NFL 2016, Woche 6: Sonntagsvorschauer:

Es ist auch Mitte Oktober noch fast alles offen. Keine Mannschaft tut sich so recht hervor und markiert den großen Favoriten. Kaum eine Mannschaft kann diese Saison schon abschreiben, fast alle haben noch mehr oder weniger realistische Aussichten, die Playoffs zu erreichen. Auch der sechste Sonntag wird durch die knappen Standings noch nicht zu einem großen Aussortieren führen; es ballt sich in der Mitte: nur die spielfreien Vikings und die Browns haben noch eine Null in ihrem Record. In der Frühschicht werden heute nur kleinere Weichen gestellt, in der Spätschicht haben wir drei Spitzenspiele.

Frühschicht, 19.00 Uhr

Jaguars (1-3) @ Bears (1-4)
Browns (0-5) @ Titans (2-3)
Steelers (4-1) @ Dolphins (1-4)
Bengals (2-3) @ Patriots (4-1)
Ravens (3-2) @ Giants (2-3)
49ers (1-4) @ Bills (3-2)

Früschicht, AFC Edition: Die Jaguars und Titans haben beide das Potential, ihre Division zu gewinnen. Das klingt schockierend, aber bei dieser Konkurrenz in der AFC South keine Kunst. Die Jags haben bis jetzt enttäuscht. Der Angriff scheint sich zurückentwickelt zu haben; immerhin könnte die Verteidigung über die Dauer der Saison gehobenes Mittelmaß darstellen.

Die Defense der Titans könnte sich sogar in den Top-10 festsetzen. Besonders die Front-7 macht ordentlich Alarm. Um Superstar Jurrell Casey und die beiden mehr als soliden Pass Rushers Derrick Morgan und Brian Orakpo hat Altrocker Dick LeBeau viele komplexe Pressure Schemes entworfen, die

Eine Gewichtsklasse höher boxt man in der AFC North. Pittsburgh gibt den Takt vor und geriert sich als klarer Championship-Kandidat. Wenn diese Offense klickt, kann sie niemand aufhalten. HC Mike Tomlin hat den schönen Begriff „chunkability“ ins Spiel gebracht. Chunkability hat einen Namen in Pittsburgh: Sammie Coates. Coates macht pro Catch mehr als 22 Yards (19 für 421). Im Verein mit Antonio Brown, Big Ben und dem Rückkehrer Le’veon (210 Yards Rushing in seinen ersten beiden Spielen bei 5,5y/a), ist dieser Angriff der reinste Horror für jede Verteidigung. Im Idealfall sieht das folgendermaßen aus. 1st Down: Lauf Bell für 5 Yards; 2nd&5: tiefer Ball für Coates; bei Incompletion, 3rd&5: irgendwie zu Brown für ein 1st Down.

In der Defense funktioniert das Prinzip „chunkability“ andersrum. Sie spielen leichte Zonenverteidigungen ohne Risiko. Man gibt dem gegnerischen Angriff gerne fünf Yards und auch First Downs, solange nur kein Big Play zugelassen wird. Es geht stilistisch zurück zum Beginn der Karriere Mike Tomlins, hat er doch bei den Bucs unter Tampa-2-Gurus Monte Kiffin und Tony Dungy seine Karriere begonnen.

Die beiden Hauptkonkurrenten in der AFC North, Baltimore und Cincinnati, haben zwar einige Baustellen, sind aber dennoch ernsthafte Gefahren für jeden Gegner. In Cincy ist die Baustelle vor allem das Laufspiel. Im Angriff kann die Offensive Line keine großen Löcher für die RBs Bernard und Hill reißen und den stark aufspielenden Andy Dalton nicht schützen. In Baltimore ist es der gesamte Angriff, daher wurde OC Marc Trestmann nach dem wiederholten Gewürge gegen Washington letzten Sonntag gefeuert. Es übernimmt nun Marty Morninhweg, die Mensch gewordene West Coast Offense. Mornhinweg war in den 90er Offensive Coordinator in San Francisco, später dann fast eine Dekade OC unter Andy Reid in Philadelphia. Das hieß dort immer: viel Laufspiel, viele schnelle Pässe und vor allem, im Paßspiel die Breite des Feldes mehr zu nutzen als die Länge. Das hört sich erstmal nicht so passend an für diese Mannschaft, aber mit seiner Erfahrung sollte er das schon so anpassen können, daß Flacco seinen Raketenarm und die WRs Wallace/Perriman ihren Speed ausspielen können.

In der AFC East ist die Rangfolge geklärt. New England spielt das locker von oben runter, Bills und Jets kämpfen um die Playoffs und die Dolphins machen sich lächerlich. Zwei der Starting Offensive Linemen von letzten Sonntag wurden am Dienstag entlassen. Es zeigt sich immer mehr, daß die personelle Instabilität in Miami über die letzten Jahre das Talentlevel erheblich gesenkt hat und das vorhandene Talent über all die verschiedenen Coaching Changes völlig verunsichert und mehr mit Lernen als mit Spielen beschäftigt ist.

Eagles (3-1) @ Redskins (3-2) (Pro7Maxx/ran.de)
Rams (3-2) @ Lions (2-3)
Panthers (1-4) @ Saints (1-3)

Frühschicht, NFC Edition: Die Panthers haben ein überraschendes Problem: ihre Defensive Line zeigt Schwächen. Sie machen zu wenig Druck und selbst eine fußlahme Offense wie Tampa Bay am vergangenen Montag ist da einige Male erschreckend einfach durchgelaufen. In der Folge weniger überraschend sind dann die Löcher in der Secondary. Die andere Baustelle für Carolina ist die der Angriff. Man weiß noch nicht so recht, was man will. Die Mannen von OC Mike Shula laufen heuer häufiger mit drei WRs auf als in der letzten Saison, das Laufspiel gerät immer wieder arg ins Stocken, Verletzungssorgen in der Offensive Line konnten nicht aufgefangen werden und dann mußte auch noch Cam Newton aussetzen. Shula sollte so langsam mal seine Linie für die Saison 2016 finden. Gegen diese Saints-Defense sollte er alles sorglos ausprobieren können. Bekommen sie heute ihre PS nicht auf die Straße, dann könnte auch schon zu spät sein.

Was Panthers und auch den Saints hilft, sind die schlechten Defenses in der NFC South. Die Division ist immer noch offen. Atlanta hat heute das erste Mal einen all around starken Gegner vor der Brust, da wird sich zeigen, wo ihr Angriff wirklich steht. Auch wenn sie gegen Denver nie wirklich in Gefahr gerieten, haben sie doch nur 23 Punkte gemacht.

Spätschicht, 22.05Uhr/22.25 Uhr

Chiefs (2-2) @ Raiders (4-1)
Cowboys (4-1) @ Packers (3-1)
Falcons (4-1) @ Seahawks (3-1) (Pro7Maxx/ran.de)

Sechs potentielle Champions in der Spätschicht. Alle sechs können mindestens ihre Division gewinnen. Dazu vielleicht noch ein Playoffsieg, das Championship Game, ein Platz im Super Bowl? So offen und ausgeglichen beide Conferences derzeit sind, ist das alles im Bereich im Vorstellbaren.

Top to bottom sehe ich derzeit Seattle als das stärkste Team in der NFC. Ob dem so ist, wird man im heutigen Topspiel überprüfen können. Die AFC West derweil könnte tatsächlich die stärkste Division sein. Alle vier Mannschaften haben Playoffkaliber, sogar der tumbe Klotz, der Philip Rivers am Bein hängt. Chiefs vs Raiders ist völlig offen. Daß für die Chiefs das Erreichen der Playoffs Mindestziel sein muß, steht außer Frage. Ob die Raiders auch schon diese hohen Ansprüche haben können, müssen sie heute beweisen. Wenn die Defense nicht endlich aufwacht, wird der kluge Langweiler Alex Smith diese Unit sauber in kleine Einzelteile zerlegen.

Und auch das dritte Spiel um halb elf ist ein Highlight. Die beste Laufverteidigung spielt gegen den besten Laufangriff. Green Bays Angriff fährt immer noch auf Sicht, findet aber von Zeit zu Zeit seinen Groove. Einerseits durch Eddie Lacey, der locker mehr als fünf Yards pro Carry macht; andererseits, wenn Aaron Rodgers mal Vertrauen in seine Receivers faßt und einfach wirft, statt zu zögern und versucht, Zeit zu kaufen bis einer meterweit offen ist. Dafür müssen seine Receivers aber auch aufhören, ihn ständig hängen- und die Bälle fallen zu lassen.

Sunday Night Football

Colts (2-3) @ Texans (3-2)

In der AFC South gibt es – wie oben schon angedeutet – ein Machtvakuum. Houston steht dabei aktuell im Spotlight. In den letzten drei Wochen sah der Paßangriff horrend aus, zwei dieser Spiele gingen verloren und jetzt spielt man zwei Wochen in Folge in Primetime (nächsten Montag in Denver). Die Defense der Colts ist in dieser Situation ein dankbarer Gegner. All die verletzten Defensive Backs, die in den ersten Wochen im Lazarett verbracht haben, sind zwar aus dem Gröbsten raus, schlagen sich aber auch heute entweder mit alten oder neuen Verletzungen rum. Waffen hat Brock Osweiler zur Verfügung, nur richtig damit umgehen kann er noch nicht.

Die Waffen von Andrew Luck haben zwar alle große Namen und einen guten Leumund, aber was diese Typen in den ersten Wochen schon an Drops produziert haben, ist eine Frechheit. Andrew Luck wirft trotzdem 300 Yards pro Spiel. Die Offense unter dem neuen OC Rob Chudzinski findet auch so langsam seine Identität. Die Tight Ends Allen und Doyle werden viel gefeatured, mit Josh Ferguson haben sie einen kleinen Space Player für Third Downs und das Duo Hilton/Dorsett zieht die Verteidigung in die Länge. Problematisch ist noch die Offensive Line mit drei Rookies, das könnte gegen die Texans – auch ohne Watt – der Knackpunkt sein.

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4 Kommentare zu “NFL 2016, Woche 6: Sonntagsvorschauer:

  1. „fusssschwache Buccs“? Das Rungame wurde vor der Saison als TOP5 gewertet und ist doch auch aktuell der einzige Hoffnungsschimmer….. come on

  2. @Andy Buccaneer

    Der „Hoffnungsschimmer“ in den ersten vier Spielen: 90, 85, 83, 72 Yards.

    Über die gesamte Saison: 3,3Yds/carry (29. ligaweit); 28. nach DVOA.

  3. Treffende Einleitung der Vorschau
    Wie sollen da Vorhersagen möglich sein? …vor allem bei der AFC Nord.

    in Seattle. Irgend eine schützende Hand hat oftmals Einfluss in den entscheidenden Schlussminuten.

    Zitat Herrmann:
    „Waffen hat Brock Osweiler zur Verfügung, nur richtig damit umgehen kann er noch nicht.“
    Es war 56 Minuten ein Trauerspiel was Osweiler ab gab.
    Doch wie so oft im Football …..kann einer zum Held werden…mit Lamar Miller in den Reihen

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