NFL 2016, Woche 9: Sonntagsvorschauer

Die Uhren gehen wieder normal: Kickoffzeiten sind ab heute wieder die gewohnten: 19.00Uhr, 22.05/22.25Uhr und 02.30. Die Spielplaner haben uns für heute einen sauber definierten Spieltag hingeplant: zwei Topspiele unter alten Divisionsrivalen im Early Window; dann endlich mal wieder vier Spiele im Late Window und zum Abschluß bei Al & Chris ein wichtiges Divisionsduell mit einem Heimteam, das seit Jahren kein wichtiges Prime Time Game so spät in der Saison hosten durften.

Frühschicht: 19.00 Uhr

Steelers (4-3) @ Ravens (3-4)
Eagles (4-3) @ Giants (4-3) (Pro7Maxx/ran.de)
Lions (4-4) @ Vikings (5-2)

The Hardest Hitting Rivalry in Football hat in den letzten Jahren ihren Glanz verloren. Das liegt vor allem an der Transformation der Steelers vom Defensiv-Juggernaut zur Angriffswalze. Aus der einzigartigen Unit unter Dick LeBeau um den Kern Polamalu/Taylor/Hampton/Keisel/Woodley sind nur noch die Linebackes Lawrence Timmons und James Harrison übrig. Zum dritten Verteidiger von Format hat sich DL Cam Heyward gemausert, der heute nach drei Wochen Verletzungspause wohl wieder mit dabei sein wird. Der Rest der Verteidigung zeichnet sich durch Speed aus, nicht durch Spielintelligenz.

Schematisch haben sich HC Tomlin und DC Keith Butler schon recht weit von LeBeau entfernt. Es gibt viele abwartende Zonenverteidigungen, der Fokus ist das Verhindern von Big Plays durch schnelles Ausschwärmen zum Ball. Das klappt eher so mittel.

Die Ravens hatten bis jetzt nur One-Score-Games: die ersten drei gewonnen, die letzten vier verloren. Die Defense spielt gewohnt tough and tight und sollte mit der Steelers-Offense viele Wege mitgehen können. Bisher wurde jeder Gegner unter 20 First Downs gehalten, nach erlaubten Yards ist man Top-5. Big Ben wird nach Meniskus-OP wahrscheinlich bereits heute wieder spielen.

So interessant PIT-O gegen BAL-D aufgrund beiderseitiger Stärken auch ist, noch interessanter qua Autounfalleffekt ist BAL-O gegen PIT-D. Nachdem fünf Wochen lang uninspiriert und planlos rumgegurkt wurde, mußte OC Marc Trestman gehen. Da letzte Woche frei war, hatte Marty Mornhinweg nun zwei Wochen Zeit, etwas mit einem Plan zu installieren. Bisher war das alles Kraut und Rüben. Aus der Statistikabteilung, Ranking Flacco: Anzahl geworfene Pässe: 1. ligaweit. Anzahl geworfener Touchdowns: 32. Das ist logisch kaum möglich. Mornhinweg wurde angeblich befördert um das Stiefmütterchen Laufspiel wieder zum Blühen zu bekommen, stattdessen liefen die Ravens im letzten Spiel gegen die Jets 12 Mal für sechs Yards.

Also: mit was für einer Offense kommt Baltimore aus der Bye Week? Das letzte Mal als die Ravens während der Saison den OC gewechselt haben, hat Flacco sich in einen Rausch ohnegleichen gespielt. Das war 2012 und am Ende stand der Super Bowl. Nach den bisherigen Leistungen ist ein ähnlicher Turnaround kaum vorstellbar, aber in einer immer noch sehr offenen AFC sind mit ein, zwei „Elite“ -Games immerhin die Playoffs noch in Schlagweite.

In einem ähnlichen Loch ist Eli Manning in New York. Nur konnte man bei den Auftritten von Ben McAdoos Offense oftmals das große Potential erkennen. Allein: mal läßt sich die Offensive Line ganze Serien lang komplett überrennen, mal wirft Eli Manning meterweit daneben, mal erlauben sich die Playmakers OBJ/Cruz/Donnell überflüssige Drops. Spielen sie alle mal gleichzeitig gut, könnten sie auch den Mannen von Jim Schwartz Schwierigkeiten machen – wann, wenn nicht nach einer Bye Week?

Auf der anderen Seite durchlebt Rookie Carson Wentz die typischen Growing Pains. Für die Zukunft scheint man mit ihm in Philly auf jeden Fall einen Keeper zu haben. Man erkennt das schon daran, was der Coaching Staff alles von Wentz erwartet: die vielen Audibles an der Line of Scrimmage; die No-Huddle-Sequenzen; die vielen Empty Formations. Mit der durchaus Top-10-würdigen Defense der Giants hat Wentz heute ein dickes Brett zu bohren. Es wird am Ende ein klassisches Divisionsduell auf Augenhöhe.

Auch im dritten Divisionsduell um 19.00 Uhr steht eine Offense im Mittelpunkt, die einen neuen Offensive Coordinator hat. Nach dem peinlichen Auftritt in Chicago beim Monday Night Football ist Minnesota OC Norv Turner zurückgetreten. Es wäre für Vikings schon ein Erfolg, wenn die bockstarke Verteidigung irgendwie den Angriff in die Playoffs schleppen könnte. Die Offensive Line ist ein Wrack (heute fehlt auch noch Alex Boone), das Laufspiel nicht vorhanden und Sam Bradford ist nunmal Sam Bradford (das sollte niemanden überraschen, der Sam Bradford in den letzten sechs Jahren mal hat spielen sehen). Eine einfachere Aufgabe könnten sich die verletzungsgeplagten D der Lions nicht wünschen. Andersrum sieht sich hier Matt Stafford seiner bisher größten Herausforderung gegenüber. Wie auch parallel in Baltimore: Schwäche gegen Schwäche und Stärke gegen Stärke.

Jets (3-5) @ Dolphins (3-4)
Cowboys (6-1) @ Browns (0-8)
Jaguars (2-5) @ Chiefs (5-2)

Nur was für die Redzone: bremsen die Jets den Jay-Ajayi-Hype? Können die Browns auch den Cowboys zumindest drei Viertel lang etwas Angst machen? Und Zottelbock-Alarm in KC! Muß sich Alex Smith Sorgen machen, wie schon in SF seinen Stammplatz während einer Gehirnerschütterungspause zu verlieren?

Spätschicht 22.05/22.25Uhr

Panthers (2-5) @ Rams (3-4)
Saints (3-4) @ 49ers (1-6)
Titans (4-4) @ Chargers (3-5)
Colts (3-5) @ Packers (4-3) (Pro7Maxx/ran.de)

Vier Teams mit negative Records kämpfen bei Scott Hanson gleichzeitig um ihre Playoffchancen: Panthers, Saints, Chargers, Colts.

Die „7-and-9-bullshit-jokes“ sparen wir uns für Dezember. Ernsthafter ist die Situation in Carolina, wo versucht wird, die Saison zu retten. Letzte Woche sahen die Panthers schon wieder eher aus wie 2015. So wie sie die Cardinals plattgemacht haben, sollten Case Keenum & Co. nur ein leichtes Frühstück sein.

Ähnlich ist es in New Orleans. Auch die Saints haben noch die Playoffs vor Augen und sollten über eine lächerliche Verteidigung drüberrollen. Philip Rivers derweil versucht gegen eine durchaus solide und gefährliche Verteidigung im MVP-Rennen aufzuholen.

Das Topspiel im Late Window aus dem Lambeau Field: die Colts, die in der AFC South zwei Spiele Rückstand auf die Texans mit Brock Osweiler haben, gegen Aaron Rodgers und die Packers, die Sam Bradford und den Vikings hinterherlaufen. Indys Defense wird einfach nicht besser. Erst hat man es auf die vielen verletzten Defensive Backs geschoben; dann etwas Geduld erbeten, damit die Spieler die komplexen Schemes von DC Ted Monachino verinnerlichen können – jetzt sind aber die Ausreden aufgebraucht und man muß zu Aaron Rodgers nach Hause. Bei den Packers haben die Spieler das System von DC Dom Capers verinnerlicht. Dort zahlt sich vor allem die Kontinuität aus: bis auf Julius Peppers wurden alle Verteidiger direkt von den Packers gedraftet und haben ihre gesamte Karriere unter Capers gespielt. Bei den Colts wird dagegen kontinuierlich durchrotiert: Spieler, Systeme, Coordinators.

Andrew Luck läuft Gefahr, der neue Philip Rivers zu werden: ein schlechtes Management verschwendet seine Prime Time, gute Spieler vergrault, schlechte Spieler überbezahlt, die Mannschaft verschwindet im grauen Schatten der glitzernden NFL-Welt neben Teams wie Tennessee oder Houston. Nichtsdestotrotz: Andrew Luck kann zwei, drei Spiele pro Saison ganz alleine gewinnen. Es kann auch im Lambeau passieren.

Prime Time: Sunday Night Football

Broncos (6-2) @ Raiders (6-2)

Sunday Night Football in Oakland! Wann gab es das zuletzt? Und wann hatten die alten Rivalry Games zwischen Broncos und Raiders zuletzt Relevanz und Spannung? Auch wenn die Raiders nicht so gut sind, wie ihr Record, sie machen derzeit eine super Entwicklung durch und es ist erfrischend, Al Michaels und Cris Colinsworth endlich mal aus einem neuen (sehr alten) Stadion zu hören anstatt aus den  immergleichen Novemberspielstätten Philly, Dallas, Foxboro, Lambeau & co.

Spielerisch hat Cheffilmgucker Greg Cosell auf ein sehr interessantes Match-up aufmerksam gemacht: Oaklands Sets mit sechs Offensive Linemen gegen Denvers Green Dog Blitzes. Denver hat mit Talib/Harris/Robey das wohl beste Cornerback-Trio der NFL (heute fehlt Talib). In Verbindung mit dem fast schon unfair überlegenen Pass Rush um Miller, Ware, Ray und Wolfe spielen sie sehr häufig aggressive Man Coverage. Wenn Gegner versuchen, den Offensive Linemen Hilfe und ihrem Quarterback damit mehr Zeit zu geben, kontert Wade Philipps Unit das mit Green Dog Blitzes. Das heißt: geht ein Running Back oder Tight End nicht auf eine Pass Route, sondern hilft blocken, hat der jeweilige Gegenspieler, LB oder Safety, die Pflicht, zu blitzen – damit kann der RB oder TE eben nicht mehr helfen, sondern muß sich um den Blitzer kümmern.

[Cosell zu dem taktischen Schmankerl.]

Auf der anderen Seite läßt sich Oaklands Defense auch von mittelmäßigen Offenses regelmäßig die Hosen ausziehen. Wie bei so vielen anderen Spielen guter Mannschaften nicht nur heute, sondern schon die gesamte Saison, ist keine Mannschaft across the board überlegen, sondern hat auf einer Seite des Balles große Fragezeichen. Bei den Broncos ist es bekanntlich der Angriff, der sowohl in Lauf als auch Paß nur im unteren Drittel der Liga angesiedelt ist. Denver sollte trotzdem favorisiert sein – das gibt aber gleichzeitig Oakland um David Carr die Chance, ein großes dickes Ausrufezeichen in einem Prime Time Game zu setzen.

2 thoughts on “NFL 2016, Woche 9: Sonntagsvorschauer

  1. Pingback: NFL 2016, Woche 9 im Liveblog | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. Und da ist das Ausrufezeichen der Raiders. Bis auf den Pass-TD von Denver sah die Pass-D der Raiders gar nicht so schlecht aus wie ihr Ruf. Schade, dass Denver keine Offense hat. So wird’s definitiv nix mit dem Repeat.

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