NFL 2016, Woche 14: Montagsvorschauer

Sehr schönes Monday Night Game. Zwei der seit Jahren am besten geführten und am besten gecoachten Franchises der NFL in einem wichtigen Spiel mit Playoff Implications bei Jon Gruden & Dem-Neuen-der-immer-mehr-Spaß-macht an einer kalten Nacht im Foxboro. Dazu hat sich in den letzten Jahren auch eine intensive Rivalry zwischen den Baltimore Ravens (7-5) und den New England Patriots (10-2) entwickelt, vor allem durch die vielen Playoffspiele: 2009 zerstören die Ravens Tom Bradys Comeback Season schon in der Wild Card Round, 2011 gewinnt New England im Championship Game (Das Lee-Evans/Sterling-Moore-Game); 2012 revanchiert sich Baltimore im Championship Game zu Foxboro; 2014 gewinnen wieder die Pats in den Divisionals mit wilden Trickspielzügen. Die Ravens sind eine der wenigen Mannschaften, vor denen der gemeine Patriots-Fan immer Respekt hat.

Das entscheidende Match-up hier sind die schnellen Wide Receivers der Ravens auf horizontalen Routen gegen die Defensive Backs der Patriots. Baltimores OC Marty Mornhinweg versucht die Yards hauptsächlich after the catch zu machen; Wallace und Perriman sollen das mit ihrer Quickness und ihrem Speed machen, der kleine Oldie Steve Smith soll mit seiner Erfahrung dem Tackle ausweichen und die fünf Extrayards machen. Auch die Running Backs bekommen viele Swing und Screen Passes; sogar der FB Jusczcyk hat schon 27 Bälle gefangen. Besonders gut hat dieser Ansatz bisher nicht funktioniert. Vergangenen Sonntag gegen Miami reichte es zum ersten Mal in dieser Saison für mehr als 300 Yards.

War der Ausbruch letzte Woche mit insgesamt 496 Yards beim 38-6 ein Zeichen der besseren Zukunft oder ein glücklicher Ausrutscher? Man weiß es nicht. Was man weiß: diese vielen horizontalen Paßrouten funktionieren besonders gut gegen Man Coverage, wie sie New England am liebsten spielt. Wenn Mannschaften versucht haben, diese Man Coverage extensiv mit Crossing Routes und anderen Man Beater Concepts zu attackieren, haben Belly und Matt Patricia das mit einem ungewöhnlichen Bend-but-don’t-break-Ansatz per Zone Coverage gekontert: nur drei Pass Rushers, zwei tiefe Safeties (McCourty und Duron Harmon) und die anderen sechs Verteidiger in der Ebene dazwischen.

Die Idee dahinter ist offensichtlich: gib dem Gegner kurze Completions, verhindere dann mit sicherem Tackling YAC. Die CBs Butler und Ryan, Safety Chung und die LBs Hightower und Roberts sind sehr sichere Tacklers. Für einen langen Drive benötigt der Gegner fünf, sechs oder noch mehr erfolgreiche Pässe. Das ist auf diesem Niveau in der NFL sehr schwierig, selbst wenn es nur kurze Pässe sind.

Der Nachteil bei diesem Ansatz hat man zum Beispiel gegen Seattles Russel Wilson gesehen, gegen den New England öfter mal sogar nur mit zwei Pass Rushers geschickt hat: irgendwann sind die tiefen Routen offen, wenn es keinen Druck gibt. Wenn hier mal Mike Wallace oder Breshad Perriman einfach mal geradeaus laufen statt quer… gefährlich.

Die meiste Zeit jedenfalls funktioniert die Pass-D New Englands sehr gut. Man spielt viel enge Man Coverage von der LOS weg, wird ein CB geschlagen, räumen McCourty und Harmon ab. Spielt der Gegner sehr viele Man Beater Concepts wie Crossing Routes oder kreuzende Release aus Stack Alignments, stellt man um auf sechs Zonenverteidiger in den kurzen und mittleren Levels und verhindert nicht den Paß, sondern die Yards nach dem Catch. Nur die Seahawks haben weniger als die 207 Punkte der Pats zugelassen.

Geteilter zweiter Platz mit ebenfalls nur 207 zugelassenen Punkten? Baltimore Ravens. Top of Class dabei die 3,4 Yards pro Laufspielzug. In zwölf Spielen haben die Ravens nur 36 1st Downs durch Laufspielzüge zugelassen, bei weitem der beste Wert der Liga, Seattle zum Beispiel hat 70; nur 24,8% aller Drives enden mit einem Score, ebenfalls Bestwert (SEA 28,2%).

Normalerweise ist es ganz egal, was deine Verteidigung besonders gut kann, denn Belly/McDaniels finden genau die eine Schwachstelle und prügeln auf die diese ein, bis der Ringrichter endlich mal eingreifen und den Kampf abbrechen sollte. Unvergessen, wie Brady in den Divisional Playoffs 2014/15 20 Mal auf den überforderten CB Melvin nach links geworfen hat. Grotesk einseitig, aber wenn’s funktioniert?

Auch wenn Gronk und Amendola verletzt fehlen, die Patriots werden Wege finden, mehr als 20 Punkte zu machen. Die Frage ist: kannst du das auch? Vor allem wenn dein Lieblingsansatz – YAC nach kurzen Pässen – das erste ist, was der Gegner dir wegnimmt.

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7 Kommentare zu “NFL 2016, Woche 14: Montagsvorschauer

  1. Ganz nette Vorschau, nur eine Sache: Elandon Roberts hat in den letzten 3 Spielen nur 16 Snaps in der D gespielt, gegen die Rams sogar 0. Nach dem er anfangs wie der neue Partner für Dont’a aussah hat diese Rolle jetzt Kyle Van Noy übernommen. Als situationsbedingter dritter LB bekam McClellin den Vorzug.

  2. Sehr gute Vorschau, wie immer. Auch und gerade die Gegenüberstellung der gameplans bei Mannschaften, die man sich nicht so oft über komplette vier Viertel anguckt hilft sehr, auf gewisse Dinge verstärkt zu achten, die man sonst übersehen würde. Daumen hoch dafür, dass ihr Euch die Zeit nehmt.
    Danke auch für den Kommentar über mir – war ne ganz nette Information.

  3. Ganz netter Kommentar, Weatherwax. 😀 Wundert sich eigentlich außer mir noch jemand, dass Fisher seinen Job los ist? Hat der nicht gerade erst verlängert? Und Kroenke gemeint, ihm sei der sportliche Teil erstmal egal?
    (On topic: Ich hoffe, Flacco ist schon in Playoff-Form, dann wird das ein Riesenspiel!)

  4. Fishers Vertrag wurde schon zu Saisonbeginn verlängert, das wurde allerdings erst letzte Woche bekanntgegeben. Es gab einfach zu viele Geschichten auf und neben dem Platz die ihn unhaltbar gemacht haben, angefangen bei der unsäglichen Leistung der Offense über das Fabulieren über gegnerische Spieler, die gar nicht mehr dort spielen, bis hin zum öffentlichen Unwissen bzgl der Vertragsverlängerung des GMs

  5. Nachdem New England am Ende die letzten zwei Minuten runterlaufen lassen konnte, wäre es nicht cleverer von den Ravens gewesen bereits mit 4 Minuten auf der Uhr das Fieldgoal zu schießen, anstatt noch drei downs zu spielen und damit zwei Minuten zu verschenken die am Ende fehlten um die Patriots noch einmal zu stoppen?

  6. Muss gestehen dass ich maßlos enttäuscht war ob der ungenauen Arbeit von QB Flacco in der ersten Hälfte.
    Ein Brady sprühte vor Feuer zur gleichen Zeit, dies übertrug sich auf alle Patriots Spieler, deshalb auch die alles beherrschende Dominanz und klare Führung mit Beginn der 2.Hälfte.
    Trotz der 2 Geschenke zur Resultat-Kosmetik war es ein enttäuschender Auftritt der Ravens.
    Der Teamgeist der Patriots siegte diesmal klar gegenüber dieser eigentlichen Ravens-Identifikation.

    Baltimore mit Flacco ist kein Playoff Kandidat

  7. @Dennis: Wäre es 1 min vor Schluss gewesen, hätten die Ravens wahrscheinlich schnell das Fieldgoal geschossen zum danach mit Onside Kick und Hail Mary zu operieren.

    4 min vor Schluss wirkt es cleverer, die „gute“ Feldposition zu nutzen um den TD zu scoren und eventuell später „nur noch“ ein sehr langes Fieldgoal zu schießen.

    Du weißt halt nicht, dass deine Offense danach dreimal hintereinander nach Kurzpässen im Spielfeld gestoppt wird. Eher unglückliches Playcalling. Aber mit wenigen Ausnahmen waren Flaccos Pässe sowieso in der Alex-Smith Region 2yds um die Anspiellinie herum.

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