Formation die OTs hauptsächlich in 2-point-stance dastehen und keine wirklichen kick-steps machen müssen, um nach hinten zu kommen.

    Das wäre, wie wenn ein CB am College keine Backpedals übt und z.B. beim Droppen in Coverage immer sofort die Hüfte öffnet. Dann müsste der CB in der NFL auch eine ganz neue technique – die Back-pedals – lernen.

    Gruß patpicksix

  7. @korsakoff: Die Theorie mit den Spread-Offenses und Shotgun Formationen finde ich sehr interessant. ich tendiere auch eher dazu und glaube nicht, dass allgemein so wenig Talent vorhanden ist. Auffällig ist meiner Meinung nach auch, dass somit die Position Coaches (in diesem Fall OL-Coaches) immer größeren Anteil am Erfolg der OL haben.
    Wenn ich mal mein Team (Steelers) als Beispiel nehme: bevor Mike Munchak 2014 kam, hatte man immer horrende O-Lines und falls einmal ein Backup rein musste war es der absolute Graus. Seit er da ist hat man wirklich eine sehr anständige Line, die einzelnen Spieler haben sich merklich weiterentwickelt (namentlich RT Gilbert und G Foster) und er hat sogar einen Army Ranger, der die Position noch nie vorher gespielt hat, zu einem brauchbaren Left Tackle entwickelt (Villanueva). Außerdem spielen seitdem sogar die Backups zumindest durchschnittlich.

  8. Zum Thema OT: Ein weiterer Grund ist, dass sich immer mehr underclassmen zum Draft anmelden. Da fehlen halt schon mind. ein Jahr Traning-Reps und Spielerfahrung am College, im Gegensatz zu Draftklassen wo die Spieler vier Jahre am College waren. Außerdem haben die Coaching Staffs der NFL weniger Zeit, als vor einigen Jahren, mit den Spielern/ Rookies zu arbeiten, da sie das CBA hier einschränkt. Das betrifft natürlich nicht nur OT/OL, aber ich finde hier ist es am auffälligsten, da man diese nicht mit Gameplanning oder Scheming kaschieren kann.

  9. Kann natürlich sein das Coaches a) nicht in der Lage sind zu coachen und/oder b) ihren Gameplan nicht ihrem Spielermaterial anpassen können. Konservative Egomanen sind die Krätze in jedem Sport.

    Ich würde sagen das athletischen Fähigkeiten allaround immer besser werden, weil es mehr Athleten gibt und das ist am Ende immer der Nachteil desjenigen der die Antworten haben muss. Wenn die besten der besten Athleten größer, stärker und schneller werden, gibt es immer weniger Spieler die alles gleichsam verteidigen können.

  10. Ich gebe dir Recht, die Spieler werden immer athletischer, aber dadurch, dass sie immer jünger werden, weniger Erfahrung gesammelt haben und weniger „Technikschulung“ am College haben, ist die Lernkurve und die Anpassung an die NFL noch krasser. Es geht ja nicht nur um den athletischen Part sondern auch den mentalen Part sich an die NFL anzupassen.

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