Heisman Trophy 2016 – Die Kandidaten

In der Nacht von morgen, Samstag auf übermorgen, Sonntag wird der Gewinner der Heisman-Trophy 2016 bekannt gegeben. Einige sagen, dass es keinen „logischen“ Kandidaten in dieser Saison gibt. Ich widerspreche.

Die fünf offiziell eingeladenen Kandidaten sind QB Lamar Jackson von den Louisville Cardinals, QB Baker Mayfield und WR Dede Westbrook von den Oklahoma Sooners, QB Deshaun Watson von den Clemson Tigers sowie DB/ST Jabrill Peppers von den Michigan Wolverines. Der haushohe Favorit sollte sein – und ist – Jackson.

Der Favorit – Lamar Jackson

Lamar Jackson hat in dieser Saison aufgrund der Kantersiege, die Louisville wochenweise gefeiert hat, nicht immer alle vier Spielviertel bestritten, und trotzdem hat er 3.390 Pass-Yards mit 30 TD und 9 INT (58% Completion-Rate) zustande gebracht und on top 1.538yds Rushing mit 21 TD. Diese rohen Zahlen sind eindrucksvoll genug für einen ACC-Quarterback, aber sie tun dem, was Jackson bedeutet, nicht vollends recht.

Jackson ist in Louisville die Offense. Bobby Petrino ist nicht der sympathischste Mensch unter der Sonne, aber der Mann kann Offenses designen, und er hat für Jackson eine Offense kreiert, die einer NFL-Offense nicht völlig unähnlich ist. Petrino sieht Jackson als „Pass-First“ Quarterback, lässt ihn aber nur zu gerne von der Leine.

Jackson hat sein Meisterstück bei der 63-20 Demontage von Florida State im September abgeliefert, als er mit seiner Mannschaft gut und gerne auch 80, 90 Punkte aufs Tablett hätte legen können, wenn sie nicht nach drei Vierteln das Spielen eingestellt hätten. Jackson ist so schnell, mit so einer fassungslosen Beschleunigung, und hat einen so starken Arm, dass in den USA recht schnell der Vergleich mit dem revolutionären Michael Vick aufgekommen ist. Vick selbst stimmte in den Tenor ein – und eigentlich mehr:

Vick ist bei allen Problemen abseits des Spielfelds mein persönlicher Hero-Quarterback schlechthin. Vick war nicht bloß der Quarterback, mit dem du in Madden 2004 einhundert Touchdowns pro Saison gescort hast und in Atlanta 14-2 Saisons mit Superbowlring schafftest. Vick war der Mann, der die NFL hätte über den Haufen werfen können, wenn er nicht mitten in seiner Karriere wegen der Hundequälergeschichte ins Gefängnis hätte gehen müssen.

Jackson ist eine Art Reinkarnation Vicks. Er ist vielleicht sogar besser. Jacksons Pässe kommen wie Raketen herausgeschossen und fliegen schön flach über das Spielfeld wie ein Pass von Rodgers oder Matt Stafford. Wirklich komplett vom Rest absetzt er sich jedoch durch seine atemberaubenden Lauf- und Scramble-Künste. Jackson hat fast 50 Missed-Tackles fabriziert, und diese sind nur in Ausnahmefällen notwendig, da Jackson im Regelfall die Defense einfach so überläuft.

Lamar Jackson schaffte es mit seinen Louisville Cardinals nicht ganz ins College Football Playoff, da nach der Niederlage in einem großartigen Spiel im Oktober in Clemson noch zwei weitere Pleiten zum Saisonausklang gegen Houston und Kentucky passierten. In letzteren beiden Spielen war Jackson nicht mehr der ganz große Dominator, weswegen einige ihn nicht als diskussionslosen Heisman-Champion sehen.

Ich sehe es anders: Die Zahlen, aber vor allem der optische Genuss, machen Lamar Jackson für mich zu einem der klareren Heisman-Trophy Sieger, seit ich College Football sehe. Also seit Troy Smith 2006.

Der Herausforderer – Deshaun Watson

Jackson bekäme nur in einem einzigen Fall ernsthafte Konkurrenz: Wenn wir nicht bloß die Saison 2016, sondern das Jahr 2016, als Leistungszeitraum bewerten würden. Dann hätte Clemsons Deshaun Watson schon aufgrund seiner epischen Vorstellung im Landesmeisterschaftsfinale gegen Alabama ein schwer zu schlagendes Argument auf seiner Seite.

Watson konnte die Form der letztjährigen Saison nicht zu 100% auf die laufende übertragen. Trotzdem beendete er das Jahr mit fast 4000 Pass-Yards bei 37 TD und 15 INT, zuzüglich 524 Rush-Yards mit 6 TD. Watson gewann das direkte Duell gegen Jackson in einem 42-36 Kracher gegen Louisville, aber der beste Spieler in jener Partie war… Jackson.

Watson ist in jeder Hinsicht etwas weniger spektakulär als Jackson. Er bewegt sich etwas langsamer, er wirft etwas softer. Er ist in manchen Momenten aber überlegter. Trotzdem hatte Watson dieses Jahr auch schwache Momente, in denen er mit unbedachten Interceptions für mehr Sorgen in Clemson sorgte als notwendig gewesen wären.

Watsons Saison reicht nicht an jene von Lamar Jackson heran. Es bleibt aber die Hoffnung, dass Clemson seinen Quarterback wir schon im letzten Jahr in den Playoffs wieder mehr von der Leine lässt und Watson mit mehr Scrambling für ein aufregendes Halbfinale gegen Ohio State sorgt. Und vielleicht, ja nur vielleicht, gibt es im Endspiel eine Neuauflage vom letzten Mal.

Das Fußvolk

QB Baker Mayfield wird von der Community ebenso mit sehr warmen Worten bewundert. Mayfield hat in der Sooners-Offense fast 3700yds, 38 TD und 8 INT geworfen und darauf 143 Rush-Yards mit 6 TD gelegt. Diese Zahlen sind stark und Oklahomas Offense konnte sich nach einem Wackel-September rechtzeitig für Big-12 Saison erfangen, aber ich glaube nicht, dass Mayfield auch nur einen Hauch einer Chance gegen Jackson hat.

Von Mayfield ist mir vor allem sein wenig überzeugender Auftritt im Season-Opener gegen Houston in Erinnerung, als er im ersten Spiel ohne seinen Lieblings-WR Sterling Shepard streckenweise sehr zögerlich wirkte und insgesamt keine gute Partie ablieferte. Ich hätte damals nicht gedacht, dass sich die Offense im weiteren Saisonverlauf doch noch so prächtig finden würde.


Mitverantwortlich für die Entwicklung in Oklahoma war auch Dede Westbrook, der Wide Receiver. Westbrook ist kein Shepard was die Spielintelligenz angeht, aber physisch ist er ein anderes Kaliber: Er ist so wendig und schnell, dass es auf Level College nur sehr wenige Spieler gibt, die ihn überhaupt zu greifen bekommen.


Der „non-Offense“ Kandidat ist Jabrill Peppers von Michigan, der bei den Wolverines als eine Art Safety/Linebacker eingesetzt wurde, eine Allzweckwaffe gegen jeden Offense-Spielzug über die Mitte. Peppers war zudem effizienter Kickreturner.

Verteidiger haben in der Heisman-Wahl für gewöhnlich keine Chance, was wir spätestens seit 2009 (als Ndamukong Suh nur Vierter wurde) wissen. Der einzige Verteidiger, der in den letzten Jahrzehnten zum Zuge kam, war Charles Woodson 1997, der aber wie Peppers ebenso als Waffe in Offense und Special Teams eingesetzt wurde. Koinzidenz: Auch Woodson war ein Michigan-Spieler.

Wenn wir Verteidiger oder Allzweckwaffen in der Wahl haben, hätte ich eher einen Mann wie USCs Adoree Jackson oder DT Jonathan Allen von Alabama als Kandidaten gesehen, aber da Peppers sowieso nur der Quotenverteidiger ist, wohl letztlich egal für den Ausgang der Wahl.

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