College Football 2016 – Akademische Viertelstunde nach Woche 8

Recap vom letzten Spieltag, diesmal etwas mehr auf die Conferences verteilt.

Southeastern Conference

#1 Alabama gewinnt das Spitzenspiel der Western Division bei #6 Texas A&M klipp und klar mit 33-14. Die Partie fühlte sich nie wirklich eng an, obwohl A&M mit dem ersten Drive der zweiten Halbzeit zwischenzeitlich sogar 14-13 führte. Doch Alabama antwortete mit einem 77yds-Drive über 14 Plays und 6:21 min. Die Vorentscheidung folgte mit einem Fumble-Return TD von DE Jonathan Allen zum 26-14, ehe Alabama im Anschluss über die Aggies drüberlief zu insgesamt 287 Rushing Yards.

Die Kräfteverhältnisse in der Partie kann man in etwa an diesem einen Play von DE Allen ablesen. Es hat in den USA bereits Kultstatus. Texas A&M ist mit der Niederlage höchstwahrscheinlich aus dem Rennen in der SEC West, denn Alabama müsste nun schon mindestens zweimal verlieren.

Alabama hat allem Anschein nach aber noch zwei potenziell gefährliche Gegner: LSU, das angeführt von RB Leonard Fournette (fast 300 Yards) die bisherige #23 Ole Miss locker 38-21 wegputzte. Und – Hello, my friend!Auburn, das Arkansas sensationell klar mit 56-3 abfertigte. Auburn! Diese vor wenigen Wochen so tote Mannschaft, bei der bereits Headcoach Malzahn infrage gestellt wurde. Auburn machte 543 Rushing Yards gegen Arkansas, nicht nur von mir zu einem dark horse hochgejazzt.

LSU und Auburn haben beide eher eindimensionale Offenses, die kein Passspiel können. Das ist gegen Alabamas gigantische Run Defense normalerweise ein Killer. Normalerweise. Aber Alabama verliert mit Eddie Jackson seinen besten Safety, und in Tagen wie diesen musst du dich an jeden Strohhalm klammern, wenn du in der SEC Spannung herbeischreiben willst.

Big Ten Conference

#4 Michigan mit einem ungefährdeten 41-8 Sieg über Illinois. Damit sind die Wolverines nun die Favoriten in der Big Ten, denn der Erzrivale, #2 Ohio State, verlor überraschend 21-24 bei den Penn State Nittany Lions – der erste Schocker im Playoffrennen. Schlüsselspielzug war ein geblockter Fieldgoal-Return zum Touchdown wenige Minuten vor Schluss.

Ohio State, vielleicht das dominierende Team der ersten 4-5 Wochen, war in den letzten 2 Wochen jeweils schlampiger als gewohnt unterwegs. Insofern kommt die Niederlage nun nicht komplett aus dem blauen Himmel.

Die Niederlage ist vielleicht auch gar nicht das Drama schlechthin, denn die Buckeyes können noch immer mit einem Sieg im direkten Duell gegen Michigan die Big Ten Conference gewinnen und wären dann mit einer Niederlage noch immer ein relativ sicherer Playoff-Tipp. Was diese Niederlage aber bewirkt: Kein Spielraum mehr für Ausrutscher.

Penn State dagegen feiert seinen größten Sieg seit Jahren. Das Programm befindet sich nach dem Paterno-Skandal noch immer in einer Konsolidierungsphase und wurde erst kürzlich noch von Michigan 10-49 abgeschlachtet. Ein Sieg über Ohio State ist auf alle Fälle ein wertvoller für die Moral.

In der Parallel-Division gewinnen die beiden Favoriten jeweils ihre Spiele ohne zu glänzen: #8 Nebraska mit einem 27-14 über Purdue. #10 Wisconsin mit einem 17-6 über Iowa. Nebraska bleibt damit ungeschlagen. Wisconsin steht nach Pleiten gegen Michigan und Ohio State weiter bei zwei Niederlagen.

Atlantic Coast Conference

Schon am Donnerstag gespielt: Virginia Tech mit einem 37-16 Kantersieg über die Miami Hurricanes, die sich mit der dritten Pleite en suite im freien Fall befinden. So eindrucksvoll Miami in den ersten vier Wochen teilweise ausgesehen hat, so blass ist die Offense um QB Kaaya und so zahnlos ist die Defense in den letzten drei Wochen geworden. Die Coastal Division ist für Miami damit so gut wie außer Reichweite: 1-3 Bilanz mit Niederlagen gegen UNC (4-1) und Virginia Tech (3-1).

In der Parallel-Division stürmt #7 Louisville zu einem klaren 54-13 über NC State. Halbzeistand: 44-0. QB Lamar Jackson hatte zur Pause über 300 Pass-Yards und insgesamt 4 TD auf dem Konto. Sollte Jackson in den nächsten Wochen nicht mehr einbrechen, ist er der klare Heisman-Favorit.

Big 12 Conference

Scheißwoche für die Big 12 Conference. Auf dem Spielfeld geht die Texas-Misere weiter (21-24 bei Kansas State), während sich #16 Oklahoma und Texas Tech in einem 66-59 Shootout die Kante gaben, dass selbst Offensiv-Fetischisten langsam beginnen zu zweifeln, ob diese Jungs nicht besser zu den Basketballern in die Halle wechseln sollten.

QB Patrick Mahomes von den Red Raiders mit 734 (in Worten: siebenhundertundvierunddreißig) Passing Yards und 5 Touchdowns in 88 (!!!) Passversuchen. Gegenüber QB Mayfield mit 545 Passyards, 7 Touchdowns und 15.1 NY/A im Passspiel. Oklahomas Laufspiel legte da noch einmal 309 Yards drüber, sodass die Partie in Summe für beide Offenses mit einem neuen Rekord endete: 1.708 Yards Offense.

Schon unter der Woche hatte die Big 12 Conference für Aufsehen gesorgt: Entgegen aller Vorankündigungen entschied man sich, nun doch nicht zu expandieren und bis auf weiteres mit den bestehenden zehn Mannschaften weiterzumachen. Mitverantwortlich für die Entscheidung sollen wohl massive Proteste der Schwulen- und Lesbenorganisationen gewesen sein, die gegen die Aufnahme der konservativen Brigham Young University (Mormonen-Uni aus Utah) Sturm gelaufen sind.

Die Begründung wirkt wie eine Ausrede. Das Problem der Big 12 ist ein ganz anderes: Die Conference ist eine reine Zweckgemeinschaft. Sie besteht aus drei Interessensgruppen: Texas, Oklahoma, alle restlichen Universitäten. Vielleicht gibt es noch eine vierte: Die Krawattlträger, die sich Conference-Commissioner schimpfen und bei denen seit Jahren nicht klar ist, wessen Interessen abseits ihrer Bankkonten sie vertreten.

Die Big 12 konnte in den Verhandlungen immerhin mehr TV-Gelder herauspressen, wenn auch nicht die 25 Mio/Jahr, die es pro neuem Mitglied gegeben hätte. Die aktuellen TV-Verträge laufen 2025 aus. Zum heutigen Stand ist nicht vorherzusehen, wie sich die Football-Landschaft bis dahin verändert, aber von einem kompletten Auseinanderbrechen der Conference bis zu einer weiteren Verlängerung dieses Konglomerats unter der Schirmherrschaft der University of Texas ist alles drin.

Mid Majors

Einer der großen Verlierer der Big-12 „Nicht-Expansion“ ist die University of Houston, die damit in der Mid Major-Conference The American verbleiben muss. Das war der erste Schlag ins Kontor für Houston. Der zweite folgte auf dem Spielfeld, wo die Cougars von der Southern Methodist University mit 38-16 geplättet wurden und damit aus allen Rankings fielen.

Houston – diese Wucht der ersten Wochen – ist damit mit zwei Niederlagen wohl auch aus dem Rennen um die New Year’s Bowls gefallen und dürfte in der American Athletic Conference chancenlos auf eine Finalqualifikation sein. Wenn das so weiter geht, wird Head Coach Tom Herman immer weniger Gründe sehen, in Houston zu bleiben.

Neuer Favorit auf den Big-Bowl Platz der Mid Majors: #15 Boise State, das trotz einer Turnover-Bilanz von -5 (in Worten: minus fünf) BYU mit 28-27 schlagen konnte. Boise machte fast dreimal so viele Yards wie der Gegner und dominierte die Partie in allen erdenklichen Belangen, bis auf die Turnovers. Wenn du aber trotz so vieler Fehler und Rückschläge dennoch zu gewinnen imstande bist, hast du ernsthaft Qualität.

Polls und Rankings

Das AP Poll nach Woche 8 sieht wie folgt aus: #1 Alabama, #2 Michigan, #3 Clemson, #4 Washington, #5 Louisville, #6 Ohio State, dann Nebraska, Baylor (!), Texas A&M (das nur auf #9 fällt), West Virginia, Wisconsin, FSU und an #13 Boise State. Auburn klettert auf #15.


Das Simple Ranking System, das mithilfe der Endresultate aller Mannschaften gewichtet gegen den Schedule versucht, die „wahre Stärke“ jedes Teams zu schätzen, sieht aktuell dieselben sechs Mannschaften an vorderster Front, in leicht anderer Reihenfolge (+33.1 bedeutet, dass Michigan auf neutralem Boden gegen ein durchschnittliches FBS-Team mit 33.1 Punkten favorisiert wäre):

#1 Michigan +33.1
#2 Alabama +30.5
#3 Ohio State +26.2
#4 Louisville +23.5
#5 Clemson +22.6
#6 Washington +22.1

Dahinter kommen die ersten Überraschungen:

#7 Auburn +20.2
#8 Texas A&M +18.9
#9 Wisconsin +18.7
#10 Colorado (!) +17.3

Nehmen wir das SRS als Grundlage, ist Auburn wirklich eine unterschätzte Geschichte dieser Saison. Wisconsin ist in der Big Ten West das klar beste Team, hat aber wie schon oft geschrieben Pech mit dem Schedule. Colorado an #10 hinterlässt mit fassungslos.

West Virginia ist mit +16.7 Punkten an #11 im SRS gereiht, während Big-12 Rivale Baylor nur auf #21 rausläuft, mit +11.5. Dass West Virginia in den AP Rankings trotzdem drei Plätze hinter Baylor gerankt ist, spottet auch angesichts dieser Grafik jeder Beschreibung:

Unter den Mid Majors ist nach SRS nicht Boise State (mit +12.7 an #18 klassiert), sondern Western Michigan (an #16 mit +14.2) das momentan am höchsten gerankte Team. WMU hat auch mit 8-0 bereits einen Sieg mehr als Boise auf dem Konto.

Zur Einordnung der Stärke nach SRS einige andere bekannte Mannschaften:

#12 Washington State +16.4
#13 LSU +16.0
#14 Virginia Tech +14.9
#15 Florida State +14.8
#19 Florida +12.3
#22 Penn State +11.4
#24 Oklahoma +12.1
#27 Nebraska +9.9 (vergleiche oben Wisconsin)
#28 Houston +9.7
#29 Stanford +9.2
#44 TCU +5.1
#56 Oregon +2.7
#59 Texas +1.8
#62 Notre my ass Dame -0.3
#65 Georgia -0.5 (!!!)

3 thoughts on “College Football 2016 – Akademische Viertelstunde nach Woche 8

  1. Siehst du für Wisconsin noch eine Playoff Chance wenn sie alle verbleibenden Spiele und die Big Ten gewinnen ?

  2. Minimalchance, wenn:
    Wisconsin alle verbleibenden Spiele klar gewinnt, das Big Ten Conference Finale gewinnt und dieses gegen Ohio State oder Michigan ÜBERZEUGEND gewinnt und in der ACC noch entweder Louisville oder Clemson noch einmal straucheln.

    Dann wäre Wisconsin als Big-Ten Champ mit OOC-Sieg über LSU und nur zwei knappen Niederlagen gegen Super-Konkurrenz ein valider Kandidat.

  3. Interessant wirds, wenn Wisconsins Gegner im B1G-Finale ein ungeschlagenes Michigan wäre und Wisconsin gewinnt. Dann wäre Wisconsin 11-2 B1G-Champ und Michigan 12-1. Beide hätten sich ein Mal geschlagen. Ich denke, dann würde das CFP-Komitee eher Michigan (besserer Record, größerer Name) ins Playoff packen und Wisconsin dann halt in die Rose Bowl schicken.

    Ähnlich eng wird es, wenn Ohio State der Gegner Wisconsins wird. tOSU und Wisconsin hätten nach einem potentiellen Wisconsin-Sieg ja den gleichen Record. tOSU hätte auswärts Wisconsin in OT geschlagen, Wisconsin tOSU im B1G Championship Game. Dann müsste Ohio State schon weiter überzeugend gewinnen, um es gut begründet ins Playoff zu stecken. Oder Michigan verliert in diesem Szenario nur in Columbus und geht als 11-1-Team mit Niederlage gegen tOSU und Sieg gegen den B1G-Champ ins Playoff.

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