Black Friday 2016 Preview

Ein Freund ist mal mit einer purpurnen Jacke Ende November durch Seattle geschlendert. Dreht sich einer um und fragt: „Haste heute schon die Hühner mit dem Traktor verscheucht?“ Purpur ist die Farbe der Washington State University. Seattle ist die Heimat der University of Washington. Ende November ist die Zeit für den „Apple Cup“.

Der Apple Cup ist der innerstaatliche Duell zwischen den #23 Washington State Cougars und den #5 Washington Huskies, das heutige Headliner-Spiel um 21h30 aus dem kleinen Provinzstädtchen Pullman, Heimat von Washington State, genannt Wazzu. Die Partie dürfte via usnow.tv zu sehen sein (US-Broadcaster FOX).

Washington und Washington State sind wie einleitend beschrieben zwei Welten. Washington ist in Seattle beheimatet, der größten Stadt des Staates an der Pazifikküste, mondän und multikulturell. Wazzou liegt in Pullman, am anderen Ende des Staates mitten in der Prärie, wenige Kilometer von der Grenze zu Idaho entfernt, fernab jeglicher Zivilisation. Während die Einwohner von Seattle sich in glitzernden Karaffen den Wein ausschenken lassen, säuft der gemeine Pullmänner Bier aus der Dose, und scheucht tagsüber Hühner mit dem Traktor über die Hügel.

In etwa so hat man mir das Verhältnis von Washington und Wazzu erklärt. Trotzdem ist der Apple Cup nicht die intensivste Rivalität im College Football. Es ist vielmehr eine sympathische Lokalrivalität aus dem äußersten Nordwesten der USA, vom gemeinen Ami etwas schief angeschaut angesichts der großen Fehden in SEC, Big Ten oder Big 12. Viele behaupten sogar, dass Seattles Einheimische durchaus einen weichen Fleck für das kleine Wazzu haben und ihrerseits Oregon als größten „Feind“ betrachten.

Niemand dagegen würde behaupten, dass Wazzus Fans jemals einem Washington Husky auch nur einen Daumen gedrückt hätten. Zu neidisch blickt der Hinterwäldler in die großen Städte, in denen alles so lange so viel besser aussieht bis du mal zwei Jahre dort gelebt hast und nichts lieber als wieder zurück willst.


Der Apple Cup ist eine Rivalität, die ich mir immer merken werde, weil sie 2008 als „Crapple Cup“ verarscht wurde, als ein 1-10 Washington State das 0-11 Washington schlug und für dessen sieglose Saison sorgte. Für Washington damals eine Katastrophe. Washington ist nicht das größte Team im College Football, aber mit u.a. einem Landesmeistertitel 1991 ist man doch stolzer Träger von hohen Ehren, während Washington State das Leid durchaus gewohnt ist und nur alle 8-10 Jahre ein titelfähiges Team auf die Beine stellt (in 120 Jahren genau zwei Pac-12 Titel).

In Fact: Heute ist das erste Mal seit 15 Jahren, dass im Apple Cup zwei gerankte Teams aufeinander treffen. Aber: Was für ein spektakulärer Tag ist heute! Der Sieger dieses Duells qualifiziert sich heute für das Conference-Finale der Pac-12 Conference, und sollte es die Washington Huskies sein, winkt nächste Woche sogar eine Einladung in die College Football Playoffs, ein niemals erwartetes Traumergebnis.


Beide Teams haben seit 2008 einen langen und steinigen Weg nach oben beschritten, der nicht immer stetig war. Aber beide scheinen mittlerweile mit sich im Reinen zu sein. Das liegt auch an den Head Coaches, die man verpflichtete. Bei Washington ist es natürlich Chris Petersen, der Mann, der Boise State groß gemacht hat. Petersen passt wie die Faust aufs Auge auf die Washington Huskies. Er hat dieser Mannschaft innerhalb kürzester Zeit ein Gesicht gegeben, eine fulminante Offense rund um den Heisman-würdigen QB Jake Browning (193/300, 2870yds, 37 TD, 7 INT) und den RB Myles Gaskin (1130yds, 9 TD) gebaut, unterstützt durch eine staubtrockene Defense (33 Sacks, 11 INT, 16 Fumbles), die ohne zu blitzen Druck ausüben kann, und das mit einer nur fünf bis sechs Mann starken Front „Seven“.

Washington State ist simpler gestrickt: Die Cougars haben vor fünf Jahren Mike Leach angestellt, den Air Raid Guru, dessen Mannschaften bei Texas Tech in den 2000ern einen Passrekord nach dem anderen aufgestellt haben. Leach hat in Pullman erneut eine wurfgewaltige Offense rund um den Gunslinger QB Luke Falk (380/532 für 3935yds, 36 TD, 7 INT) aufgebaut, mit dem zusätzlichen Kniff, dass die Cougars heuer auch hie und da Partien mit mehr als 200 Rushing Yards einstreuen.

Ein Schlüsselspieler, der heute ausfällt: Husky-LB Victor, ein Star-Cover Linebacker. Man erwartet allgemein, dass Petersen einen eher passiven 4-2-5 oder sogar eine Art 2-3-6 Defense aufstellen wird um auf Teufel komm raus das Passspiel einzudämmen – eine Art „überlauf mich, wenn du kannst“ Approach. Auf der Gegenseite dürfte Wazzu genau umgekehrt ticken und sich vor allem auf das Stoppen der Rushing-Offense konzentrieren – die „mal sehen, ob Browning uns im Alleingang schlagen kann“-Taktik.

Washington ist 10-1. Die einzige Niederlage kassierte man vor zwei Wochen überraschend gegen USC. Washington State ist 8-3. Zum Auftakt verlor man gegen ein kleines FCS-Team und gegen Boise State. Danach cruiste man fulminant durch die Saison, ehe eine knappe, aber letztlich verdiente Niederlage gegen Colorado folgte. Diese Pleite ist insofern verschmerzbar, als dass man heute noch immer mit einem Sieg über Washington für ein Happy-End sorgen kann. Und nichts lieber würde Wazzu heute machen: Dem großen Rivalen die Chance auf die Playoffs zu rauben…

Sonst so: Frühschicht

Um 18h: North Carolina vs NC State. UNC hat noch eine kleine Chance auf den Gewinn der ACC-Coastal Division. Es muss dafür heute NC State schlagen und hoffen, dass Virginia Tech morgen gegen Virginia verliert.

Ebenso 18h: Memphis vs #20 Houston. Houston ist 9-2 und hat eine Saison u.a. mit gewaltigen Siegen über #8 Oklahoma und #11 Louisville hinter sich, aber wegen einer überflüssigen Pleite gegen Navy im Oktober aufgrund der Tie-Breaker Situation keine Chance mehr, sich für das Endspiel der AAC Conference zu qualifizieren.

Ab 21h30

Natürlich zum esten der Apple Cup ab 21h30.

21h30 | TCU vs Texas als mutmaßliches Abschiedsspiel von Texas-Headcoach Charlie Strong. Strong ist mit Texas dieses Jahr 5-6 und kann sich mit einem Sieg noch für die Bowl-Saison qualifizieren, aber das ist den Oberen nicht genug. Strong ist in drei Jahren Texas 5-7, 6-7 und 5-6. Strong hat den Sauhaufen Texas diszipliniert, aber am Feld hat es sich nicht in Siegen niedergeschlagen. Die Niederlage am Samstag gegen Kansas war der Killer für Strong.

Texas sendete in den letzten Tagen widersprüchliche Signale über Strongs Verbleib (typisch für Texas), was einige Spieler anlässlich der Behandlung ihres Coaches anregte, einen Boykott anzustiften. Der Boykott wurde abgewandt und Strong bekommt ein letztes Spiel. Dass er hernach gefeuert wird, daran gibt es kaum Zweifel. Als einer der Nachfolger ist Houstons Tom Herman im Gespräch. Herman soll aber auch von LSU umworben sein.

21h30 | Iowa – #13 Nebraska. Nebraska kann noch das Big Ten Finale erreichen, und zwar wenn es heute gewinnt und morgen Wisconsin verliert.

21h30 | Air Force – #19 Boise State Broncos. Boise hat noch eine Finalchance in der MWC, wenn es heute Air Force schlägt und morgen Wyoming in New Mexico verliert.

23h | #21 Western Michigan Broncos – Toledo Rockets. Das Entscheidungsspiel um den Gewinn der MAC-East Division und damit den Einzug ins Conference-Finale. Western Michigan ist neben Alabama das einzige noch ungeschlagene Team in der FBS und träumt von einer Einladung in die „New Year’s Six“ Bowls, hat aber in der MAC nur ein Spiel Vorsprung auf Toledo. Sprich: Toledo kann mit einem Sieg heute an WMU vorbeiziehen (wegen Tie-Breaker). Die Situation hatten wir in der letzten Saison schon einmal – mit damals umgekehrten Vorzeichen. Damals vermasselte WMU auswärts den Toledo Rockets den sicher geglaubten Einzug ins MAC-Finale und die Hoffnung auf die Neujahrs-Bowls.

Sprich: Toledo sinnt auf Revanche.

Wie wenig Credit WMU für seine 11-0 Saison bekommt, beweis irgendwo die Tatsache, dass die Broncos trotz ungeschlagenem Record in den Rankings hinter den anderen Top-Mid Majors #19 Boise und #20 Houston klassiert sind. Vorteil Broncos aber: Die Neujahrs-Bowls gehen an den höchst gerankten Conference-Champion der „Other 5“ – und da hat niemand eine bessere Ausgangslage als WMU (Boise z.B. ist von einer Wyoming-Niederlage abhängig).

Hoch hängende Früchte also. Und natürlich viel MAC-Feuerpower. Das könnte ein interessanter Shootout werden – so wie er eben typisch für die MAC ist.

Nachtschicht

03h30 | Arizona Wildcats – Arizona State Sun Devils (Duel in the Desert). Beide Arizona-Universitäten haben ein schlechtes Jahr hinter sich. Der Wüstenderby ist trotzdem häufig eine enge Kiste mit viel Offense in den letzten Jahren manchmal bizarren Finishes.

5 thoughts on “Black Friday 2016 Preview

  1. Weiß jemand warum bei eversport,tv nicht mehr die FOX Spiele zu sehen sind. Ich meine, in der letzten Saison waren die TOP-Spiele von FOX dort immer zu sehen. US-tvnow hat leider seit dieser Saison keine Tages/Wochenend Abos, sodass die Monatsabos doch sehr happig sind.

    Für alle ESPNPlayer Benutzer : Vor zwei Wochen wurde endlich die Androidapp aktualisiert, sodass Übertragungen zu Chromecast jetzt funktionieren😀

  2. Nach etwa der Hälfte des ersten Viertels steht es 14-0 für die Huskies, die besser sind und die Würfel in ihre Richtung fallen haben.
    Erster Drive u.a. mit 50-Yard Trick Play, dann erobert die Defense einen Fumble, bei dem der „erobernde“ Spieler erst gar nicht merkt, dass er den Ball in den Händen hat. Danach wird bei 2nd & Goal ein TD wegen Holdings zurückgenommen, Spielzug danach gleich ein TD von der 18. Hoffentlich kommen die Cougars jetzt ins Spiel, habe mich auf ein spannendes Aufeinandertreffen gefreut.

  3. NC State zerbröselt die Titelhoffnungen von Nord Carolina.
    Houston wird auch noch gestaucht.
    Nebraska liegt mal bei Halbzeit mit minus 17 hinten, verspricht noch ein heißer Ritt für die zweite Hälfte.

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