NFL 2016, Sonntagsvorschauer: Woche 12

Wir gehen ins letzte Drittel. Das heißt: es wird nach und nach ausgesiebt. Heute in der Frühschicht gibt es massig Endspiele und Trap Games für Mannschaften, die um die Playoffs kämpfen, also kuschelt man sich am besten mit einer heißen Tasse Tee in die Redzone zu Scott Hanson. In der Spätschicht gibt es die beiden Favoriten. Im Sunday Night Game dann wahrscheinlich einen Langweiler, weil die beiden Head Coaches einfach zu gut sind.

Frühschicht, 19.00 Uhr

Titans (5-6) @ Bears (2-8)
Giants (7-3) @ Browns (0-11)
Jaguars (2-8) @ Bills (5-5)
49ers (1-9) @ Dolphins (6-4)

Trap Games Galore. Die nach Record vier schlechtesten Mannschaften der Saison gegen vier Mannschaften, die gute Chancen auf die Playoffs haben.

In Chicago wird Matt Barkley seinen ersten NFL-Start machen. Neben Jay Cutler und Brian Hoyer sind auch zwei oder drei Offensive Linemen und Alshon Jeffery verletzt. Insgesamt stehen in Chicago 15 Mann auf IR; dazu heute drei Stammspieler out (Jeffery, LB Freeman, LB Floyd) plus 17 (!) Spieler auf dem Injury Report als Doubtful/Questionable. Wenn Tennessee hier nicht gewinnt…

Big Blue gegen die Browns. Zitterspiel für jeden Giants-Fan. Blake Bortles gegen Rex Ryan, das ist, als beginnt dein Montag mit einem kräftigen, unvorsichtigen Tritt in eine große Pfütze. Der Back-up QB in Jacksonville ist übrigens immer noch Chad Henne. Wenn er Glück hat, draften die Jags jetzt wieder einen Quarterback hoch und er kann sich weiter auf seinen Millionen in Florida ausruhen. Die Dolphins haben fünf Spiele in Folge gewonnen. Vor allem das Laufspiel sieht erstligatauglich aus, Rookie Jay Ajayi mit 5,6 Y/A. San Fran stellt die schlechteste Laufverteidigung seit Menschengedenken.

Es sieht alles ganz klar aus. Aber nach den Gesetzen der Post-Thanksgiving-NFL wird einer der Favoriten hier verlieren und dann ganz doll Kloppe bekommen.

Rams (4-6) @ Saints (4-6)
Bengals (3-6-1) @ Ravens (5-5)
Chargers (4-6) @ Texans (6-4)

Abteilung Endspiele: Rams, Saints, Chargers und Bengals hängen heute um 19.00 Uhr alle noch mit drei oder vier Fingern am Playoffhoffnungszipfel – gegen 22.30 Uhr wird mindestens ein Team mit leeren Händen dastehen.

Die Defense der Rams hat seit dem 2. Oktober in keinem Spiel mehr als 20 First Downs zugelassen, nach Punkten/Drive sind die Nummer zwei der Liga. Leider muß die Defense sehr viele Drives spielen. Der eigene Angriff ist nach Yards / Drive nämlich nur #31 der Liga. Egal, wie gut du bist: wenn Drew Brees viele Drives gegen dich hat, macht er viele Punkte. Der Angriff der Rams dagegen ist so mit das Schlimmste, was man sich an einem Sonntagabend angucken kann. Regentropfen auf Pfütze ist aufregender als Goff zu Britt. Die Verteidigung sieht wirklich gut aus, das muß man Jeff Fisher und Gregg Williams lassen, wie gut sie wirklich ist, kann man in den nächsten vier Wochen sehen: heute @NO, dann @ NE, vs ATL, @ SEA. Sollten sie aus diesem Horrortrip irgendwie mit zwei Siegen rauskommen, sind sie bei 6-8 – und immer noch weit weg von den Playoffs. Dann spielen sie noch gegen San Francisco und Arizona. Hmm. Also wenn sie aus dieser Saison noch irgendwie mit 7-9 rauskommen, dann könnte sich Fisher vielleicht halten. Dann könnten wir immerhin auch 2017 noch 7-and-9-bullshit-Witze machen.

Endspiel Bengals – ohne A.J. Green und Gio Bernard, die beide verletzt ausfallen. Unter diesen Voraussetzungen ist es eher ein Must-Win-Game für die Ravens, die immer noch ihre Angriffsphilosophie suchen. Flacco hat den Arm und Wallace/Perriman die Beine, aber der neue OC Mornhinweg ist trotzdem noch ganz der Mr. Horizontal und hat lieber YAC als Air Yards. Gegen die mäßige Secondary und Pass Rush der Bengals sollte er diesen Approach lieber mal überdenken.

Endspiel Chargers. Ich sitze noch mit viel Beinfreiheit im Bandwagon der Chargers. Philip Rivers ist immer noch eine Augenweide und der Restspielplan läßt uns wenigen Mitfahrern noch Hoffnung: @HOU, vs TB, @CAR, vs OAK, @CLE, vs KC. Mit ein wenig Glück sind das fünf heroische Rivers-Siege in Folge und dann ein Endspiel zu Hause gegen die Chiefs. Crazier things have happened.

Cardinals (4-5-1) @ Falcons (6-4) (Pro7Maxx)

Die Vögel sollten die Option für die Einzelspielfreunde sein (und ist auch das Einzelspiel bei Pro7Maxx). Heute kann Matt Ryan quasi offiziell den Gürtel übernehmen von Carson Palmer in der Schwergewichtsklasse der Quarterbacks: ANY/A. ANY/A bedeutet Adjusted Net Yards per Attempt. Also die klassischen Yards per Attempt (Y/A) erweitert um Touchdowns, Interceptions und Sacks (über dem Bruchstrich werden pro Touchdown 20 Yards addiert; pro Interception 45 Yards subtrahiert, ebenso die verlorenen Yards durch Sacks. Unter dem Bruchstrich rechnet man zu den tatsächlichen Pässen noch die Sacks hinzu). Das ist die beste Metrik, um die Leistung eines Quarterbacks auf einen Blick einordnen zu können.

Letzte Saison führte Palmer die Kategorie mit 8,41 ANY/A an, dieses Jahr steht er bei 5,63 ANY/A. Damit ist er wieder da, wo er angefangen hat 2013 mit Bruce Arians in Arizona: 5,67 ANY/A. Es war wirklich schön 2014 und 2015, herrlich anzusehen, die Aggressivität im Playcalling, die Nervenstärke und das Selbstbewußtsein von Palmer und die Flexibilität und Vielfältigkeit in den Game Plans, bei denen wohl Arians viel Input von Palmer mit aufgenommen hat. Aber das ist jetzt alles vorbei. Palmer steht aufgrund der schlechten Protection ständig unter Druck, trifft zu viele falsche Entscheidungen oder zögert zu lange. Arians gibt der O-Line seltsamerweise kaum Unterstützung; auch die vielen Shot Plays, mit sieben oder acht Mann in Protection, die es letztes Jahr so häufig gab, werden immer seltener. Stattdessen will Arians den tiefen Ball immer mehr erzwingen mit dem Prinzip Hoffnung. Als Folge kommt dann noch dazu, daß die Verteidigungen aufgehört haben, den tiefen Ball ernst zu nehmen und lieber die kurzen Zonen zustellen, sodaß diese keine Alternative sind.

Einen schönen Schlamassel hat Arians sich da zurechtgeplant. Es gibt aber trotzdem noch Hoffnung. #1 David Johnson. #2 Effizienz. #3 Defense.

#1 David Johnson

Johnson hat unter den Running Backs derzeit nur noch Le’veon Bell vor sich in Klasse und Ästhetik. In 10 Spielen hat er 1373 Yards abgerissen und 12 Touchdown gemacht – von Arizonas 26.

#2 Effizienz

Alle anderen Spieler zusammen haben nur 14 Touchdowns gemacht. Arizonas Offense macht ja Yards und First Downs – nach Yards 9., nach 1st Downs 3. ligaweit – aber sie machen keine Touchdowns. Stattdessen machen sie Turnovers oder Field Goals. Palmer und seine Receivers müssen in der Redzone besser werden; Johnson kann nicht alles alleine machen. Das kann auch schnell besser werden: zwei, drei gute neue Plays im Game Plan wären das eine; das andere vielleicht einfach ein bißchen Glück. Performance in der Redzone fluktuiert so stark wie sonst nur wenige Metriken.

#3 Defense

Die Defense ist immer noch bockstark. Sie haben zwar gegen viele Gurkentruppen gespielt diese Saison, aber folgende Statistiken bedeuten trotzdem viel: #1 nach Yards, #2 nach 1st Downs, #3 nach NY/A, #6 nach Rushing Yards pro Versuch, jeweils #1 nach Yards und Punkte pro Drive, #4 in korsakoffs Effizienmetriken.

Selbst mit einer Niederlage lägen die Cards nur zwei Spiele hinter der Wild Card der Redskins (6-4-1), aber man muß dringend mal gegen eine gute Mannschaft gewinnen. Die vier Siege bisher gab es gegen die 49ers (zwei Mal), Bucs und Jets. Viel einfacher als gegen die Verteidigung der Falcons wird es nicht mehr. Wenn sie es dann noch schaffen, Ryan und seinen Angriff in der eigenen Halle einzubremsen, könnte dies der Turning Point ihrer Saison werden.

Ryans 9,04 ANY/A übrigens wären derzeit der viertbeste Wert aller Zeiten. Knapp vor Brady 2007 (8,88 ANY/A), Peyton 2013 (9,87 ANY/A); knapp hinter Nick Foles 2013 (9,18 ANY/A, Chip Kelly!), Aaron Rodgers 2011 (9,39 ANY/A) und der grotesken In-deine-Fresse-Saison des 39 Jahre alten Tom Brady: 9,81 ANY/A in sechs Spielen.

Spätschicht, 22.05/22.25Uhr

Seahawks (7-2-1) @ Buccaneers (5-5)
Patriots (8-2) @ Jets (3-7)
Panthers (4-6) @ Raiders (8-2) (Pro7Maxx)

Die beiden Super Bowl Favoriten mit Aufgaben so unangenehm wie Novemberwetter. Es nieselt und es weht ein kalter Wind. Dagegen kann man sich mit Regenschirm und Nässeschutz zwar solide wappnen, aber unangenehm ist es ja trotzdem. Die Bucs spielen ganz kompetent mit und machten zuletzt immer viele Punkte, über die letzten fünf Spiele im Schnitt 28; auf der anderen Seite haben sie in diesen fünf Spielen 11 Ballverluste produziert. Dazu ist es ein Cross-Country-Game für Seattle. Also: dicke Jacke anziehen, nicht ausrutschen und schnell wieder nach Hause.

Parallel Jets-Pats ist immer eine garstige Nummer. Zumal die Jets den Ball ganz gut laufen und die Front-7 der Patriots mittlerweile ein richtiges Problemkind ist, das sich bei Herbstwetter schnell mal eine Erkältung holt. Gang Green läuft den Ball ganz gut und New Englands Front-7 macht derzeit zu oft nicht ihren Job. Gerade die Fetische von Belichick – Gap Integrity, Setting the Edge, Tackling – machen heuer immer wieder Sorgen. Da kann Old Grumble nur hoffen, daß es so läuft wie in den letzten fünf Spielen gegen CIN, PIT, BUF, SF (das Seattle-Spiel ausgenommen): man läßt den Gegner in der ersten Halbzeit mitspielen, bevor dann Brady die Faxen dicke hat und im dritten Viertel zwei lange Pässe auspackt und das Spiel damit eintütet (wann hat eigentlich Brady seinen schönen Deep Ball wiedergefunden?).

Als Einzelspiel bietet sich das sehr schöne Interconference Match-up zwischen Oakland und Carolina an. Man sollte hier nicht auf den Record reinfallen und bei Carolinas Defense nicht mehr an den Torso aus den ersten sechs Wochen vor der Bye Week denken. Mittlerweile haben sich die vielen jungen Spieler in der Secondary eingegroovt und auch wenn LB Kuechly heute fehlt: die Defensive Line kann mittlerweile wieder Kracher auspacken wie anno 2015. Zumal auf der anderen Seite die Verteidigung der Raiders immer noch zur Modellreihe Scheunentor gehört. Cam Newtons Angriff ist extrem unbeständig, aber unbeständig kann any given Sunday auch bedeuten: Ausreißer nach oben. In korsakoffs Effizienzranking übrigens ist Carolina an 11 und Oakland an 13 plaziert.

Sunday Night Football, 02.30Uhr

Chiefs (7-3) @ Broncos (7-3)

In korsakoffs Ranking genau dazwischen, an 12: Kansas City. Effizient sind sie, aber schön ist das nicht. Alex Smith gegen die Verteidigung der Broncos – das könnte ein laaanger Abend werden für die Zuschauer. Wie oft wird Smith über die gelbe 1st-Down-Linie werfen? Over/under setzen wir bei sechs Pässen. Andy Reid ist einer dieser seltenen Trainer, die wirklich alles aus ihren Spielern herausholen. Diese Truppe unter Jeff Fisher wäre irgendwo zwischen den Jaguars und, well, den Rams. Ein, zwei Plays hier und da in den vielen NFC Championship Games und den Super Bowl vielleicht nicht ausgerechnet gegen Bill Belichick – und schon wäre Reid ein Typ mit zwei Ringen und einer Reputation wie sein Körperumfang. Leider sind seine Kader in KC einfach zu schlecht um mal wirklich was zu reißen.

Auf der anderen Seite macht Gary Kubiak seinen gewohnt soliden Job. Kubiak ist ähnlich wie Reid, vor allem in der Offense. Diese ist effizient – und sonst nicht viel. Aber Effizienz ist ja das wichtigste. Nach Total Yards und Yards pro Spielzug ist dieser Angriff im unteren Drittel der Liga, nach Punkten aber spielt man im Mittelfeld. Ein Trevor Siemian ist Kubiak so recht wie ein Brock Osweiler oder ein alter Peyton Manning, der körperlich so am Ende ist, daß er nichtmal seine Papa John’s Pizza alleine schneiden kann. Sie bewegen die Ketten mit dem gewohnten Zone Running Game mit mittelmäßigen O-Linemen und RBs wie C.J. Anderson (heute out) und Devontae Booker, einem zeitweise überragenden Demaryius Thomas und kreativem Play Design, bei dem plötzlich Leute wie Virgil Green, John Phillips oder A.J. Derby völlig freistehen.

Das läuft heute auf eine Turnoververmeidungsschlacht par excellence hinaus. Beide Trainer wissen das. Und entsprechend langweilig könnte das werden. Wegen Denvers Defense: Vorteil Denver.

4 thoughts on “NFL 2016, Sonntagsvorschauer: Woche 12

  1. Pingback: NFL 2016, Woche 12 – Der Sonntag live | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  2. „wenn Drew Brees viele Drives gegen dich hat, macht er viele Punkte. “ q.e.d.
    Zum Thema Pro7: Sie sollten derzeit einfach die Raidersspiele zeigen. Punkte für beide Seiten ohne Ende…

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