NFL Power Ranking 2016 – Woche 8

Das erste Power Ranking des Jahres ist raus.


Kurze Erklärung für Neueinsteiger: Das Power Ranking errechnet sich aus der Effizienz pro Down jeder Mannschaft, gewichtet gegen ihren bislang gespielten Schedule. Die verwendeten Metriken sind NY/A („Net Yards per Attempt“) für Passspiel in Offense und Defense, was nichts anderes ist als der Netto-Raumgewinn pro Passversuch, Sacks inklusive. Der Messwert für das Laufspiel ist SR% („Success Rate Percentage“), der Anteil der Laufspielzüge, die positive EPA („Expected Points Added“) gebracht hat.

EPA – whut datt? EPA ist eine vor Jahren von Football-Analysten entwickelte Statistik, die jeder Spielsituation einen erwarteten Punktewert gibt und somit zu messen versucht, wie viel jeder ausgeführte Spielzug zum Erfolg und Misserfolg einer Mannschaft beigetragen hat. Es gibt verschiedene Interpretationen zu EPA. Wer will, kann bei Advanced Football Analytics weiterlesen.

Für Penaltys wird die Yardage pro Spielzug errechnet. Für Interceptions wird die Anzahl der Interceptions pro 100 Passversuche ausgewertet, für Fumbles ditto, wobei bei Fumbles alle Offense-Fumbles jeder Mannschaft gezählt werden, nicht bloß die verlorenen. Denn: Das Power Ranking versucht, nach vorne zu schauen. Und statistisch ist die Fumble-Recovery ein Münzwurf: 50% der Offense-Fumbles gehen verloren, 50% behält die Offense. Es ist der pure Glücksspielzug.

Und: Das Power Ranking versucht, den Anteil des Zufalls eben an solchen Spielzügen herauszurechnen.

Neu in diesem Jahr: Special Teams. Dabei werden Kick Returns, Field Goals und Punts mit eingerechnet und verschmolzen zu einer Zahl an erwarteten Punkten, die jede Unit für ihre Mannschaft mit Blick auf die Zukunft bringt. Aber nicht nervös werden: Die Eagles als #1 Special Team haben nicht einmal einen halben Punkt „Vorsprung“ in ihren Special Teams verglichen mit dem Liga-Schnitt. Es ist also ein relativ kleiner Mehrgewinn.

Ich werde die entsprechenden Werte hoffentlich ab nächster Woche mit in die Übersichten integriert haben.

Genug der Vorrede – zur Analyse.

Die Verteilung der Mannschaften

NFL Graph 2016, Week 8.png

Es ist ein oft gehörtes Thema der letzten Wochen: 2016 gibt es keine wirklich großartige Mannschaft. Die Vikings, lange Zeit ungeschlagen, kassierten zuletzt zwei Pleiten en suite. Die 6-2 Broncos sind zu eindimensional. Die 6-2 Raiders sind ein Zufallsprodukt. Die Falcons und Cowboys haben keine richtige Defense und ansonsten gibt es keine Teams mit gutem Record…

…bis auf die einen: New England, 7-1 nach Siegen.

Die Patriots sind neben Carolina auch das einzige halbwegs gut balancierte Team in dieser Saison. Offense und Defense sind jeweils im oberen rechten Quadranten, also nahezu Top-10 Offense, nahezu Top 10 Defense.

Ansonsten viele One-Trick Ponys: Baltimore, Denver und Minnesota haben fast nur Defense, Atlanta, Oakland und New Orleans haben quasi nur Offense.

Die Advanced Stats

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Das Ranking

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Drei Offense-Teams und zwei Defense-Teams in den Top 5.

New England führt im Power Ranking zur Saisonmitte wie erwartet. Von den Patriots würde man auf neutralem Feld erwarten, einen durchschnittlichen Gegner in 71% der Fälle zu schlagen. Die Patriots haben ein relativ ausgeglichenes Team, die #3 Offense und die #13 Defense nach diesen Metriken.

New England wird dabei sogar noch „benachteiligt“ im Sinne von: Alle acht Spiele sind mit eingerechnet, also auch die Garroppolo und Brissett-Spiele. Macht in Summe für die Pass-Offense 7.9 NY/A, aber dann schaust du mal hinter die Kulissen und siehst: QB Tom Brady legt noch einmal eine ganze Schippe drüber.

Brady hat in seinen vier bisherigen Spielen sensationelle 73% Completion-Rate mit 9.0 NY/A, 12 TD und nicht eine einzige Interception. Brady hat damit die vielleicht beste Offense im Lande unter seiner Haube und ist erster MVP-Kandidat.

Atlanta als #3 ist in diesem Ranking höher eingestuft als bei den meisten Experten und in den meisten anderen Advanced-Rankings. Atlanta profitiert dabei in erster Linie von seiner weiterhin großartigen Pass-Offense, die 8.4 NY/A über die Saison aufs Parkett zaubert. QB Matt Ryan zeigte am Sonntag gegen Green Bay zusätzlich, dass er nicht allein auf WR Julio Jones angewiesen ist. WR Sanu und TE Tamme machten die großen Yards.

Denver und Minnesota belegen als die Defense-Teams die Ränge #2 und #4. Vor allem die Vikings erlebten in den letzten beiden Wochen, dass sie mit ihrer unterirdischen Offense Line noch eine lange Saison vor sich haben.

Broncos wie Vikings leben in erster Linie von ihrer fantastischen Pass-Defense. Denver kassiert 4.7 NY/A, Minnesota 5.1 NY/A. Jedes Yard muss gegen diese Defenses mit viel Schweiß erkauft werden. Denver hat insgesamt noch etwas das rundere Paket als die Vikings: Die Defense macht zwar viele INTs, lebt aber nicht in der krassen Form davon, und in der Offense hat Denver im Vergleich zu Minnesota das deutlich stabilere Laufspiel.

Bei den Vikings bin ich ganz abseits der Advanced-Stats gespannt, inwieweit diese Torso von Offensive Line wirklich die Saison-Ambitionen torpediert. Und damit meine ich nichtmal, dass der gebrechliche QB Bradford ins Krankenhaus geschossen wird, sondern dass Bradford mental vom Dauer-Druck und null Laufspiel-Entlastung zerstört wird.

Dallas ist die positive Überraschung bislang. Den Cowboys hatte ich bekanntlich spätestens seit der Romo-Verletzung nichts zugetraut, aber Dallas hat sich gut gemacht. Die Running-Offense ist der große Treiber: 50% Success-Rate ist der zweitbeste Wert der Liga. Die Lauf-Offense ist so gut, dass QB Prescott relativ risikolos spielen kann. Prescott wird seine 7.4 NY/A nicht über die ganze Saison halten können, aber allein nach den Metriken dieses Rankings hat Dallas aktuell die 2t-beste Offense im Lande.

Eine nicht gehypte, aber versteckte Erfolgsquelle in Dallas: Die Defense. Diese ist „nur“ an #24 gerankt, aber das ist gemessen am Spielermaterial rund sechs Plätze höher als erwartet. Bei der Dallas-Verteidigung erwarte ich noch immer, dass ihnen die Pass-Defense etwas stärker um die Ohren fliegen wird (6.2 NY/A halte ich mit dem vorhandenen Material nicht für haltbar), aber dafür gibt es Regressionspotenzial bei den Interceptions: Aktuell nur 1.5% INT-Quote.

Überraschungsgäste in den Top 10: Carolina und Arizona, die beiden leidgeplagten NFC-Vorjahresfinalisten. Carolina schoss am Sonntag mit einer Monsterperformance gegen – eben – Arizona zurück in die Top 10. Carolina ist nach den Metriken des Power Rankings die #8 Offense und die #11 Defense. Das überrascht mich. Aber Carolina hat die drittbeste Erfolgsquote im Laufspiel, mit 6.7 NY/A auch eine überdurchschnittliche Lauf-Offense, und Carolina hat sich in der Passverteidigung mittlerweile halbwegs stabilisiert.

Und – wie man sieht: Carolina nach den Metriken dieses Rankings neben New England das einzige halbwegs „balancierte“ Team: #8 Offense, #11 Defense. So nahe ist keine andere Mannschaft dran, Offense und Defense in den Top 10 zu platzieren. Nicht mal New England mit #3 und #13.

Arizona lebt in erster Linie von seiner famosen Pass-Defense. Die Cards laufen als #4 Defense im Power Ranking raus. Die Offense ist hingegen der Hemmschuh. Arizona nur an #15, mit nur 6.0 NY/A Passspiel, ein Jahr, nachdem man um die 8 NY/A geholt hatte. Das ist der ganz große Knackpunkt.

Tennessee ist ein bisschen Freak-Team: Die Titans mit der #14 Offense und der #16 Defense nur an #20 im Power Ranking klassiert, was vor allem an den verheerenden Special Teams liegt: Punting Game und die Returner sind so schlecht, dass Tennessee momentan allein wegen dieser Unit als unterdurchschnittliches Team auslaufen.

Ich gebe zu, ich bin überrascht. Die Titans haben mit 6.9 NY/A ein sehr effizientes Passspiel. Ich musste zweimal nachchecken, ob der Wert wirklich stimmt. Iss aber so. QB Mariota kriegt viel auf die Fresse, aber als Komplementär zur Basis-Offense im Laufspiel macht Mariota offensichtlich einen ausreichend guten Job. Tennessee dann auch mit 4-4 momentan in einer nicht schlechten Ausgangslage in der übel schlechten AFC South.

Award Session

  • MVP: QB Tom Brady, QB Philip Rivers, QB Matt Ryan
  • Offense-Spieler des Jahres: Brady, WR A.J. Green, RB David Johnson
  • Defense-Spieler des Jahres: OLB Von Miller, DE Joey Bosa
  • Rookie des Jahres: QB Dak Prescott, RB Ezekiel Elliott, DE Joey Bosa
  • Coach des Jahres: Belichick

Monströse Viertelsaison von Tom Brady. Rivers hatte kein gutes Spiel gegen Denver, aber zuvor eine hochkarätige erste halbe Saison. Ryan spielt eine starke Saison, fällt aber im Vergleich zu Brady doch deutlich ab – hat dafür aber die ganze Saison gespielt und gezeigt, nicht allein auf WR Julio Jones angewiesen zu sein.

Auf Offense-Seite zudem schwer beeindruckend: AJ Green, ohne den in der Bengals-Offense nicht läuft. Und David Johnson, Alleinunterhalter in Arizona. Auf Defense-Seite haushoher Favorit: Von Miller. Wildcard für Joey Bosa, der eine famose Saison spielt.

Coach des Jahres ist zu 95% bereits entschieden.


Wahrscheinlichkeiten dann im Lauf der nächsten Tage.

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6 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2016 – Woche 8

  1. Turner resigns in Minnesota…

    Holy Sh*t, das ging schnell nach zwei ganz schwachen Spielen. Ich meine, Norv hat diese Saison eigentlich recht viel aus der disaströsen Personalsituation gemacht.
    OK, die letzten zwei Wochen waren wieder längere Routen („Norv System“) aber dass es so schnell geht überrascht mich dann doch
    Da liegt mehr im Argen als bis jetzt angenommen.

    Der Neue: Pat Shurmur, kann jemand zu ihm was sagen?

  2. Es gibt Gerüchte über ernsthafte interne Differenzen zwischen Turner und Shurmur.
    Offensichtlich wurde die Saison mit dem Shurmur-Approach begonnen (kurze Routen), ehe sich in den letzten Wochen wieder Norv durchgesetzt hat – das hatte ich auch schon geschrieben: Minnesota zuletzt wieder mit auffälligen längeren Routen, wieder mehr der „alte Norv“.

    Mit desaströsem Ergebnis.

    Norv Turner somit über die Klinge gesprungen.

    Shurmur ist für mich ein unbeschriebenes Blatt. War mehrere Saisons Bradfords OffCoord in den Jahren, die heute als Bradfords „beste“ gelten. Record als Headcoach ist unterirdisch (10-23), aber eben in Cleveland. In Philly OffCoord unter Chip Kelly in einer Hochzeit, die von Anfang an nicht wie auf einer Wellenlänge wirkte.

  3. Wer mir in dem Ranking spontan noch ins Auge gefallen ist: Green Bay. Offense wirklich nur an 22. Stelle? Das ist eines Aaron Rodgers ja nicht würdig, und in den letzten zwei Wochen ging es dem Eindruck nach auch bergauf. Ist das wirklich nur ein Eindruck oder wird das von Zahlen gestützt?

    Green Bay wäre dann ja, bei der Defense, ein ernsthafter Contender.

  4. GB nach Woche 5: 5.7 NY/A
    GB nach Woche 6: 6.0 NY/A
    GB nach Woche 7: 5.8 NY/A
    GB nach Woche 8: 5.7 NY/A

    Stabil schwach, würde ich sagen. Prinzipiell schließe ich mit einem Rodgers einen Durchbruch nie aus, aber die Effizienz ging nicht nach oben.

    Gegen Chicago: 5.2 NY/A, gegen Atlanta 5.4 NY/A. Beide Defenses unterdurchschnittlich bis schlecht…

  5. Interessantes Ranking und danke für die Erklärungen.
    Insbesondere ein Team wie Philadelphia ist interessant bsp in Vergleich mit DVOA wo die Eagles momentan auf #1 geführt werden, mit der #1 Defense.
    Hier nur an #10 mit der #9 Defense, bei den Offenses eine ähnliche Einschätzung. Woran liegt die Diskrepanz? Bei DVOA sind die Eagles #1 in Pass Defence und #13 in Run Defence. Hier #4 und #21, also wesentlich schwächer eingeschätzt, kannst du dazu vielleicht Stellung nehmen? Fände ich spannend.

    Auch auffällig, dass die J-E-T-S mit der #28 Pass Defense immer noch als #14 Overall Defense gerankt werden.

  6. @FloJo

    Es dürfte an mehreren Dingen liegen. Ich kann nicht exakt antworten, da DVOA eine Black-Box ist, deren Quelle nicht veröffentlicht wurde, aber hier ein paar grundsätzliche Unterschiede.

    DVOA operiert mit einer Art EPA-Berechnung, aber pro Spiel.
    Dieses Power Ranking nimmt aggregiert alle Werte der Saison und vergleich sie mit dem bisherigen Schedule. 50 Pässe gegen Denver werden also gleich gewichtet wie 20 Pässe gegen Oakland.

    DVOA bewertet in erster Linie die Vergangenheit.
    Dieses Power Ranking versucht, den Zufall so gut es geht rauszurechnen und auf die Zukunft zu blicken.

    DVOA hat einen sehr starken Special-Teams Fokus. Sogar der Gründer Aaron Schatz ist sich nicht sicher, ob DVOA in Sachen Special-Teams nicht zu viel die Vergangenheit gewichtet.

    Puncto Eagles: #4/#21 ist nicht so weit entfernt von #1/#23. Ein großer Unterschied ist wie schon geschrieben die sehr starke DVOA-Gewichtung der Special Teams, wo Philly bei mir auch an #1 rangiert, aber sehr viel näher am NFL-Durchschnitt. Special Teams sind sehr viel mehr volatil als Offense und Defense – und sie werden bei mir im Gegensatz zu DVOA fast völlig rausgerechnet.

    Die Eagles sind in anderen Rankings wie FPI von ESPN ebenso nur im oberen Mittelfeld klassiert. FPI rechnet jedoch auch mit EPA. Deren Metrik ist also näher an DVOA als an Sideline Reporter.

    Größere Unterschiede zwischen Sideline Reporter und FPI sind hingegen Atlanta und Pittsburgh. Diese teilweise krassen Differenzen kann ich mir aktuell nicht wirklich erklären.

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