NFL 2016, Woche 8: Sonntagsvorschauer

Guten Morgen, Zeitumstellung! Die Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks drehen erst nächstes Wochenende an der Uhr, darum heute ungewohnte Zeiten: 14.30Uhr, 18.00Uhr, 21.05/21.25 Uhr und 01.30Uhr.

Wir haben für Ende Oktober immer noch viel zu viel Durchschnitt in der NFL und zu wenig Ausreißer nach unten und vor allem nach oben. Statistik des Tages heute: 14 der 22 Teams haben drei oder vier Siege auf ihrem Konto.

Frühsport 14:30 Uhr

Redskins (4-3) @ Bengals (3-4)

Beide Mannschaften sind unser typisches NFL-Team dieser Tage: durchschnittlich in allen Bereichen mit ein, zwei kleineren Abweichung vom Durchschnitt nach oben und unten.

Überdurchschnittlich bei den Bengals: Quarterback Andy Dalton. Dalton hat sich spätestens seit der zweiten Saisonhälfte 2014 in der ligaweiten Top-10 festgespielt. 300 Yards pro Spiel, 68% completion percentage, 8,7AY/A, 8TDs/2INTs. Diese Zahlen produziert er, obwohl A.J. Green sein einziger überdurchschnittlicher Receiver ist; Touchdown-Maschine Tyler Eifert fehlte die ersten Wochen, konnte aber beim 31-17 letzten Sonntag gegen Cleveland seine ersten Schritte zurück auf den NFL-Rasen machen. Leichte Sorgen macht die Defensive, die von Top-10 auf Mittelmaß abgerutscht ist.

In Washington sorgt man sich vor allem um die Laufverteidigung. Fünf Yards pro Versuch werden zugelassen, zu oft kann der Gegner sich easy einen kurzen zweiten oder dritten Versuch erlaufen. Hier könnte auch das entscheidende Match-up liegen, denn Cincinnati tut sich diese Saison erstaunlich schwer mit dem eigenen Laufspiel, die Auguren machen das an der O-Line fest: LT Whitworth wird in einigen Wochen 35; RT Ogbuehi wirkt überfordert in seinem ersten Jahr als Starter. Machen die RBs Bernard und Hill hier die Drecksarbeit, können Dalton/Eifert/Green sich auf die Highlights und Touchdowns konzentrieren.

Frühschicht: 18.00 Uhr

Seahawks (4-1-1) @ Saints (2-4)
Raiders (5-2)@ Buccaneers (3-3)

Kategorie: upsert alert!

Einzig die Patriots haben in der AFC einen besseren Record als die Raiders. Dabei läßt der Record sie viel besser dastehen, als sie tatsächlich sind. Jede Mannschaft kann gegen diese Defense marschieren, nur zweimal haben sie heuer weniger als 400 Yards zugelassen: gegen Tennessee und Jacksonville. Einige Siege waren auch aus Freak-Schublade, zum Beispiel mit 13 First Downs in Baltimore gewinnen und natürlich ein – wir sind in der AFC West – ein Chargers-Meltdown in einem Spiel, das Oakland niemals gewinnen darf.

Tampa ist auch recht freakig unterwegs. Zweimal schon wurden Spiele wegen Gewittern unterbrochen und in jedem Spiel gibt es vier Turnovers;  machen die Gegner davon die Mehrheit, dann gewinnen die Bucs; verlieren die Bucs den Ball häufiger, gewinnt der Gegner – eben eine typisch durchschnittliche NFL-Mannschaft.

Die Seahawks müssen nach ihrem legendären Monday Morning Game in Arizona nach New Orleans fliegen. Klassisches Trap Game. Der Hausherr, Drew Brees, hat in den ersten sechs Spielen bereits 17 Touchdowns bei 350 Yards pro Spiel geworfen. Er kann auch gegen Seattle scoren. Seattle mit Hangover-Gefahr und Crosscountry Flight und einem immer noch humpelnden Russell Wilson hinter einer grotesken Offensive Line. Wenn Wilsons Knie und Knöchel wieder im Normalzustand sind, ist Seattle Super-Bowl-Favorit. Bis dahin müssen sie sich bei Spielen wie diesem schon sehr strecken.

Lions (4-3) @ Texans (4-3)
Chiefs (4-2) @ Colts (3-4)
Patriots (6-1) @ Bills (4-3)

Kategorie: MVP-Watch.

Brady, Luck, Stafford werfen parallel gegen handelsüblich-durchschnittliche Verteidigungsreihen, bevor der Top-Favorit auf die MVP-Trophäe um 21.05 die Bühne betritt. Bis auf die Patriots, die natürlich nach sieben Wochen den besten Record in der NFL haben, sind die anderen fünf Teams mitten im Gewusel und suchen noch nach Wegen, ihre Schwächen aus dem Weg zu räumen, die zwischen dem Jetzt und Playoffs stehen. Als da wären zum Beispiel: die verletzten Verteidiger aus Detroit, die nicht ersetzt werden können; die Defense der Colts als Ganzes; die Suche nach einem Big Play von Maclin in KC und ein WR, der häufiger offen ist, als gedeckt; die Langsamkeit im Kopf von Tyrod Taylor; aber auch die Patriots haben die typischen Sorgen: Hightower/Collins machen nicht mehr so viele Splash Plays wie gewohnt und gegen Pässe in Zonenverteidigung gibt man immer ein, zwei Yards mehr ab als nötig; und in Houston, oh, naja, in Houston hat man ein eher größeres Problem: ca. 110 Kilogramm auf 2,03m; over/under bis jemand in Houston die Nerven verliert: drei Wochen. Nach dem Spiel gegen Detroit geht’s in die Bye Week, darauf nach Jacksonville und Oakland.

Cardinals (3-3-1) @ Panthers (1-5)
Jets (2-5) @ Browns (0-7)

Kategorie: What the heck just happened?

Cleveland being Cleveland. Nicht mal in Ruhe wiederaufbauen können sie. In den sechs Spielen hatten sie schon sechs Quarterbacks. Aber das ist eben Cleveland. In New York wurde endlich Ryan Fitzpatrick gebencht, für ihn durfte letzte Woche Geno Smith seinen letzten Versuch starten – und hat sich prompt das Kreuzband gerissen. Und schon war Fitzpatrick wieder am Drücker. Der Spielplan: @ CLE, @ MIA, vs LA, Bye Week. Zum Sunday Night Game am 27. November zu Hause gegen New England könnten sie tatsächlich mit einem 5-5-Record antreten. Alles, was schlechter als 5-5 ist, läßt schon Todd Bowles‘ Stuhl unangenehm kokeln. In New York ticken die Uhren schließlich ein bißchen schneller.

In Carolina werden die Stühle generell weniger schnell heiß, aber vom Super Bowl zu einem 1-5-Start läßt die Anzugträger zumindest schonmal einigermaßen nervös auf ihren Stühlen herumrutschen. Die Panthers haben letztes Jahr über ihre Verhältnisse gespielt, und alles, was letztes Jahr für sie lief, läuft 2016 gegen sie. Passiert. Ärgerlich zwar, aber alle Beteiligten haben noch eine Zukunft.

In Arizona haben auch noch alle Beteiligten eine Zukunft, aber Sorgen darf man sich trotzdem machen. Vor allem, weil Bruce Arians so langsam zu dem alten Opa vom Balkon wird, der die Kinder zusammenscheißt, weil es auf dem Hof ein bißchen zu laut ist und  nicht alles 100% nach seinen knarzigen Wünschen läuft.

Er läuft Gefahr, ein verbitterter alter Mann zu werden, der von allen Seiten nur enttäuscht wird, obwoh er doch der beste alte Mann aller Zeiten ist – in seinen Augen. Gerade in schwierigen Zeiten, in denen Kapitän Zufall auch mal gegen dich ist, stellt man sich vor seine Mannschaft, statt Einzelne unter den Bus zu werfen, wie der Ami sagt. Die Schiedsrichter, die Liga, sein dummer Kicker, sein blöder Long Snapper und ganz viele andere Menschen torpedieren sein völlig berechtigtes Ansinnen, mit Siegen belohnt zu werden. Dieses Verhalten ist das Gegenteil von altersweise und überhaupt das Gegenteil von „kluger Menschenführer“. Arians hat während des Monday Morning Games schon in der Halbzeit schon geheult; er hat in der zweiten Hälfte den Cards sogar ein Timeout gekostet mit seinem blöden Rumgeheule.

Make it,” Arians responded. “This ain’t high school.” Man stellt sich gerade in solchen Situationen hinter seine Spieler, nicht über sie, wie zum Beispiel Super-Bowl -Winner Pete Carrol. Haben seine Spieler Glück, schießen sie heute Carolina aus dem Stadion.

Spätschicht: 21.05 /21.05 Uhr

Chargers (3-4) @ Broncs (5-2)
Packers (4-2) @ Falcons (4-3)

Hier ist er, der MVP: Philip Rivers. Sein Coach macht ihm alles kaputt, seine Mitspieler vertrotteln sichere Siege. Das Management macht es ihm so schwer, wie nur irgend möglich. Tyronne Williams? Dontrell Inman? Travis Benjamin ist jemand, den die Cleveland Browns nicht mehr haben wollten. Antonio Gates ist 36. Hunter Henry ein Rookie aus dem Nichts. Und trotzdem ist Rivers der professionellste Typ, den man sich nur wünschen kann. Gegen Atlanta lagen sie 10-27 zur Halbzeit hinten, aber er gibt nicht auf, sondern spielt lights out. Über die Saison nach Punkten: Nr.2; nach NY/A 4. – und das alles ohne Laufspiel.

Wir grüßen hier vom Chargers-Bandwagon, hier ist noch reichlich Platz. Die Defense erinnert zwar in ihrer überflüssigen Überkomplexität und hanebüchenen Blitzes unter John Pagano an die Defenses von Jim Haslett in Washington, aber mit DL Bosa, LB Perryman und Edge Rusher Melvin Ingram hat San Diego Playmakers, die an guten Tagen den Karren aus dem Dreck ziehen können. Wobei Rivers überhaupt nur dafür sorgt, daß es noch ein Karren ist und keine alberne Seifenkiste.

Die nächsten Spiele: vs TEN, vs MIA, @HOU, vs TB, @CAR, vs OAK, @CLE, vs KC. Wer soll die Chargers von den Playoffs abhalten? Würde Rivers in Pittsburgh, Indy oder New England spielen, wäre er auch in der öffentlichen Wahrnehmung einer der Größten. Im Small Market San Diego ist er nur der Typ, der mit seinen Siegen einem Management den Job retttet, die schon lange keinen mehr haben sollten.

Im zweiten Spiel haben Aaron Rodgers und seine Packers einen Grand mit Vieren: wenn sie über die Falcons nicht drüberfahren, über wen dann? Dann lese ich gerne nochmal eine Woche lang What’s-Wrong-With-Aaron-Rodgers-Artikel. Einen neuen originellen Antwortversuch bietet Ballghazi/Deflategate, warum nicht?

Sunday Night Football

Eagles (4-2) @ Cowboys (5-1)

Klassiker zur Prime Time. Dallas‘ Offense bekommt hier endlich mal ein echtes Brett an Defense vorgesetzt. Fünf Siege in Folge sahen gut aus. Aber hart gefordert wurden sie noch nicht. Philly spielt unter Jim Schwartz wie erwartet richtig gut gegen den Paß, ist aber noch shaky gegen den Lauf. Können sich die Eagles nicht steigern gegen den sich unaufhaltsam drehenden 4×4-Antrieb der Cowboys, ist es auch egal, ob der Rookie oder Tony Romo Quarterback spielen.

Die „echte Stärke“ beider Mannschaften wird man erst einschätzen können, wenn sie einige garstige Novemberspiele gemacht haben; Philly zum Beispiel nach dem Spiel heute @ NYG, vs ATL, @SEA, vs GB.

4 thoughts on “NFL 2016, Woche 8: Sonntagsvorschauer

  1. Naja so schlecht ist das Laufspeil der Chargers auch nicht! #23 Es ist halt eine Passing Offense. Melvin Gordon ist dieses Jahr kein schlechter RB …
    Diese EInschätzung von dir finde ich bisschen Unfair!

    „14 der 22 Teams“ sind es nicht 32 ?😉

  2. Pingback: Spätschicht live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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